Landleben

23/07/2018 - 00:30

Land-Mama Lisa

Kita? Nicht mit uns: Warum wir unsere Kinder nicht in den Kindergarten schicken

Es gibt Familien, die sich bewusst gegen eine Betreuung ihrer Kinder im Kindergarten entscheiden. Was sind das für Leute?

Von Lisa Harmann

Das Haus, in dem Shirley, 41, und David, 46, mit ihren beiden Kindern Karlo, 6, und Rosa, 4, leben, steht am Stadtrand von Berlin und wirkt ein bisschen wie die Villa Kunterbunt. Zwar gibt es keine Veranda mit Pferd, aber es ist ein Ort voller bunter Wärme, ein bisschen anders als die anderen. An der Küchenwand hängen Plakate mit Zahlen und Buchstaben, im Schlafzimmer steht ein riesiges Familienbett. Und auf dem Parkett im Flur hat jemand aus bunten Streifen Hüpfekästchen geklebt. Neben den zwei Kleinen wohnt seit einigen Monaten auch noch Davids 17-jährige Tochter Lynn mit ihrem Freund Lucky bei ihnen. Es ist ein Haus der offenen Tür.

Und es ist ein Haus voller Kinder, auch jetzt an einem ganz normalen Vormittag unter der Woche. Denn Shirley und Davids Kinder wachsen kitafrei auf. Sie sind in keine Krippe gegangen und gehen jetzt nicht in den Kindergarten. Sie sind zu Hause bei Shirley. Sie ist eine „Selbstbetreuerin“.

Die neue Generation Mütter, die ihre Kinder selber ,betreut‘

Ich stehe im Flur, als Rosa und Karlo (mit Kissen) um die Ecke kommen. Karlo ruft: „Wer kann besser schmeißen?“ Rosa: „Ich!“ Karlo: „Angeber.“ Bevor ich Shirley besuche, habe ich im Blog intuitiveeltern.de nachgelesen, was das genau ist, eine Selbstbetreuerin. Dort steht: „Die neue Generation Mütter, die ihre Kinder selber ,betreut‘, ist keine Generation der Muttis am Herd, die den ganzen Tag nur kochen, backen, putzen und das Kind aufs Töpfchen setzen.

Es sind Mamas und Papas, die es lieben, für ihre Kinder da zu sein, ihnen Fragen zu beantworten und mit ihnen gemeinsam zu wachsen. Das ist Selbstverwirklichung pur, ziemlich anspruchsvoll und alles andere als eintönig. Es geht hier nicht um das bloße ,Betreuen‘, es geht um eine ganz bindungsbewusste Lebensform – die immer mehr Eltern anstreben.“

Aber sind nicht auch Eltern, die ihre Kinder in den Kindergarten schicken, für ihre Kinder da und beantworten ihre Fragen? Haben wir nicht gerade mit dem Kita-Ausbau erreicht, dass wir auch als Mütter berufstätig sein können? Und ist das nicht wahnsinnig anstrengend, wenn man 24 Stunden am Tag die Kinder um sich hat? Als ich mich an den Küchentisch der Villa Kunterbunt setze, habe ich viele Fragen. Shirley kocht uns einen Tee, stellt ein zweites Frühstück auf den Tisch. Und die Art, wie sie das tut, mit ruhigen unaufgeregten Bewegungen, beantwortet schon eine meiner Fragen: Nein, sie wirkt nicht genervt, nicht angestrengt. Eher sehr entspannt.

Kein Hetzen, Kein Wecken, kein Groll - ein Leben ohne Kita

Später, als wir in unsere Brötchen beißen, erklärt sie, wie sehr sie es schätzt, dass sie morgens nicht hetzen muss, die Kinder ausschlafen lassen kann und dass sie dann gemeinsam in Ruhe frühstücken. Der Kindergarten, sagt Shirley, sei für sie eine „künstlich erschaffene Welt mit homogener Altersstruktur: Gleichaltrige spielen mit Gleichaltrigen.“ Ihre Kinder hingegen hätten auch mit Älteren und Jüngeren zu tun, mit den Nachbarn, mit Papas Arbeitskollegen, mit Freunden. „Deshalb ist es auch Quatsch, wenn die Leute denken: Ohne Kita lernen die Kinder keine Sozialkompetenz.“

