Gastbeitrag einer überlasteten Mama: „Ich glaube, wir haben uns mit dem dritten Kind übernommen“

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Liebe Hellen, wenn ich dich frage, wie es dir jetzt gerade geht, also in diesem Moment hier, was würdest du mir ehrlich antworten?

Momentan geht es mir gut. Ich sitze am Schreibtisch im Büro und habe zwar viele, aber keine eiligen oder dringenden Aufgaben zu erledigen. Wäre ich zu Hause, wäre ich vermutlich angestrengter. Unser drittes Kind ist jetzt sechs Jahre alt, aber einfach noch nicht so weit für sein Alter. Es muss und möchte ständig begleitet werden. Alleine spielt es so gut wie nie.

Die einzigen Pausen, die wir haben, sind eigentlich, wenn er vor einem Bildschirm sitzt. Ich arbeite viel und habe im Büro immer ordentlich Energie, aber sobald ich zu Hause bin, fühlt sich vieles ermüdend an. Ich habe dauernd ein schlechtes Gewissen, weil ich mehr mit unserem Kind unternehmen sollte, oder aufräumen könnte oder Fenster putzen oder Wäsche waschen oder gesund kochen oder mit unserem Mittleren etwas machen oder oder oder. 

Du hast das Gefühl, dich mit dem dritten Kind übernommen zu haben. Wann hast du das zum ersten Mal gemerkt?

Ich weiß nicht, wann es mir klar wurde. Klar ist aber, dass es mir klarer wird, umso älter unser drittes Kind wird. Er will ständig unterhalten und beschäftigt werden und hat sehr viele Bedürfnisse.

Hattest du schon vor der dritten Schwangerschaft Bedenken?

Ich hatte schon Bedenken vor der Schwangerschaft, aber nicht in diese Richtung.

Ich merke einfach in der letzten Zeit, dass ich es nicht mehr schaffe, so vielen unterschiedlichen Bedürfnissen gleichzeitig gerecht zu werden. Je hektischer das Leben im Allgemeinen wird, desto weniger kann ich es aushalten, dass mehrere Leute gleichzeitig meine emotionalen Reserven anzapfen.

Und obwohl Kind 1 und Kind 2 sich super entwickeln, brauchen sie mich emotional viel mehr als vor einigen Jahren. K1 wird immer besser darin, ihre Bedürfnisse zu äußern und mit 14 ist K2 ziemlich typisch fordernd. Sie redet wie ein Wasserfall – und ich finde das enorm anstrengend. Umso mehr, wenn K1 eine auch Krise hat oder K3 rumzappelt, weil er auch Aufmerksamkeit will. 

Wo ist dein Mann in solchen Momenten?

Mein Mann packt schon viel mit an, aber die ganze mentale und emotionale Arbeit lastet irgendwie auf mir. Wenn K2 gerade einen Redeschwall hat, und mein Mann da ist, kann ich ihm sagen, dass er sich um K3 kümmern müsste – und das tut er auch. Aber von alleine kommt er nicht drauf. An vielen Stellen ist mein Mann auch einfach schnell überfordert.

Generell merke ich, dass wir alle zu wenig Zeit miteinander haben. Wir arbeiten beide Vollzeit, er als Lehrer und ich als Wissenschaftlerin.

Mit zwei Kindern lief es also wesentlich besser?

Ja, wir sind aus den USA nach Deutschland gezogen, als K2 zwei Jahre alt war -das hat uns zunächst sehr getan hat. Ich hatte eine gute Balance zwischen Arbeit und Muttersein. Und dann wurde ich wieder schwanger.

War das eine Überraschung?

Ja schon. K3 war schon ein absolutes Wunschkind, aber nachdem ich sechs Jahre lang nicht schwanger wurde, obwohl wir nicht verhütet haben, war es doch eine echte Überraschung. Zu dem Zeitpunkt war ich schon 42 und hatte eigentlich mit dem Thema abgeschlossen.

