Raus aus dem Mamsterrad: Stressige Mama-Momente besser meistern

Mamsterrad

Foto: Oliver Reetz

Ihr Lieben, ihr kennt das Gefühl doch auch, wenn ihr das Gefühl habt, die ganze Last der Familie liegt irgendwie auf euren Schultern und drückt euch nieder. Wenn ihr Ruhe bräuchtet, läuft das Familien-Rad einfach weiter, Hausarbeit, Wutanfälle, Pipapo – ohne Rücksicht auf Verluste. Herzlich Willkommen im Mamsterrad! Ihr wisst doch sofort, was gemeint ist, oder?

Und deswegen haben sich Imke Dohmen und Judith Möhlenhof rund um diesen Begriff ein tolles Business für Mamas aufgebaut. Mit Academy, Blog und…. nun auch noch einem phänomenalen Buch: Gemeinsam aus dem Mamsterrad. Wie du es schaffst, stressige Momente im Alltag mit mehr Leichtigkeit zu meistern.

Familienalltag
Gemeinsam aus dem Mamsterrad. Wie du es schaffst, stressige Momente im Alltag mit mehr Leichtigkeit zu meistern.

Bei allem, was die beiden tun, geht es darum, Müttern Möglichkeiten aufzuzeigen, aus eingefahrenen Mustern auszubrechen und das eigene Denken, Fühlen und Handeln wieder leichter werden zu lassen. Dabei haben sie nicht nur insgesamt sechs Kinder im Alter zwischen einem und neun Jahren, Imke ist auch noch Mama-Coach, Gründerin (Mutterhelden) und Heilpraktikerin für Psychotherapie, Systemische Therapeutin, Hypnose- und Traumatherapeutin, Erziehungsberaterin. Judith ist Online Redakteurin und hat viele Jahre in einer großen Agentur „Was mit Medien“ gemacht, tummelt sich gerne in den sozialen Netzwerken und schreibt seit 2010 ihren Blog judetta.de. Was für ein Glück, dass wir diese Knaller-Frauen heut zu Gast hier im Blog haben dürfen!

1 Mio. Downloads zählt euer 15-Minuten-Podcast für Mütter. Ihr habt also einen guten Einblick. Erlebt ihr Mütter hierzulande als unzufrieden/unglücklich oder eher als happy?

Na ja, in unseren Augen ist das nichts, was wirklich so schwarz-weiß betrachtet werden kann, denn verschiedene Gefühle, auch, wenn sie im ersten Moment völlig widersprüchlich erscheinen, schließen einander ja nicht automatisch aus. Beispielsweise können wir in einem Moment unbeschreiblich glücklich sein, wenn sich zwei kleine Ärmchen um unseren Hals schlingen und uns ein nach Gummibärchen riechendes „Hab dich so lieb!“ ins Ohr hauchen. Trotzdem gibt es Tage, an denen wir – und damit meinen wir alle Mütter – abends unzufrieden im Bett liegen, mit uns hadern, weil wir vielleicht wieder zu viel gemeckert haben und unglücklich darüber sind, dass wir mal wieder nicht so reagiert haben, wie wir es uns eigentlich vorgenommen hatten. Dazu kommt, dass man das schlichtweg nicht pauschalisieren kann, weil die Lebenssituationen, in denen sich Mütter befinden, einfach zu unterschiedlich sind.

Was wir aber definitiv beobachten, ist, dass Mütter sich selbst gegenüber höchstkritisch sind, sehr hart mit sich ins Gericht gehen und extrem hohe Erwartungen an sich selbst stellen. Kein Wunder, wenn an jeder Ecke und insbesondere in den sozialen Medien ein Bild von Mutterschaft suggeriert wird, das mit der Realität meist nicht viel am Hut hat.

Das Besondere an eurem Buch: Ihr beschreibt schwierige Situation im Erziehungsalltag nicht nur aus der Perspektive der Eltern, sondern zusätzlich aus der Perspektive des Kindes. Wie kamt ihr drauf und wie reagieren die Leserinnen darauf? Welchen Effekt hat das, macht es die Eltern so empathischer?

