Gastbeitrag: Wie Mobbing meiner Tochter das Leben zur Hölle machte

lilly

Die Tochter unserer Leserin Julia wurde in ihrer Schule gemobbt. Es war eine harte Zeit für die ganze Familie, weil Tochter Lilly sich komplett zurück zog und niemand mehr an sich heran ließ. Heute schreibt Julia ihrer Tochter einen Brief und lässt die ganze Geschichte Revue passieren: 

Meine liebe Lilly, es ist Anfang September 2016, die Sommerferien sind gerade zu Ende und für dich beginnt die vierte Klasse. Ich sehe, dass du aufgeregt bist und dich auf die Schule und das Wiedersehen mit deinen Freundinnen freust. Vor allem Angeline hast du jetzt lange nicht gesehen. Auch im Verein laufen die Proben wieder an und ich sehe mit Stolz, dass du dich an das Instrument heranwagst, das mir so sehr am Herzen liegt. Du bist lieb, hilfsbereit und tolerant. Du versuchst, allen gerecht zu werden und deine Aufmerksamkeit auf alle Individuen in deinem Leben zu verteilen. Du kümmerst dich liebevoll um deine krebskranke Omapa, der Mama deines Papas. Du weißt, dass sie nicht mehr allzu viel Zeit auf dieser Welt hat. Das macht dich traurig, aber du gehst mit unserer Hilfe ganz wunderbar und ohne Berührungsängste damit um und beschenkst sie mit ein paar schönen Stunden.

Die Tage vergehen, der September neigt sich dem Ende zu. Langsam wird mir bewusst, dass du dich veränderst. Zum einen körperlich. Ich sehe, dass die Pubertät so langsam Einzug hält in dein Leben, außerdem fällt mir auf, dass du ein bisschen zugenommen hast. Aber auch charakterlich veränderst du dich. Du bist in letzter Zeit schnell aufbrausend und zickig. Selbst im Verein hat man mich deshalb schon zur Seite genommen. Sie sagen, du seist respektlos gegenüber Erwachsenen. Ich bin irritiert und frage mich, warum du dich veränderst.

Deine Omapa stirbt. Und mit ihr geht ein Teil von dir. Ich trauere mit dir und wegen dir. Es tut weh zu sehen, wie deine Omapa dir fehlt. Deine Wutausbrüche schiebe ich darauf und erkläre auch im Verein, was los ist. Alle reagieren mit Verständnis, behandeln dich liebevoll und lassen dir deine Temperamentausbrüche durchgehen. Ich fühle mich wie eine Marionette zwischen Arbeit, Kindern, Verein, dem trauernden Sohn deiner Omapa – meinem Mann. Die Beisetzung und alle Bürokratie, die folgt, nagen schwer an mir. Ich muss stark sein für deinen Papa, seine Schwester und für euch. Ich habe Angst, dass du und dein Bruder zu kurz kommen.

Doch wir überwinden diese Phase, du freust dich auf Weihnachten und machst eine lange Wunschliste. Deine Wutausbrüche bleiben jedoch. Ich sehe, dass du dich zurückziehst und immer häufiger geraten wir heftig aneinander. Eigentlich bist du doch sehr hilfsbereit – doch wenn ich dich jetzt um Kleinigkeiten bitte, gehst du sofort in die Luft. Du knallst mir die Tür vor der Nase zu und wirfst mir Gemeinheiten an den Kopf. Auch mit deinem Bruder streitest du jetzt sehr oft und der Papa bekommt ebenfalls regelmäßig deine Wut zu spüren. Wir sind ratlos. Was ist nur los? Soll das alles nur die Pubertät sein? Ich beginne, mich zu belesen. Ich erfahre, dass man mit pubertierenden Kindern sehr verständnisvoll umgehen muss, denn oft wissen sie selbst nicht, was mit ihnen los ist. Es ist wie ein kalter Neustart eines Computers. Alles wird neu sortiert in deinem hübschen Köpfchen. Man soll Ruhe bewahren, aber auch klare Grenzen ziehen. Manchmal gelingt es mir nicht, cool zu bleiben. Ich kann genauso temperamentvoll sein wie du. Und dann streiten wir. Manchmal schreien wir uns an und manchmal bin ich gemein zu dir. Weil ich nicht weiter weiß. Ich fühle mich absolut hilflos und sehe zu, wie du dich immer mehr veränderst.

