Schulpflicht? Auswandern, um´s Kind als Freilerner selbst zu unterrichten

Homeschooling

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Ihr Lieben, in vielen Ländern haben Familien ein Recht auf Homeschooling, auf die eigene Beschulung ihrer Kinder. In Deutschland haben sie das nicht, hier gibt es nicht nur eine Bildungs-, sondern auch eine Schulpflicht. Für die Familie von Petra war nach einem ruckeligen Schulstart ihres Sohnes bald klar, dass sie ihn nicht weiter hinschicken möchten. Was also tun? Sie unterhielten sich mit anderen Freilernern… und wanderten schließlich aus, um ihrem Kind Bildung auf eine zukommen zu lassen, die sie für richtig halten. Und nicht andere.

Liebe Petra, wer gehört alles zu eurer Familie und wann und warum seid ihr irgendwann aus Deutschland weggezogen?

Mit meinem Mann und meinem schulfrei lernenden Sohn lebe ich in den Niederlanden. Noch bis Ende August 2016 dachten wir nicht daran, unseren Wohnort ins Ausland zu verlegen. Unsere kleine Doppelhaushälfte befand sich im Münsterland, wir waren gut vernetzt in unserem Ort, hatten viele tolle Nachbarn und waren seit Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert.

Wir fühlten uns alle sehr wohl, so stand eine Auswanderung oder auch ein Umzug für uns nicht zur Debatte. Wir dachten ebenso nicht daran, dass unser Sohn schulfrei lernen würde.

Selbstverständlich machten wir uns vor der Einschulung Gedanken, welche Schule passend sein könnte für unseren Sohn. Vom Lernkonzept aus gefiel uns eine Montessori-Schule in Münster. Allerdings entschieden wir uns für eine nahe gelegene Grundschule. Zum einen hatte er dort bereits Freunde und zum anderen war es für mich beruflich leichter, wieder Fuß zu fassen. Der Besuch der Montessori-Schule hätte eine tägliche Fahrzeit von zwei Stunden bedeutet.

Hattet ihr vor der Einschulung schon mal über Homeschooling oder Auswandern nachgedacht?

Von einer Mutter in einem Kinderwunschforum wusste ich, dass in der Schweiz Homeschooling möglich ist. Diese Mutter stellte entspannt fest, dass die ganze Familie gerne reisen würde. Aus diesem Grund lernten und lebten die Kinder schulfrei.

Dieses Lernkonzept  fand ich interessant, die Mutter klang bedacht und sehr sympathisch. Auch wir reisten gerne und besuchten mit Begeisterung Mitmachmuseen, natürlich ebenfalls in der Woche, wenn diese angenehm leer waren. Dennoch kam mir nicht wirklich in den Sinn, dass auch für uns der schulfreie Bildungsweg eine Option sein könnte.

Wie waren die ersten Tage/Wochen in der Schule für deinen Sohn – und auch für euch?

Mein Sohn besuchte knapp zwei Monate lang eine nahe gelegene Grundschule. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten wir den Schulversuch bereits nach wenigen Tagen abbrechen können. Der Umgangston war rau, stets standen Regeln und Disziplin im Vordergrund, nicht die Menschen. Er tauschte sich gerne mit anderen aus, erkundete mit Vorliebe, wie etwas funktionierte, war gerne aktiv. Im Unterricht war all dies nicht mehr gefragt. Sitzen, zuhören, still sein waren geforderte Eigenschaften.

Die Wiederholungen waren für unseren Sohn eine regelrechte Qual. Er machte alternative Vorschläge, wollte gerne rechnen, viel lieber als hundertmal die 3 oder 4 zu schreiben. Wiederholungen von 300 Mal ein und denselben Buchstaben oder die gleiche Zahl waren an der Tagesordnung. Andere Lernwege waren nicht erwünscht. (Später war die Pädagogin im belgischen Ministerium sichtlich erstaunt, als ich ihr von unseren Erfahrungen berichtete. Noch ein Jahr nach unserem Erstgespräch kam sie erneut darauf zurück. Dass auf so viele Wiederholungen bestanden wurde, konnte die Inspektorin sich beim besten Willen nicht erklären.)

