Ruckizucki schlank und sexy nach der Geburt – warum jede Mama ihr eigenes Tempo hat

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Als ich ein paar Tage nach der Geburt meiner Tochter meiner Hebamme vorjammerte, dass ich irgendwie zu nichts komme, außer stillen und schlafen, und wann das denn wieder anders werde, sagte sie zu mir: „Katharina, das heißt ja auch Wochenbett und nicht Wenige-Tage-Bett.“ Was sie meinte: Lass Dir Zeit, lass Euch Zeit. Genieß es, im Jogginganzug rumzuhängen.

Ich brauchte diese Worte ganz dringend, denn in meinen Kopf hatte ich eigentlich eine andere Vorstellung von mir: Ich würde schnell wieder dünn sein, völlig entspannt das Baby durch die Gegend schieben, großartig aussehen mit praller Haut und praller Brust.

Im Nachhinein frage ich mich: Wie kam ich nur auf diese absurde Vorstellung, so sein zu müssen?

Gestern hatte ich mal wieder die BUNTE in der Hand.

Und dann fiel mir ein, warum ich dachte, ich müsste nach der Geburt schnell wieder schlank, sexy und cool sein. Die aktuelle BUNTE zeigt dazu das beste Beispiel, nämlich ein Foto von Musiker John Legend und seiner Gattin und schreibt dazu: „So kann sich seine Model-Frau Chrissy Teigen vier Wochen nach der Geburt wieder voll aufs Gut-Aussehen konzentrieren.“

So, und jetzt kommt ungefilterte Meinung. Wer das nicht mag, bitte jetzt aussteigen.

Es ist mir ziemlich egal, wie John Legend und Chrissy Teigen ihr Leben leben. Ich schreibe diese Zeilen an alle werdenden Mamas oder Mamas mit kleinen Babys, die bei uns mit lesen.

DU MUSST DAS NICHT AUCH SO MACHEN!

Es muss nicht Dein Haupt-Interesse sein, vier Wochen nach der Geburt gut auszusehen. Du musst Dich darauf nicht voll konzentrieren. Frau Teigen ist ein Model, bestreitet durch ihr Aussehen ihren Lebensunterhalt und hat daher einen anderen Druck auf ihrem Äußeren lasten (auch wenn ich mich frage, ob man den nicht wenigstens für ein paar Wochen abstellen kann…)

Du kannst, darfst, sollst Dich auf ganz andere Sachen konzentrieren. Wie riecht Dein Baby, vom wem hat es die süßen Öhrchen? Wie klappt das Stillen? Wie fühlt sich Dein Bauch an. Wie fühlst Du Dich als Mama? Wie geht Dein Partner mit der neuen Situation um? Kriegst Du genügend Schlaf? Ist ausreichend Schoko im Haus? Welche Nachbarin kann Dir mal eine Hühnersuppe kochen? Warum fühlst Du Dich manchmal so traurig und manchmal so, als könntest Du Bäume ausreißen? Wie kann man so einen kleinen Minimenschen so sehr lieben?

Ich verrate Euch was: Dieses Höschen, das Frau Teigen hier trägt, hätte ich vier Wochen nach der Geburt nicht tragen können. Ich sag nur „Surfbretter“ (Ihr wisst schon, diese Monster-Binden :-))

Ich trug die erste Zeit nur Jogginghosen und noch sicher fünf Monate meine alten Schwangerschaftsjeans.

Meine Haare waren meist zum Pferdeschwanz gebunden, schrien nach einer Haarkur. Ich hatte keine hohen Schuhe an, sondern war froh, wenn ich frische Socken parat hatte.

Mein Teint war nie prall, sondern von der Hormonumstellung picklig. Und ich war blass. Guck Dir die Wand an und zieh noch einen Farbton ab, dann weißt Du, wie ich aussah.

Ich schob auch nicht lässig durch die Gegend, sondern hatte die schlimmsten Schweißausbrüche meines Lebens. Ob durch Hormone oder Überforderung weiß ich nicht. Aber ich hab nur geschwitzt.

Es gibt Frauen, die hüpfen eine Woche  nach der Geburt voller Energie durch die Gegend. Die sehen blendend aus, kämpfen nicht mit Dammrissen oder Milchstau. Wenn Du eine von ihnen bist oder warst: Großartig.

Ich war keine von ihnen und auch das ist ok.

Nochmal: Dieses Foto von John Legend und seiner Frau ist Hollywood. Du musst das nicht sein.

Wenn Dir danach ist, zieh die Jogginghose an, schnapp Dir nen Keks und kuschel Dich an Dein Baby.

Und wenn Dir danach ist, leg knallroten Lippenstift auf, trink grüne Smooties und kuschel Dich an Dein Baby. 

