Heimlicher Verehrer: „Die Flirts mit einem anderen Mann machten mich wieder lebendig“ – Gastbeitrag von Julia

heimlicher verehrer 665x435 - Heimlicher Verehrer: "Die Flirts mit einem anderen Mann machten mich wieder lebendig" - Gastbeitrag von Julia -

Ihr Lieben, manchmal geschehen Dinge, die man wenig beeinflussen kann. Das kann ein unerwartet schöner Tag im Park sein, ein zufälliges Wiedertreffen eines Freundes, den man viel zu lang schon nicht gesehen hat oder ein Chef, der einem ab und zu Komplimente macht. Oder öfter – so wie bei Julia. Sie hat zwei Kinder, einen Mann, einen Job – und nun auch noch einen Verehrer.

Ich habe einen Verehrer. Und das ist gut so! Wie es dazu kam? Nun ja. Das frage ich mich auch manchmal. Mein Verehrer und ich haben vorher einigen Jahre zusammen gearbeitet, genau genommen war er mein Chef. In dieser Zeit war er auch immer nur mein Chef und ich seine Mitarbeiterin. Nie war auch nur ansatzweise ein anderes Interesse oder gar eine Spannung zu spüren. Ich glaube nicht, dass wir beide je an etwas anderes gedacht haben.

Irgendwann verließ er dann unseren Standort, blieb aber im Unternehmen, so dass der Kontakt nie wirklich abgebrochen ist. Hin und wieder haben wir uns geschrieben und manchmal meinte ich schon, einen flirtigen Unterton herauszulesen. Aber ganz ehrlich:

1. War er mal mein Chef und sowas wurde in unserem Unternehmen überhaupt nicht gern gesehen. Und überhaupt war er überhaupt nicht mein Typ!

2. Konnte er wirklich mich meinen? Die etwas übergewichtige Mama, die jeden zweiten Tag völlig übermüdet im Büro saß, weil sie mal wieder eine Nacht durchgemacht hat, wegen einem neuem Zahn oder Magen Darm oder Husten oder oder…?

Ich habe mich selber ja überhaupt nicht mehr als Frau wahrgenommen! Deshalb habe ich mich gefreut, dass wir so locker (schriftlich) miteinander umgehen konnten, gleichzeitig beschloss ich aber, nichts überzubewerten. Der Kontakt aber blieb. Sporadisch zwar, aber er war immer da. Wir wussten im Grunde immer, wie es dem anderen ging. Er zeigte Interesse an mir, ich an ihm.

Meine Kinder wurden älter und ich beschloss dann auch so langsam mal, dass der Babyspeck endlich runter muss. Ich wurde mir selber wieder etwas wichtiger (ja ich weiß, natürlich sollten wir uns nie vernachlässigen und überhaupt, aber in meiner Realität war es tatsächlich so, dass ich die ersten sechs Jahre einfach nur das Muttertier war.)

Vor etwas über einem Jahr fingen wir dann wieder an zu schreiben und beschlossen, dass wir uns zum Essen treffen wollten. Der Austausch war an dem Punkt schon so intensiv und auch tiefgründig, für uns nie banal, dass ich es da schon nicht geschafft habe, meinem Mann davon zu erzählen.

Wir schrieben uns manchmal bis tief in die Nacht hinein. Irgendwie fühlte es sich schon nach einer Grenzüberschreitung an. Und als wir uns dann trafen, hat es uns beide irgendwie umgehauen. Oder nein, falsch: ihn hatte es umgehauen. Und er hat es mir geschrieben. Und das hat mich dann umgehauen.

Diese Ebene überhaupt in Betracht zu ziehen, war für mich wie gesagt überhaupt keine Option. Und dass andere Männer mich überhaupt wahrnehmen, hatte ich lange, lange ausgeblendet. Aber es tat so verdammt gut! Es tat so gut, fernab des Alltags wahrgenommen zu werden. Nicht als Mutter, Ehefrau, Mitarbeiterin, Freundin sondern als ich. Nur ich.

Plötzlich fühlte ich mich wieder lebendig, ich sah die Welt mit anderen Augen, hörte die Musik mit anderen Ohren. Ich konnte Löcher in die Luft starren und hatte ein Dauergrinsen im Gesicht.

Aber es hat auch wehgetan. Das seichte Gewässer, in dem ich mich vorher lange befand, hatte ich verlassen. Einerseits ging es um die Entscheidung: wie weit bin ich bereit zu gehen? Und andererseits um die Frage: wie weit ist er bereit zu gehen?

Und dann das Warten. Das hat mich manchmal zur Verzweiflung gebracht. Unser Austausch war sehr intensiv. Wenn wir uns getroffen haben, war es, als würden wir in unsere eigene kleine Welt versinken. Umso härter war dann immer die Zeit danach. Wieder zurück in den Alltag, ins Hamsterrad. Aber es ist nie etwas außerhalb unserer Köpfe passiert.

Ich habe immer abgewogen, ob es dieser Mann wert ist, meine Familie aufs Spiel zu setzen. Nein, das ist er nicht. Mittlerweile ist daraus eine Freundschaft mit einer schönen Prise Spannung entstanden. Wir schreiben uns, telefonieren und sehen uns, wenn es möglich ist. Mehr nicht. Weniger aber auch nicht. Denn ohne meinen Verehrer würde mir etwas fehlen…

Zum Weiterlesen:

Liebe und Mutterschaft: Ich habe einen heimlichen Verehrer und er tut mir so gut

 

Foto: pixabay

Du magst vielleicht auch

4 Kommentare