Wir stellten nach wenigen Wochen erfolgten Schulbesuchs fest, dass aus unserem neugierigen, aufgeschlossenen und lustigen Sohn immer weniger im Alltag erkennbar war. Er sagte täglich, dass er nicht mehr zur Schule will. Gespräche mit den Lehrenden brachten keinerlei positive Veränderungen. Bald sprach er nur noch von einem Gefängnis.

Wie hat euer Umfeld reagiert, als sie von euren Plänen hörten, das Land zu verlassen, um eurem Sohn den Präsenzunterricht zu ersparen?

Vor den Herbstferien suchte ich im Internet, ob es auch schulfrei lebende Familien in Deutschland oder in den Nachbarländern gibt. Zum Glück gelangte ich recht schnell auf Websites rund um das Thema schulfrei, Homeschooling, frei Lernen und die Freilerner. Schon zu Beginn der Herbstferien besuchten wir unser erstes Freilerner-Treffen.

Dort trafen wir viele andere Familien. Die meisten Familien einte, dass mindestens eins ihrer Kinder sich deutlich gegen den Schulbesuch aussprach. Ein Mädchen krallte sich tatsächlich jeden Morgen am Heizkörper fest, die Eltern waren aufgelöst und mit den Nerven am Ende. Die ältere Tochter geht selbstverständlich zur Schule, nicht gerne, aber ohne sich zu wehren. Die Jüngere will aber auf gar keinen Fall dorthin. 

Andere erzählten von ihrem Weg, den sie bereits in Deutschland schulfrei gehen. Von ihren respektvollen Erfahrungen mit Vertretern von Schule, Bezirksregierung, Jugendamt. Aber auch von Bußgeldern, Gerichtsverfahren und einigen unangenehmen Behördenvertretern. Denen es nur um den Schulbesuch geht und nicht darum, wie es dem Kind oder Jugendlichen geht. Wir sprachen mit Familien, welche im nahe gelegenen Ausland wohnten. In England, Frankreich oder und Belgien.

Als wir abends das Freilerner-Treffen verließen, stand für uns fest, dass wir eine schulfreie Lösung finden werden. Nach einiger Überlegung entschieden wir uns für die Auswanderung.

Unser Umfeld hat sehr unterschiedlich reagiert. Die meisten waren sehr erstaunt, aber auch entspannt. Lediglich die älteren Familienmitglieder hatten Sorge, dass unser Sohn niemals lesen lernen würde. Dies konnte er tatsächlich schon zum Ende der ersten Klasse gut und in der zweiten Klasse durch sein Interesse an Chemie sehr gut, dennoch bestand diese Angst bis ins dritte schulfreie Jahr hinein. Als wir dann nach einem Hauskauf 2019 in die Niederlande gezogen sind, war der schulfreie Bildungsweg für unser Umfeld allerdings schon gar kein Thema mehr.

Wie sichert ihr soziale Kontakte mit Gleichaltrigen für euer Kind?

Schon vor der Auswanderung waren wir aktiv und engagiert. Dies änderte sich auch mit der Auswanderung nicht. Vor Covid19 organisierte ich mit einer befreundeten Familie regelmäßige Treffen in meiner Region. Zu diesem Dreiländertreff kommen Familien, die schulfrei leben oder deren Kinder eine Schule besuchen. Denn wenn Kinder sich aktuell gegen einen Schulbesuch aussprechen, ist ein späterer Schulbesuch nicht ausgeschlossen. Die Treffen werden jetzt wieder aufleben, darauf freuen wir uns schon.

Ebenso organisieren auch andere Familien Treffen, informieren kurzfristig über geplante Ausflüge. Zu diesen Treffen kommen Familien mit Kindern unterschiedlichen Alters. Für die Kinder und Jugendlichen ist es grundsätzlich gar nicht wichtig, wie alt der oder die andere ist. Wichtiger sind die gemeinsamen Interessen. Zwei Fußballerinnen werden sich trotz eines Altersunterschieds von drei oder mehr Jahren prächtig austauschen und miteinander spielen können. Bei Gleichaltrigen mit unterschiedlichen Interessen, Bücherwurm und Skater, kann dies schon schwieriger sein. So ergeben sich selbstverständlich Freundschaften, welche dann auch außerhalb größerer Treffen im kleinen Kreis gepflegt werden.

