Endlich Gewissheit: „Unser Pflegekind darf bei uns bleiben!“

Pflegefamilie

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Ihr Lieben, manche Herzen sind so voller Liebe, dass es uns ganz ehrfürchtig werden lässt. Elisa haben wir euch schon einmal vorgestellt, sie nimmt als Bereitschaftspflegefamilie Kinder bei sich zu Hause auf, die nicht ihre leiblichen sind und bei ihr in Geborgenheit aufwachsen können. In diesem Jahr gab´s aber eine kleine Achterbahn der Gefühle, denn eigentlich sollte Elisas Pflegetochter nach anderthalb Jahren zurück in ihre Ursprungsfamilie…

Elisa, wir haben dich schon einmal interviewt, weil du als Bereitschaftspflegefamilie Kinder aufnimmst. Deine Begründung damals war, dass du einfach noch so viel Liebe zu geben hast. Wie sieht es im Moment aus mit deiner Liebe?

Im Moment fühle ich mich absolut ausgefüllt. Die letzten zwei Jahre waren eine emotionale Achterbahnfahrt und enorm anstrengend. Es ist gut so wie es ist. Aber Platz für mehr ist da im Moment nicht.

Dieses Jahr war ein ganz besonderes Jahr, weil ihr zwar schon zum dritten Mal Weihnachten mit eurer kleinen Pflegetochter feiert – zum ersten Mal aber in der Gewissheit, dass sie bei euch bleiben wird. Was bedeutet dir das? Und wie hast du reagiert, als du es erfahren hast?

Das klingt nach einer Phrase, aber es bedeutet mir alles. Unsere Pflegetochter sollte eigentlich nach fast eineinhalb Jahren in ihre Familie zurückkehren, doch sie wehrte sich mit Händen und Füßen (im wahrsten Sinne des Wortes) und als ihr Verhalten immer auffälliger und teilweise auch gefährlich wurde, gab sie uns den Mut, für sie zu kämpfen. Das war enorm kräftezehrend.

Ich weiß bis heute nicht, wie wir das durchgestanden haben. Aber es hat sich gelohnt. In diesem Sommer hat ein Gericht entschieden, dass sie bei uns bleiben wird. Als ich das am Telefon erfuhr, hab ich fürchterlich geweint. Die Last, die in diesem Moment von mir abfiel, war gigantisch.

Kurz darauf haben wir für sie eine „Welcome Home“ Party gefeiert, mit unseren Freunden und Familie. Selbst meine Freundin, die hunderte Kilometer entfernt wohnt und hochschwanger war, ist extra gekommen. So wollten wir ihr zeigen, dass sie jetzt offiziell ein Teil unserer Familie ist. In unserem Herzen ist sie das natürlich schon immer.

Du hast ja auch noch leibliche Kinder, wie viele versorgst du derzeit insgesamt bei dir zu Hause?

Wir haben vier leibliche Kinder, zwei hab ich in die Ehe mitgebracht, zwei haben wir gemeinsam bekommen und mit unserer Kleinen sind sie somit zu fünft. Jedes Kind ist ganz einzigartig, der 15jährige ist der Charmeur, immer schon, selbst als Kleinkind, wickelte er alle um die Finger. Der 13jährige ist der herzliche Chaot. Er glaubt, er kann nichts besonders gut, aber er ist die reinste Seele, die man sich vorstellen kann, er würde sein letztes Hemd für andere geben.

Unsere 10jährige ist eine kleine Diva mit dem Herz am rechten Fleck, sie ist sehr hilfsbereit und sozial. Der 7jährige ist einfach ein kleiner Schelm. Er hat es faustdick hinter den Ohren, überspielt das aber ausgezeichnet mit seinem Lächeln. Und unsere Kleine ist einfach unser Sonnenschein. Trotz allem, was sie durchmachen musste, ist sie positiv, fröhlich und strahlend wie die Sonne.

„Sie geben einem so viel zurück“, heißt es so schön über Kinder. Was geben dir deine Kinder zurück?