Weihnachten geht vorüber, das neue Jahr beginnt. Wir verbringen Sylvester auf den kanarischen Inseln im Warmen. Die Sonne tut uns gut, wir entspannen. Die Weihnachtsferien enden und der Alltag hat uns wieder. Und schon sehe ich wieder das Teufelchen in dir, das uns das Leben schwer macht. Von deiner Unbeschwertheit ist nicht mehr viel übrig. Ich merke, dass du dich anders kleidest. Eigentlich kombinierst du die unmöglichsten Muster und Farben und dabei ist es dir völlig egal, was andere darüber denken. In letzter Zeit wählst du jedoch unauffällige Farben. Die neue Jacke von Omama, Pink und blau gestreift mit Sternchen, magst du nicht anziehen. Sie sei zu schade für die Schule, sagst du und trägst sie nur in deiner Freizeit. Du isst sehr viel zur Zeit. Ich merke, dass du dir nachmittags, wenn ich noch in der Arbeit bin, Unmengen an Nahrung zubereitest. Als ich versuche, mit dir darüber zu sprechen, nennst du mich gemein und verkriechst dich in deinem Zimmer. 

Es wird immer schlimmer und ich weiß nicht, was ich noch machen soll. Hilflos und zweifelnd an mir und an dir suche ich vergeblich nach einem Ausweg. Es fühlt sich an, als wollte man Wasser mit bloßen Händen halten. All meine Versuche einen Zugang zu dir zu finden, sind Einbahnstraßen. Dein Papa und ich überlegen, ob wir professionelle Hilfe brauchen. 

Es ist April geworden. Ostern ist gut gewesen, die Ferien taten dir gut. Wir konnten einige schöne Erlebnisse teilen und verstehen uns gut. Einige Tage nach den Ferien jedoch, werde ich im Verein wiederholt auf dein Benehmen angesprochen. Es würde nicht gehen, dass du Erwachsenen die Zunge raustreckst und einfach aus den Proben marschierst. Du hättest ein freches Mundwerk entwickelt und so könne man keine vernünftige Probe mit dir machen. Ich resigniere, steige ins Auto und weine still vor mich hin, weil ich nicht weiß, wie ich dir helfen kann. Weil ich nicht weiß, was überhaupt los ist.

Ich weiß, welche Kleinigkeiten dich in den letzten Wochen so sehr auf die Palme brachten, aber das große Ganze habe ich nach wie vor nicht verstanden. Deine Veränderung verändert alles in unserem kleinen Universum. Es ist, als hätte sich ein dunkler Schleier über die Familie gelegt, in der Arbeit geht mir nicht mehr alles so leicht von der Hand. Im Verein lauert ständig ein neues Gewitter. Du gehst nicht mehr raus, deine Freundschaften leiden. Deine Leistungen in der Schule verschlechtern sich. Du verkümmerst wie eine Pflanze, die man nicht gießt. Nicht körperlich, seelisch. Ich gieße und gieße, gebe dir soviel Liebe und Vertrauen, wie ich kann. Aber deine Wurzeln können nichts aufnehmen. 

Nach dem neuen Vorfall im Verein will ich mit dir darüber sprechen, will dir klarmachen, dass es so nicht weitergeht. Dass wir gemeinsam eine Lösung finden müssen – wenn ich doch nur wüsste, wofür. Du brichst in Tränen aus, wie so oft und schlägst mir die Tür vor der Nase zu. Diesmal jedoch höre ich, wie du in die Welt hinaus schreist, dass niemand dich versteht und wir alle ja keine Ahnung hätten. Das lässt mich aufmerken. Ist nun endlich der Zeitpunkt gekommen, an dem ich in dich schauen kann? Ich folge dir. Ich nehme dich in den Arm und du weinst bitterlich an meiner Brust. Mein Shirt ist schon ganz nass und ich warte. Ich sage dir, wie so oft, dass ich dich hunderttausend mal bis zum Mond und zurück liebe, aber nicht weiß, wie ich dir helfen soll, wenn du nicht mit mir sprichst und mir nicht absolut vertraust. Dass du mir helfen musst, damit ich dir helfen kann. Irgendwann werden die Schluchzer kleiner und du findest deine Worte wieder. Was du jetzt sagst, zieht mir den Boden unter den Füßen weg:

„Mama, wenn ich aus dem Fenster springe, tue ich mir dann genug weh, um nicht zur Schule zu müssen?“

BUMM! Es schlägt ein wie eine Bombe. Ich bin voll Angst und Sorge, hunderttausend Fragen wirbeln in meinem Kopf und doch fühle ich mich leer. Ich kämpfe mit den Tränen. Da stehst du, schaust mich an und ich schaue herunter auf das Häufchen Elend, das mich hilfesuchend mit großen, nassen Augen ansieht. Und da sehe ich das unabdingbare Vertrauen in dir, dass ich ganz bestimmt, jetzt und sofort, all deine Probleme schlagartig lösen kann. Ich nehme dich fest in den Arm und so sitzen wir Sekunde um Sekunde, Minute um Minute. Die Zeit verrinnt und ich lasse dich weinen. Weine mit dir. Du sagst, ich hätte doch soviel um die Ohren und mache mir immer so viele Sorgen und deshalb wolltest du mich nicht mit deinen Sorgen nerven.  

Ich sage dir, dass du und dein Bruder die zwei einzigen Dinge in meinem Leben sind, wofür ich die Welt anhalte und nichts wichtiger ist.  Du beginnst zu erzählen und erzählst und erzählst. Von Franzi, die immer so gemeine Sachen sagt und dafür sorgt, dass du nicht mehr mit Angeline spielen kannst. Davon, dass Franzi es schafft, dass du deine Freundinnen aus der Klasse nicht mehr sprechen kannst und Helena und Lea, mit denen du in den Ferien immer draußen gespielt hast, immer mitmachen. Davon, dass andere Kinder betreten zu Boden sehen, wenn du gerade wieder herunter gemacht wirst. Dass du über den ganzen Schulhof gejagt wirst und keiner dir hilft, alle nur lachen. Davon, dass du deine Sachen einpacken musst, wenn du aufs Klo musst, damit sie niemand klaut und kaputt macht. Die zerbrochenen Stifte hast du vor mir versteckt. Und du erzählst davon, dass dir in der Schule niemand zuhören will.

Ich bin völlig platt und habe ein riesiges Loch im Bauch. Warum habe ich das Offensichtliche nicht gesehen? Bin ich derart mit Blindheit geschlagen, dass ich nicht bemerkt habe, dass du in den Ferien lockerer warst? Dass du die bunten Kleider nur zuhause angezogen hast? Dass du peinlich genau darauf achtetest, dass dein Bruder dich zur Schule begleitet? Eine Stinkwut auf mich selbst breitet sich aus und zieht ihre Wellen in Richtung deiner Peiniger. Die Löwin in mir erwacht und ich beraume eine Familienkonferenz ein.

Du sollst die Gelegenheit bekommen, ganz und gar unser Mittelpunkt zu sein. Außer dir ist im Moment nichts wichtig. Du erzählst nun auch deinem Papa und deinem Bruder, was dir in der Schule widerfährt. Die ganzen Gemeinheiten. Die Attacken. Das Anrempeln und Beleidigen. Das Drohen und Auslachen. Das Ausschließen. Dein Bruder, cool und pragmatisch wie er ist, rät dir, alles an dir abprallen zu lassen und zu zeigen, dass dich das nicht ankratzt, dann würden die anderen schon aufhören.

Doch das bist du nicht. Du brauchst die Gleichheit und Gerechtigkeit, die Harmonie zu allen Menschen. Du zerbrichst bei dem Versuch, gleichgültig zu sein. Du fragst uns, warum gerade du ausgewählt wurdest? Darauf haben wir keine Antwort. Ich verspreche dir, sofort am nächsten Tag mit deiner Klassenlehrerin zu sprechen. Abends setze ich mich an den Computer und rechcheriere. Dabei entdecke ich das riesige Ausmaß des Mobbings. Ich dachte immer, das betrifft eher ältere Kinder, Jugendliche. Cybermobbing und Schlägereien auf dem Pausenhof. Du bist doch erst neun?! 

Bei meinen Recherchen jedoch, werde ich schnell eines besseren belehrt. Ich lerne, dass Mobbing immer eine Gruppendynamik aufbaut. Einzelne Täter(innen) untergraben die Beziehungen des Opfers zu seinen Freundschaften und demontieren damit seine Hilfsstrategien. Nach und nach wird die Gruppe einbezogen, die Opfer werden unglaubwürdig geredet und finden keine Ansprechpartner mehr. Sie werden lächerlich gemacht, es werden Lügen verbreitet und nach und nach verliert das Opfer an Ansehen. Die Täter(innen) jedoch werden gestärkt in ihrer Macht, die sie über andere ausüben. Ich erkenne, dass du in einem lehrbuchmäßigen Mobbingverlauf gefangen bist. 