Arbeitest du neben der Beschulung deines Sohnes noch oder ist das dein Hauptjob grad? Wie eignet ihr euch selbst den Lernstoff an, Lehrkräfte studieren dafür ja recht lang.

Seit Jahren bin ich Vollzeit für meine Familie und im Ehrenamt engagiert. Bei 40 Wochenstunden und einem Beruf, welcher mich erfüllte, aber auch stark forderte, blieb vor der Geburt meines Sohnes kein Raum und keine Energie mehr für ehrenamtlichen Einsatz. Mit meinem Sohn gemeinsam war und ist mir dies gut möglich.

Die Wege der schulfreien Bildung sind vielfältig. Mein Sohn lernt mit seinen Stärken und Interessen. Wir sind von Deutschland nach Belgien ausgewandert. Dort fertigt jede Familie für ihr Kind im Hausunterricht einen Individuellen Bildungsplan. Aus diesem gehen die Bildungsziele und die jeweiligen Mittel (Museen, Dokumentationen, Spiele, Bücher etc.) zur Zielerreichung hervor. Diese Ziele müssen nicht zwingend mit den offiziellen Bildungszielen übereinstimmen. Doch sollte eine deutliche Entwicklung erkennbar sein.

Dadurch kann jede Familie ihren Weg finden. Es gibt Familien, welche über Onlineschulen die Wissensvermittlung sichern, andere nutzen intensiv klassische Lernbücher und Arbeitshefte. Wir starteten mit klassischen Arbeitsheften. Vor dem Schulbesuch mochte mein Sohn diese Vorschulhefte, er kramte sie immer mal hervor. Nach dem erfolgten Schulbesuch war daran nicht mehr zu denken. Er bearbeitete für mich nach Aufforderung Aufgaben, aber für den Lernfortschritt brachte dies nichts. Dafür lernte er beim Spielen, Toben, in Gesprächen, durch Hörbücher, Spielplatzbesuche und weiteren Ausflügen.

Wir sind gerne unterwegs in Museen, allerdings nur in richtig guten Mitmachmuseen. Mit vielen Stationen zum Mitmachen, Anfassen, Entdecken. Wir nutzen zusätzliche Veranstaltungsangebote von Hochschulen, Museen und Bibliotheken, verbinden Urlaube mit Ausgrabungsstätten, interessanten Orten zu Gesellschaft, Politik oder Geschichte.

Das Lernen basiert auf der intrinsischen Motivation. Meinem Sohn macht der Wissenserwerb Spaß. Mit ihm gemeinsam habe ich bereits in seiner zweiten und dritten Klasse mehr über den Schulstoff der Fächer Chemie und Biologie in den Klassen 5 bis 7 gelernt als in meiner vorherigen Schullaufbahn. Weil es ihn interessierte. Als ich zu Beginn noch im schulischen Denken verhaftet war und erst die Lerninhalte der ersten Schulklasse mit Arbeitsheften abdecken wollte, bestand er darauf, bereits jetzt den Bereich Chemie bearbeiten zu können. So perfektionierte er innerhalb kürzester Zeit die Lesekompetenz auch hinsichtlich seltener Fachbegriffe.

Es gibt bereits jetzt in Deutschland Angebote, welche naturwissenschaftliche Unterrichtsfächer abdecken. Neben den Angeboten in Nachbarländern. Das Mitmachlabor Chemikum Marburg begeisterte uns bereits, als unser Sohn 5 Jahre alt war. Naturwissenschaftlich orientierte Museen gibt es wirklich viele, wie die Imaginata in Jena mit der erfahrbaren Möbius-Schleife, die richtig großen Museen wie die Experimenta in Heilbronn oder das Deutsche Museum in München.

Unsere Aufgabe als Eltern ist, auf die Interessen unseres Sohnes zu achten, ihm entsprechende Angebote zu machen. Da kann ich auch schon mal mit einem Angebot keinen Erfolg haben. Ich sehe ein Spiel und denke, dies könnte passen. Wenn es das nicht in den von uns besuchten Bibliotheken gibt, bestelle ich dieses. So habe ich auch schon Spiele weitergegeben, welche hier nur einmal gespielt wurde und meinem Sohn einfach nicht gefielen.