Außerdem, sagt Shirley, sei sie viel mit ihnen unterwegs. Im Dinopark, im Museum, in der Musikstunde oder Bibliothek, im Wald oder am See. „Allerdings legen wir nach einem Ausflugstag meist auch einen Ruhetag ein.“

Der 18-jährige Lucky kommt jetzt in die Küche, holt sich einen Apfel, schält ihn. Er hat Karlo im Schlepptau und erklärt ihm nebenbei, was ein Putsch ist: „Der König wird vom Thron gestoßen und dann ...“. Karlo ist ganz Ohr! „Wir haben es ja versucht mit einer Kita“, sagt Shirley. „Aber Karlo war es dort zu laut, zu wild, zu wuselig. Die ganzen Regeln, zu festen Zeiten essen, schlafen, rausgehen – er wollte viel lieber bei seiner Familie bleiben.“

Happy daheim: „Das hier macht mich glücklicher“

Shirley, die damals als Kommunikationsberaterin in der Werbebranche arbeitete, machte sich viele Gedanken: Würde sie das schaffen, zu Hause bleiben, mit Kind, ohne eigenes Einkommen? Jetzt sagt sie: „Ja, es war anfangs eine große Umstellung. Aber heute bin ich näher bei mir und beim Menschsein als je zuvor. Ich fühle mich weder gestresst noch unterfordert. Im Gegenteil: Wir entdecken gemeinsam die Welt. Und ich habe genug Erfahrungen mit der Arbeitswelt gesammelt, um sagen zu können: Ja, das hier macht mich glücklicher.“

„Komm wir marschieren, ich bin der Sheriff “, sagt Karlo, der jetzt einen Hut aufgesetzt hat. Rosa marschiert hinterher: „Ich bin der Boss, ist das klar?“ Fällt dir denn hier nie die Decke auf den Kopf, frage ich. Und Shirley schüttelt den Kopf. Wenn sie Abwechslung brauche, gehe sie auf Messen, zu Wochenend-Seminaren oder organisiere Arbeitsgruppen. David kümmere sich dann um die Kinder. Allerdings: Zeit für sie beide bleibe dabei im Moment wenig. Das ist aber auch der einzige Nachteil, der Shirley zum Leben als Selbstbetreuerin einfällt.

Anerkennung? Braucht Shirley nicht von außen, nicht von einem Chef, die holt sie sich aus ihrem Familienleben. Nicht alle in ihrem Umfeld akzeptieren die Entscheidung, die Kinder selbst zu betreuen. Einige Freunde haben sich zurückgezogen – weil sie als Familien ganz anders leben. „Oder vielleicht auch, weil sie ihren eigenen Lebensentwurf infrage gestellt sehen“, sagt Shirley. „Viele berufstätige Eltern sind ja gestresst. Wir aber haben keinen Zeitdruck.

Kein schlechtes Gewissen, weil das Kind beim Abgeben weint. Keinen Orga-Wahnsinn, wenn es krank wird ... Das provoziert scheinbar.“

„Vorsicht Banküberfall! Bewegen Sie sich nicht! Schnell, betäubt ihn.“ Karlo und Rosa sind in Aktion. Jetzt spielen auch Lucky und Lynn mit. Für 13 Uhr haben sich Anja, Steffi und Alex mit ihren Kindern angekündigt – alle Selbstbetreuerinnen. Sie verabreden sich oft – auch, weil es für ihre Kinder sonst fast unmöglich wäre, bis zum Nachmittag Spielkameraden „in freier Wildbahn“ zu treffen, denn die sind in der Kita. Konkurrenz unter den Kindern? „Gibt es so gut wie nicht. Sie brauchen ja nicht dauernd die Ellenbogen ausfahren, um ihren Platz zu sichern. Sie sind sicher“, meint Shirley.

Alex, 30, ist mit Johannes, 1, und Marie, 4, da. Eigentlich sollte Marie spätestens mit drei in den Kindergarten, doch dann lernte Alex eine Selbstbetreuerin kennen. Erst dachte sie: „Die spinnt ja, die Kinder brauchen doch eine Kita zum Austoben! Und zum Freundefinden.“ Aber dann sah sie, wie glücklich dieses andere Leben offenbar alle machte. Und es faszinierte sie immer mehr. Das wollte sie irgendwann auch.