Im Nachhinein frage ich mich, ob ich wirklich ein drittes Kind wollte – oder ob ich nur der Vorstellung hinterher ging, die ich von einem dritten Kind hatte.

Wann hast du dir dieses Gefühl ehrlich eingestanden, so dass du es auch formulieren konntest – und: war das schwer, das vor dir selbst zuzugeben, es nicht schönzureden oder gar die Schuld bei anderen zu suchen?

Ich muss zugeben, dass ich die Schuld schon oft bei meinem Mann suche. Er gibt sich Mühe, aber ich denke immer, dass unser Familienleben viel besser laufen könnte, wenn er belastbarer oder einfach fähiger wäre. Ich weiß, dass das nicht immer fair ist.

Und natürlich fühle ich mich auch oft schuldig. Dass ich es hatte besser wissen müssen, dass zwei Kinder ausgereicht hätten…

In einem Tweet hieß es neulich über einen Chef, er hätte gesagt: „Das Problem ist, Sie haben drei Kinder, aber nur zwei Hände.“ Ist das wirklich der Kern allen Übels?

Nein, das glaube ich nicht. Es gibt Leute, die sehr gut mit mehreren Kindern zurechtkommen. Leider gehöre ich nicht dazu. Ich weiß nicht genau, warum die anderen das hinkriegen und ich nicht. Ich weiß nur, dass die Erkenntnis mich frustriert und enttäuscht. Es ist mir wahrscheinlich schlicht zu viel und ich wünschte, dass ich mich und meine Grenzen früher besser gekannt hätte. 

Viele trauen sich nie, zuzugeben, dass sie sich vielleicht zu viel zugemutet haben, wenn es um Kinder oder generell um Mutterschaft geht. Warum, meinst du, fällt es vielen so schwer?

Mütter werden immer noch romantisiert und idealisiert. Und die Mutterschaft wird als etwas Heiliges angesehen. Viele Mütter haben Angst, verurteilt zu werden oder dass es heißt, sie lieben ihre Kinder nicht. Mutter sein soll eine natürliche Rolle sein, die uns immer leicht fällt. Wenn das mal nicht so ist, dann heißt es gleich, dass wie unfähig sind oder uns einfach mehr anstrengen müssen…

Viele sagen, das dritte Kind laufe einfach so mit. Was entgegnest du ihnen?

Ich bin da verletzlich, weil es bei uns eben nicht einfach so mitläuft und weil ich oft denke, es sei meine Schuld.

Aber eigentlich ist es sowieso Quatsch, denn jedes Kind braucht Trost, Zuspruch, Zuwendung, Unterstützung. Unsere drei Kinder brauchen viel Aufmerksamkeit und wir können nicht steuern, ob sie das hintereinander oder zur gleichen Zeit brauchen.

Worin glaubst du, liegt die allgemeine Überlastung von Müttern heutzutage vor allem begründet?

Früher wurden Kinder in Großfamilien erzogen. Da gab es Verwandte, die mal ausgeholfen haben. Heute sollen Frauen Kinder erziehen und Kariere machen. Also machen sie beides und reiben sich darin auf. Wir Frauen sind immer noch so sozialisiert, dass wir denken, wir müssten die ganze Care-Arbeit übernehmen.

Was würdest du dir wünschen, wenn du an die nächsten Jahre mit deiner Familie denkst?

Ich wünsche mir für mich Entspannung – und damit meine ich nicht die körperliche, sondern die psychische.

Wie es mit meiner Ehe weiter geht, weiß ich noch nicht. Manchmal denke ich, ich wäre alleine besser dran…

Und ich wünsche mir, dass es mit den Kindern wieder leichter wird und wir alle wieder mehr schöne Momente miteinander haben.



