Interview: Warum ernährt Ihr Euch in Eurer Familie vegan?

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Ihr Lieben, es ist ja so interessant, wie viele verschiedene Leser wir haben. Eine von ihnen ist Svenja, 34 und ihre Familie ernährt sich frei von Tierischem. Wie das im Alltag mit ihren zwei und vier Jahre alten Kindern geht, wie ihr Umfeld reagiert und wie es ihnen damit geht? Das erzählt sie uns im Interview. Spannend!

 

Liebe Svenja, seit wann ernährst du dich vegan?

Seit Ende 2013 – jetzt also fast vier Jahre.

Aus welchen Gründen?

Ich lebe aus gesundheitlichen Gründen vegan. Meine Eltern sind beide an einem Hirntumor gestorben. Es gibt zwar keine nachweisliche Disposition, aber dennoch hatte ich das Bedürfnis aktiv etwas (dagegen) zu tun. Den Einfluss, den die vegane Lebensweise auf andere Bereiche mit sich bringt, finde ich natürlich super. Tiere, Umwelt, Klima, Mitmenschen und so viele mehr profitieren davon.

Meine vegane Lebensweise bezieht sich hauptsächlich auf die Ernährung. Soll heißen, ich habe all' meine Schuhe und Handtaschen behalten  Fahre Auto mit Leder-Bestandteilen und benutze weiter meine Kosmetiklinie, die nicht rein vegan ist.

vegan2Wie war das als du von der Schwangerschaft erfuhrst?

Mit meiner Tochter war ich 2012/2013 schwanger. Mit meinem Sohn 2015. Während der ersten Schwangerschaft habe ich viel gelesen. Jede Schwangere kennt das. Man beschäftigt sich mit dem eigenen Körper. Mit der Gesundheit. Und der Ernährung. Und nach einem langen Gespräch mit einem der Mitbegründer der 'veganen Szene' in Frankfurt stand mein Entschluss fest. Auf Milchprodukte habe ich sofort verzichtet. Auf Fleisch aus Unwissenheit und Angst zunächst nicht. Erst in der Stillzeit meiner Tochter habe ich mich rein vegan ernährt. Und so dann auch in der zweiten Schwangerschaft und Stillzeit.

Hast du kurz überlegt, es anders zu machen?

Nein.

Wie reagierten Hebamme und Gynäkologe?

In der Schwangerschaft werden alle relevanten Parameter regelmäßig überprüft. Ich habe zudem immer noch meinen Holo-TC-Wert (B12-Versorgung), Ferritin-Wert (Eisenspeicher) und Vitamin D checken lassen. Weder meine Gynäkologin noch meine Hebamme hatten Bedenken und haben mir und den Blut-Ergebnissen vertraut. Mein Hb-Wert und mein Ferritin-Wert waren übrigens in der rein veganen Schwangerschaft besser.

Jede Art der Ernährung hat Einfluss auf das Kind. Eine nicht durchdachte vegane Ernährung sicher auch. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich mich noch nie so intensiv mit mir, meinem Körper, meiner Gesundheit beschäftigt habe wie in den Schwangerschaften. Man trägt nicht nur für sich, sondern auch für das Kind Verantwortung. Und wenn man sich dieser bewusst ist, wird die Ernährung keinen negativen Einfluss haben. Egal ob vegan, omnivor und was es da sonst noch so gibt.
vegan3Wie reagiert dein sonstiges Umfeld auf deine Ernährung?

Gut. Wirklich durchweg gut. Beim Frühstück mit Freunden steht immer etwas Veganes für mich auf dem Tisch, es wird vegan gebacken, wenn wir zu Besuch sind und sogar meine 80-Jährige Oma kredenzt mir total leckere Bratlinge. Mein Partner zieht zu Hause komplett mit und lässt mir bei den Kindern freie Hand. Er vertraut mir. So war weder die vegane Schwangerschaft noch die vegane Stillzeit bzw. Kinderernährung ein Problem.

Musst du irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel nehmen?

Ich nehme B12 ein. Unabhängig davon, ob ich schwanger bin, stille oder nur auf meine Ernährung achte. B12 ist meiner Meinung nach für jeden Veganer unverzichtbar. In der rein veganen Schwangerschaft habe ich keine zusätzlichen Nahrungsergänzungsmittel eingenommen. Auch kein Eisen. In der ersten Schwangerschaft dagegen schon.

Veganern wird nachgesagt, sie seien öfter müde – nun ist man in der Schwangerschaft ja eh schon so müde…

Hmm.. ich bin dauermüde. Aber das liegt eher daran, dass ich zwei schlechte Schläfer zu Hause habe. Kann ich also nicht bestätigen.

Man hat ja auch Gelüste, denen man nachgeben sollte, weil der Körper einem schon sagt, was richtig ist. Hast du dir die verboten?

Nein, ich bin jedem meiner Gelüste nachgegangen. Ich habe viel Süßes, noch mehr Obst und jede Menge Kaugummis (?!) zu mir genommen. Ging also auch prima vegan.

Wie klappt das jetzt in der Stillzeit? Fehlt dir irgendwas?

Meine Kinder wurden recht lange gestillt. 16 bzw. 17 Monate. Mittlerweile sind beide abgestillt. Es gab keine Einschränkung für mich oder die Kinder. Ich habe wie jede Stillende auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit geachtet.

Ist Stillen denn nicht auch irgendwie nicht-vegan?

Für mich ist das Trinken von Kuhmilch nicht vegan und vor allen Dingen nicht natürlich. Das Stillen meiner Kinder dagegen schon.

Wirst du deine Kinder auch vegan ernähren?

Wir leben zu Hause vegan, alle vier. Das ist mir wichtig. Einzige Ausnahme: Nutella. Und wenn wir unterwegs sind, darf jeder das essen, was er möchte. Also fast.

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Meine Tochter isst im Kindergarten Fleisch, wenn sie das mag. Und sie darf auch bei Freunden, auf Festen oder Geburtstagen Wurst oder Kuchen (mit Ei) essen. Milchprodukte verträgt sie nicht. Die gibt's also so gut wie nie. Mein Kredo: Ich verbiete ihr nichts. Ich lebe vor.
Mein Sohn ernährt sich komplett vegan. Er ist jetzt fast zwei Jahre alt und lehnt jegliches tierisches Essen ab. Aber auch er dürfte probieren, wenn er das möchte.

DANKE für deine Offenheit, liebe Svenja!

Foto: Einhorntorte: http://kaetheskekse.de

 

 

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2 comments

  1. Schön einmal von einer nicht
    Schön einmal von einer nicht so strikten Veganen Familie zu lesen.das hört sich gut und stimmig an.Bei mir war es genau andersherum.war jahrelang vegetarierin und in der Schwangerschaft hatte ich ein unzämbares Bedürfniss Fleisch zu Essen. Ohne Fleisch hatte ich nie das Gefühl satt zu sein. Jetzt esse ich wenig Fleisch und meine Tochter ist ein echter Fleischfan. ….

  2. Daumen hoch
    Für diese Mutter, die sich und ihren Kindern die gesündeste Lebensform zukommen lässt, die es irgendwie auch nur geben kann.