Fragen an Lisa zu Jugendthemen, Wohnsituation und Weiterbildung

Fragen an Lisa

Foto: Akofa Korfmann

Ihr Lieben, vor ein paar Tagen hatte ich euch bei Instagram gefragt, ob ihr „Fragen an Lisa“ habt und da kamen so viele schöne Neugierbekundungen von euch, dass ich hier nochmal für alle in einem Beitrag zusammengefasst habe, was ich so antwortete.

Ich hatte dann auch gefragt, wie euch eine regelmäßige und wiederkehrende Kolumne von mir zu Jugendthemen gefallen würde und die Resonanz war eindeutig: Es gibt VIEL zu wenige Anlaufstellen und Infoquellen für Eltern jugendlicher Kinderm, weswegen wir uns dazu entschieden haben, hier regelmäßig, vermutlich mittwochs, in Frage-Antwort-Stil eure Fragen zum Thema Pubertät oder Jugend zu stellen. Bitte reicht uns eure möglichst konkereten Fragen einfach per Mail ein, und zwar an info(at)stadtlandmama(punkt)de.

Am besten nicht: Wie gehe ich mit der anfangenden Pubertät um? Das ist so allgemein, dass ich dazu wenig sagen kann. Besser: Neulich, als ich meine Tochter zur Schule bringen wollte, sollte ich bitte zwei Straßenecken weiter weg parken, weil sie sich auf keinen Fall mit ihrer peinlichen Mutter blicken lassen wollte. Soll ich das persönlich nehmen oder ist das normal? Gab´s das bei dir auch und wie bist du damit umgegangen.

Fragen an Lisa: Ich bin weder Pädagogin noch Erziehungsberaterin

Ihr wisst: Ich bin weder Pädagogin noch Erziehungsberaterin, ich kann euch nur Erfahrungswerte und mütterlich erprobte Fallbeispiele nennen hier – aber vielleicht macht ja auch gerade das den Reiz aus. Wir kochen doch alle nur mit Wasser und müssen trotzdem irgendwie Alltagslösungen finden, oder?!

Schickt uns also gern eure Geschichten und Fragen und falls noch jemand eine gute Idee hat, wie wir die Kolumne nennen können… auch hier freuen wir uns über Input. Pubertäts-Pranks oder Jugend-Jodelei, hahaha, ihr seht: Ich selbst hab da so meine Kreativitätsgrenzen 😉 Jetzt erstmal eure Fragen aus der letzten Woche und meine Antworten dazu.

Wie kommen deine Kinder damit klar auf dem Land zu leben? Vor allem, was die Anbindung betrifft und Freunde treffen?

Für junge Kinder ist es natürlich fantastisch, mit Wald, Wesen und Garten aufzuwachsen, spätestens im Jugendalter wird das aber nervig, wenn man unabhängig sein will. Die Große kennt den Busfahrplan auswendig, hat einige Freunde mit Auto und kann bei trockenem Wetter mit dem Roller unterwegs sein. Einer der Söhne hat jetzt den Mofa-Führerschein theoretisch bestanden und wartet nun auf seine Praxisprüfung, danach kann er so ein 45er-Töff Töff-Auto mit zwei Plätzen fahren, so dass die Zwillinge wenigstens ohne mich zum Training können. Das sind mindestens vier Hin- und Rückfahrten pro Woche.

Wie geht es dir damit, wenn die Kids nachts unterwegs sind? Wirst du auch munter, wenn sie heimkommen?

Richtig gut, um ehrlich zu sein, ich freu mich, wenn sie Spaß hat (bislang geht nur die Große regelmäßig feiern). Ich lasse mein Handy an für den Fall, dass was ist und bitte darum, den Snapchat-Standort einzuschalten. Meist kommt sie nicht nach Hause dann, weil wir einfach so weit weg vom Schuss wohnen und sie lieber bei Freunden oder Freundinnen übernachtet, die zentraler wohnen und besser erreichbar sind.

Ich muss aber mal schauen, wie es mir geht, wenn die Jungs dann auch regelmäßg weggehen, denn da mache ich mir lustigerweise mehr Sorgen wegen möglichem Gruppenzwang oder Selbstüberschätzung, aber vor allem, weil ich so Angst vor doofen Schlägereien hab, bei denen dann jemand unglücklich stürzt oder getroffen wird, dass es Spätfolgen haben konnte. (Vielleicht spielt da aber meine eigene Prägung mit rein: Ich habe als Jugendliche nie Belästigungen erlebt, aber viele Schlägereien gesehen…)

Ihr wohnt mit mehreren Generationen auf einem Hof, oder?