19 comments

  1. Liebe Hellen,
    mein persönlicher Eindruck anhand deines Textes ist der, dass weniger das dritte Kind an sich das Problem ist, sondern die Gesamtsituation mit drei Kindern und zwei voll berufstätigen Eltern. Es steht mir nicht an, euer Familien- und Arbeitsmodell zu kritisieren. Gleichzeitig denke ich, dass es bei einer größeren Familie und mit zwei voll berufstätigen Eltern ganz besonders wichtig ist, eine möglichst gute Balance für jedes einzelne Familienmitglied anzustreben. Du merkst, wie ausgelaugt du bist und suchst nach Lösungsansätzen, das ist eine gute Sache. Deinen Andeutungen entnehme ich, dass möglicherweise auch dein Mann nahe an der Belastungsgrenze oder schon darüber hinaus ist. Eure Kinder haben „viele Bedürfnisse“, besonders das jüngste, das könnte darauf hindeuten, dass sie mehr von euch Eltern in ihrem Alltag brauchen, als es im Moment der Fall ist.
    Ich kann mir vorstellen, dass hier viele Faktoren mit reinspielen, die eure Familiensituation angespannt und anstrengend machen, und würde dir auch empfehlen, eine Beratungsstelle aufzusuchen, vielleicht ja gemeinsam mit deinem Mann.
    Wenn es eure Einkommenslage zulässt, könnte sicherlich eine Haushaltshilfe, die ein- bis zweimal die Woche kommt, Entlastung schaffen und euch mehr Familienzeit, aber auch Zeit als Paar oder für dich allein ermöglichen.
    Angesichts knapper Zeit gemeinsam mit den Kindern könnten kleine Rituale dazu beitragen, dass die Kinder sich von euch mehr „gesehen“ fühlen. Wie wäre eine „Familienstunde“ an zwei Abenden in der Woche, bei der ihr alle gemeinsam im Wohnzimmer sitzt, heiße Schoki trinkt und jeder von seinem Tag erzählt?
    Alles Gute für dich und deine Familie!

    1. Liebe Hellen und liebe weitere Mütter zu diesem Thema!
      Ist man wirklich so blauäugig zu glauben, weil man sechs Jahre nicht schwanger wurde ohne Verhütung, daß das weiterhin so gut geht?
      Als ich mit 42 meinen jetzigen Mann kennenlernte, habe ich, bzw haben wir nach einiger Zeit ernsthaft darüber nachgedacht noch ein Kind zu bekommen. Mein Sohn war damals 22 Jahre alt. Nach reiflicher Überlegung haben wir uns dagegen entschieden. Ich habe mir eingestanden, daß ich einfach zu alt bin um diesen Schritt noch einmal zu wagen. Nach 22 Jahren nocheinmal ganz von vorne anzufangen im Bezug auf Schwangerschaft, Geburt, Kindergarten, Schule, Pubertät, Studium, Ausbildung usw. Das volle Programm. Ich sehe in meinem Umfeld viele überforderte, stark genervte Eltern, die ihren Kindern teilweise nicht gewachsen sind. Bei diesen sage ich mir oft, ein Kind hätte vollkommen gereicht!

      Heute ( wir sind mittlerweile glückliche Großeltern) sind wir froh, daß wir uns dagegen entschieden haben. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Leben so wie es ist.
      Hellen, ich wünsche dir, daß du einen Weg für dich und mit deinen Kindern zusammen findest! LG Romy

  2. Liebe Helen,
    wenn du dein drittes Kind als solche Belastung siehst, ist es auch kein Wunder, dass es „viele Bedürfnisse“ hat. Ein Kind spürt doch Ablehnung, auch wenn sie nie ausgesprochen wird. Ich bin entsetzt über deine Jammerei deshalb. Euer drittes Kind hat Grund zum Jammern. Vielleicht Priorität setzen. Einer von beiden arbeitet nicht Vollzeit und nimmt sich dieser armen Kinderseele mal mehr an und ich würde eine psychologische Beratungsstelle aufsuchen.

