Essstörungen: In der 3. Klasse fing meine Tochter an, zu hungern

Mein Name ist Saskia und ich möchte Euch heute davon erzählen, wie schnell Kinder in eine Essstörung rutschen können.

Vor einem Jahr kam meine Tochter eines Tages von der Schule nach Hause und erklärte mir, sie würde ab jetzt nach 18 Uhr nichts mehr essen. Denn dieses Essen würde besonders ansetzen. Zu diesem Zeitpunkt war sie gerade in die dritte Klasse gekommen.

Ich frage meine Tochter, woher sie diese 18 Uhr Sache habe. Sie sagte, eine Klassenkameradin habe das erzählt und diese habe es von ihrer Mama.

Ich bin echt aus allen Wolken gefallen und habe mir viele Gedanken gemacht wie ich das wieder aus ihrem Kopf bekommen soll. Kurz darauf erzählte sie mir, dass sie und ihre vier Freundinnen den Pakt geschlossen hätten, nicht mehr als 28 Kilo zu wiegen. Ich war geschockt.

Mein Mann und ich sprachen in den nächsten Tagen viel und ausführlich mit unserer Tochter über Ernährung und Gesundheit. Aber sie blieb uneinsichtig, wollte zum Abendessen nur noch Tomaten und eine halbe Scheibe Brot. Abends lag sie dann mit Bauchweh im Bett, weil sie Hunger hatte. Und so nahm sie in kürzester Zeit von 29,5 Kilo auf die angepeilten 28 Kilo ab.

Ich bemühte mich weiter, kochte gesund und lecker, aber sie wollte immer weniger essen. Also ging ich zum Kinderarzt, sprach mit der Lehrerin und einem Therapeuten. Aber nichts kam bei meiner Tochter an. Ich zeigte ihr Bilder von extrem dünnen Mädchen und erklärte ihr, welche Folgen die Hungerei hat.

Meine Schwester, also die Tante meiner Tochter, hat dann ein sehr klares Gespräch mit ihr geführt. Sie sagte, das sie ins Krankenhaus muss, wenn sie so weiter macht, dass sie Schläuche in die Nase bekommt und zwangsernährt wird. Auch davon haben wir Bilder gezeigt. Es war vielleicht nicht die einfühlsamste Methode, aber die wirkungsvollste. Denn plötzlich kam meine Tochter ins Nachdenken.

Dann kam der Zufall dazu – im März sind wir in den ersten Lockdown gegangen und meine Tochter war wie alle anderen Kinder wochenlang nicht in der Schule. Sie hat also auch die anderen Mädchen lange nicht gesehen und plötzlich war sie wie ausgewechselt. Für uns kam diese viele Zeit zusammen genau zum richtigen Zeitpunkt.

Deshalb war ich auch mehr als nervös, als die Schule wieder anfing… Bis jetzt scheint es so, als wäre unsere Tochter stabil. Wir reden viel und beobachten genau. Und hoffen, dass uns dieses Thema nicht nochmal heftig erwischt, wenn sie in die Pubertät kommt….



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