Fressen und Gefressen werden

natur

Liebe Lisa, seit wir aus unserer Stadtwohnung an einer vierspurigen Straße im Prenzlauer Berg in eine neue Bude in einem grüneren Bezirks Berlin gezogen sind, lernt meine Tochter viel Neues. Einmal pro Woche geht sie mit der Kita in den Wald, beobachtet dort Tiere, sammelt Stöcke und Blätter. Natur eben. Aber: Die Natur ist eben auch „Fressen und Gefressen werden“. Während sie in unserem alten Kiez höchstens mal ein paar tote Ameisen gesehen hat, standen wir nun am Wochenende vor einem blutenden Eichhörnchen-Baby. Willkommen in der Realität. Nachbars-Kinder hatten gerade eine fette Krähe verscheucht, die drauf und dran war, das Tierbaby bei lebendigem Leibe zu fressen. Die Mutter eines Nachbar-Mädchens ist dann mit dem Tierkind zum Tierarzt – es ging alles gut aus. Trotzdem beschäftigte dieser Anblick meine Tochter natürlich enorm. Genau wie die Tatsache, dass Vogel-Mamis ihre Nester so versteckt bauen, dass die Katzen es möglichst nicht finden. „Was macht denn die Katze, wenn sie die Vogel-Eier findet?“, fragte meine Tochter. Nun hätte ich lügen können, vielleicht wäre es in diesem Falle sensibler gewesen. Aber ich sagte: „Die frisst die Vogeleier auf. Aber ganz oft schafft es die Vogel-Mutter, die Katzen mit dem spitzen Schnabel zu verjagen.“ „Und wenn die Vogelmutter mal weg ist und die Katze nicht verjagen kann, frisst sie Katze dann alle Eier auf?“ „Ja, dann ist das wohl so.“ Meine Tochter war geschockt. Ich beeilte mich, tausend Sachen zu sagen, die es harmloser scheinen lassen, aber ich merkte, dass diese Erkenntnis tief saß.

Auch ich kam über diese Geschichte ins Grübeln. Katzen und Vogeleier sind ja erst der Anfang, wenn man bedenkt, was die große weite Welt an Gemeinheiten zu bieten hat. Ich möchte meine Kinder beschützen, ihren möglichst lange so vie Sicherheit wie möglich geben – ohne eine künstliche Umgebung zu schaffen und sie in Watte zu packen. Noch weiß ich nicht genau, wie das gehen soll. Und noch weniger weiß ich, ob ich es schaffe – ich kann sie ja nicht den Rest ihres Lebens 24/7 beschatten. Vielleicht klingt es albern, aber als ich abends im Bett lag, hoffte ich sehr, dass meine Kinder einen Schutzengel an ihrer Seite haben.

 

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6 Kommentare

  1. @sockenmonster
    Ja, bei uns kommen tierische Produkte auf den Tisch- bei Euch nicht? Das finde ich spannend – Hast Du Lust, mir was darüber zu erzählen? Dann schick mir doch eine Mail! Grüße!

  2. @sockenmonster
    Ja, bei uns kommen tierische Produkte auf den Tisch- bei Euch nicht? Das finde ich spannend – Hast Du Lust, mir was darüber zu erzählen? Dann schick mir doch eine Mail! Grüße!

  3. Ich versteh Dich auch,
    versuche aber immer bei Fragen oder Erklärungsbedarf das kindgerecht zu erklären. das geht eigentlich immer.
    Und von wegen heile Kinderwelt und die böse Welt da draußen: kommt bei Euch nicht auch irgendwann mal ein tierisches Produkt auf den Teller? Das ist genaugenommen nämlich noch weitaus schlimmer.

  4. Ich versteh Dich auch,
    versuche aber immer bei Fragen oder Erklärungsbedarf das kindgerecht zu erklären. das geht eigentlich immer.
    Und von wegen heile Kinderwelt und die böse Welt da draußen: kommt bei Euch nicht auch irgendwann mal ein tierisches Produkt auf den Teller? Das ist genaugenommen nämlich noch weitaus schlimmer.

  5. Ich versteh Dich…
    …ich würde nämlich auch manchmal gerne die ganze Welt mit Türschutzgittern und rosa Marshmellows und Seifenblasen verpacken, damit dem Kiddo kein Schmerz widerfährt. Was natürlich Nonsens ist. Aber das Bedürfnis ist trotzdem da.

  6. Ich versteh Dich…
    …ich würde nämlich auch manchmal gerne die ganze Welt mit Türschutzgittern und rosa Marshmellows und Seifenblasen verpacken, damit dem Kiddo kein Schmerz widerfährt. Was natürlich Nonsens ist. Aber das Bedürfnis ist trotzdem da.