    1. Wow, du kennst offensichtlich Helen und ihre Familie in und auswendig. Ich höre kein Jammern, sondern einen ehrlichen Erfahrungsbericht. Und hey – auch wenn du es nicht glauben wirst – es gibt tatsächlich mehr oder weniger kräftezehrende Kinder. Und daran sind nicht immer die bösen, jammernden Mütter (oder Väter) schuld. Also von einer armen Kinderseele habe ich in dem Text auch nichts gelesen… spannend wie sich so jeder was rein projiziert…

      Ich habe zwei Kinder und mein Sohn fordert mich auch enorm. Daher habe ich – trotz dem, dass ich irgendwo tief drinnen noch gerne ein weiteres Kind hätte – beschlossen, dass meine Kraft und meine Nerven nicht für ein drittes Kind reichen. Vor allem, wenn es wieder ein kräftezehrendes Persönchen werden würde.

      Ich fand den Bericht sehr interessant, danke Helen!!

  3. Liebe Hellen,
    wow, alles, was du sagst, könnte von mir sein!
    Ich habe zwei Kinder, bin auch sehr ge- und oft überfordert.
    Ich habe vor ein paar Monaten herausgefunden, dass ich hochsensibel bin. Vielleicht magst du dich mal zum Thema „Hochsensibilität“ informieren. Das würde erklären, warum du (psychisch) erschöpft bist und warum dich die Emotionen deiner Familienmitglieder teilweise so belasten.
    Was du in deinem Leben leistest, ist viel! Genau, das Stichwort Großfamilie bringst du selbst ins Spiel. Es ist nicht „artgerecht“, alleine oder zu zweit für die Kinder zuständig zu sein. Ich kann in dem Zusammenhang sehr das „artgerecht“-Projekt von Nicola Schmidt empfehlen.
    Ganz liebe Grüße von einer Leidensgenossin!

    1. Puh, Anja, das klingt sehr von oben herab. Auch wenn es vielleicht nicht so gemeint ist. Aber manchmal funktioniert es mit zwo Kindern so super, dass noch Kapazitäten da sind und man ein drittes Kind plant und dann kommt alles anders. Bist du selbst Wissenschaftlerin? Macht sich schwierig in Teilzeit. Hast du drei Kinder? Das dritte Kind kann ganz anders sein als die ersten Beiden. Die Autorin hat sich geöffnet und ein Tabu berührt. Da brauchts eher Empathie.

  4. Liebe Helen,
    Hut ab, was du alles leistest! Ich kann total nachvollziehen, dass dich das an deine Grenzen bringt. Dabei ist vermutlich nicht nur das dritte Kind ursächlich, sondern die Gesamtgemengelage.

    Ich war vor Kurzem in einer ähnlichen Situation, in der ich gefühlt die ganze Last getragen habe (Hauptverdienerin, Familienbelange, einfach alles) und mein Noch-Ehemann zuhause zwar viel aufgeräumt hat, sonst aber nur geholfen hat, wenn ich ihn explizit aufgefordert habe. Noch dazu hatte er eine psychische Erkrankung und brauchte oft meine Unterstützung bei Arztterminen etc. Ich habe dann gemerkt, dass ich nicht so weitermachen kann und will. Ich bin zu einer Beratungsstelle und die Psychologin dort hat mir den Tipp gegeben, mich zu fragen, wie mein Leben in 5 Jahren aussehen soll, und welche Schritte ich jetzt unternehmen muss, um da hin zu kommen. Das war ein Augenöffner! Inzwischen bin ich getrennt und es geht mir viel besser. Alleinerziehend zu sein, ist zwar eine harte Nuss, aber für mich definitiv das kleinere Übel.
    Daher mein Tipp: Geh zu einer Beratungsstelle. Bei mir gab es die an der Universität. Es gibt viele verschiedene Anlaufstellen, evtl. kann dir eine von denen die geeignete Beratung empfehlen.
    Zweiter Tipp: Haushaltshilfe engagieren, falls das finanziell möglich ist (ist es bei mir leider nicht).
    Dritter Tipp: Bei Instagramm oder Twitter Profilen mit ähnlichen Herausforderungen folgen (z.B. mama_arbeitet). Mir hilft das. So nach dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid“