Mir ist wichtig, dass du verstehst, das du nichts falsch gemacht hast. Du bist nicht Schuld! Du – bist – nicht – schuld! .Nach jedem Vorfall telefoniere ich mit deiner Klassenlehrerin. Im Mai lädt sie uns zum Gespräch ein. Als du erzählst, hört sie dir aufmerksam zu und wird auf ihrem Stuhl immer kleiner. Sie gesteht uns, dass sie mit den Protokollen dieser Art Elterngespräche inzwischen ihre Wände tapezieren könnte. Sie ist sehr jung. Sie hat euch in der dritten Klasse frisch nach der Universität übernommen. Sie ist sehr lieb und deshalb magst du sie auch sehr. Leider hat auch sie kein Patentrezept gegen das Mobbing und die Täter(innen) der Klasse tanzen ihr auf der Nase herum. Aber ab sofort bleibt sie, so oft es geht in deiner Nähe. Es finden Gespräche mit den Täterinnen statt. Die Klasse erhält eine Doppelstunde zum Thema Mobbing. Als das nicht hilft, werden die Täterinnen zur Schulleitung zitiert. Sie bereuen und geloben Besserung.

Nur leider stimmt nichts davon. Du erzählst mir, dass die Kinder jetzt vorsichtiger sind. Sie achten darauf, dass kein Lehrer in der Nähe ist, wenn sie dir ein Bein stellen. Sie flüstern dir im Vorbeigehen gemeine und verachtende Worte ins Ohr. Beim Sport stehen alle auf, als du dich auf die Bank setzt. Deine Kleidung findest du nach dem Sportunterricht im Mülleimer. Ich rate dir, allen aus dem Weg zu gehen, wenn das möglich ist und jeden Angriff deiner Klassenlehrerin zu melden. 

Dannn rufst du mich weinend vom Schulklo an. Du traust dich nicht nach Hause zu laufen, weil Dir Prügel angedroht wurde. Ich schalte die Schulleiterin ein, sie rät mir, psychologische Hilfe zu suchen, da du dich ja immerzu in die Opferrolle begeben würdest. Das würden die Kinder natürlich ausnutzen. So seien sie halt in dem Alter. Da könne man nichts machen. Zuhause zeigst du mir den Wunschzettel für deinen Geburtstag. Auf ihm steht nur ein Wort: Schulwechsel. 

Nun setze ich alle Hebel in Bewegung. Gemeinsam suchen wir eine neue Schule aus. Der neuen Schulleiterin erzählst du, was Dir im letzten Jahr passiert ist.  Sie zeigt dir ihr Programm der „Streitschlichter“. Ein aktives Anti-Mobbing-Programm ihrer Schule. Deine Augen leuchten. Deine zukünftige Lehrerin kommt auch dazu. Sie strahlt Ruhe und Wärme aus. Sie nimmt dich in den Arm, obwohl ihr euch heute zum ersten mal gesehen habt. Als die Schulleiterin dir erklärt, dass du aufgenommen wirst und bleiben darfst, wenn es dir gefällt, sehe ich, wie die Last von tausend Tonnen von dir abfällt. Deine Körperhaltung öffnet sich, dein Lächeln ist echt. Wieder kullern dir die Tränen über die Wangen, aber diesmal vor Freude. Wir gehen beschwingt in die Ferien und wissen, dass das die Einzige und richtige Entscheidung war.

Das war vor einem Jahr. Du bist gut in deiner neuen Schule angekommen. In den letzten zwölf Monaten hast du langsam aber stetig zu deiner alten Form zurück gefunden. Die Wutausbrüche sind sehr viel seltener geworden, deine Selbstsicherheit ist fast wieder da, wo sie einmal war. Noch bist du manchmal verunsichert, wenn in der Klasse getuschelt wird. Du hast manchmal noch Angst, dass alles von vorn beginnt.

