Stadtleben

06/02/2018 - 06:45

Stadt-Mama Katharina

Mama kann grad einfach nicht mehr - warum wir das auch mal laut sagen sollten

Ich habe eine Freundin, von der ich schon vier oder fünf Wochen nichts mehr gehört habe. Letzte Woche dann klingelte mein Handy und sie rief mich an. Sie sagte: "Ich weiß, ich melde mich gerade nicht. Ich weiß, dass ich gerade keine gute Freundin bin. Dafür möchte ich mich entschuldigen und Dich bitten, noch ein paar Wochen Nachsicht mit mir zu haben. Irgendwie ist mir gerade alles zu viel, der Job, die Kinder - dafür brauche ich gerade meine ganze Kraft. Ich schaffe es gerade einfach nicht, auch noch eine gute Freundin zu sein. Mitte März wird sich beruflich einiges ändern, dann bin ich wieder die Alte. Bitte sei nicht böse und gib mir noch diese Zeit."

Ich saß da auf dem Sofa und war sprachlos. Was für eine Offenheit, was für eine Ansage. Meine Freundin bat mich also um eine kleine Auszeit und ich weiß, dass noch ein paar andere Freundinnen angerufen hat und ihnen das selbe sagte. 

Ich versicherte meiner Freundin, dass ich zu keiner Zeit enttäuscht oder sauer gewesen sei, fragte, ob ich denn helfen könne und dass ich mich einfach freue, wenn sie Zeit für einen Kaffee hat. Man konnte förmlich hören, wie ihr am anderen Ende der Leitung ein Stein vom Herzen fiel. 

Ich erzähle diese Geschichte heute, weil ich es so bemerkenswert fand, wie offen meine Freundin zu ihrer "Schwäche" stand. Immer und immer wieder lesen wir, dass wir selbst nicht so streng zu uns sein sollen, dass wir uns Auszeiten gönnen sollen und dass wir eben nicht alles schaffen können. 

Aber mal ehrlich: Wir oft sagt Ihr wirklich: "Das schaffe ich nicht?" 

Wie oft backt Ihr doch noch spätabends den Kuchen für das Klassenfest, obwohl Ihr einfach nur schlafen wollt?

Wie oft bleibt Ihr doch noch länger im Büro oder arbeitet abends nach?

Wie oft sagen wir: "Nein, nein, ich krieg das schon alleine hin", obwohl wir eigentlich sagen müssten: "Ich brauche Hilfe?"

Wie oft sind wir eben doch alles zur gleichen Zeit: Mutter, Frau, Freundin, Tochter, Schwester, Elternbeiratsmitglied...

Ich glaube, Menschen, die uns gern haben, haben so viel mehr Verständnis für unsere Schwächen haben. Und ich glaube, dass es viel besser ist, eine ehrliche Ansage zu machen, als jemanden ständig hinzuhalten oder zu vertrösten. 

 

 

Tags: Kraftreserven, Limit, Grenzen, Mutter, Vereinbarkeit, Kinder, Job, Freundschaft

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Kommentare

Schokominza — Di, 02/06/2018 - 08:04

Ich schätze, ich vertröste meine Freunde schon regelmäßig. Gerade während der Zeit unseres Umzugs in eine neue Stadt und danach war einfach klar: Es ist zuviel und ich kann gerade leider keine Zeit mit Freunden verbringen. Das ist schade, aber es haben (fast) alle verstanden. Was Hilfe angeht, das ist wieder ein anderes Thema. Denn die Stunden im Büro kann mir keiner abnehmen, genauso wenig wie Aufgaben im Haushalt oder mit den Kindern. Ob ich nun krank bin oder einfach nur müde. Da muss man manchmal einfach durch.

Anni — Di, 02/06/2018 - 08:24

Guten Freundinnen sollte man das genau so sagen können! Ich mache das regelmäßig, auch wenn es nur Bekanntschaften über die Kinder sind. Spielbesuch, der schon eingeladen war, eine Abendessen-Verabredung unter Mamis, ... Egal was es ist, wenn ich mich dadurch gestresst fühle weil einfach grad alles zu viel ist, dann bin ich ehrlich uns sage freundlich ab oder bitte darm, dass wir das Treffen nachholen wenn es ruhiger ist. Ich finde alle Mamas sollten so ehrlich mit ihrer Umwelt und vor allem mit sich selbst sein! Traut euch, alle Mamas werden das verstehen können!

Maria — Di, 02/06/2018 - 09:24

zu diesem Thema gelesen, was ich mir schon öfter zu Herzen genommen habe : "Wenn ich zu dir Nein sage, sage ich Ja zu mir." Das sollten wir alle öfter machen, so wie deine Freundin.

Lena — Di, 02/06/2018 - 13:22

Ich sage das zu Hause öfter mal, aber leider interessiert das weder die kranken Kinder noch den kranken Mann, noch meine deadlines im Job....manchmal denke ich sogar darüber nach, ob ich nicht einfach mal eine dicke Grippe simulieren soll, damit ich auch mal eine Weile tatenlos im Bett liegen darf und zuschauen, wie andere sich abstrampeln...sorry, einfach eine schrecklich Jahreszeit im Moment...

Julia — Di, 02/06/2018 - 21:07

Ich müsste dazu gezwungen werden, nach der Geburt meiner Maus bekam ich eine postpartale Depression, da war es ein enorm schwerer Schritt erst gegenüber meinem Mann und dann in immer größeren Kreisen offen zuzugeben: ich kann das nicht. Aber es hat mir letztlich auch gut getan, das zu üben. Ich habe dadurch eine Freundin gewonnen, die auch schon bei uns geputzt und für uns gekocht hat und inzwischen kann ich das auch zurückgeben. Ich habe auch gelernt, dass viele Dinge für einen selbst kein Problem sind, aber an anderer Stelle enorm entlasten können. Es ist kein Problem, eine Lasagne vorzubereiten, die sich der andere warm machen kann, eine Maschine Babywäsche mitzuwaschen, mal zu saugen... für den anderen kann das die Rettung sein. Ich bemühe mich jetzt, meine Hilfe offen anzubieten, das tut allen meinen Freundschaften gut!

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