Ein Elternteil bleibt zu Hause? Das muss man sich leisten können

Um sich die Selbstbetreuung „leisten“ zu können – ein Gehalt fällt ja weg –, haben Alex und ihr Mann das Auto abgeschafft. Alex weiß, dass viele Selbstbetreuer mit Hartz IV aufstocken. Sie findet das okay: „Auch Eltern, die ihre Kinder nicht selbst betreuen, nehmen ja Zuschüsse vom Staat für den Kitaplatz in Anspruch.“

Alex hat auch die Internetseite kindergartenfrei.org ins Leben gerufen. Dort können sich Selbstbetreuer vernetzen. Ungefähr 1600 aktive Mitglieder hat das Netzwerk. Die meisten sind Mütter, aber Alex erzählt auch von einem Papa, dessen Frau sagte: „Wenn du keine Kita für unser Kind willst, musst du die Betreuung übernehmen.“ Und das tut er seither. Dass es bei den anderen oft auf eine klassische Rollenteilung hinausliefe, habe damit zu tun, dass die Männer leider immer noch oft mehr verdienten.

Kitafrei erzogen: Wie soll das später in der Schule werden?

„König Dustin, was wollen Sie von uns?“, ruft Karlo in die Küche und zieht jetzt auch die dreijährige Johanna mit ins Spiel. Johanna ist die Tochter von Anja, 34. Die ist ausgebildete Bühnentänzerin und stieß nach einer missglückten Kita-Eingewöhnung auf das Kitafrei-Netzwerk. Wie sie alle sich das später vorstellen mit der Schule, frage ich jetzt: „Da müssen die Kinder sich ja an viele Zeitvorgaben und Regeln halten. Habt ihr keine Angst, dass das schwierig wird?“

Haben die vier nicht. Viele Selbstbetreuer suchen sich später freie Schulen, bei denen sie mitbestimmen können – erfahre ich. Manche wandern sogar aus in Länder, wo man seine Kinder selbst und zu Hause unterrichten darf. „Ich bin jetzt müde, ich will gehen“, sagt Johanna zu ihrer Mama. Die fragt, ob sie sich kurz zusammen hinlegen können. „Kein Problem“, sagt Shirley.

Ja, Selbstbestimmung spielt eine große Rolle in ihrem Leben. Sie und die anderen Mütter haben sich entschieden, nicht mitzurennen in der Rushhour des Lebens und phasenweise auszusteigen aus der modernen Leistungs- und Effizienzgesellschaft. Das kann man mutig finden. Oder sogar besonders emanzipiert. Aber auch kurzsichtig, naiv, rückständig: Shirley und die anderen kennen diese Kritik.

Kritik von außen an den "Helikopter-Hippies"

Sie wissen, dass manche sie „Helikopter-Hippies“ nennen und ihnen eine überbehütende Erziehung vorwerfen. Oder als Weibchen abstempeln, die keine wirtschaftliche Verantwortung für sich übernehmen. Aber sie haben gelernt, mit Gegenwind umzugehen.

„Ich weiß, wie Berufstätig-Sein geht – und ich werde es auch wieder sein, wenn die Kinder größer sind“, sagt Shirley – und die anderen nicken. „Nur eins“, sagt Anja, werde sie niemals begreifen: „Warum Kita-Fans immer meinen, andere Leute könnten unsere Kinder besser erziehen als wir Eltern, die sie lieben.“

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Infobox: DAS SAGT DIE WISSENSCHAFT! In einer Zwillingsstudie mit 1200 Kindern fand der amerikanische Psychologe Elliott M. Tucker-Drob heraus: Kinder, die bis zur Einschulung zu Hause betreut wurden, waren genauso fit wie Kita-Kinder – wenn sie aus bildungsnahen Haushalten kamen. Kinder aus bildungsfernen Familien hingegen wiesen gegenüber Kita-Kindern häufiger Defizite auf.

Dieser Report erschien zuerst in der Zeitschrift Eltern Family.