Ja, genau. Fern des Ortsschilds auf einem Berg mit viel Wald und etlichen Wesen drumherum. Früher, bevor mein Ur-Opa ihn kaufte, war es mal ein Bauernhof, wir betreiben aber keine Landwirtschaft mehr. Wir wohnen hier mit 14 Personen, unter anderem auch mit meinen Eltern und meinem Bruder, alle unter einem Dach. Es gibt einen Gemeinschaftsraum, alle haben aber unterschiedliche Wohnbereiche mit eigenem Eingang. Trotzdem muss man das Haus nicht verlassen oder Schuhe anziehen, wenn man die anderen besuchen will, man muss nur die Tür zur nächsten Wohneinheit aufmachen – da ist nichts abgeschlossen 😉 Weil es dazu so viele Nachfragen gab, werde ich der Wohnsituation aber vielleicht einfach nochmal einen Extra-Beitrag widmen.

Würdest du wieder zurück in die Stadt ziehen wollen?

Oh, ganz oft wünsche ich mir das, wenn ich die Nachmittage mal wieder im Auto zwischen Tennis- und Fußballplatz und Supermarkt und Schulveranstaltungen verbringe. Ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann man hier leider nicht leben und in Corona-Zeiten sieht man fast nur Verwandte 😉 So ein Restaurant oder Theater oder Freunde mal zu Fuß oder mit einer Bahn zu erreichen, wäre schon toll. Wir haben ja bis 2012 mit den Kindern in Berlin gelebt… Im Sommer aber einfach auf der eigenen Terrasse sitzen und keinen Verkehr zu hören, keine Nachbar-Essen zu riechen und zu grillen, dazu niemals einen Parkplatz suchen zu müssen, das hat schon auch was. Es hat alles Vor- und Nachteile.

Wie gehst du mit Schulstress und schlechten Noten um, falls das überhaupt ein Thema bei euch ist?

Das ist bei uns definitiv auch Thema und wenn ich eins in der Elternschaft unterschätzt habe, dann, wie viel Raum die Schule im Familienleben einnimmt. Auf schlechte Noten reagiere ich mit Mitgefühl und Unterstützungsangeboten. Ich frage auch die Lehrkräfte, was wir noch tun können. Ansonsten haben wir uns mit der Wahl der weiterführenden Schule damals echt schwergetan, haben dann auch freiwillig die fünfte Klasse wiederholen lassen und zwei Kinder haben nach der Corona-Zeit auch noch mal die Schule gewechselt (nicht die Schulform, nur die Schule). Mit der neuen Schule sind sie aber superhappy sei mittlerweile zweieinhalb Jahren. Ist auf jeden Fall immer was los bei uns, was das angeht.

Was macht ihr am 18. Geburtstag der Großen und was macht sie nach der Schule?

Es soll eine Party geben, aber nicht am Geburtstag selbst. Der ist mitten in der Woche und mitten in den Sommerferien. Da sie am Tag darauf zu einer Reise aufbricht, werden wir vermutlich aber ein bisschen reinfeiern. Nach der Schule möchte sie erstmal reisen, aber auch studieren, am liebsten in Berlin… da gibt´s ihren Wunsch-Studiengang aber leider nicht, weshalb sie für den Bachelor möglicherweise doch erstmal in NRW bleibt. Das ändert sich aber grad auch mal öfter und es bleibt spannend.

Wie läuft’s mit deiner Ausbildung zur Familien-Trauerbegleiterin und wie bist du da rangekommen?

Ich interessiere mich seit hierher für Menschen und ihre Emotionen und Geschichten. Bei einer Reportage über Hinterbliebene des Germanwings-Unglücks für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung habe ich als Journalistin eine von Mechthild Schroeter-Rupieper begleitete Trauergruppe besucht. Sie sagte danach: „Ihr empathischen Journalistinnen seid auch eine Form von Trauerbegleiterinnen. Wenn du irgendwann mal die Zeit dafür hast, macht doch gern die Ausbildung bei mir“. Den Basiskurs bei Lavia Familientrauerbegleitung habe ich dann im März 23 abgeschlossen. Meinen Aufbaukurs beende ich im Juli 24 und auch meine Ausbildung zur Notfallseelsorgerin, die ich parallel noch mache. Würde ich dazu auch nochmal ein eigener Beitrag interessieren? Wie ich da jetzt auch arbeite in meinen Einzelbegleitungen?

Sind Schlägereien oder Streit in der Schule ein Thema bei euch?