  5. Hallo Helene, es gibt solche Situationen, man fühlt sich oder ist überfordert und es ist gut, wenn man darüber spricht. Die ganze Zeit habe ich gedacht, wo sind denn die Großeltern, die doch sonst auch mal stundenweise die Kinder nehmen könnten. Wenn es keine eivenen gibt, es gibt doch auch „Leihomas/Leihopa“. Oder vielleicht jemand aus dem Bekannten/Freundeskreis der vielleicht auch so eine Aufgabe stundenweise übernehmen könnte. Dann hättest du Zeit für dich oder auch Zeit für und mit deinem Mann obne Kinder. Ich könnte mir vorstellen, das würde etwas von der Spannung die in eurer Familie ist heraus nehmen. Wünsche euch Glück! Eine die gerne Oma oder Leihoma wäre.☺

  6. Liebe Hellen, dein Beitrag berührt mich sehr. Ich bin selber Vater von 2 Kindern und habe 5 Geschwister. Die letzten Jahre habe ich in einer Patchwork Beziehung verbracht. Da waren wir zu fünft und ich hatte damit meine “Wunschzahl” von 3 Kindern. Leider haben wir uns getrennt. Ich bin trotzdem in guter aber zarter Verbindung mit meinem Stiefsohn. Darf ich dir meine Meinung zu deinem Zustand oder deiner Rolle sagen? Es fühlt sich so an.
    Ich spüre ganz viel Liebe und Kraft in deinen Worten und in der Energie, die damit hier rüber schwingt. Ich glaube nicht, dass Du ganz so viel ändern musst. Ich glaube es gilt nur Blockaden zu lösen, damit Ihr alle als Familie wieder in Fliessen kommt. Zurück in den vollen Fluss des Lebens. Die Mitte, dei Fülle, den Reichtum…. manchmal braucht es dazu nur Kleinigkeiten. Hast du es schon einmal mit einer Familienaufstellung oder eine ähnlichen systemischen Technik probiert? Alles Liebe und viel Mut, Kraft und Klarheit! Wolfram

  7. Ich verstehe Dich sehr gut – hast Du mal an eine wechseljahrinduzierte verminderte Leistungsfähigkeit gedacht? Da Du schreibst, es wird schlimmer, je älter K3 ist, ergo je älter Du bist, kannst Du vielleicht mal in diese Richtung denken – ich merke das sehr stark in den letzten Jahren. Zum Glück ist K3 bei uns schon 16 und easy – sonst wäre das echt anstrengend mit Jobs etc. Alles Liebe für Euch!

  8. Danke für dieses ehrliche Mitteilen. Manches kann man nicht voraus planen, und es gibt auch Mütter, die nach dem dritten oder vierten Kind das Gefühl haben, jetzt sei es perfekt. So unterschiedlich sind Familien. Und sechs Jahre Altersunterschied zum nächst älteren Geschwisterkind ist auch nicht wenig. Gibt es vielleicht die Möglichkeit im Freundes- und Bekanntenkreis der Eltern jemand zu finden, der eine Art Patenschaft für das dritte Kind übernimmt, bewußt eine Freundschaft mit ihm pflegt?