Wir haben gerade zusammen zu Abend gegessen. Ich sitze dann an unserem Tisch und lausche ihren Gesprächen, ich schaue so in die Runde und denke, ich hab glaub ich ganz viel richtig gemacht. Ich hab fünf wunderbare Menschen groß gezogen. Das macht mich stolz und glücklich zugleich.

Könntest du dir vorstellen, noch weitere Kinder aufzunehmen?

Ja, prinzipiell kann ich das. Aber nicht jetzt. Wir müssen erstmal zur Ruhe kommen, gemeinsam als Familie zusammenwachsen. Aber dann, vielleicht in ein bis zwei Jahren. Wer weiß?

Was treibt dich an, welche Motivation steckt bei dir dahinter?

Ich möchte einem Kind ein besseres Leben ermöglichen. Es auffangen, wenn niemand da ist, um ihm Sicherheit und Stabilität zu geben. Und dann ist der Plan, den Weg zu ebnen für ein Leben in einer neuen Familie oder bei den leiblichen Eltern. Und manchmal, so wie jetzt, hilft der beste Plan nicht, dann kommt es eben so, wie es kommen soll.

Wie haltet ihr den Kontakt mit den leiblichen Eltern?

Es gibt Besuchskontakte, die im Jugendamt begleitet werden. Wenn ich die Eltern besser kenne und einschätzen kann, gebe ich auch meine Handynummer raus und schicke zwischendurch Videos und Fotos. Die leiblichen Eltern sind und bleiben immer ein Teil des Kindes. Auch für das Kind ist es enorm wichtig, seine Wurzeln zu kennen, um später verstehen zu können, warum das Leben so verlaufen ist. 

Welche Hilfen habt ihr, falls es mal schwieriger wird mit einem der Pflegekinder?

Wir können grundsätzlich alle Hilfen in Anspruch nehmen, die auch leiblichen Eltern zustehen, das geht über die Erziehungsberatung bis hin zur Familienhilfe. Wir haben tatsächlich bei einem Kind mal eine entlastende Pflegefamilie gehabt, die uns das Kind stundenweise abnahm, um mal wieder durchatmen zu können und uns auf unsere Kinder zu konzentrieren.

Nochmal persönlicher: Meine Eltern haben auch immer „Kinder gesammelt“, wir hatten Austauschschüler bei uns, Gastkinder vom 1. FC Köln oder den Kölner Haien, die teils Jahre bei uns mit in der Familie lebten oder auch Intensivpflegekinder (vielleicht sollte ich darüber mal einen eigenen Beitrag schreiben, war für mich bislang aber immer so selbstverständlich..). Wir waren ein Haus der Offenen Tür sozusagen und ich habe schon das Gefühl, dass mich das fürs Leben geprägt hat. Wie reagieren deine leiblichen Kinder?

Meine Kinder sind damit irgendwie aufgewachsen. Letztens gabs eine ganz witzige Situation, in der unserem 7Jährigen tatsächlich nicht ganz klar war, dass alle Babys mal im Bauch einer Mama waren. Er kennt es ja nicht anders, dass uns Babys einfach gebracht werden. Als wir das erste Kind aufgenommen haben, war er erst zwei Jahre alt. Nach jedem Kind haben wir mit den Kindern darüber gesprochen, ob sie nochmal eines aufnehmen möchten und welche Vorstellungen sie haben. Bisher waren immer alle dafür.

Bei uns war es so, dass eines dieser Gastgeschwister – er lebte sieben Jahre bei uns – sogar Patenonkel meines Kindes wurde, weil er einfach zur Familie gehört. Kannst du dir das bei euch auch vorstellen. Und: Würdest du dir das wünschen?

Das ist für mich nicht so leicht zu beantworten. Bislang gingen unsere Kinder alle in ihre Familien zurück. Da hat man manchmal Glück, dass man zumindest sporadisch etwas hört, aber man muss auch akzeptieren, dass man kein Teil mehr in Leben eines Kindes ist. Oft möchten die Eltern mit diesem Kapitel ihres Lebens abschließen. Für unsere Kleine wünsche ich mir, dass sie immer ein Teil unserer Familie bleiben möchte, auch als Erwachsene, denn für uns ist sie unser Kind, eben mit dem kleinen Zusatz, dass sie noch eine Mama und noch einen Papa hat. 

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