Chronik eines gescheiterten Ausgeh-Abends

rotwein

20 Uhr, Freitag Abend: Ich bin da, der Babysitter ist da – wer nicht da ist, ist mein Mann. Um 20.15 Uhr haben wir einen Tisch beim Italiener. „Geh schon mal vor, ich beeil mich“, schreibt der Gatte per SMS. Nicht wissend, dass er in fünf Minuten in einen fünfzehn Kilometer langen Stau fahren wird.

Die Babysitterin guckt genervt. Sie will, dass ich abhaue. Gleich fängt „The Voice of Germany“ an, da will sie in Ruhe die bereit gestellten Chips futtern. Also gehe ich.

Am Restaurant angekommen ruft mein Mann an. „Es wird später. Trink doch schon mal was“, sagt er. Boah, wenn ich eine Sache hasse, dann ist es alleine im Restaurant zu sitzen. Denn wie erbärmlich wirke ich bitte, wenn ich alleine in einem vollen Laden sitze und trinke? Am Freitag Abend! Doch bei minus drei Grad wartet es sich nicht so angenehm draußen, also öffne ich die Tür. Der Kellner führt mich an den Tisch. „Mein Mann müsste gleich da sein“, sagte ich extra laut, damit auch ja keiner denkt, ich sei ungedatet. Trotzdem scheine ich Mitleid zu erwecken, der Kellner gibt mir nämlich einen Prosecco aus. Und schenkt 20 Minuten später großzügig nach.

Nach weiteren 20 Minuten wechsel ich zu Rotwein, nachdem er fragt: „Der Mann kommt sicher noch?“  Als mein Date um 21.45 Uhr endlich auftaucht, bin ich betrunken. Wenigstens machen mir in diesem Zustand die Blicke der anderen Gäste nichts mehr aus. Gegessen haben wir dann auch noch. „Was geht am Schnellsten?“, fragte mein Mann. Der Babysitter konnte an dem Abend nämlich nur bis 22.30 Uhr. 

 

 

Foto: l'étoile/Photocase


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8 comments

  1. Also ich finde, es darf immer
    Also ich finde, es darf immer noch jeder selbst entscheiden, wieviel „Kontrolle“ sich gut für ihn anfühlt! Bei uns ist das Restaurant unten im Nachbarhaus. Von dort bis in unsere Wohnung ist es genauso weit, wie bei anderen Leuten die Distanz zwischen eigenem Garten und Kinderzimmer. Und da erwartet doch wohl auch niemand, dass man sich einen Babysitter für den Abend nimmt!?

  2. Im Leben NIEMALS NIE!!!
    Den Babysitter sparen??? Gibts denn keine Oma, Nachbarin, Freundin?
    Auf die Idee käme ich im Leben NIEMALS!!
    Madeleine Mc Cann lässt grüßen …

    1. Um Gottes Willen!!
      Ich würde wirklich auch gern mal wieder locker frei haben und hab leider auch niemanden zum aufpassen. Aber ich würde wirklich niemals nieeeemals niiiiiemals auf die idee kommen meine kinder allein zuhause oder in einem Hotelzimmer zu lassen. Wie leichtsinnig. Und hinterher ist das gejammer gross. Ich kanns nicht nachvollziehen wie man so unüberlegt handeln kann.

  3. Oder ganz weg!
    Wir sparen uns auch den Babysitter und fahren lieber mit Kind gleich komplett weg. Einfach in ein schönes Wellnesshotel, in dem auch Kinder willkommen sind und bei Buchung nicht vergessen ein Zimmer zu nehmen, das Babyphone-Empfang zum Restaurant und besser noch zur Bar hat ;o) War bisher immer sehr schön und erholsam mit netten Abenden zu Zweit – und die Maus hatte auch immer viel Spaß im Hotelpool.

  4. Ein Tipp…
    …für alle, die nette Restaurants in der Nachbarschaft und gut schlafende Kinder haben: wir lassen mittlerweile die Babyphone App babysitten. Da kann man den Kleinen jederzeit per Bild und Ton beobachten, klappt super. Allerdings bewegen wir uns damit nur in einem Radius, in dem ich im Notfall innerhalb von <3 Minuten im Kinderzimmer stehen würde. Und mein Junior pennt seit 6 Monaten absolut zuverlässig durch. Mit der App kann man auch mal spontan ohne große Planung was Essen oder Trinken gehen und spart auch noch den Buffi für den Babysitter 🙂

  5. Kenn ich!
    Und an solchen Abenden fragt man sich doch, ob man heimlich jemanden umgebracht hat und nun dafür bestraft wird, oder? Und dafür hat man dann auch noch den Babysitter bezahlt…
    Hatten wir hier letztens so ähnlich: oma nimmt das Baby mit, für 7 Stunden haben wir das erste Mal seit einem Jahr tagsüber Freizeit, wir wissen gar nicht wohin mit uns. Dann kommt es wie es kommen muss: der Husten, der sich seit Tagen bei meinem Man ankündigte, blühte auf, Fieber kam, ich hatte schlechte Laune, die Nacht zuvor war natürlich auch fürchterlich (10-15 Mal war Baby wach)…
    Am Ende saßen wir beide, zu müde zum sprechen, schlecht gelaunt ewig in einem Café, nach hause zum schlafen konnte. Wir nicht, dort war meine Schwester mit ihren Kindern eingefallen (zu Besuch- aber wer will schon andere Kinder um sich, wenn er kinderfrei hat?). Seit dem sag ich mir nur „kinderfrei ist wie Weihnachten, in der Vorstellung immer ganz toll, in der Realität dann oft nur wie das normale Leben: langweilig bis geht so. Aber manchmal eben auch himmlisch!