Tags: Bildung, Erziehung, Bindung, Entwicklung, Kinder, Eltern, Selbstbetreuuer

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Kommentare

Martina — Mo, 07/23/2018 - 09:05

Alle meine Kinder kamen erst mit über 4 Jahren in den Kindergarten. Bis dahin wurden sie von mir zu Hause betreut. Und sie gingen auch nur halbtags dahin, von 8-12 Uhr. Zum Mittagessen waren sie schon wieder zu Hause. Von diesen paar Stunden haben sie sehr profitiert. Sie haben viele neue Dinge gelernt, Freundschaften geschlossen.... Aber gleichzeitig merkte ich auch, wie sehr sie bereits diese paar Stunden auspowerten. Den ganzen Tag dort, wäre wohl die absolute Reizüberflutung gewesen. Wichtig war mir auch dass sie im Kindergarten bereits so "groß" sind, dass sie sich klar verständlich ausdrücken und mitteilen können, dass sie selbstständig zur Toilette gehen können, dass sie ein gewisses Zeitverständnis haben und erfassen können, "ich bleibe jetzt hier ein bisschen um zu spielen und meine Mama holt mich danach wieder ab". Abschiedsdramen hatten wir nie . Für uns war es perfekt so. Bei Kind 4 strebe ich ebenfalls wieder einen Kiga Start mit 4+ an. Und natürlich wieder nur von 8-12. (Im Moment ist er 2 1/2 und noch zu Hause).

Anni — Mo, 07/23/2018 - 09:23

Es gibt hier ja nicht den einen richtigen Weg, je nach Kind und Eltern gibt es von Selbstbetreut bis Ganztages-Kita 1000 Möglichkeiten. Und es ist gut, dass es die alle gibt. Ich zum Beispiel bin sehr froh, dass ich in meinem Job in Teilzeit arbeiten kann und weiß, dass meine Kinder in Schule und Kita bestens betreut und glücklich sind. Und ab 14 Uhr geht dann unsere Familienzeit weiter.

Stephanie — Mo, 07/23/2018 - 10:45

Ich sehe es genauso: ich gehe gerne arbeiten, nicht wegen der Anerkennung, sondern um auch andere Eindrücke zu bekommen und auch um eigenes Geld zu verdienen. Und ich weiß, dass mein Kind in der Kita gut betreut ist und es ihr dort gut geht. Im Moment sind Ferien und sie spricht jeden Tag vom Kindergarten und den anderen Kindern. Und nachmittags ist bei uns auch Familienzeit. Ach so, Dramen beim "Abgeben" hatten wir bisher nicht und auch wecken muss ich unser Kind nur sehr selten. Die Argumente, und dass man als berufstätige gehetzt ist, sind also auch pauschal nicht richtig.

Sandra — Mo, 07/23/2018 - 10:34

Ich finde es unfassbar, dass die Selbstbetreuer es völlig in Ordnung finden, diese Lebensform über Sozialleistungen zu finanzieren! Und dann als Rechtfertigung aufzuführen, dass Kitaplätze ja auch vom Staat subventioniert würden. Ich behaupte mal, dass die allermeisten Eltern während des Kindergartenaufenthalts ihrer Kinder einer Berufstätigkeit nachgehen. Dabei geht der Staat ja nicht leer aus. Jeder soll so leben wie er möchte, aber bitte nicht freiwillig und bewusst gewählt auf Kosten der Allgemeinheit.

Stephanie — Mo, 07/23/2018 - 10:48

Ja, der Punkt ist mir auch sauer aufgestoßen, vor allem mit der Argumentation der subventionierten Kitaplätze - und wenn man sich ansieht, was die Eltern an Kosten selber tragen müssen, wird es noch schlimmer...

Corinna — Mo, 07/23/2018 - 11:41

Ich musste mich bei dem Absatz, dass manche Selbstbetreuer ihr Konzept mit Sozialleistungen ermöglichen, auch sehr aufregen. Was für eine naive und dumme Aussage, dass Kitaplätze ja auch subventioniert sind. Ja, sind sie - aber mit dem Ziel dass Eltern berufstätig sind und somit durch Steuern die Systeme in unserem Land finanzieren. Für mich ist die Herangehensweise der Selbstbetreuer ein Missbrauch des Sozialstaats. Eigene Ideale finanzieren mit fremden Mitteln, extrem dreist und eine Ohrfeige für alle Berufstätigen mit Kindern.