Oft ist es ja so, dass uns bestimmte Situationen mit unserem Kind besonders triggern – nehmen wir doch mal das Beispiel an der Supermarktkasse, das uns allen geläufig sein dürfte. Es ist schon später Nachmittag, wir sind geschafft von unserem vollgepackten Tag und wollen eigentlich nur noch fix ein paar Äpfel kaufen und dann nach Hause. Irgendwie ist das Kind nach dem Kindergarten heute aber besonders quengelig. Beim Warten an der Kasse eskaliert es dann – unser Kind fragt zum siebzehnten Mal nach einem Schokoriegel, den wir ihm vor dem Abendessen und um diese Uhrzeit aber nicht mehr geben möchten. Unser letztes „Nein!“ war offenbar eins mehr, als unser Kind verknusen konnte und zack, dürfen wir einen ausgewachsenen Wutanfall aus allernächster Nähe beobachten – und hören. Und zwar so laut, dass die Menschen drei Geschäfte weiter vermutlich auch noch etwas davon haben.

Haltet mal kurz inne – könnt ihr euch in diese unangenehme Situation hineinversetzen? Welche Gefühle steigen jetzt hoch? Welche Impulse kommen auf? Um diese Situation für alle gut aufzulösen zu können, müssen wir einfach verschiedene Seiten berücksichtigen, also die Perspektive wechseln.

Denn was bei deinem Kind gerade passiert und in welchem Entwicklungsschritt es sich derzeit befindet, ist ausschlaggebend für diese Situation. Es kann vielleicht schlichtweg gar nicht anders reagieren, weil seine kleine Welt gerade komplett zusammenbricht. Es versteht noch nicht, dass unser „Nein!“ nicht zwangsläufig „Niemals mehr!“ meint und ist kognitiv noch gar nicht in der Lage, eine mögliche Alternative (zum Beispiel „Vielleicht aber morgen“) zu erkennen.

Obendrauf kommt in dieser sowieso schon nicht ganz einfachen Ausgangslage, dass in solchen Situationen bei den meisten von uns automatisch Gedanken ablaufen, die fest in unseren Köpfen verwurzelt sind, sich aber eher mit dem Außen befassen: „Puh, das ist mir jetzt aber unangenehm vor den Leuten“, wäre zum Beispiel so einer. Das potenziert unseren Stress und verhindert, dass wir in dieser Situation ganz bei unserem Kind und uns selbst bleiben können.

Hätten wir nun beide Seiten besser im Blick, also den derzeitigen Entwicklungsstand unseres Kindes und das Päckchen, das wir vermutlich schon seit unserer eigenen Kindheit mitschleppen, würde es uns wahrscheinlich besser gelingen, unser Kind verständnisvoll und altersgerecht durch seine Wut zu begleiten und gleichzeitig gelassener zu bleiben und auf das Außen zu pfeifen.

Der Kollege macht Quatsch, wir lächeln milde. Das eigene Kind macht Quatsch und wir könnten durch die Decke gehen: Warum reagieren Eltern oft so unverhältnismäßig?

Auch hier muss man wieder zwei Seiten betrachten. Beim Kollegen sind wir nicht persönlich involviert, tragen keine Verantwortung. „Fremdquatsch“ amüsiert uns vielleicht, ist aber meistens auch gleich wieder vergessen. Wenn unser Kind nun an der roten Ampel aber lieber tanzen als stillstehen möchte, springt unsere Gefahrenzentrale an – schließlich wollen wir unser Kind beschützen und verstehen einfach nicht, dass es die Gefahr selbst noch nicht sieht. Dabei haben wir ihm das schon hundertmal erklärt – wie oft müssen wir es denn noch sagen, bis es das endlich versteht?

