Diäten, Kuren, Therapie: Ich habe seit meiner Kindheit Gewichtsprobleme

Liebe Helen, Du hast uns gesagt, dass Du schon seit vielen Jahren übergewichtig bist.

Ja, so lange ich mich erinnern kann, war ich stets ein kräftiges Kind. In meinem ersten und zweiten Lebensjahr war ich recht viel krank, hatte insgesamt 7 Lungenentzündungen in knapp 12 Monaten. Jedes Mal wenn es mich wieder niedergestreckt hatte, verlor ich in kurzer Zeit 2-3kg Gewicht, daher war meine Mutter froh, wenn ich danach aß.

Die Krankheit verwuchs sich bis auf ein daraus resultierendes Asthma weitestgehend, doch der Hunger blieb und so war ich bereits bei der Einschulung schwerer als die meisten meiner Freunde. Heute wiege ich 139 Kilo bei einer Größe von 1,72 Metern. 

Wie war das Essverhalten in Deiner Familie? 

Ich würde das Essverhalten meiner Familie als gut bürgerlich/deftig einstufen. Meine große Schwester trägt bis heute Größe 34 und war immer zu dünn, meine Mutter ermutigte sie stets zum essen, ich jedoch wurde gebremst. Meine Mutter war auch übergewichtig, nahm aber auch, um mir Vorbild zu sein, 20kg ab. Das hat mich damals aber nicht motiviert.

Wurdest du als Kind wegen deines Gewichtes gebmobbt und was hat das mit Dir gemacht? 

Über diese Frage musste ich wirklich lange nachdenken und kann aber sagen, dass ich nicht gemobbt wurde. Klar, es gab mal einen Spruch, aber kein richtiges Mobbing.  Ich hatte immer Freunde und war integriert, habe lange Fußball und Tischtennis gespielt. .

Wie war dein Gewicht als Teenager – also in einer echt aufregenden Zeit? Hast Du viele Diäten ausprobiert?

Ja absolut, ich kenne fast alles auf dem Bereich: FDH, WW, ich habe mich vegan ernährt und low carb. Es standen auch Abnehmkuren und stationäre Therapie in einer Adipositasklinik im Raum. Leider hatte alles immer nur mit kurzzeitigem Erfolg – denn ja, ich esse einfach gerne.

Mit 15 begann ich die Pille zu nehmen, die auch nicht gerade förderlich für das Abnehmen war. Irgendwann in der frühen Pubertät habe ich mal zu meiner Mutter gesagt: „Wenn ich mir jetzt den Finger in den Hals stecke, macht mich das Abendbrot nicht mehr dick“. Daraufhin ging meine Mutter mit mir zur Psychologin, was mir aber gar nicht geholfen hat. 

Du bist inzwischen verheiratet und hast drei Kinder. Hast du die Schwangerschaftskilos immer wieder verloren oder sind die geblieben? 

Ich habe in den Schwangerschaften eigentlich nie viel zu genommen (3kg, 4kg, 6kg). Daher war ich nach den Geburten schnell wieder bei meinem Ausgangsgewicht oder etwas drunter. Das ist bei meinem Ausgangsgewicht aber üblich so. Mein Mann kennt mich übrigens seit 20 Jahren, er hatte nie ein Problem mit meinen Kilos. Aber er macht sich schon Sorgen um meine Gesundheit. 

Wie findest du deinen Körper? 

Würde ich sagen, ich finde meinen Körper toll, wäre das eindeutig gelogen. Es gibt viele Teile meines Körpers, die ich nicht mag. Ins Schwimmbad gehen wir trotzdem, mittlerweile stehe ich da drüber und konzentriere mich auf meine Kinder. Meine Kleidung suche ich mir generell schon sotgfältig aus. Ich würde wohl nie in Leggins raus gehen oder in einem kurzen Kleid. Ich achte auch darauf, dass das Oberteil meinen Bauch kaschiert. 

Was sind generell die häufigsten Vorurteile gegenüber dickeren Menschen?

Dicke sind faul, das ist wohl Vorurteil Nummer 1. Ich liege auch mal gerne mit meinem kleinsten Kind auf der Couch, aber ich habe 3 Kinder, die in Schule und Kita gehen, zu Aktivitäten gefahren werden wollen. Wir wohnen auf 120qm und ist der Wäschekorb ist auch niemals leer – ich habe also genug zu tun. 

Das zweite Vorurteil ist:  Dicke sind unsauber… ja klar, mit Sicherheit findet man bei uns Staub und irgendwo auch Dreck, aber ich bin stets darum bemüht, dass meine Kinder ordentlich und sauber aus dem Haus gehen, genau wie ich selbst. 

Wann findest du dich besonders hübsch?

Wenn ich Zeit für mich hatte, die Haare nach dem Föhnen mal nicht im „Muddi-Zopf“ verschwinden, sondern über die Schulter fallen und meinem Gesicht schmeicheln. Am Besten gefalle ich mir übrigens auf Fotos, die mein Mann unbemerkt von den Kindern und mir macht. Da sehe ich dann entspannt aus und das wirkt sich auf meine Körpersprache aus. 

Gibt es irgendwas, was du aufgrund deines Gewichts nicht tun kannst, aber gerne tun würdest?

Ich fahre keine Achterbahnen, was mit Sicherheit aber auch daran liegt, dass ich ein riesengroßer Schisser bin. Letzte Woche wollte eins meiner Kinder, dass ich zu ihm ins Hochbett komme – das habe ich mich dann aber nicht getraut und das hat mich auch echt traurig gemacht. Ich gehe auch nicht Schlittschuh-Laufen, weil ich Angst habe, zu fallen und mir aufgrund des hohen Gewichts weh zu tun. Ich versuche aber schon, so viel wie möglich mitzumachen – was ich nicht schaffe, übernimmt dann mein Mann. 

Was möchtest Du deinen Kindern in Bezug auf ihren Körper mitgeben?

Schon in der ersten Schwangerschaft war meine größte Sorge mein Kind könnte übergewichtig werden. Ich habe auf die Ernährung der Zwerge geachtet, und war vielleicht das ein oder andere Mal zu streng. Ich versuche ihnen mitzugeben, was ein gutes Nahrungsmittel ist und was nicht, denn da kenne ich mich, zumindest theoretisch, ziemlich gut aus.

Meine Kids sind heute alle drei eher schmal und bewegen sich gerne und viel. Sie mögen Gurken und Tomaten, Äpfel und Himbeere, aber natürlich auch Eis und Kekse. Ich wünsche mir, dass die drei einfach gesund sind und sich so mögen wie sie sind. 

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1 Kommentar

  1. Liebe Helen,

    Liebe Helen,
    bis auf einige Kleinigkeiten könnte das auch meine Geschichte sein, die du da erzählt hast. Besonders die Sorge den Kindern etwas falsches vorzuleben und manche Sachen nicht machen zu können, kenne ich sehr gut. Wenn du Lust auf einen Austausch hast, melde dich gerne.
    Liebe Grüße
    Larissa

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