Fühlst du dich mit 41 nicht zu alt für ein Baby, Katharina?

Babybauch

Mit 29 Jahren bin ich das erste Mal Mutter geworden. Wenn ich mich heute auf Fotos sehe, dann sehe ich mein fast noch kindliches Gesicht. Keine Falten, keine grauen Haare auf dem Kopf, fit und gesund. Bei den Untersuchungen waren meine Werte top und ich habe mir so gut wie nie Gedanken darüber gemacht, dass irgendetwas total schief laufen könnte. Ich war unbedarft, absolut zuversichtlich, voll guter Hoffnung.

In der zweiten und dritten Schwangerschaft nahmen diese Gefühle stets ein wenig ab. Zum einen, weil ich durch meine Arbeit hier bei „Stadt Land Mama“ so viele Familien kennengelernt hatte, die ihre Kinder pflegen, deren Kinder sehr krank oder bereits verstorben sind. Diese Geschichten lassen uns nicht kalt, wir fühlen so mit, lernen ganz viel – und sie nehmen uns auch eine gewisse Unbeschwertheit. Ein gesundes Kind zu bekommen ist keine Selbstverständlichkeit, das lernen wir hier jeden Tag.

Zum anderen – und das lässt sich einfach nicht ignorieren – spielt mein eigenes Alter natürlich eine große Rolle. Plötzlich tauchen Begriffe wie „Spätgebärend“ und „Risikoschwanger“ auf. Die allermeisten meiner Freunde haben Kinder im Grundschul- und Teeniealter, da denkt keiner mehr an ein Baby. Vielleicht aus gutem Grund. Sind wir einfach zu alt?

Genau das habe ich meine Frauenärztin gefragt, als ich merkte, dass mich der Gedanke an ein viertes Kind nicht losließ. „Bin ich zu alt?“ Wir haben lange darüber gesprochen, wie groß meine Belastungen im Alltag sind, wie viel Unterstützung ich habe, wie ich mich körperlich fühle. Heute, sagte meine Ärztin, betreue sie viele Frauen, die mit 40, 41 oder 42 ihr erstes Kind bekämen, ich sei also in „bester Gesellschaft“. Da ich körperlich fit bin, nicht rauche, nicht trinke, keine chronischen Krankheiten habe, spräche erstmal nichts gegen eine weitere Schwangerschaft.

Dennoch empfahl sie mir eine engmaschigere Betreuung und zusätzliche Tests (viele kennen das unter dem Namen Harmony-Test oder NIPT-Test, bis Anfang Juli musste man diese Tests aus eigener Tasche zahlen, jetzt sind sie Kassenleistungen.) Diesen Test zur Abklärung von Chromosomen-Auffälligkeiten habe ich machen lassen (bei den anderen drei nicht) und muss sagen, dass ich wirklich sehr erleichtert war, als alle Ergebnisse unauffällig waren. Natürlich weiß ich, dass es nie eine 100prozentige Sicherheit gibt, aber dieser Test hat mich doch sehr beruhigt.

Die häufigste Frage, die ich von euch Leserinnen seit der Bekanntgabe der Schwangerschaft gestellt bekommen habe, war nun also: „Fühlst du nicht zu alt für ein Baby mit 41?“ Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich heute genauso fit bin wie mit 29. Natürlich habe ich Bammel vor den schlaflosen Nächten. Natürlich sind meine Nerven heute nicht mehr so dick wie beim ersten Kind. Und natürlich rechnen wir manchmal aus, wie alt wir sind, wenn das Kind mit der Schule fertig ist. Während wir bei meiner Ältesten eher junge Eltern waren, werden wir jetzt eher alte sein. Darüber müssen wir nicht diskutieren, das ist einfach so.

Und jetzt kommt das dicke ABER: Ich weiß heute sehr viel genauer, was ich will und was ich nicht will. Ich habe viel mehr Erfahrung und Ruhe. Ich habe keine große Angst vor der Geburt, vor dem Wochenbett – weil ich einfach ungefähr weiß, was auf mich zu kommt. Ich weiß mir zu helfen, habe ein gutes Netz aus Freundinnen, anderen Müttern, die mir helfen werden. Während ich beim ersten Kind oft alleine war, wenig Bauchgefühl zugelassen habe und alles neu war, kann ich mich nun auf meine Erfahrung und „mein Dorf“ verlassen, die bzw. das ich mir in den letzten Jahren aufgebaut habe.