Ihr seid dann nochmal umgezogen….

Als wir auswanderten, dachten wir, dass unser Sohn nach einiger Zeit im Hausunterricht bestimmt eine Schule besuchen möchte. So mieteten wir uns eine Wohnung. Nach mehr als zwei Jahren war uns jedoch bewusst, dass dieser schulfreie Bildungsweg für uns als Familie sehr gut passt. Wir hatten bereits in Deutschland eine kleine Haushälfte und wollten nun auch hier wieder im eigenen Haus leben.

Aufgrund der hohen Kaufnebenkosten von ca. 25% bei dem Kauf eines zweiten Hauses in Belgien entschieden wir uns für den Kauf eines Hauses 6 km weiter nördlich in den Niederlanden. Die 2,5% Kaufnebenkosten in den Niederlanden waren deutlich angenehmer für unseren Geldbeutel. (Mit dem Ende der Schulpflicht unseres Sohnes wird es uns wahrscheinlich wieder nach Deutschland in die alte Heimat ziehen.)

Das zweite Argument für die Niederlande betraf die Sprache. Wir sprechen alle Englisch. In den Niederlanden ist Englisch überall selbstverständlich. Allein durch die Flüchtlingshilfe waren wir gewohnt, Englisch im Alltag zu nutzen, ein Freund meines Mannes kam aus den USA und sprach ausschließlich Englisch. Unser Sohn ist mit der Sprache aufgewachsen, wenn er Filme einmal gesehen hat, schaute er diese über Jahre beim nächsten Mal lieber auf Englisch.

Aktuell hat er ein Spiel auf dem PC, zu welchem ein Youtuber Videos einstellt. Er mag dessen Ausdrucksweise, allerdings spricht und erklärt dieser auf Englisch. Auch über technische Details. Mittlerweile frage ich meinen Sohn, wenn ich eine englische Vokabel nicht übersetzen kann. Meist hilft er mir weiter. Ohne jemals Vokabeln gelernt zu haben.

Da bereits zwei Argumente für die Niederlande sprachen und wir auch dort weiterhin schulfrei leben konnten, entschieden wir uns für den Umzug in ein weiteres europäisches Nachbarland.

Sprecht ihr mit eurem Sohn darüber, dass ihr euer bisheriges Leben in der Heimat im Grunde für ihn hinter euch gelassen habt?

Ihm ist bewusst, dass wir für die Wahrung seiner Rechte ausgewandert sind. Durch unser Haus und die in der alten Heimat lebenden Freunde und die Familie bricht der Kontakt allerdings zum vorherigen Leben nicht komplett ab. Es liegen bei uns nur 200 km zwischen der alten und der neuen Heimat.

Für uns wäre kein anderer Weg denkbar gewesen. Wären wir in Deutschland geblieben, hätten wir zwingend gegen geltendes Recht verstoßen müssen. Im Rahmen der Flüchtlingshilfe betonten wir immer wieder, dass alle Menschen ein Recht auf ein gewaltfreies Leben haben, Männer, Frauen und auch die Kinder. Im BGB findet sich das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung. So darf kein Kind körperliche oder seelische Gewalt in der Erziehung erleiden.

Im Notfall darf ich natürlich mein Kind am Arm festhalten. Wie auch jeden anderen der gerade unachtsam vor ein Auto rennen würde. Aber ich darf mein Kind nicht in die Schule zerren. Jegliche Gewalt aus erzieherischen Gründen, auch mittels Drohungen oder psychischem Zwang, sind unzulässig. Wenn ein Kind ganz klar in der Haltung ist, dann ist die Durchsetzung des Schulbesuchs ohne unzulässige physische oder psychische Gewalt nicht möglich. Auch ist das Bildungsrecht durch einen gewaltvoll erzwungenen Schulbesuch nicht gesichert. Wer an einem Ort nicht sein will, der kann an diesem auch nichts Gutes lernen.

