Freiwillige Feuerwehr: Constanzes ehrenamtlicher Mama-Ausgleich

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Ihr Lieben, wir hatten neulich bei Facebook dazu aufgerufen von euren Jobs zu erzählen und da meldete sich auch Constanze bei uns. Sie engagiert sich ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr und erzählt hier von Rufbereitschaft und Vereinbarkeit in ihrem Leben als Mama und Feuerwehrfrau.

„Ich muss etwas weiter ausholen, um zu erzählen, warum ich mich damals dazu entschieden habe, zur Feuerwehr zu gehen, wie das Gemeinschaftsgefühl ist, wie Feuerwehr mit Beruf und/oder Kindern vereinbar sind, welche Einsätze „schwer“ sind, was den Anreiz schafft, sich ehrenamtlich zu engagieren und wie die Ausbildung abläuft und was sie bewirkt und weswegen ich auch heute als zweifache Mutter noch immer Spaß dabei habe.

Angefangen hat alles im Sommer 2008, als ich in meinem damaligen Wohnort relativ neu zugezogen war und Kontakte knüpfte. Klar war, ich wollte unbedingt wieder ein Hobby haben, nachdem ich vor meiner Ausbildung zur Krankenschwester weit weggezogen war und den Leistungssport aufgegeben hatte.

Während der Ausbildung und der ersten Jahre danach hatte ich einfach nicht das Richtige gefunden. Es war auch nicht einfach im Schichtdienst ein Hobby mit regelmäßigen Zeiten auszuüben, was vermutlich auch der Grund war, warum ich alles Angefangene schnell wieder aufgab.

Das sollte sich ändern, als ich ein paar der Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in dem 850 Seelen-Ort kennenlernte und sie mir von ihrer Feuerwehr, dem Dienst, den Ausbildungsstunden und dergleichen erzählten. Relativ zügig hatten sie mein Interesse geweckt, unter anderem, weil es auch mehrere Schichtdienstler unter ihnen gab.

Also sah ich mir ein paar der wöchentlich stattfindenden Ausbildungseinheiten an und entschied mich auch bald, der kleinen Tragkraftspritzenfahrzeug-Wehr beizutreten.

Ich absolvierte meine Grundausbildung, den Truppführer- und Funklehrgang, sowie den Maschinistenlehrgang. Diese Lehrgänge finden meist an mehreren Samstagen oder unter der Woche abends und natürlich in der Freizeit statt.

Es gibt aber auch Lehrgänge, für die wir vom Arbeitgeber freigestellt werden und bei denen die Gemeinde den Lohnausfall ausgleicht. Diese finden in sogenannten Landesfeuerwehrschulen der einzelnen Bundesländer statt. Ein solcher Lehrgang war beispielsweise mein Sanitätslehrgang.

Durch diese Lehrgänge erweitern wir unsere Einsetzbarkeit. Von einigen dieser Lehrgänge sind neben Dauer der Mitgliedschaft auch bestimmte Dienstränge abhängig. Natürlich haben diese Ränge keine Auswirkungen auf mein Leben außerhalb der Wehr, denn die Freiwillige Feuerwehr ist unbezahlt und demnach ein Ehrenamt.

Die Dienstränge spornen an, weiterzumachen, mehr zu lernen. Sie sind auch in der Wehr ein Kriterium für Führungspositionen und unter den Kameraden in bestimmten Einsatzsituationen eine Art Positionierung mit Befehlsmacht. Im zwischenmenschlichen Beisammensein unter Kameraden sind wir aber alle gleich.

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Nun zurück zu meinen Anfängen und wie es weiter ging:

Ich stellte anfangs schnell fest, dass Schichtdienstler zwar vielleicht nicht zu jeder wöchentlichen Ausbildungseinheit kommen können, dass es für die Wehr aber durchaus vorteilhaft ist, wenn man zu jeder Tages- und Nachtzeit Einsatzkräfte verfügbar hat. Schließlich brauchen andere Menschen, Tiere oder Sachwerte nicht nur vor 7 Uhr und nach 17 Uhr Hilfe.

Alarmierungen gibt es also zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die schlimmste Zeit für mich? Als ich noch nicht Mutter, aber schon berufstätig war. Wenn ich etwa nach dem Spät- oder Nachtdienst gerade erst kurz geschlafen war und dann wie gerädert von der Sirene oder dem Melder quasi aus dem Bett geworfen wurde.

Im Jahr 2013 lernte ich dann meinen Partner kennen, zog um und wechselte 2014 die Wehr. Bald darauf war klar, dass 2016 unser Sohn das Licht der Welt erblicken sollte, weswegen ich erstmal für den Feuerwehrdienst beurlaubt wurde. Nach kurzem Wiedereinstieg kündigte sich unsere Tochter an und kam 2018 zur Welt.

Heute, mit zwei Kindern (1 und 4), wirft mich nicht mehr ganz so viel aus dem Bett bzw. aus der Bahn.

Mein Verlobter ist bei derselben Freiwilligen Feuerwehr, weswegen wir uns – zumindest wenn wir beide da sind – schnell absprechen, wer fährt. Schließlich muss ja auch jemand bei den Kindern bleiben.

Unser Großer fragt schon immer, was los ist, wenn der Melder piepst und die Kleine lauscht einfach nur den Geräuschen und lacht. Wenn unsere Zwei die Möglichkeit haben, mit zur Feuerwehr zu kommen, dann meist mit Freude. Sie schauen sich gern die Fahrzeuge an oder sind bei allgemeinen Arbeiten in und ums Feuerwehrgerätehaus dabei. Auch bei Veranstaltungen sind sie meistens mit dabei. Sie kennen es eigentlich auch nur so.