Und als zweites, wenn es zum Beispiel um die fliegenden Erbsen am Mittagstisch oder im Eifer des Gefechtes übergeschwapptes Badewasser geht, was wir als Kind selbst unheimlich lustig gefunden hätten, werden unsere eigenen unerfüllten Bedürfnisse als Erwachsene getriggert. Denn wir Eltern neigen dazu, rund um die Uhr die Bedürfnisse anderer erfüllen zu wollen, unsere eigenen dabei aber komplett zu übersehen. Wir sorgen nicht gut genug für uns selbst. Das führt zu körperlicher und mentaler Erschöpfung, Unwohlsein und der sprichwörtlichen kurzen Lunte, die dann manchmal sogar ein Direktzünder ist.

Wenn wir also merken, dass wir vielleicht mal wieder zu viel gemeckert oder völlig unangemessen (über)reagiert haben, sollten wir uns dafür nicht noch verurteilen, sondern viel lieber mal schauen, wie es uns eigentlich wirklich gerade geht und ob es da nicht vielleicht etwas Optimierungsbedarf gibt. Naja, und uns bei unserem Kind für solche Reaktionen aufrichtig zu entschuldigen, ist auch eine gute Idee. Denn so bleiben wir unserem Kind gegenüber echt und authentisch, machen uns nahbarer und leben ihm gleichzeitig vor, dass Fehler machen durchaus erlaubt ist und wie wichtig es ist, auch über unangenehme Situationen im Nachgang sprechen zu können

„Muttersein ist eine Aufgabe, in die wir ohne Ausbildung schliddern“, sagt ihr. Findet ihr, es bräuchte eine Mütterausbildung?

Eine solche Ausbildung kann es ja gar nicht geben, denn jede Person, jede Mutter, jede familiäre Situation ist anders und kann nicht pauschal betrachtet werden. Ergo kann man auch niemanden umfassend darauf vorbereiten.

Was wir uns viel mehr wünschen, ist, dass Mütter sich diesen Situationen und den Umständen wirklich bewusstwerden, in denen sie stecken. Dass sie annehmen, dass es eben manchmal holprig ist, dass sie vieles ja auch gerade zum ersten Mal machen und es dabei schlichtweg ruckeln darf. Es ist okay, manchmal nicht weiter zu wissen oder sich mit etwas nicht gut zu fühlen, Dinge auszuprobieren, anders zu machen und wieder zu verwerfen, wenn sie nicht funktionieren. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, jede Familie darf ihren eigenen finden! Wenn Mütter das verinnerlichen könnten, würden sie sich selbst mit mehr Verständnis und Nachsichtigkeit begegnen und das wiederum würde zu mehr Gelassenheit führen.

Job, Haushalt, Hobbys, Beziehung, Freundschaften, Kinder: Wie kommen wir raus aus dem Mamsterrad? Oder besser: Wie bleiben wir drin, kommen da aber ohne Drehwurm durch?

Das Wichtigste ist wohl, sich selbst stets im Blick behalten, immer mal wieder zu hinterfragen, was gerade rund läuft und was eiert, und sich zu trauen, den Alltag ausschließlich auf die Bedürfnisse der eigenen Familie zuzuschneiden. Idealerweise aber nicht als Einbahnstraße, also nur in eine Richtung ausgerichtet, sondern so, dass dabei nach Möglichkeit die Bedürfnisse aller Familienmitglieder Berücksichtigung finden.

Dazu gehört auch, Dinge anzunehmen, die man nicht ändern kann, loszulassen, was nicht zu funktionieren scheint und neu auszuprobieren, was stattdessen passen könnte. Wir denken häufig zu starr und können uns schwer von Gewohntem lösen („Das hat doch bisher auch immer funktioniert“ oder „Das kenne ich so schon aus meiner eigenen Kindheit, dann wird es auch seine Richtigkeit haben“). Dabei ist es total okay, neue Wege einzuschlagen, wenn man auf alten nicht weiterkommt. Auf die Gefahr hin, dass es total abgedroschen klingt: Auch stressige Zeiten sind meistens nur eine Phase, nichts muss also „für immer“ sein.