Und deshalb kann ich die Frage nicht eindeutig beantworten. Ja, manchmal spüre ich mein Alter und denk mir, dass das nochmal eine heftige Herausforderung wird. Und manchmal bin ich ganz gelassen und mutig, dass alles schon werden wird.

Bisher ist es die unkomplizierteste Schwangerschaft, überhaupt keine Übelkeit, überschaubare Müdigkeit und auch meine gefürchteten Rückenschmerzen sind noch nicht aufgetreten. Bisher ist es aber auch die Schwangerschaft, die am meisten „nebenher“ läuft. Manchmal liege ich abends im Bett, streichle meinen Bauch und bemerke, dass ich nicht ein einziges Mal tagsüber an das Baby im Bauch gedacht habe.

Ich glaube, für diese, meine letzte Schwangerschaft, gilt, was für alle Schwangerschaften und für alle Schwangeren gilt: Jede Schwangerschaft ist anders und jede Frau empfindet sie anders. Dass es Auf und Abs gibt, ist total normal. Dass wir uns mal stark, mal schwach fühlen, dass wir mal ängstlich und dann gleich wieder voller Freude in die Zukunft schauen auch.

Und so heißt meine Antwort auf die Frage nach dem Alt-Fühlen: Mal so, mal so – es wechselt, wie alle anderen Gefühle auch. Nur ein Gefühl ist stetig: Die Dankbarkeit, dass es nochmal geklappt hat und unsere Familie nochmal wächst. Ich habe sehr viel Glück, das weiß ich und dieses Wissen begleitet mich tief und fest in meinem Herzen.


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P.S.: Wer diese Auf und Abs der Gefühle kennt und sich weniger alleine fühlen möchte, dem legen wir unser wunderbares Buch „WOW MOM – der Mutmacher für deine Schwangerschaft“ ans Herz.

P.P.S: Weil so viele von euch schreiben, wie sehr sie sich über Babycontent und Schwangerschaftsnews freuen, werde ich nun versuchen, jeden Dienstag ein bisschen was dazu zu erzählen. So als regelmäßige Dickbauch-Dienstags-Kolumne sozusagen 😉

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19 comments

  1. Hallo ich bin.auch mit dem.vierten Kind schwanger und 41 Jahre alt.oft denke ich ja eigentlich bin ich zu alt.der Wunsch war groeßer als die Vernunft. Ich war mit 19 zum ersten mal Mutter dann mit 31 und 35 .Ich merke ehrlich schon mein.alter die uebelkeit schlaucht und meine beiden jüngeren vordern mich ganz arg gerade. Aber ich habe Erfahrung und ich bin gelassen. Bei vielen Dingen..oft denke ich aber auch oh ich war ganz schoen mutig..Auch vor den Kommentare der anderen habe ich Respekt das sollte einem ja aber egal sein. Mit 19 war es nicht leicht als junge Mutter mich zu behaupten und nun wird es sicher auch wieder spannend

  2. Hallo Katharina, danke für den ehrlichen Einblick in dein Gefühlsleben.
    Ich bin eine von denen, die sich mit 41 zu alt fühlen. Mein erstes (und aller Voraussicht nach einziges) Kind habe ich recht spät, mit 38, bekommen und war quasi schon immer „die alte Mutter“. Die Baby- und Kleinkindzeit fand und finde ich sehr anstrengend. Ich bin überzeugt, dass ich das fünf bis zehn Jahre früher lockerer gewuppt hätte. Auch bin ich ein freiheitsliebender Mensch, der auch gerne mal für sich ist. Zeit für mich habe ich in den letzten drei Jahren oft schmerzlich vermisst.
    Mit 39 hätte ich mir ein zweites Kind noch vorstellen können. Mit dem 40. und vor ein paar Monaten dem 41. Geburtstag hat sich das dann langsam gewandelt. Viele sagen, das Alter sei nur eine Zahl. Für mich ist es mehr als das. Für mein Empfinden bin ich jetzt in meinen Vierzigern gewissermaßen in eine höhere Etage gewechselt, von der aus die Perspektive auf viele Dinge eine andere ist. Aus der Müdigkeit der Baby- und Kleinkindzeit bin ich bislang noch nicht rausgekommen. Keine gute Voraussetzung für eine weitere Schwangerschaft. Ich merke auch, wie ich eher wieder meine Fühler ausstrecken möchte in Richtung beruflicher Weiterbildung und der Pflege eigener Interessen.
    Zudem denke ich, dass in den nächsten Jahren sicherlich die eine oder andere größere Herausforderung kommen wird, für die ich meine Kräfte benötige bzw. für die ich Kraft sammeln möchte.
    Durchaus auch manchmal mit Traurigkeit spüre ich, dass es nicht mein Weg ist, noch ein weiteres Kind zu bekommen.
    Gleichzeitig freue ich mich über jede Ü40-Schwangere oder Baby- bzw. Kleinkindmutter, der ich begegne.