  9. Liebe Hellen, dein Beitrag hat mich sehr berührt, vielleicht auch weil ich in einer sehr ähnlichen Situation bin. Erst mal: Hut ab, eine wissenschaftliche Karriere mit drei Kindern zu stemmen ist definitiv eine starke Leistung. Und dann noch Vollzeit zu arbeiten packen wahrscheinlich die wenigsten ohne irgendwo Abstriche machen zu müssen. Wir Mütter neigen leider dazu, diese Abstriche zuallererst bei uns selber zu machen.
    Ich bin selber auch Wissenschaftlerin mit drei Kindern und habe ähnliche Probleme mit meinem Partner: um jede Unterstützung muss ich betteln, kriege dann oftmals noch Vorwürfe zu hören wie ich es wagen könnte etwas von seiner Zeit zu fordern, und dazu noch Maßregelungen wie etwa dass ich die Kinder nicht so lange in der Betreuung lassen sollte (ich bringe sie auf dem Weg zur Arbeit hin und hole sie auf dem Rückweg wieder ab). Dazu bin ich bei uns Alleinverdienerin, er versucht sich nach langem Studium seit 1,5 Jahren selbständig zu machen, was sicherlich sehr arbeitsaufwendig ist, aber bislang halt noch nichts zum Familieneinkommen beigetragen hat. Insofern kann ich meine Arbeitszeit auch nicht wirklich reduzieren sondern muss froh sein wenigstens eine entfristete Stelle zu haben.
    Vielleicht sollten wir Frauen uns einfach sobald Kinder da sind zu Familien-WGs zusammenschließen 😀 Ich wette, das wäre für alle entspannter, da wir uns gegenseitig besser unterstützen könnten und die Männer dann nichts mehr zu quengeln hätten wie sehr sie mit Familie belastet sind 😉

  10. Hallo liebe Hellen,
    Ich bewundere Dich. Ich bin mit nur einem Kind überfordert, von Anfang an. Mein Mann auch. Ich habe Geschwister und habe es meiner Tochter auch so gewünscht, aber wir beide waren mental nicht in der Lage ein zweites Kind zu bekommen. Wir beide sind nicht belastbar. Inzwischen ist meine Tochter 8 und es ist besser geworden, aber die ersten Jahre waren für uns der Horror.
    Ich frage mich auch immer wieder was mit mir nicht stimmt. Und ich weiß, dass jeder Mensch anders ist und ich bin nun Mal psychisch nicht so belastbar. Ich neige zu Depressionen und nehme seit Jahren Antidepressiva. Ohne sie wäre ich nicht in der Lage zu funktionieren.
    Alle Mütter, die ich kenne, die 2 oder 3 Kinder haben, arbeiten Teilzeit, sonst würden sie es auch nicht schaffen.
    Also… verlange nicht so viel von Dir! Du machst es super! Ein Vollzeitjob und 3 Kinder – das ist wirklich zu viel, vor allem wenn der Kleine erst 6 Jahre alt ist. Und Du bist nicht mehr 25 – das sollte man/frau nicht unterschätzen.
    Ich drücke Dir die Daumen!

  11. Liebe Hellen, ich finde es bewundernswert, was du alles stemmst! Zweimal Vollzeit, drei Kinder, davon zumindest eines sehr fordernd, und einen Ehemann, der vielleicht zeitlich verfügbar ist aber keine mental load übernimmt. Ich kenne kaum jemand, der das einfach so bewältigen würde. Die toughesten Mamis mit drei Kindern, die ich kenne, arbeiten Teilzeit, und die bewundere ich schon. Ich arbeite mit drei Kindern 50 % (mein Mann kann sich berufsbedingt allerdings auch kaum einbringen), habe viel Unterstützung im Haushalt, und das bringt mich schon an meine Grenzen. Ich denke, dass dein Problem vielleicht gar nicht das dritte Kind ist, sondern die Gesamtbelastung. Könnt ihr an euren Arbeitszeiten drehen und Hilfe im Haushalt suchen?Ich drück dir fest die Daumen!