Die Achtung der aufgeführten Kinderrechte führt zu einem Verstoß gegen die Schulpflicht, genauer gegen die Pflicht, im Schulgebäude, im Klassenraum anwesend zu sein. Ein typisches Dilemma. Wir wissen, dass Familien auch in Deutschland auf Wunsch der Kinder den schulfreien Bildungsweg gehen. Doch wäre dieser Weg für uns deutlich anstrengender als unsere Auswanderung.

Würdet ihr alles wieder so machen oder gibt es Dinge, die ihr mittlerweile anders machen würdet?

Mit dem heutigen Wissen würde ich uns bereits nach der ersten Schulwoche abmelden. Vielleicht auch schon nach den ersten beiden Tagen. Oder nach dem ersten Tag.

Seid ihr glücklich?

Was ist Glück? Für mich gibt es kein permanentes Glücklichsein. Aber es gibt Zufriedenheit und die vielen schönen Momente. Wenn wir es schaffen, diese tollen Sekunden auch im Alltag wahrzunehmen, dann sind dies echte Glücksmomente.

Wir sind zufrieden, sonst wären wir nicht in den Niederlanden. Dennoch hätte ich gerne die Wahl gehabt bezüglich der Schulanwesenheit in Deutschland. In den Nachbarländern können Kinder und Jugendliche den schulischen oder den schulfreien Bildungsweg wählen. Warum sollte ausgerechnet Deutschland das Bildungsrecht der Kinder nicht auch schulfrei sichern können?

Zurück in die alte Heimat können wir jederzeit, doch wären wir nicht gegangen, würden uns auch unabhängig von der Schulpflicht neue Erfahrungen fehlen. Wir haben neue Freunde dazu gewonnen, tolle Orte besucht, die wir nie entdeckt hätten.

Wir leben Europa. Es ist interessant, dass auch tief sitzende Glaubenssätze mit dem Übertritt der Grenze plötzlich aufgehoben sind oder absurd erscheinen. Dies betrifft nicht nur die Schulpflicht, dies betrifft auch eine würdevolle Rente. Unabhängig von der erbrachten oder auch gar nicht erbrachten Arbeitsleistung in den 45 Jahren zuvor. Auch die reguläre Arbeitszeit oder die zu arbeitenden Tage sind nicht so zwingend vorgegeben, wie einige dies verkünden. Die hierarchischen Strukturen in Unternehmen variieren von Land zu Land. Es gibt so viele Beispiele. Die mögliche Vielfalt des Lebens ist gemeinhin größer, als man innerhalb der jeweiligen Grenzen denkt.

Wie sagt der Volksmund: „Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat´s gemacht.“

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27 comments

  1. Spannend, wieviele Kommentare sich darum drehen, dass Freilerner oder Homeschooler immer nur „von Mami“ unterrichtet werden und die Sorge besteht, dass es sonst keine sozialen Kontakte gibt.
    Wir müssen Lernen als lebenslangen Prozess begreifen. Auch klassische Schulkinder werden nicht den ganzen Tag von Lehrern „unterrichtet. Und genügend „asoziale“ Schulkinder gibt es auch. Schule ist nicht der einzige Ort, an dem Sozialisierung stattfinden kann.
    In Deutschland kann auserdem jeder Mensch Prüfungen zu einem Schulabschluss ablegen (Abitur, mittlere Reife, Hauptschule). Das nennt sich Schulfremdenprüfung und ist vom Gesetzgeber explizit vorgesehen.
    Und wer mit Headhuntern spricht und Geschäftsführern im Mittelstand, der weiß, ein Schulabschluss sagt rein gar nichts über die persönliche Eignung eines jungen Menschen für einen bestimmten Berufs.

