Double income, no Kids: Wir sind so ein Paar, das auf Partys nichts über Kinder erzählen kann

Ihr Lieben, tatsächlich schreiben uns immer wieder auch Menschen, die keine eigenen Kinder haben, dass sie uns gern lesen und zu unseren treusten Followern gehören. Dazu gehört auch Ole Pankow, der freier Autor ist (sein aktueller Thriller: Genquotient 8713/Amazon Partnerlink), in Berlin lebt und mit seiner Frau zu den angeblich so verpönten DINKs gehört: double income, no kids.

Ach, die wollen sich einfach ein schönes Leben machen, während unsere Kinder dann ihre Rente zahlen, denken manche böse. Was aber WIRKLICH hinter der Geschichte steckt, ahnen sie nicht. Hier schreibt Ole über die Hintergründe.

Der Kinderwunsch existiert schon lange

„Ich wollte schon immer Kinder. Die ersten Versuche habe ich 1985 unternommen. Ich war 20 und Monteur auf der Baustelle des Kernkraftwerkes Lubmin, meine Freundin war daheim in Halle.

Von einem bis zum nächsten Mittwoch auf Montage, jeweils Donnerstag bis Dienstag daheim. Genug Zeit, um über Kinder nachzudenken und es zu versuchen, doch die Beziehung ging schief.

Meine Freundin stellte mich vor die Wahl: Entweder Montage oder ich, sagte sie. Da wusste ich: die Liebe hat keinen Bestand. Traurig und enttäuscht war ich Jahre lang zu keiner langfristigen Bindung fähig. Alles nur One Night Stands nach Diskobesuchen oder Konzerten.

Auch später klappte es nicht mit den Kindern

Bis zum nächsten Versuch sollten also viele Jahre vergehen. Eine neue Freundin. 2001 war es, als wir uns entschieden, doch mal an Kinder zu denken. Wir machten alles richtig. Dachten wir. Ohne Ergebnis. Auch diese Beziehung ging schief. Teils wegen des unerfüllten Kinderwunsches, teils aus anderen Gründen (sie hatte nen anderen). Wieder enttäuscht, wieder lange allein.

Doch 2005 verknallte ich mich dann über beide Ohren. 2009 heirateten wir, zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits viel Zeit, viel Geld und noch mehr Nerven in Berlins noblen Kinderwunschkliniken gelassen. Das war demütigend. Enttäuschend. Am Ende stand fest: Ich bin der Schuldige. Nicht genug Zeugungsmaterial vorhanden. Also andere Wege. Adoption? Vielleicht. Ja.

Adoption? Ja, nein, vielleicht

Doch auch daraus wurde nichts. Zuerst passte das Alter nicht, später dann meine Arbeit als freischaffender Autor und dann wieder das Alter. Also blieb uns nur ein Leben ohne Kinder.

Es funktioniert erstaunlicherweise recht gut. Denn eins ist natürlich klar: Wir konnten in den letzten Jahren Reisen machen, die mit Kindern nicht funktioniert hätten. Weder organisatorisch noch finanziell. DINKs nennt man uns. Double income – no kids. Das hieß u.a. sieben Roadtrips durch die USA, fast jedes Jahr zwei „Flug-Reisen“ plus ein paar Tage an der Ostsee.

Die andere Seite sieht so aus: Auf so manch Berlin-Party (und anderswo) kann ich so gar nichts über eigene Kinder erzählen. Das Wegdrehen von mir, die Ignoranz meiner Person, die vorwurfsvollen Blicke, das Tuscheln sind dabei noch die harmlosen Varianten.

Du hast keine Kinder? Die Vorwürfe der anderen

Später am Abend, wenn einigen nach dem dritten Glas Chardonnay die Zunge entgleist, gab es dann auch schon anderes: „Du übernachtest bestimmt auch in diesen Kinder freien Hotels!“ „Dabei warst du doch selbst mal ein Kind. Warum tust du das?“ „Du schreist bestimmt auch Kinder im Hof an, die laut sind.“ „Was wohnst Du eigentlich hier?“

Diese Liste könnte ich noch fortsetzen. Natürlich sind nicht alle so. Das wäre fatal. Aber es fällt schon auf. Und tut weh. Manchmal.

An anderen Tagen frage ich mich dann wirklich: Wie es wäre mit Kindern? Wie wäre es, wenn wir mit ihnen am Ostseestrand albern, zu Weihnachten gemeinsam unterm Baum sitzen, sie an ihren Geburtstagen beschenken würden? Das wäre sicher schön.

Akzeptieren: Ein Leben ohne Kinder

Freunde von mir haben sich gewollt gegen Kinder entschieden. Sie leben ihren Traum als Ärzte im Ausland. Als wir neulich bei ihnen im 50. Stockwerk bei einem Cocktail der Sonne beim Untergehen zuschauten, waren wir alle vier glücklich. Es war auch schön. Zumindest in diesem Moment.   

Foto: pixabay


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6 comments

  1. Verständnis kommt durch eigene Erfahrung
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nur Menschen, die selbst erlebt haben, dass Kinderkriegen oder auch -nicht-Kriegen nicht bei jedem nach Plan läuft, einen anderen Blick auf kinderlose Paare haben. Das gilt übrigens auch für die scheinbar unvermeidliche Frage nach dem zweiten Kind.