VioCocoba — Mo, 07/23/2018 - 19:54

im Artikel steht, dass manche Familien auch Sozialleistungen beziehen, nicht alle. Und es kam ja auch heraus, dass viele Familien dieses Modell nicht als ihren ersten Weg gewählt haben, sondern erst durch Eingewöhnungsversuche festgestellt haben, dass das für IHR Kind nicht funktioniert. Solche Kinder gibt es natürlich! Oder es gibt vor Ort keine gute Auswahl, sodass nicht die passende Einrichtung gefunden werden kann. Es ist doch schön, wenn auf die Bedürfnisse dieser Kinder eingegangen werden kann, damit diese Kinder später starke, selbstbewusste Erwachsene werden können. Davon hat die Gesellschaft auch etwas und ich finde das ist es absolut wert von allen ein bisschen mitgetragen zu werden. Es geht ja meist auch nur um ein paar Jahre. Ich verstehe diese Aufregung also nicht. Unsere Kinder gehen in Krippe und Kinderladen, aber wir konnten uns kleine, liebevolle Einrichtungen aussuchen, die zu uns passen. Nur weil wir nicht denselben Weg gehen, muss ich doch andere Konzepte nicht abwerten, sondern kann mich trotzdem einfühlen und hier auch nachvollziehen, warum sich andere Familien in ihrer jeweiligen Situation so entscheiden.

Corinna — Mo, 07/23/2018 - 22:17

Deshalb schreibe ich auch manche und nicht ALLE Selbstbetreuer. Gegen das Konzept habe ich übrigens rein gar nichts einzuwenden, mich stört nur das "Finanzierungsmodell" mancher Selbstbetreuer. Zu dem Argument, dass keine passende Einrichtung gefunden wird oder dass das Kind nicht in die Kita möchte: Klar, das gibt es! Aber dann muss ich das doch auch selber finanzieren können. Wenn mir das deutsche Schulsystem nicht zusagt, finanziert mir der Staat doch auch keine Privatschule.

VioCocoba — Mo, 07/23/2018 - 23:02

Stimmt, du schreibst "manche". Mein Kommentar richtete sich auch an die beiden Kommentare über deinem, da war es etwas allgemeiner formuliert. Ich denke halt, dass es Familien gibt, da klappt es nicht anders und es gibt möglicherweise keine Alternative als Sozialleistungen und ich vermute, dass das vielen nicht leicht fällt diese dann in Anspruch zu nehmen. Da es aber für das Kind nicht anders zu gehen scheint, wird dieser Finanzierungsweg gewählt. Und dann ist meine Meinung, dass das auch voll OK ist. Aber sicher gibt es auch ein paar, die es anders stemmen könnten und das Sozialsystem ausnutzen. Die gibt es aber überall und das darf man nicht mit dieser Gruppe der Selbstbetreuer pauschal verknüpfen. Das Thema Schule ist sicher noch mal ein ganz eigenes ... (-;

Sandra — Di, 07/24/2018 - 13:43

Natürlich soll man nicht verallgemeinern. Aber für mich hörte es sich in dem Artikel nicht danach an, dass die Selbstbetreuung eine Notlösung ist, weil man für sein Kind keinen (geeigneten) Kitaplatz gefunden hat. Zumindest die im Artikel genannten Personen scheinen es völlig in Ordnung zu finden, ihr Ideal über die Allgemeinheit zu finanzieren. Ich frage mich bei dieser Einstellung nur: was wäre, wenn alle so handeln würden....

Christine — Mi, 07/25/2018 - 08:26

Genau. Da sie selbst ja gearbeitet hat und ihr Mann es auch tut, profitiert sie letztendlich eh von ihren eigenen einst eingezahlten Steuern. Also warum die Aufregung, frag ich mich.

Sophia — Sa, 08/04/2018 - 04:19

Meine Erfahrung mit dem Jobcenter ist: Sobald dein Kind 3 Jahre alt ist, verpflichten sie dich, vollzeit zu arbeiten. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man bei einem Kind, das älter als 3 Jahre alt ist, in Ruhe Hartz IV beziehen kann. (?) Kita kann toll sein für die Kids und es kann eine totale Reizüberflutung sein, und viele (staatliche) Kitas haben einfach zu wenig Betreuer. Die wechselnden Betreuer sind darüberhinaus auch nicht "artgerecht". Ich meine nicht, dass jede Kita schlecht ist, genauso wenig, wie jede Betreuung zu Hause gut sein muss. Aber ich meine, neben der akuten Geldabwägung - Hartz IV vs. Subventionen von Kitas - sollte man auch berücksichtigen, welche Menschen aus den staatlichen Kitas derzeit hervorgehen. Und welchen "finanziellen" Schaden ADHS-Kinder und Erwachsen bspw. später "anrichten". Was wiederum nicht bedeuten soll, dass alle Kita-Kinder später ADHS bekommen. Nur denke ich: Es gibt Kritik an den derzeitigen (staatlichen) Kitas, die ist nicht ganz unberechtigt und kommt auch von Kita-Befürwortern. Möglicherweise nützt ein Mensch, dem jetzt die Reizüberflutung in den Kitas zu viel ist und der jetzt bei Mama bleiben will, der Gesellschaft später mehr.

