Businesscoach für Eltern: Bitte mehr Selbstverständnis für unsere Töchter!

Ihr Lieben, Julia Garrelfs ist systemischer Business Coach für all jene (berufstätigen) Eltern, die sich Erfüllung sowohl in ihrem Berufs- als auch ihrem Familienleben wünschen. Sie möchte einen Beitrag zu einer familienfreundlicheren Arbeitswelt leisten, in der berufstätige Eltern nicht als Risiko, sondern als Bereicherung wahrgenommen werden. Außerdem wünscht sie sich, dass die Generation ihrer Töchter einmal einen ganz selbstverständlichen Umgang mit den Themen Beruf und Familie hat. Hier kommt ihr Gastbeitrag.

Wer behauptet, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei ein Klacks, der macht sich aus meiner Sicht etwas vor. Zumindest dann, wenn man beidem die gleiche Bedeutung beimisst und einem beide Lebensbereiche ähnlich wichtig sind. Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gilt es, verschiedenste Bedürfnisse auszuloten und unter einen Hut miteinander zu bringen – die der Vorgesetzten, der Familie und des Partners bzw. der Partnerin und – sofern dafür überhaupt noch Zeit bleibt – die eigenen.

Was hilft gegen die Zerrissenheit zwischen Job und Familie?

Kein Wunder, dass dies bei vielen berufstätigen Eltern zu einer stetigen Überforderung führt. In der sogenannten Rush Hour des Lebens kommt eben vieles zusammen – die Karriere möchte vorangetrieben, Kinder versorgt, das Haus gebaut und im Zweifelsfall noch ein Familienmitglied gepflegt werden. Zu allem Überfluss kommt nun auch noch Corona des Weges und treibt viele berufstätige Eltern endgültig an den Rand des Nervenzusammenbruchs.

Doch was hilft, um sich eben nicht immer zerrissen zwischen Beruf und Familie und ständig zwischen den Stühlen zu fühlen? Aus meiner Sicht sind hier drei Dinge ganz entscheidend: Klarheit, Kommunikation und regelmäßige Reflektion.

1. Klarheit

Aus meiner Sicht ist es beim Thema Vereinbarkeit besonders wichtig, dass wir selbst Klarheit darüber haben, wie wir uns die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorstellen. Häufig wissen wir zwar sehr genau, was wir NICHT wollen, wissen aber nicht, WAS wir wollen. Wir haben keine Vorstellung davon, wie unser Zielbild aussehen könnte bzw. was wir dafür brauchen. Zudem stehen wir uns beim Thema Klarheit mit Glaubenssätzen wie „das Leben ist kein Wunschkonzert“ oder „wer hat schon behauptet, dass Arbeiten mit Kindern einfach ist“ o.ä. häufig selbst im Weg.

Daher: Löse Dich gedanklich erst einmal von allem Ballast und zeichne Dein für Dich ideales Bild der Vereinbarkeit. Wie wäre es, wenn es perfekt wäre? Was wäre dann anders? Wie würdest Du arbeiten und Deinen Tag gestalten? Schreibe alles auf, was Dir hierzu in den Sinn kommt und schiebe die Gedanken, die Dir während des Prozesses in die Quere kommen, beiseite. Je klarer Du Dir selbst über Dein Zielbild bist, desto leichter wird Dir der zweite Punkt fallen.

2. Kommunikation

Sobald Du Dir bewusst darüber geworden bist, wie Dein Idealzustand aussehen soll, geht es darum, diesen nach außen zu kommunizieren. Hier ist meine Erfahrung aus Coachings mit berufstätigen Eltern: je klarer Du Dein Zielbild vor Augen hast und je überzeugter Du davon bist, desto leichter wird es Dir fallen, auch andere von Deiner Idee zu überzeugen. Wenn Dein Gegenüber merkt, dass Du Dir Gedanken gemacht hast und hinter Deinen Ideen stehst, wird es ihm bzw. ihr leichter fallen, Dich dabei zu unterstützen.

Oftmals meinen wir bereits vorab zu wissen, wie unser Gegenüber auf einen Vorschlag reagieren wird und sprechen es daher gar nicht erst an. In Wirklichkeit lohnt es sich aber immer, im Dialog zu bleiben und es einfach auszuprobieren. Du vermutest, dass Dein/e Chef/in nicht möchte, dass Du in Teilzeit zurückkommst, weil alle Vollzeit arbeiten? Sprich ihn/sie darauf an, vielleicht hat er/sie sich bisher noch keine Gedanken darüber gemacht oder hat Bedenken, die sich im Dialog ganz leicht ausräumen lassen.

3. Reflektion

Vereinbarkeitsmodelle sind niemals in Stein gemeißelt, bleibe daher offen und reflektiere regelmäßig, ob sich Dein bzw. Euer Modell der Vereinbarkeit noch stimmig anfühlt. Beziehe Deine/n Partner/in mit ein und überlegt gemeinsam, wie ihr Aufgaben und Arbeitszeiten ggf. anders aufteilen könnt und welche Wünsche Dein/e Partner/in hat.