  12. Hallo Hellen, ich wünsche Dir ganz dolle Kraft und Stärke. Ich kann Dich gut verstehen, wir haben „nur“ 2 Kinder und mein Mann wollte lange ein drittes Kind. Ich kann nach Deinem Bericht nur sagen, dass unsere jüngere Tochter zum Glück ein super forderndes Baby war, die mich immer wieder an meine Grenzen gebracht hat. Dazu kam eine bis vor kurzem wirklich gravierende Gedeihstörung, die uns in viele Diagnoseschleifen gezogen hat. Und natürlich der Erstgeborene, der ja auch da und willensstark ist, sich kaum alleine beschäftigt hat. Daher konnte ich recht früh formulieren, dass ich keinerlei Energie für ein weiteres Kind habe, geschweige für eine Schwangerschaft! Jetzt sind unsere Beiden im Grundschulalter und ich muss sagen, neben unseren Jobs (Mann Vollzeit ich fast Vollzeit) und den Kindern bleibt gerade noch so Zeit für kleinere Hobbies bzw. Hobbies mit der ganzen Familie. Was ich Dir sagen will, ich kann es sehr gut verstehen, wenn man an seinen Grenzen ist. Halte durch, ich drücke Dir feste die Daumen und ziehe vor allen Mamas mit mehr als 2 Kindern respektvoll den Hut!

  13. Ich kann da total mitfühlen. Wenn man die richtige Ansprechperson für sich findet, kann man da sehr von systemisch orientierter Beratung oder auch Psychotherapie profitieren. Nicht weil man „es nicht packt“ oder „sich halt mehr anstrengen muss“. Sondern wie Wellness. Als Zeit für sich. Als Energiespender. Und dann werden vielleicht wieder Ressourcen frei um alles zu ordnen und sich so auszurichten dass das Leben wieder mehr Spaß macht. ❤

    1. Kann der Idee mit der Therapie nur zustimmen. Bin in einer ähnlichen Situation mit 3 Kindern, Umzug von den USA nach D vor einigen Jahren, 2 anspruchsvollen Berufen und dann noch Corona. Gönne mir seit einiger Zeit einige Stunden systemischer Beratung bei einer Psychotherapeutin. Die eigenen Herausforderungen, Beziehung mit dem Partner, Umgang mit Stress, eigene Prägungen aus der Kindheit usw bewusst in den Blick zu nehmen und sich die Reflektion zu gönnen, tut gut. Mir hat es nach kurzer Zeit schon geholfen wieder mehr zu mir zu kommen und damit auch mehr Reserven für die Kinder und Freude am Familienleben zu finden.
      Liebe Grüße und alles Gute!

    2. Oh je, beim Lesen des Interviews beschlich mich ständig das Gefühl, hier wird auf dem dritten Kind abgeladen „Du bist zu viel.“ Dabei geht es eher darum eigene Grenzen zu setzen. Muss es Vollzeit für beide sein oder können beide auf 80% Arbeitszeit reduzieren? Lohnt sich eine Haushaltshilfe? Kann man zum K2 sagen:“Ich muss erst einmal Kraft tanken, ich trinke eine Tasse Tee und komme in zehn Minute zu dir und höre dir zu.“ oder „Lass uns gemeinsam auf einen Spaziergang gehen, dann kannst du unterwegs erzählen.“ Kann es klaren Verantwortlichkeiten geben -> Papa/Mann ist grundsätzlich verantwortlich für…? Hilft es, wenn man sich mit Freunden vernetzt – sich zum Spielen und Plauschen verabredet? Packen K1 und K2 im Haushalt mit an – zB. wenigstens die eigene Sachem von der Wäscheleine holen oder auch mal selbst etwas kochen? Und bitte, liebe Hellen, gönne dir jeden Tag etwas Gutes! Einfach mal einen Strauß Blumen ohne Anlass. Oder einen Spaziergang um den Block nach der Arbeit. Oder fünf Minuten inne halten und Sonnenuntergang anschauen. Oder, oder… Und auch dein Mann sollte Kraft tanken.

      (P.S. Ich habe drei Kinder 13/10/1 und bin allein. K2 ist auch sehr fordernd. Aber ich fordere auch für mich „Tut-gut-Zeiten ein und das ist sehr wichtig, damit ich durchhalte. K1 und K2 wissen das und gönnen mir die Zeit und K3 kann ich momentan noch gut in meine Auszeiten integrieren, z.B. eine halbe Stunden joggen mit Kinderwagen.)

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