Sonja — So, 12/02/2018 - 23:27

Verstehe ich nicht, wieso das unfassbar sein soll. Der Kitaplatz kostet Geld, und wenn man den Platz nicht wahrnimmt, dann hat man auf andere Weise Anspruch auf das Geld. Ich fände es zwar falsch, für die Heimbetreuung extra politische Anreize (wie das Betreuungsgeld einer gewesen wäre) zu schaffen, aber es ist selbstverständlich, dass den "Heim"-Eltern diese finanzielle Unterstützung zusteht. Und : Nur weil jemand berufstätig ist, leistet er nicht automatisch einen Beitrag für die Gesellschaft. Kinderbetreuung daheim ist auch ein Beitrag für die Gesellschaft. Die Wahlfreiheit ist entscheidend! Ich persönlich sage: Kita ist erste Wahl, aber auch nur dann, wenn die Kita gut ist und das Kind sich wohlfühlt. Und das ist eben nicht selbstveständlich. Manchmal ist Heimbetreuung ganz bestimmt die bessere Wahl, auch für das Kind.

Sonja — So, 12/02/2018 - 23:37

Ich muss hinzufügen, dass mein Verständnis für die Heimeltern auch daraus resultiert, dass ich eine so schlechte (nach zwei sehr guten) Erfahrung mit einer Einrichtung hatte, dass, hätte es keine Alternativen des Wechsels gegeben, ich mich auf jeden Fall für die Heimbetreuung entschieden hätte, wenn denn nicht gleich für einen Umzug. Ja, es gibt auch ErzieherInnen, vor denen man das Kind schützen muss. Ausbildung = kompetent, nein, das ist leider nicht der Fall, das weiß ich nun. Es gibt auch Einrichtungen, die können auf Kinder eine katastrophale Auswirkung haben.

Alexsandra — Mo, 07/23/2018 - 12:13

"Kita ist eine Künstlich erschaffene Welt" und was ist Eure Welt?? "Gleichaltrige spielen mit gleichaltrigen" ach ja?? Bei uns nicht... "Kinder müssen sich dann an Regeln und Zeiten halten" ja, das ist später im Leben auch so! Hat diese Frau eigentlich schon mal eine Kita gesehen oder besucht?? Kita ist nicht gleich Kita. Gibt zig arten von Kindergärten... Ich finde es unmöglich was diese Familie für seltsamen Aussagen macht. Wow ihre Kinder haben mit den Arbeitskollegen von ihrem Mann zu tun. Und???? Was soll den das Aussagen?? Das Kita Kinder nicht mit Erwachsen sich unterhalten können oder was? Sorry, aber diese Beitrag ist leider nur zum aufregen, egal in welcher Hinsicht

Lucy — Mo, 07/23/2018 - 12:51

In der Kita meines Kindes gibt es erstaunlicherweise, Kinder in unterschiedlichen Altersklassen... Surprise, surprise. Mir war bis dato auch neu, dass es unerlässlich für eine glückliche Kindheit ist, Kontakt mit den Arbeitskollegen eines Elternteils zu haben. Aber wenn dem so ist, bin ich ja beruhigt, denn mein Kind hat trotz Kita schon öfter meine Arbeitskollegen gesehen... Ach so und unsere Nachbarn auch, scheint ja ebenfalls ein immens wichtiges Kriterium zu sein... Was unterscheidet nun mein Kita-Kind von den Kindern im Beitrag? Richtig: Ich finanziere das Kind selbst und nicht auf Kosten der Steuerzahler!!!!! Und natürlich schlafen die Kinder im Familienbett (wo sonst?), werden 8 Jahre gestillt und sind bestimmt alle nicht geimpft, um mal ein bisschen bei den gängigen Klischees zu bleiben....