Egal wie, Hauptsache ein warmes Gefühl steigt in Dir hoch. Dann hast Du alles richtig gemacht, dann hast Du Dein Tempo gefunden. Denn nur darum geht es! 

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8 comments

  1. Tjaaaa..
    …manchmal kommt es auch ganz anders als man denkt.. Ich hatte einen Notkaiserschnitt mit anschließenden Unterbauchblutungen. Mir wurde innerhalb von 48 Stunden daher zweimal die Bauchdecke unter Vollnarkose aufgeschnitten und ich hatte eine volle Woche noch eine äußere Drainage gelegt gehabt. Nach vier Wochen war ich froh, dass ich wieder einigermaßen normal aufstehen, sitzen und laufen konnte! An etwas andere als Jogginghosen oder Leggings war da noch nicht einmal im Traum zu denken! Meine Kleine ist jetzt 7,5 Monate und do langsam habe ich meinen Kleiderschrank zurück erobert und arbeite fleißig an einem flachen, wieder straffen Bauch.. das dauert aber noch..
    Also vielen Dank für den Beitrag!

  2. Du hast vollkommen recht! Ich
    Du hast vollkommen recht! Ich finde auch dass es nach der Geburt wichtigeres gibt als high heels…
    Trotzdem ist es so, dass die rückbildung und das aussehen nach der Geburt doch von Frau zu frau unterschiedlich ist.
    Meine zweite ist jetzt 8 Wochen alt und man sieht in Kleidung nicht dass ich erst kürzlich schwanger war… Dabei hab ich auch nur in Jogginghose auf dem Sofa gelegen!
    Aso manch einer hat anscheinend Glück…
    Lg Julia

  3. Jogginghose und Keks
    Jaaaa, Jogginghose und Keks sind bei mir fest in Planung. In den nächsten Tagen kommt der kleine Floh zur Welt und ich bin unendlich gespannt, wie ich mich fühlen werde.

    Meine Gyn. hat mir vor ein paar Tagen zur Geduld geraten: genauso lange wie der Bauch wächst, so lange darf er sich auch ruhig zurückziehen. Ein zu schneller Sport- und Fitness-Enthusiasmus würde der Beckenbodenmuskulatur nicht gut tun…und ich wolle doch nicht Inkontinent werden 😉

  4. Absolut richtig geschrieben!
    Absolut richtig geschrieben!
    Ich selber habe zwar nach der Geburt meines Sohnes relativ schnell die Kilos wieder verloren, aber definiert war da gar nichts! Eher schlabbrig.

    Auch ich trug noch lange Zeit die Schwangerschaftshosen. Lümmelte vor mich her.
    Das mit den Schweißausbrüchen kenne ich auch. War immer froh, wenn ich ein paar Meter weit kam und dann eine Bank in der Nähe war.

    Andere springen schon nach einer Woche wieder fröhlich und ausgeglichen durch die Gegend. Wie du sagst, jeder hat sein eigenes Tempo. 🙂

    Sonnige Grüße.

  5. Daaaanke….
    ….für den tollen Beitrag. Nein, es ist meines Erachtens wirklich nicht normal, was einem in den Medien immer von irgendwelchen „Supermodels“ a la Heidi Klum vorgelebt oder vorgeführt wird!! Und wer bitte schön kann ein paar Wochen nach der Geburt wieder sooo viel Sport machen, um nach 3 Monaten einen super flachen sixpack Bauch präsentieren zu können??? Mal ganz abgesehen davon, dass dies für eine stillende Mama mit Sicherheit nicht sehr gesund ist….
    Ich habe damals auch tatsächlich gedacht, dass ich nach der Geburt meiner Tochter in meinen normalen Hosen aus dem Krankenhaus spazieren könnte. Oh nein, nachdem ich die Schwangerschaftshosen nicht mehr sehen konnte, habe ich erstmal neue Hosen kaufen müssen….insgesamt hat es bei mir mindestens 2 1/2 Jahre gedauert bis mein Körper annähernd seine „alte Form“ wieder hatte. Und ich denke eher DAS ist normal 😉

  6. Vielen Dank
    … Ich habe Tränen in den Augen, weil mir deine Worte so unendlich gut tun!
    Vielen Dank für diese Zeilen, denn meine Kleine ist nun 5 Wochen alt und ich kann dieses Gefühlschaos so sehr mitempfinden… Es gibt immer wieder so viele Frauen die einem präsentiert werden, ob online, in Magazinen oder im erweiterten Freundeskreis. Und diesen äußeren und dann auch noch den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden kann so schnell zum Albtraum werden.
    Also tausend Dank für diese frische Briese aus der anderen Richtung 🙂