  2. Die Andere (Kinderlose) auf der Party bin nun ich
    Vielen Dank für diesen schönen Gastbeitrag.
    Und hey, euer blog ist wirklich unterhaltsam, zeigt Vielfalt und macht Spaß zu stöbern.
    Es ist schön zu lesen und macht mir viel Mut, dass man nach und nach das nicht-Eltern-werden gut verarbeiten kann und eben den Blick auf andere schöne Perspektiven im Leben richten kann. Denn auch mich trifft die ungewollte Kinderlosigkeit mit der ich ziemlich offen umgehe. Meine Erfahrung ist, je mehr ich damit klar komme, desto besser wird es auch mit jeder Art von Kommunikation. Sei es nun bei engen Freunden oder neuen Bekannten auf einer Party. Ich nehme die Reaktion meines Gegenübers einfach nicht persönlich.
    Das geht aber nur, weil meine eigene Narbe der Kinderlosigkeit langsam verheilt. Sie wird bleiben und bei mir ist kein Happy-End in Sicht. Ich finde auch diese Sichtweise schade, vielleicht ist ja genau das mein Happy-End, was ich gerade noch gar nicht verstehn kann. Ist ein Kind wirklich immer ein Happy-End?
    Ich kann das alles gut nachvollziehen, was Ole schreibt. Ich frage mich ernsthaft, warum ist das so? Warum gibt es diesen tiefen Graben zwischen einigen Menschen mit Kindern (es sind ja nicht alle so) und Kinderlosen (auch hier entsprechen nicht alle dem Klischee einer Schublade)? Wir sind doch alle Menschen mit einer individuellen Geschichte. Kann man sich nicht einfach für den Mensch, sein Gegenüber interessieren wie er ist?
    Ich würde es wirklich gern verstehen, warum einige (fremde) Menschen so sehr Angst vor kinderlosen Menschen haben? Man unterhält sich gut und irgendwann kommt diese Frage, die für Eltern so elementar zu sein scheint. Es scheint mein Gegenüber kann nicht mit meiner eigenen Wahrheit umgehen, wenn ich sie ausspreche. Ich sage halt das, was man(n) (oder meist ist es eher Frau) gerade nicht hören möchte, während eines lockeren Smalltalks. Aber so ist halt mein Leben verlaufen. Warum sollte man sich sonst weg drehen, wenn man sich doch vorher gut unterhalten hat?
    Was ich auch nicht verstehe, dass kaum eine Frau offen darüber spricht, die ungewollt kinderlos und wie sie geschafft hat, aus dieser Krise rauszukommen.

  3. Adoption im Ausland
    Eine ehemalige Kollegin meines Mannes hatte ein ähnliches Problem (keine eigenen Kinder, Probleme bei der Adoption aufgrund des Alters). Sie und ihr Mann haben dann ein Geschwisterpärchen aus Südamerika adoptiert. Dazu müssten sie zwar ein halbes Jahr dorthin fahren, um Vertrauen zu den Kindern und Erwachsenen aufzubauen und alle Formalitäten zu erledigen . Aber nun leben sie glücklich als kleine Familie hier in Deutschland.
    Vielleicht wäre das noch ein Weg, wenn der Kinderwunsch immer noch bestehen sollte.

  4. Hier ist es anders
    Hier ist es anders, ich rede gerne mit Leuten, die keine Kinder haben, denn ich habe zum Glück auch noch ein Leben außerhalb des Kindes und bin noch viel mehr, als nur Mutter und habe auch Hobbies. Es finden sich jedenfalls immer und überall interessante Themen, die nichts mit Kindern zu tun haben. Im übrigen kann man auch sehr gut mit Leuten, die Kinder haben über andere Themen sprechen, sofern die denn willig sind, über den Tellerrand zu blicken 😉

    Und Road Trips funktionieren mit Kind auch super 🙂 Mehrfach erprobt.

  5. Ich wollte nur sagen, dass es
    Ich wollte nur sagen, dass es mir auch oft so geht, dass ich nicht weiss, was ich mit Leuten reden soll, die keine Kinder haben. Es ist nicht böse gemeint. Nur dreht sich mein Leben halt zurzeit 100 Prozent um die Kleinen. Andere Hobbies oder Zeit dafür habe ich nicht. Man trifft auch nur noch Eltern in Schule und Vereinen. Und wenn dann einer keine Kinder hat, fällt mir nichts zum Reden ein. Es ist einfach sehr ungewohnt.

  6. krass
    Schon krass, was manche Leute für unverschämte Sachen raushauen. Es tut mir sehr leid für den Autor, auf so eine Art und Weise verletzt zu werden. Hätte auch nie gedacht, dass es Diskriminierung dieser Art gibt. Als Mutter von zwei kleinen Kindern habe ich immer das Gefühl, ich selbst würde von der Gesellschaft als nicht vollwertig, weil zurzeit nicht vollzeit-arbeitend und in sozialkassen-einzahlend gesehen werden. Und dass kinderlose Gutverdiener geradezu gehypt werden. Da merkt man, in was für Wahrnehmungsblasen wir uns alle befinden.

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