Und ganz wichtig: reflektiert auch regelmäßig darüber, was gut funktioniert. Zwischendurch darf man sich ruhig einmal selbst und gegenseitig auf die Schulter klopfen für all das, was tagtäglich gut funktioniert. Dann fallen nämlich auch die unangenehmeren Aspekte der Vereinbarkeit leichter.

Wenn Du auch gerade an dem Punkt stehst, Dir über Dein Vereinbarkeitsmodell Gedanken zu machen, lade Dir gerne meine kostenlose „Fulfilled Work & Family Liffe“ Canvas herunter. Diese unterstützt Dich auf dem Weg zu Deinem Vereinbarkeits-Zielbild.

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3 comments

  1. also ich verstehe nicht warum man irgendjemand was beweisen muss oder soll nur weil man kinder bekommen hat. und auch wegen den kindern muss man sich da keinen stress machen in bezug darauf welches vorbild man abgeben will. es soll doch jede frau bzw mann und familie so handhaben womit sie sich wohl fühlt. warum soll ich mich als mutter ständig beweisen und mehr in 30 stunden schaffen als andere in 40 nicht schaffen?! deswegen mache ich doch nur 30 stunden….
    also ich finde da müsste gesamt gesellschaftlich sich was in den erwartungen ändern.
    ich habe persönlich die erfahrung, das beide mütter vorbilder ( mutter und schwiegermutter) wieder früh und viel arbeiten gegangen sind, die väter auch. und dennoch mache ich es anderst. und bleibe länger zuhause.
    und dem gegenüber steht eine chefin die es begrüßt (!) das man mindestens 2 jahre bei seinem kind bleibt da es einfach am anfang die eltern braucht ( erst mal ja egal wen von beiden).
    und danach werden einem keine steine in den weg gelegt sondern man kann frei sagen wieviel man wann arbeiten möchte. und wenn mal das kind krank ist ist es halt so ( wobei sich das bei mir in grenzen hält das weiß sie auch). es geht also auch anderst! und somit herrscht auch ein gutes klima und ich tue trotzdem mein bestes auch ohne das gefühl irgendwem was beweisen zu müssen oder mehr machen zu müssen als die anderen um gewertschätzt zu werden.
    da finde ich oben den punkt über die kommunikation auch sehr wichtig. erst sollte einem klar sein was man möchte oder nicht, udn dann reden, mit dem partner, der freundin, kollegen und dem chef. oft findet man dann doch kompromisse die für alle ok sind. und man darf auch was ändern wenn man merkt es funktioniert doch nicht so.

  2. Danke! Sehr hilfreiche Fragen! Wirklich wichtiges Thema. Bei uns wird jetzt versucht Erwerbstätigkeit und Carearbeit gleichmäßig aufzuteilen. Die Anregungen helfen, die beschriebene Zerissenheit ist leider (noch?) sehr bekannt.
    Toller Beitrag! Richtiger Moment!

  3. Hallo, ich habe einen Tipp für alle, die gerne nach der Elternzeit Teilzeit arbeiten wollen. Ich habe jeweils von Anfang an 2 Jahre Elternzeit beim Arbeitgeber beantragt, dann aber nachdem das Kind in der Kita bzw. bei der Tagesmutter eingewöhnt war signalisiert, dass ich auch in der Elternzeit die Max. 30 Stunden wiederkommen würde, allerdings dabei nur einen Tag bis 18:00 Uhr (statt wie in Vollzeit 3 Tage) arbeiten kann. Da in meinem Unternehmen immer zu wenig Personal ist, wurde das dankend Seitens der Personalabteilung angenommen und dann waren sogar die Chefs in meiner Abteilung (die sich das vorher nie hätten vorstellen können, denn es arbeiten ja alle Vollzeit) damit einverstanden. Nach dem 1. Kind kam mit dem Ende der Elternzeit bei mir gleich das 2. Kind, beim 2. Kind aber bot man mir gleich einen Teilzeitvertrag zu meinen Bedingungen an (ich hatte aber auch schon mit anderen Abteilungen „geflirtet“). Ich will damit sagen, manchmal muss man auch erst einmal zeigen, dass man auch in 30 Std. ne Menge schafft um die Skepsis der Chefs zu überwinden. Mit der Weile sind meine Kinder schon in der Grundschule bzw. auf dem Gymnasium und ich habe letztes Jahr meine Arbeitszeit auf .32, Stunden erhöht, weil das jetzt so gut passt. Im Team auf Arbeit klappt das super, mit der Weile arbeiten sogar KollegInnen ohne Kinder Teilzeit und es ist möglich. Ebenso wurde im Tarifvertrag die Wochenarbeitszeit auf 39,5 Stunden abgesenkt, nächstes Jahr auf 39 Stunden. Einmal habe ich allerdings bei einer internen Bewerbung deutlich Gegenwind mit der reduzierten Arbeitszeit gespürt, da dabei ganz offen ausgesprochen wurde, dass ich den Job auf Grund 2 Kindern nicht bekommen soll habe ich mit Verweis auf das AGG den Betriebsrat eingeschaltet und auch mit der Einbindung des Gleichstellungsbeauftragten gedroht. Ich habe dann allerdings auf den Job verzichtet, da ich mich nicht in dieses Umfeld begeben wollte. Also immer auf seine Rechte schauen!

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