Haben wir zum Glück noch nie Probleme mit gehabt, die Jungs hatten über Jahre genug damit zu tun, sich gegenseitig zu verhauen 😉 Eineiige Zwillingskonkurrenz oder einfach Geschwisterrivalität. Aber mit der Reife ist es damit zum Glück vorbei, seit etwa dem 14. Geburtstag läuft es hier zu Hause viiiel harmonischer zwischen ihnen (das schönste Geschenk nach Jahren der Konflikte, wirklich… sie planen grad sogar ein gemeinsames Auswandern nach New York). In der Öffentlichkeit bzw. „da draußen“ sind sie aber absolut konfliktscheu und haben noch nie Probleme gehabt, alle Drei nicht.

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Und nun freue ich mich über eure Fragen und Anregungen!


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6 comments

  1. Oh, mich würde ein Beitrag über Trauerbegleitung interessieren. Ich habe selbst schon überlegt, diesen Weg einzuschlagen. Mich würde vor allem das Grundsätzliche interessieren, Ausbildung, Kosten, wo arbeitet man dann? Ist es ausschließlich Ehrenamt oder gibt es auch Möglichkeiten dies „fest“ zu machen.
    Hast du Erfahrungen selber mit dem Thema?
    Ich habe mit 13 meinen Vater wegen Krankheit verloren, darüber wurde nie gesprochen. Und es hat mich im Erwachsenenalter eingeholt. Ich habe aber gemerkt, wie wichtig es ist dieses Thema zu entabuisieren. Als eine liebe Freundin vor ein paar Jahren starb, hatten die Kinder eine wunderbare Trauergruppe. Und genau sowas hat uns damals gefehlt, dabei ist es so wichtig, die Hinterbliebenen abzuholen, vor allem wenn bspw dem verbleibenden Familienmitgliedern zu Kraft fehlt.
    Die Auseinandersetzung mit der Trauer und den Gefühlen hat mir selber sehr geholfen.

  2. Mega Idee! Fände es gut, wie man mit den ersten Lieben der Kids umgeht, also wann dürfen die übernachten, wann lernt man sie kennen usw.

  3. Hallo Lisa, ich habe noch kein Kind in Pubertät oder jungem Erwachsennalter, aber finde es spannend eure Erfahrungen aufzusaugen! Ganz tolle Idee mit der Teens-Kolumne! Und ich würde mich freuen, mehr von deinen Erfahrungen in der Trauerbegleitung zu lesen. Ehrlich gesagt, als ich damals gelesen habe, dass Du die Ausbildung machst, hat mich das total überrascht. Einfach, weil du so fröhlich und unbeschwert wirkst für mich. Aber das schließt so etwas natürlich überhaupt nicht aus und hatte eher mit mir selbst zu tun 😉. Ich selber habe bei dem Thema Umgang mit Trauer nie hingeguckt, was da wirklich hintersteht. Es ist super, dass du da anders rangehst. Jetzt haben deine bisherigen Berichte mich dazu tatsächlich richtig für das Thema interessiert. Ich finde es toll, dass du dich da engagierst und ich würde mich über weitere Einblicke freuen. Danke!

  4. Ein schöner Einblick, danke!

    Eure Wohnsituation klingt sehr spannend. Wenn es im Großen und Ganzen harmonisch läuft, dann finde ich so ein Zusammenleben im größeren Familienverbund echt klasse. Wie gestaltet ihr das Zusammenleben konkret? „Läuft“ es gewissermaßen von selber ohne größere Schwierigkeiten / Konflikte? Oder gibt es die eine oder andere explizite oder implizite „Regel“, gemeinsame Abläufe, von allen respektierte „Tabus“ o.ä.?
    Pflegt ihr Eltern engere soziale Kontakte in eurer Wohngegend oder sind eure Freunde eher weiter weg?

  5. Eine Frage zu Jungs: Ihr habt ja auch zwei begeisterte Fußballspieler, wie gehen die mit Pausen durch Verletzungen um? Wie lief der Wechsel in die C- Jugend, da ist die körperliche Entwicklung der Spieler ja bis zu 6 Jahren unterschiedlich? Wir haben hier einen kleinen C- Jugendspieler, der durch den Geburtstag im Dezember auch noch der Jüngste ist, er knabbert gerade an der Umstellung vom Stammspieler bis zur D- Jugend jetzt „nur noch Nachwuchs“ zu sein. Zu allem Pech muss er auch gerade noch eine vierwöchige Verletzungspause einlegen. Wie kann ich ihn aufmuntern? Ohne dabei natürlich peinlich zu sein?

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