  2. Ich bin 48 und im DDR-Schulsystem groß geworden. Mit dem Hintergrund bin ich froh, daß wir uns bei unserer 7 jährigenTochter für das Freilernen bewusst entschieden haben. Die Hauptarbeit fürdas Freilernen (ich nenne das bewußt Arbeit) mit unserer Tochter dazu, macht ihre Mama. Wir leben fest in Deutschland. Ihre beste Freundin geht hier zur Schule. Durch sie hat sie immer auch den Rückschluß, wie es in der Schule ist.
    Ich bin selbstständiger Handwerks-meister und bin dann schon hin und wieder im Zwiespalt, Schulsystem oder Freilernen? Da ich auch ausbilde und sehe, wie es da läuft.
    Allerdings achte ich dabei auf die persönlichen Interessen der Lernenden. Bis jetzt ist macht unsere Tochter gute Fortschritte und lernt spielend, mit Buchstaben, Zahlen usw. umzugehen. Ich kann die verschiedenen Kommentare in alle Richtungen hier gut verstehen. Letztlich ist es immer eine Entscheidung aus der persönlichen Situation heraus. Und nichts muß hier für immer fest entschieden sein. Vielleicht will sie später von allein mal in die Schule. dann ist es aber ihre eigene Entscheidung. Und aus meiner Erfahrung aus dem Handwerk heraus sind die besten Mitarbeiter die Quereinsteiger. Denn die Arbeiten in dem Beruf, weil sie den wirklich machen wollen, nicht nur des Geld verdienen müssens.
    Gute Zeit!

  3. Der Artikel hat mich sehr berührt.
    Genauso habe ich die ersten Monate Schulzeit mit meinem Ältesten erlebt. Er hatte sich schon ein Jahr vor Einschulung selbst lesen und schreiben beigebracht, verdoppelte Zahlen zum Spaß bis weit über 100… Es war so schön, ihm beim selbstständigen, begeisterten Lernen zuzuschauen! Und dann musste er in der Schule Buchstaben und Zahlen zig mal schreiben und verlor das alles. Er war allerdings sozial-emotional nicht so weit, dass es ein Überspringen der 1. Klasse in Frage gekommen wäre. In der 2. Klasse lief dann so viel schief, dass er das Sprechen eingestellt hat. Ich war damals nicht so mutig, ihn einfach rauszunehmen. Am Ende hat ihm die Diagnose Autismus Spektrum Störung geholfen und irgendwie hat er sich auch an das Schulsystem gewöhnt. Im Lockdown sagte er irgendwann, dass er lieber wieder in die Schule gehen möchte.
    Mit meinem 2. Sohn fingen die Probleme in der 2. Klasse an. psychosomatische Beschwerden bis zur völligen Schulverweigerung. Ich habe ihn nicht gezwungen, trotzdem wurde es nicht besser. Auch Home Schooling funktionierte nicht. Depression, selbstverletzendes Verhalten… Vielleicht hätten wir noch mutiger sein sollen und komplett aufs Freilernen umstellen. Alternative Schulen haben ihn übrigens abgelehnt, wir haben es versucht. Schließlich sind wir den Weg der Klinik gegangen, was die Hölle war. Aber seitdem geht mein Sohn wieder gerne zur Schule. Allerdings braucht er ein Medikament, damit er es so hinbekommt, wie er selbst es von sich erwartet.
    Meine Jungs sind jetzt in der 9. und 4. Klasse und kommen aktuell gut klar mit der Schule. Aber der Weg dahin hat Narben hinterlassen. So sollte Schule nicht sein! Und vielleicht wäre ein anderer Weg besser, gesünder gewesen. Autodidaktisch lernen sie immer noch besser und verblüffen uns damit immer wieder.
    Nächstes Jahr wird unser 3. Sohn eingeschult und es ist definitiv auch Angst dabei.

  4. Wie lernt ein Kind, das nur zu Hause von Mami unterrichtet wird, denn bitte Teamarbeit? Mit anderen zusammen zu arbeiten, zu kooperieren, verschiedenste Charaktere in einem Arbeitsumfeld integrieren zu müssen, das alles sind Schlüsselkompetenzen, die niemals als so genannter Freilerner erworben werden können. Im übrigen: wie frei ist denn ein Lerner, der alles von der Mama serviert bekommt? Und wie gesund ist ein Lebensstil, der sich ausschließlich auf die Bedürfnisse eines Kindes ausrichtet, vom Mitmachmuseum bis zum Umzug in ein fremdes Land? Da wird doch der sogenannte Freilerner zur narzisstischen Projektsfläche der Eltern. Kann nicht gesund sein….

      1. Hallo!

        Ist Homeschooling in den Niederlanden problemlos möglich?
        Gibt es jährliche Kontrollen?
        Muss man sich an irgendeinem Lernplan halten?

        Ich hoffe jemand kann meine Fragen beantworten!!!