Du hast eine Erfahrung machen müssen, die ich keinem Kind wünsche und doch, bist du daran gewachsen. Ich bin unsagbar stolz auf dich. Ich liebe dich hunderttausenmal bis zum Mond und zurück, das sage ich dir immer wieder. Und du antwortest jedes mal „Ich liebe dich Mama, unendlich oft bis zum Mond und zurück! – Gewonnen!“

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15 comments

  1. Wahnsinn. Wie schlimm. Kann das total nachempfinden. Ich habe als Kind in der Schule Ähnliches erlebt und meine Eltern haben es nicht oder wenn nur ganz am Rande mitbekommen. Heute denke ich, ein Schulwechsel wäre die einzige Chance gewesen, das zu durchbrechen. Und ich habe mir geschworen bei meiner Tochter gut aufzupassen, damit ich sowas nicht übersehe.
    Leider prägen einen solche Erfahrungen für das ganze Leben, auch wenn man rational weiß, dass man nicht schuld hatte, das „warum ich“ bleibt.

  2. Meine Güte, musste ich weinen! Schrecklich, was Deinen Tochter erlebt hat. Mobbing steht man immer so hilflos gegenüber. Ich habe es selbst in meiner Kindheit erfahren. Aber da war ich älter und es war auch nicht meine Klasse, sondern 3 Mädchen aus dem Jahrgang über mir. Auch ich habe Zuhause irgendwann gesagt, dass ich nicht mehr in die Schule gehe und das brachte den Stein ins Rollen. Du bist eine großartige Mutter und Deine Tochter ist ein starkes Mädchen. In dem Alter so selbstreflektiert zu sein, zu wissen, dass ein Schulwechsel ihr Problem lösen könnte, ist eine große Leistung. Ich wünsche ihr das Beste für die Zukunft und dass sie wieder mit Freude, Gelassenheit und Vertrauen zur Schule gehen kann.

  3. Nachdenklich…
    Der Schulwechsel war wohl das Beste was passieren konnte…Ich musste als Teenager leider auch Mobbing hautnah erleben. Wenn Schuleitung und Lehrer sich nicht Einsetzen und sich die Täter und Mitläufer schnappen wird sich nix ändern… Es kommt nur das nächste Mobbingopfer hinzu. Es sollte mehr an Projekten bzw Fortbildungen für Lehrer /Schulleitung angeboten werden, um den Ernst solcher Situationen zu erkennen und gleich zu Handeln…kann mich Erinnern habe es immer noch Bildlich vor mir wie eine Ehemalige Schülerin mich während des Unterichtes ins Gesicht paar Mal spuckt und die damalige Biolehrerin hilflos ihren Unterricht weiterführte….und wie ich dabei innerlich immer kleiner und zerbrechliche wurde. Das ist ein erniedrigendes Gefühl, welches immer noch in mir hoch kommt und wenn ich solche Texte lese, kann ich mich sofort in ihre Tochter hineinversetzten wie sie sich gefühlt haben muss und kein einziges Kind in diesem Alter hat sowas verdient.

    1. Ich habe mir grad diesen Beitrag durchgelesen. Ja uns geht’s genauso. Mal der Junge der verprügelt wurde,mal die Schwester.
      Die Schule schützt ganz klar die Täter, man solle sich doch Erziehungshile holen,anstatt das Kind was prügelt und fast jeden Tag Angriffe tätigt. man kann dieses ‚Kind nicht von der Schule werfen. Andere Eltern geht’s genauso. tja letztendlich bleibt mir nur versuchen,dass die Kinder von dieser Grundschule kommen.

  4. Danke für diesen Brief
    Ich war selbst in der Schule Mobbingopfer und habe mich ebenfalls oft gefragt, warum ich. Es tut mir gut diesen Verlauf mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Für deine Tochter tut es mir sehr leid, dass sie das erleben musste.
    Ich habe nun selbst Kinder und meine größte Angst ist, dass sie das auch erleben müssen.