  3. Ich habe mein mein erstes Kind mit 32 und mein drittes Kind mit 41 Jahren bekommen und es bis heute keinen Tag bereut! Unsere Maus ist jetzt 12 und ich finde es wunderschön, sie noch bekommen zu haben, obwohl mir von vielen Seiten abgeraten wurde. Klar ist es auf eine Art anstrengender, weil man eben nicht mehr ganz so jung und fit ist, andererseits ist man aber auch in vielen Belangen viel gelassener und anstrengende Phasen nimmt man leichter hin, weil man sie wirklich als das kennt, was sie sind: Phasen, die rückwirkend betrachtet schnell vorbei gehen. Ich wünsch dir eine schöne Schwangerschaft und alles Gute für den neuen Familienzuwachs!

  4. Das sind nur Zahlen, aufgrund einer Zahl (Alter) ist Frau automatisch Risiko- schwanger. Reiferen Müttern ist einfach nur bewusster dass es eben immer Risiken gibt und eben keine 100%ige Garantie auf ein gesundes oder lebendes Kind. Oder das auch unter der Geburt noch viel passieren kann. Da sind jüngere Mütter noch unbedarfter. Bitte guter Hoffnung sein und bleiben! Die “ nicht bestellten Kinder“ bringen die meiste Freude für die Eltern ( sagt der Volksmund).

    1. P.S.
      Wenn mein Jüngerer Abi macht bin ich 55, na und? Zumal ich jetzt schon meine grauen Haare nicht weg färbe.
      Die Altersfrage ist genauso impertinent wie die Frage was es wird oder welche Namen ausgesucht wurden. Das ist PRIVAT! Und wird eigentlich ( ausser engste Familie) vorher verraten.

  5. Vielen Dank für diese Gefühlseinblicke! Ich bin 38 Jahre alt und habe ein Grundschulkind, wünsche mir jedoch sehnlichst ein weiteres Kind. Ich bin innerlich hin- und hergerissen, weil ich mich im Vergleich zu der Mehrheit der (Krippen-) Kita-Eltern als etwas (zu) „alt“ fühle und irgendwo Angst habe zu spät dran zu sein (obwohl medizinisch rein gar nichts dagegen spricht).

    1. Hallo Tamara! Mir geht’s im Grunde genauso… Ein Grundschulkind und gedanklich fühle ich mich mit Mitte 30 irgendwie manchmal zu alt aber manchmal denke ich auch, es wäre genau richtig…

  6. Ich freue mich so sehr für dich, Katharina <3 Irgendwann muss man seine Kinder eben bekommen, jedes Alter hat seine Tücken, aber dein Kleines hat so viel Glück: dich als Mama und gleich drei Geschwister!

  7. Ich habe mein erstes Kind mit 18 bekommen, das Zweite mit 22, das Dritte mit 26, das Vierte mit 31 und das Fünfte – nach einer MA – mit 36.
    Nun bin ich knapp 39 und wir wollen es nächstes Jahr nochmal versuchen. Ich hoffe es klappt nochmal und ich hoffe auf ein gesundes Kind (Das habe ich sowieso in all meinen Schwangerschaften gehofft.)
    Ansonsten sehe ich das Ganze recht entspannt. Jedes Alter (sogar das ganz junge) hat seine Vor- und seine Nachteile.

    1. Aus meiner eigenen Erfahrung und Einschätzung als Mann, wird diese Frage tatsächlich Männern nicht gestellt. Ich finde die Frage auch übergriffig und würde sie in dieser Form nicht stellen.

      Allerdings muss man sagen, dass Männer nicht schwanger werden und daher auch nicht die körperliche Belastung einer Schwangerschaft und Geburt verkraften müssen. Von daher ist es auch nicht überraschend, dass Männer nicht danach gefragt werden.

