Revenge Bedtime Prokrastination: Warum wir uns abends noch Trash-TV und Insta reinballern, statt einfach zu schlafen…

Revenge Bedtime Prokastination

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Ihr Lieben, wir sind ja sonst weit weg vom Ratgebertum, wir können kaum Tipps geben, weil wir uns ja selbst nur so durchwurschteln durchs Leben, unsere Bücher sind darum auch kein Service-Journalismus, wir bieten kein Infotainment, sondern Emotainment. Also emotionale Unterhaltung.

Wir können Identifikationsfläche bieten und von uns oder von anderen erzählen, aber eben keine Allheilmittel oder Praxis-Tipps wie das WissenschaftlerInnen können, die jahrelang zu ihren Themen forschen (wobei wir hier bei Stadt Land Mama im Kontakt mit euch ja eigentlich auch schon so ne Art jahrelanger Forschungserfahrung haben, oder?).

Revenge Bedtime Prokrastination: Ein Name für unsere Müdigkeit!

Und trotzdem wollen wir heute mal eine Ausnahme machen und ein bisschen Bildungsexpertinnen spielen, denn wir haben einen neuen Begriff gelernt, den wir euch heute dringend erklären möchten. Er heißt: Revenge Bedtime Prokrastination. Und wir lieben diesen Begriff!

Im Einzelnen bedeuten die Worte: Rache. Zu-Bett-Geh-Zeit. Prokrastinieren (also Dinge aufschieben). Bei dem Begriff geht es um ein Phänomen, von dem wir vermutlich ALLE grad betroffen sind. Es geht um die Zeit, wenn die Kinder im Bett sind, wir schon todmüde – und uns dann trotzdem nicht schlafen legen oder zur Ruhe kommen! Ihr kennt das soch auch, ODER?! Endlich gibt es einen Namen für dieses Phänomen!

Abends rumdaddeln statt schlafen: Zeit, die wir selbst gestalten

Weil das – gerade jetzt, in dieser krassen Zeit ohne externe Kinderbetreuung – für viele von uns einfach die erste Zeit am Tag ist, die wir SELBST gestalten können. In der wir wieder Herr bzw. Herrin über unser Tun sind. In dem wir SELBST entscheiden können. In der uns niemand anspricht, niemand braucht, niemand uns unterbricht.

Von dem Phänomen sind nämlich vor allem Menschen betroffen, die tagsüber einen viel zu straffen Zeitplan hatten. Die Zeit wird dann leider aber nicht sinnvoll genutzt, sondern oft mit viel zu viel Instagram oder Trash-TV. Einfach, weil für echte Hobbys die Kraft fehlt. Fühlt ihr euch jetzt etwa ertappt? Also ich schon. Und wie!

Wir schieben also das Schlafengehen (bedtime) für quasi Sinnloses auf (prokrastinieren) – als Rache (revenge) für den viel zu vollen Tag. Voilà: Revenge Bedtime Prokrastination. WIE TOLL IST BITTE DIESER BEGRIFF?!

Und wisst ihr, wann und wo ich ihn zu hören bekam? Abends um 22.55Uhr, als ich schon komplett übermüdet nach einem Homeschool-Tag im Bett lag und „nur noch mal eben“ in dieser neuen App „Clubhouse“ vorbeischauen wollte. Also exakt in dem Moment, als ich grad selbst vom Phänomen betroffen war und mich einfach nur noch kurz vom Schlafen abhalten wollte.

Dort diskutierten nämlich grad Susanne Mierau und ihr Mann Clemens unter dem Titel „CoronaElternSelbsthilfegruppe“ unter anderem mit Bloggerin Sonja Lehnert und Hebamme Anja Constanze Gaca. Diskussionsteilnehmer Ben Gross schaltete sich dann in die Diskussion ein und erzählte von der Revenge Bedtime Prokrastination.

Trash-TV und Insta geben uns die Kontrolle über unser Leben zurück

Es war für alle Zuhörenden ein so schönes Aha-Erlebnis, dass wir dann doch noch was gelernt hatten in der Zeit des Prokrastinierens, das dazu dienen sollte, die Kontrolle über unser Leben zurückzuerlangen. Ich dachte, das müsste ich mit euch teilen.