Andy — Mo, 07/23/2018 - 21:09

Ihren Kommentar mit den Worten "ideologisch verblendet" zu betiteln, ist der blanke Hohn. Noch nie gab es in der Nachkriegszeit ein Thema, dass dermaßen ideologisch überfrachtet war, wie das der möglichst unmittelbar post-natalen 24/7 Fremdbetreuung. Ihr Schlusssatz "...um mal bei den gängigen Klischees zu bleiben!" spricht da Bände. Vielen Dank für Ihre Selbstentlarvung!

Saskia — So, 07/29/2018 - 12:55

Ich fürchte, da fühlt sich jemand im eigenen Lebensentwurf kritisiert, wenn von "ideologischer Verblendung" die Rede ist. Vielmehr sollte sich alle, die sich bei den mantraartigen Predigten von der Bedeztung des Kitaausbaus einreihen, mal darauf schauen, ob nicht vielleicht sie da mit ein wenig Verblendung heran gehen. Unabhängige Studien beweisen, dass es den allermeisten Kindern in Kitas eben nicht gut geht, vorallem jenen unter 3 Jahren. Am interessantesten ist da sicherlich eine Studie zur Stressresistenz, aus der hervor geht, dass einige Kindergartenkinder an burnoutartigen Symptomen leiden und dass die ausgeschütteten Stresshormone mittel-bis langfristig die Hirnstruktur verändern. Natürlich gibt es auch Gegenstudien, die behaupten, dass Kindergartenkinder kognitiv und sozialkompetent besser da stehen als ihre Altersgenossen, die daheim betreut werden. Nur wer finanziert diese Studien? Richtig: das deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut und die Bertelmannstiftung!!! Was haben die mit dem Wohlbefinden der Kinder am Hut? Nichts. Aber sie sind daran interessiert, dass möglichst viele Eltern möglichst bald nach der Geburt des Kindes wieder arbeiten gehen. Also wer geht hier "Ideologie" auf den Leim?

Patricia Alemdar — Mo, 07/23/2018 - 13:16

Warum kann man Menschen nicht einfach so sein lassen wie sie sind? Mein Kind geht in den Kindergarten - ich finde aber das Konzept Kinder zu Hause zu betreuen mega gut! Warum denn nicht. Man muss doch nicht gleich so angriffslustig sein - wie einige der Kommentatoren hier.

Christine — Mi, 07/25/2018 - 08:30

Danke

Janika — So, 07/29/2018 - 00:41

Ja, danke auch von mir!

Omma — Mo, 07/23/2018 - 17:51

Erst mal tief durchatmen. Jeder macht es so, wie es zu seinem Leben passt. Ich gehöre zur Omageneration. Bekanntlich waren unsere Mütter alle Hausfrauen und haben uns bis Schuleintritt bespaßt Dass es so etwas wie Kindergärten gab hat mir meine Mutter erzählt. Aber da haben nur “arme“ Frauen ihre Kinder hingebracht.. Und ob man es glaubt oder nicht: auch meine Generation hat viele sozial verträgliche Leute hervorgebracht, die sehr gut sozialisiert wurden. Halt dann erst in derSchule die Gemeinschaft kennen gelernt haben. Ein Aspekt beim Selbstbetreuen wurde hier noch nicht angesprochen, nämlich Einzelkinder. Auch im Beispiel ist ein Geschwister vorhanden, was die Betreuung zu Hause durch den. vorhandenen Spielpartner erleichtert. Meine Schwester war 7 Jahre älter, ich also vormittags mit unserer Mutter allein. Manchmal war es schon grotten langweilig.... Meine drei Enkel waren alle in der Krippe und sind fröhlich und ausgeglichen. Was ich noch bestätigen wollte ist, dass es gar nicht geht die Betreuung daheim mit HartzIV zu finanzieren. Da kann ich mich den vorigen Kommentaren nur anschließen. Aber das sind Einzelfälle - wie eine Dame, die einen fingierten Arbeitsvertrag bei der Kita vorgelegt und damit 2 Ganztagsplätze bekam, selbst aber ihre freie Zeit genossen hat...... Tschüssi

Kiki — Mo, 07/23/2018 - 18:52

Ich finde es immer interessant über Menschen zu lesen, die in ideologisch aufgeladenen, sektenähnlichen Strukturen leben. Vor allem beneide ich sie um ihre Fähigkeit ohne Selbstkritik durchs Leben zu gehen. Ich glaube das macht sehr glücklich.