      1. Ich hätte weniger Angst um das Medizinische, obwohl oder trotz ich als Sonderpädagogin um einiges weiß, eher davor, WIE ALT ich dann bin, bis dieses Kind selbstständig wäre. Und das gilt halt ebenso für die Väter….

        1. Tatsächlich würde ich mir da (wenn überhaupt) nur um das Medizinische der Schwangerschaft Sorgen machen.

          Die meisten Leute sind heute mit 65 auch noch sehr fit. Genug Zeit, dass Kinder die man mit 40+ bekommen hat auch noch mit gesunden Eltern erwachsen werden können.

          Meine eigene Mutter verlegt mit fast 80 Jahren im Garten noch Pflanzsteine und hat zur Documenta insgesamt 5 Tage auf einem Campingplatz in Kassel in ihrem VW-Bus übernachtet.

          1. Tja und ich kenn eine Menge Leute, die das auch von sich dachten, dass sie bestimmt noch lange fit sind und dann kam alles anders. Das ist für mich auch immer die größte Sorge, dass ich lange genug fit bleibe und vor allem auch innerlich jung genug, um meinen Kindern ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen. Ich wurde nochmal unverhofft mit 45 Jahren (Pflege)mama eines Säuglings. Wir planten damals, ein älteres Kind aufzunehmen… unverhofft kommt oft ;-). Meinen älteren Sohn habe ich allerdings auch erst mit 40 bekommen. 41 wäre für mich auch kein Ding gewesen. Nach ein paar Jahren war aber der eigene Kinderwunsch weg und die Aufnahme von umserem jüngeren Kind kam schon aus dem Wunsch mehr Kinder zu begleiten beim Aufwachsen. Das ist irgendwie etwas anderes für mich. Und daher war das doch eine Herausforderung für uns nochmal von vorne anzufangen. Heute ist unser Kleiner 5 und das ist schon toll, wie viel leichter der Alltag sich jetzt gestaltet. Durchgeschlafene Nächte… einfach unbezahlbar!

  8. Liebe Katharina, ich gehöre zu diesen Erstgebährenden welche kurz nach dem 40. Geburtstag erstmals schwanger wurden. Somit habe ich keinen Vergleich zu Schwangerschaften vorher. Wir haben es nie bereut und wagten es 2 Jahre später nochmals. Die Tests beim 2. Kind waren noch intensiver, das Warten auf die Ergebnisse jeweils unschön. Aber wir haben 2 gesunde Kinder und geniessen das Familienleben!
    Lass Dich nicht ins Bockshorn jagen! Jede Schwangerschaft ist sowieso anders.

  9. Liebe Katharina!
    Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur 4. Schwangerschaft !
    Ich muss sagen, dass ich die Frage nach dem Alter doch ein wenig übergriffig finde.
    Risiko schwanger ist frau außerdem schon ab 35…
    In meinem Umfeld beobachte ich, dass die älteren Mütter meist mehr bei sich angekommen sind und dadurch auch gelassener.
    Liebe Grüße

  10. Liebe Katharina!
    Wie sehr habe ich mich gefreut, über deine erneute Schwangerschaft zu lesen.
    Und wie sehr kann ich deine Gefühle bezüglich deines Alters verstehen! Meine Maus wird nächste Woche eingeschult, ich war 42 bei der Geburt. Allerdings war es bei uns nach einem langen Kinderwunschweg das erste Kind und dadurch natürlich weniger routiniert als bei dir. Ich kann nur eines sagen: Mit einem Wirbelwind mit über 40 noch über den Spielplatz sausen hält jung! 😉
    Alles Gute!!!

  11. Liebe Katharina, dein Beitrag passt so unendlich gut zu meiner Geühlslage! Danke dir dafür. In wenigen Tagen kommt unser drittes Kind zur Welt, das wir uns so sehr gewünscht haben! Der Weg bis hierhin war leider alles andere als einfach. Nachdem ich bei den großen Kindern immer schnell und einfach schwanger wurde, war der Weg zu unserem dritten Kind recht steinig. Und zu all dieser Freude über diese Schwangerschaft kamen dann plötzlich Fragen (von außen, aber auch wir stellten uns diese) zu meinem Alter.
    Dein Text beschreibt meine wechselnden Gefühle zu diesem Thema wirklich sehr treffend! Danke.

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