Denn wenn ihr das nächste Mal wieder abends den Dreh zum Einschlafen nicht findet, wie ihr euch noch mit medialem Schutt zuballert, dann denkt dran: Ihr seid einfach nur Teil eines wissenschaftlichen Phänomens. Und das ist doch auch schon mehr als nichts 😉  

Wenn ihr mehr zum Thema erfahren mögt, schaut gern mal bei unserer Kollegin Tollabea vorbei: Warum ist uns der Schlaf so unwichtig?

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10 comments

  1. Seit ca fünf Jahren bin ich nicht mehr bei Facebook angemeldet. Insta habe ich nie installiert und den Fernseher haben wir vor zwei Jahren verkauft. Am Anfang war es echt nicht leicht, man hatte ständig das Gefühl etwas zu verpassen. Doch mittlerweile, bin ich definitiv glücklicher. Ich habe mehr Zeit. Ich folge nicht jedem Trend, da ich ihn nicht mitbekomme. Mich interessiert nicht was irgendwelche Leute machen, wie oft sie in den Urlaub fliegen und was sie sich alles neues gekauft haben, wie irgendwelche Kinderzimmer von irgendwelchen Kindern aussehen usw.. Ich frage mich, warum man überhaupt fern sieht. Das Meiste was da läuft ist so großer Unsinn und bringt einen doch überhaupt nichts. Man belastet sich mit Problemen, Ängsten, Gefühlen die man so garnicht hätte und einige in der Film- und Medienbranche verdient sich damit eine goldene Nase. Künstlicher Mist ist für mich ein sehr passender Ausdruck!

    1. Susanne du sprichst so wahre Worte. Das lineare Fernsehen gibt es auch seit vielen Jahren nicht mehr bei uns.
      Ein Grund warum meine große Tochter noch nie einen Werbespot gesehen hat 🙂

      Was macht ihr denn stattdessen abends so?

      Liebe Grüße

    2. Liebe Susanne, dein Beitrag hat etwas sehr loriothaftes und ich musste echt lachen:)
      War das beabsichtigt?
      „Über den schlechten Geschmack eines Menschen spottet man nicht, sollte es aber wirklich einen Anlass zum Scherzen geben, schmunzle ich gern einmal“

  2. Mein Mann und ich leben unser Hobby: Pen&Paper Rollenspiel.

    Wir bestimmen wie unser Abend läuft und sind dabei auch noch kreativ.
    Seriegucken gibt’s nur einmal die Woche, haben fest gestellt, dass diese sinnlose Zeit uns nur deprimiert, wenn es zu viel wird.
    Instagram ist furchtbar, damit fange ich erst gar nicht an. Mehr Zeitverschwendung als so einen künstlichen Mist gibt es wohl kaum.

    Das Ergebnis unseres phantasievollen Hobbys:
    Wir sind beide 36 Jahre alt und seit 20 Jahren zusammen, haben zwei Kinder, wir streiten nie und sprechen JEDEN Abend stundenlang miteinander. Und Abends erleben wir zusammen Abenteuer und sind selbst etwas Kind geblieben 🤩

    1. Nova, schön für dich bzw euch. Aber in deinem Kommentar ist eine Abwertung. Und diese Abwertung spricht andere negativ an, die sich am „künstlichen Mist“ erfreuen

    2. „Wir streiten nie und sprechen jeden Abend stundenlang miteinander“.
      Mein persönlicher Beziehungsalptraum!!! Aber so sind Geschmäcker verschieden…:)

  3. Ja, das kann ich bestätigen. Ich brauche diese Zeit für mich. Schon immer bin ich nur spät am Abend bzw nachts für mich zur Ruhe gekommen. Jetzt in dieser verrückten Zeit rückt es noch mehr in die Nacht, weil mein Kind sich ohne andere Kinder und Kita nicht so austoben kann wie in einem Alltag ohne Pandemie und deshalb später ins Bett kommt. Da ich ihr noch etwas vorlese und wir kuscheln, passiert es oft, dass ich miteinschlafe. Das ist schön, aber verlorene Zeit für mich persönlich als ein alleiniges Ich. Lieber schlafe ich nur sechs Stunden, hatte aber zuvor mehr Zeit für mich, als pünktlich in die Koje zu kommen.

  4. Bingo! Voll erwischt! Habe grade diesen Artikel bei meiner Revenge Bedtime Prokrastination gefunden 😂
    Aber mal ganz ehrlich: wenn abends Mann und Kind im Bett sind, dann beginnt MEINE Zeit – auch wenn ich noch so müde bin. Ich kann machen, lesen, schauen, hören was ICH will! Und ich genieße dass…
    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag.

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