In der jetzigen Wehr gibt es mehr Einsätze, denn sie ist um einiges größer und besitzt einige Fahrzeugen mehr: ein Löschgruppenfahrzeug, ein Tanklöschfahrzeug, einen Rüstwagen, ein Mehrzweckfahrzeug und ein Mannschaftstransportfahrzeug.

Des Weiteren ist der Sitz der Einsatzzentrale in unserem Feuerwehrgerätehaus. Diese Zentrale wird bei jedem Einsatz, auch bei Einsätzen in den umliegenden gut 30 Orten der Verbandsgemeinde von uns besetzt. Demnach kann es durchaus sein, dass der Melder mal mehr als ein- oder zweimal täglich piepst.

Zum Glück gibt es aber auch Tage ohne Einsätze. Und wenn man sich nun vorstellt, man könne an allen Einsätzen dabei sein? Fehlanzeige. Zumindest schafft das kaum einer, der berufstätig ist, Kinder oder Familie hat. Und natürlich auch ich nicht!

Ich bin gerade in Elternzeit, da muss meine Kleine ja auch versorgt sein. Das ist aber kein Problem, da wir mit gut 45 Kameraden personell gut ausgestattet sind.

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Was sind die häufigsten Einsätze?

Das kann man pauschal nicht sagen. Oftmals sind es kleinere Einsätze, die schnell abgearbeitet sind, wie z.B. Ölspuren, die dann durch Spezialfirmen entfernt werden oder Einsätze, die sich gar als Fehlalarmierungen herausstellen, z.B. bewachter Abbrand von Grünschnitt oder von Weitem gesichteter Feuerschein durch Lagerfeuer.

Dennoch gibt es natürlich auch große Einsätze, wie Verkehrsunfälle mit oder ohne eingeklemmten Personen, Zimmer- oder gar Wohnhausbrände, vermehrt in den letzten Jahren auch Flächenbrände und Unwettereinsätze.
Die bei weitem schlimmsten Einsätze für mich sind die mit verletzten oder gar getöteten Personen. Zum Glück gibt es bei solchen Einsätzen immer Hilfe für die Beteiligten, die sie in Anspruch nehmen können.

Zunehmend hört und liest man ja auch von Gewalt gegen Rettungskräfte und ja! Auch Feuerwehrleuten wird mit Gewalt gedroht oder Gewalt angetan – sei es durch Menschen, die kein Verständnis für gesperrte Straßen haben oder solche, die einfach nicht verstehen, dass andere Menschen jetzt Hilfe von Rettungskräften benötigen.

Zum Glück aber gibt es häufiger dankbare und hilfsbereite Menschen. Die Betroffenen, die sich im Nachhinein bedanken oder auch Anwohner, die spontan Getränke bereitstellen oder bei längeren Einsätzen ihre Toilette zur Verfügung stellen, sich vielleicht bis zum Eintreffen weiterer Rettungskräfte um ihre geschockten Nachbarn kümmern oder, oder, oder.

Die meisten Menschen brauchen zum Glück die Gemeinschaft, so auch wir Feuerwehrleute unsere Kameraden, auf die wir uns im Ernstfall verlassen können, mit denen wir aber auch Spaß haben können bei Ausflügen oder die irgendwann zu Freunden geworden sind.

Gemeinschaft ist eines der wichtigsten Dinge bei der Feuerwehr, denn nur gemeinsam können die Einsätze abgearbeitet werden.

Die beste Ausbildung bringt einem aber wenig, wenn man allein vor einem brennenden Haus steht. Und genau das wird von Anfang an vorgelebt.

Fast alle Kinder lieben die Feuerwehr und verbinden eine Art von Heldentum damit. Die großen, roten Autos mit den blauen Blinklichtern, die kommen, wenn jemand Hilfe braucht oder es brennt. Diese kindliche Begeisterung kennen wir alle, oder?

Deswegen: Je früher wir anfangen, die Kinder und Jugendlichen zu fördern, desto mehr Personal haben wir später. Schon den ganz Kleinen, den sogenannten Bambini-Feuerwehren (Kinder 6-10 Jahre) wird Feuerwehr mit Spiel und Spaß nahegebracht.

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In der Jugendfeuerwehr (10-16 Jahre) kommt dann schon richtig viel Feuerwehrwissen in den Ausbildungsdiensten dazu, sodass man mit 16 Jahren in den aktiven Dienst der Freiwilligen Feuerwehr wechseln kann und gut vorbereitet ist, um dann in den Ausbildungseinheiten auf bestehendes Wissen aufbauen zu können.

Feuerwehr ist also sehr vielseitig und spannend und bietet viele verschiedene Möglichkeiten und verschiedenste Bereiche für unterschiedliche Interessen.

Inzwischen muss ich auch sagen, war es eine sehr gute Entscheidung, sich die Feuerwehr als Hobby auszusuchen. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, habe mir viel Wissen angeeignet, habe einen Ausgleich zu Beruf und Kindern gefunden, tue etwas Sinnvolles und bin relativ flexibel.

Und für alle, die nun noch mehr über Feuerwehr wissen möchten, welche Ausbildungseinheiten wir schon hatten, was es für Einsätze schon gab und was wir sonst so machen, denen empfehle ich die Facebookseite der Feuerwehren der Verbandsgemeinde Rüdesheim.“

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Fotos: Constanze Schurig, Feuerwehr Rüdesheim/Nahe

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1 Kommentar

  1. Danke Constanze für deinen Mut dir ein Hobby zu suchen was neben Teamgeist und körperlicher Power auch Technik/Wisssen und den Umgang mit schwierigen Situationen beinhaltet. Quasi Fußball für Anspruchsvolle 😉 und mit Mehrwert für die Gesellschaft!
    Feuerwehrfrauen und -Männern im Einsatz merkt man an, wenn sie mit Leib und Seele dabei sind.

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