Wutanfälle, weil das Toastbrot morgens falsch durchgeschnitten wurde oder das Geschwisterkind die Etagen-Taste im Aufzug gedrückt hat…. Draaaaaama. Ihr habt einen SOS-Plan für schwierige Situationen. Verratet ihr uns den?

Vermutlich kennen das viele: Manchmal schnitzen wir verständnisvoll ein neues kleines Kunstwerk aus dem zuvor falsch geschnittenen (also eigentlich schon völlig zerstörten!) Brot, zaubern lächelnd ein tolles Ablenkungsmanöver aus dem Hut und spenden ganz nebenbei noch Trost. An anderen Tagen kommen wir mit solchen Situationen nicht so gut klar und würden am liebsten erst das Brot an die Wand und dann uns mit einer Decke über dem Kopf wieder ins Bett werfen. Grundsätzlich gilt: Je besser wir tagtäglich für uns selbst sorgen, desto besser können wir mit all den kleinen Dramen im Alltag jonglieren.

Doch wie schafft man es, sich als Mutter auch gut um sich selbst zu kümmern? Dafür haben wir im Buch fünf Tipps, die man wunderbar präventiv einsetzen kann. Hilfreich ist zum Beispiel, sich nicht nur dafür zu grämen, was man – mal wieder – alles nicht geschafft hat, sondern sich aufzuschreiben, was wir alles erledigt haben. Denn oft erkennen wir erst dann, dass es sehr wohl eine ganze Menge ist, die wir Mütter „mal eben nebenbei” wuppen. So können wir lernen, uns selbst wertschätzender und verständnisvoller gegenüberzutreten. In weiteren Tipps verraten wir zum Beispiel, wie man kleine Pausen fest in den Alltag integrieren kann.

Vorbeugen ist super, aber klar, es gibt auch Situationen oder sogar ganze Tage, an denen scheint nichts mehr zu gehen – höchstens noch mehr schief. Für diese Momente haben wir unsere SOS-Tipps für den Akutfall entwickelt. Der Schlüssel ist dann, sich selbst aus der schwierigen Situation herauszuziehen und für Ablenkung zu sorgen. Denn Ablenkungen nimmt unser Gehirn äußerst dankbar an, sie sind sprichwörtlich der Notausgang aus unserer Wut. Hilfreich sind beispielsweise ein paar bewusste Atemzüge am weit geöffneten Fenster, Bewegung oder verschiedene andere Achtsamkeitsübungen. Auch ein lauthals geschmettertes „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“ (wobei der Text gern auf die jeweilige Situation umgedichtet werden darf) ist in einer emotional-brenzligen Situation nicht zu unterschätzen.

Wie schafft ihr ganz persönlich, mit mehr Leichtigkeit durch euren Familienalltag zu gehen? Oder schafft ihr das gar nicht so gut und das Schreiben des Buches war auch ein bisschen so ein gutes Zureden zu euch selbst 😉, quasi eine Selbst-Therapie?

Dadurch, dass wir mit unserem Podcast jede Woche Mütter dahingehend beraten, eine von uns ja sogar in ihrer täglichen Arbeit als Mama-Coach und Erziehungsberaterin, sind wir darin ganz gut geübt. Aber mal ganz abgesehen davon sind wir ja auch nur Menschen. Das heißt, auch bei uns gibt es immer wieder mal Phasen, die besonders herausfordernd sind und uns an unsere Grenzen oder sogar darüber hinausbringen. Nicht zuletzt durch unsere Arbeit gelingt es uns aber in solchen Momenten meistens, uns entsprechend zu reflektieren und uns selbst mit Verständnis zu begegnen, wenn die Leichtigkeit im Alltag mal zu wünschen übriglässt.

Aber sagen wir es mal so: Dieses Buch hätten wir uns vor ein paar Jahren selbst dringlichst gewünscht und hoffen, dass wir damit viele Mamas da draußen gut begleiten können.

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