  5. Genau so ist es
    Genau so ist es und ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage. Ich hätte nie gedacht, dass Kinder im Grundschulalter so gezielt und dauerhaft andere fertig machen können und es dabei schaffen, dass die Eltern und Lehrer nichts merken. Wir haben ähnliches erlebt – zum Glück ging es nicht ganz so weit und es war auch nicht nur unser Kind betroffen – und ich kann den Bericht voll und ganz bestätigen. Es gab damals auch ein Gespräch zwischen der Klassenleitung und Eltern der beteiligten Mädchen. Dabei stellte sich heraus, dass wir nicht die einzigen waren, die in der Gruppendynamik, in dem andere Ausschließen, Beschuldigen, körperlich angreifen… ein massives Problem sahen. Nur gebracht hat es gar nichts. Uns wurde das Blaue vom Himmel versprochen (ein Eingehen darauf im Unterricht, „Teambuilding“…) und nichts wurde umgesetzt. Nicht einmal, als unserem Kind auf der Klassenfahrt ein Spielzeug und ein Schmuckstück zerstört wurden – und jeder wusste, wer es war – gab es eine Reaktion der Schule („sie gibt es ja nicht zu“). Unser Kind hat die Situation glücklicherweise ansatzweise gut überstanden, durch viel Unterstützung von uns und dank ein, zwei einigermaßen guter Freundinnen. In der Rückschau kann ich aber sagen, dass die ungute Gruppendynamik eigentlich vom ersten Tag an bemerkbar war. Hätte die Lehrerin gleich in der ersten Klasse eingegriffen, wäre es vielleicht nie soweit gekommen…

  6. Sprachlos…
    … ich bin einfach sprachlos, wie eine Schule da sitzen kann, und dem „Opfer“ die Schuld zu geben.

    Ich wuensche euch jedenfalls weiterhin alles Gute, weiterhin viel Kraft und Staerke, viel Sonnenschein, Liebe und gute Menschen an der Seite. Und dass die Spuren langsam verblassen.

  7. Ein eindrucksvoller Bericht
    Ein eindrucksvoller Bericht der einen nachdenklich und hilflos macht! Wie viele unbeschwerte Kindheit deinem Mädchen da genommen wurde, es macht mich wütend und lässt mich als noch Kleinkind Mama aufhorchen wie können wir unsere Kinder vor Mobbing schützen und wirlich stark machen. Wie können wir dafür sorgen dass Sie selbst keine anderen Kinder ausgrenzen. Sind es normale Eckpfeiler in einer „gesunden Erziehung“ oder bedarf es mehr wenn die Kinder älter werden? Was mich noch dazu interessiert, war es für dich keine Option dich direkt bei den zu „mobbenden Familien“ daheim einzuladen und im Augengespräch mit Ihnen in Kontakt zu treten? Waren die Täter Familie ausreichend informiert was Ihre Kinder dem Mobbingopfer tagtäglich anrichrichten? Und kannst du deinen Bericht hier bitte bitte auch deiner alten Schule schicken? Bestimmt haben Sie mal einen Fortbildungs bzw. Seminartag und können als Einstieg deinen Brief verweden? Sonst hat man ja das Gefühl das Kind ist weg und alles beginnt von vorne – mit einem neuen Opfer!
    Abschließend alles alles Gute für euch, ich wünsche deiner Tochter von Herzen eine weitere unbeschwerte Kindheit und dass Sie es irgendwann ganz verarbeiten und damit abschließen kann!

  8. Wahnsinn!!
    Danke für deinen Text. Es macht mich sprachlos und ich sitze kopfschüttelnd vor dem PC. Wie kann man als Schulleiter so ignorant sein. Was mich noch stutziger macht, ist, das Verhalten dieser Kinder. Wie wird man so? Was geht in diesen Kindern vor? Wie kann man nur so gemein zu anderen sein?
    Es freut mich aber sehr zu lesen, dass es mit dem Schulwechsel geklappt hat und deine Tochter wieder langsam an Selbstvertrauen gewinnt… Alles Liebe für euch! Anita

  9. Ganz dicke Umarmung!
    So ein Erfahrung wünsche ich niemandem. Ich bin sprachlos. Ich kann euch nur alles Erdenklich Gute wünschen. Habe ein paar Tränen mit euch vergossen. Alles Liebe für euch.

    1. Mein Sohn musste das auch mitmachen. Die Klassenlehrerin hat nichts unternommen. Als ich endlich begriffen habe, wie groß das Ausmaß des Mobbings ist, war die vierte Klasse schon fast zuende. Es ärgert mich immer wieder, dass in solchen Situationen immer die Opfer die Schule verlassen müssen. Warum werden die Täter nicht rausgeschmissen? Sie sind es doch, die sich falsch benehmen, und die eine Grenze aufgezeigt bekommen müssen. Solche Leute machen nämlich später im Job genauso weiter.

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