Andy — Mo, 07/23/2018 - 21:12

...einer der glücklichsten Menschen der Welt sein.

Patricia Alemdar — Di, 07/24/2018 - 09:51

Sektenähnliche Struktur? Das ist ja wohl völlig überzogen!

Eva — Mo, 07/23/2018 - 19:49

Was macht man denn, wenn man ein Kind hat, dass nicht in den Kindergarten möchte. Tatsächlich hat man doch in den Grossstädten (und vielleicht auch sonst) sehr wenig Wahlfreiheit, was die Institution angeht. Unser mittlerer Sohn hat sich zweieinhalb Jahre lang gegen den Kiga gewehrt, wir haben ihn trotzdem hingeschleift. Weil man ja hierzulande eine Haltung propagiert, in der das Schreien von Kindern als fast schon normal angesehen wird (Das Kind muss es halt lernen, und wer einmal nachgibt, hat verloren). Aber ausser Schreien bleibt ja vor allen kleineren Kindern nicht viel. Wie geht man damit um, wenn man so ein Kind hat, dass nicht nur un der Eingewöhnung schreit, sondern beständig? Wir haben letztlich unseren Sohn das letzte Jahr aus dem Kiga genommen: Schule ist für ihn kein Problem, einfach, weil es strukturierter ist

Britta — Mo, 07/23/2018 - 20:26

Spannend fände ich ja, weshalb der achtzehnjährige Lucky “an einem ganz normalen Vormittag unter der Woche“ auch zu Hause betreut wird. Oder hab ich das falsch verstanden?

Zebra — Di, 07/24/2018 - 11:47

Bei beiden Kindern bin ich wieder das erste Mal arbeiten gegangen, als sie 12 Wochen alt waren. Gestillt wurden beide anderthalb Jahre, in die Krippe kamen sie mit 10 bzw. 11 Monaten, mein Mann und ich teilen die Betreuung 50/50, ich bin Hauptverdienerin und hab ne Lebensversicherung, um ihn abzusichern. Meine Kinder sind bisher ausgeglichen und gesund. Ich hab für mein Modell ordentlich einstecken dürfen, sowie die oben genannten Familien wanrscheinlich auch. Jeder wie er mag, aber was mir schon auffällt: so viele Frauen bleiben daheim und gehen damit einen riesigen Schritt auf die Altersarmut zu. Zumeist sind es ja bildungsnahe und gut verdienende Familien, die diesen Schritt gehen (muss man sich halt auch leisten können). An dem Punkt fehlt mir das Verständnis und das möchte ich meinen Töchtern auch nicht vorleben. Wenn es mit Kita oder ähnliche nicht geklappt hätte, hätten mein Mann und ich uns auf zwei halben Stellen die Betreuung geteilt und eben den Gürtel nochmal enger geschnallt (ja, kann auch nicht jeder, weiß ich). In der Form finde ich es Wahnsinn für die Frauen. Kinnas, denkt doch an eure Rente! An Absicherung im Fall von Trennung und SCheidung etc...

Daniela — Di, 07/24/2018 - 14:17

Ich kann hier Zebra nur zustimmen... Ich glaube auch dass diesen Frauen schnell ein ganz ganz böses Erwachen blühen könnte, nämlich sobald die Versorgung durch den Ehemann wegfällt (zB durch Scheidung, Tod, etc.). Ich meine ist den Damen denn bewusst dass der Exmann null Verpflichtung hat der Frau Unterhalt zu zahlen sobald das zu betreuende Kind 3 Jahre alt ist???? Ganz zu schweigen von der Rente! Sorry aber ich halte dieses Vorgehen für dermaßen unemanzipiert und realitätsfern... Emanzipiert wäre es gewesen einen Weg zu finden sich die Betreuung mit dem Partner/ Mann aufzuteilen damit keiner die oben genannten Einbußen alleine tragen muss (wie von Zebra bereits angedeutet)...

Lily — Fr, 10/26/2018 - 13:52

Ich verstehe einige Kommentare nicht. Warum werden Frauen verurteilt, die ihr Kind mit 3 in die Kita geben und nicht arbeiten ? Jedes Kind ob aus einem finanziell schwachen oder starken Haushalt sollte die Chance auf einen Kitaplatz bekommen. Es geht doch in erster Linie um das Kind.

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