        Viele Dank im voraus

  5. Was micht bei einigen Kommentaren wundert, ist die Annahme, das Kinder ohne Schulpflicht automatisch schlechter dran wären.
    Deutschland ist in der EU das einzige Land mit Schulpflicht. In Österreich gibt es ein sehr gutes System, wo niemand einfach untergeht, weder sozial noch vom Schulabschluss her.
    Aber es ist ( aus eigener Erfahrung erlebt) schwer über diesen Tellerrand zu schauen. Es ist auch ein ganz anderes Lebensmodell. Darum wohl kaum oder sehr schwer nachzuvollziehen.

  6. Also ich denke schon auch, dass einen einem tendenziell gut tut auch mal was zu machen wo man gerade keinen großen Bock zu hat oder eben auch Dinge lernen muss, die wichtig für eine gute Allgemeinbildung auch wenn sie einen persönlich nicht interessieren.
    Auch eine gute Resilienz ist wichtig und die bekommt man nicht dadurch, dass man immer seine persönlichen Stärken und Vorlieben bedient bekommt.
    Ich habe darüber hinaus während des Homeschooling bemerkt dass Schule wesentlich mehr für die Kinder ist als nur Wissensvermittlung. Das war mir vorher auch nicht so klar. Aber es ist einfach wichtig für die Kinder auch außerhalb der Familie zu bewegen. Ich hab 4 Kinder, die alle vom Alter eng zusammen sind. Und trotzdem ist es nicht das gleiche.
    Man hat ja die Möglichkeit sich eine andere Schulform zu wählen, wenn man mit einer Regelschule nicht einverstanden ist. Gibt ja ausreichend andere und auch freiere Schulformen, wo den Kindern in einem Rahmen auch freigestellt wird welche Inhalte sie zu welchem Zeitpunkt lernen.

    1. Danke Xenaka
      das meinte ich auch zusammengefasst. Kinder unterstützen ja aber auch rechtzeitig vermitteln das eben nicht immer alles nach seinem Wunsch geht/ gehen kann.

      1. Es gibt Argumente für die Position der Schulpflicht wie auch für die des Freilernens. Berücksichtigt, dass alle Kinder unterschiedlich sind! Es gibt Kinder, die gehen im normalen Schulsystem mit großen Klassen und starrem Lehrplan kaputt. Andere nicht. Ich vermute, dass die Autorin ein gesundes Kind begleitet, dass großartig gefördert wird. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass es schwer ist sehr begabten lernwilligen Kindern in unserem System gerecht zu werden. Und wir haben auf dem Land nicht so viele verschiedene Schulen, um die richtige auszuwählen. Man kann auch zu Hause auf die Schulabschluss hinarbeiten.
        Schön wäre es, wenn die Schule an die Kinder angepasst würde und alle ihren Platz finden könnten (und dieser nicht zwangsläufig ausschließlich in der Schule sein müsste). Und sich nicht immer die Eltern rechtfertigen müssten, sondern auch einfach mal die Schule ihr Handeln erklären und pädagogisch begründen.

        1. @Jule: vielleicht geht aber auch so manches Kind, das von seinen Eltern durch die Welt geschleift wird, weil diese lieber Reisen als sesshaft zu sein, unter und sind nicht glücklich. Bloß da merkt es keiner, weil sie unter dem Radar sind. Ist das deshalb besser? Mich machen Eltern skeptisch, die so tun, als gehören ihre Kinder ihnen und nur sie selbst wissen, was gut für diese ist.

    1. Mona
      Mein zurück haltendes schüchternes Kind kommt gut klar weil ich ihn ermutigt habe. Mit alles aus dem Weg räumen funktioniert das nicht dann finden Kinder ihre eigene Stärke/ Mitte nicht weil die Eltern für sie handeln.

  7. Erst einmal gibt es so einige ehemalige Freilernerkinder, die hervorragend in der Außenwelt, samt Abi, Job und Studium klar kommen. Sie können sich autodidaktisch eher Wissen aneignen und wurden nicht durch eine Schule entmutigt.
    Den Punkt, Kinder mal aus ihrem Umfeld herauszuholen, zu sozialisieren und möglichst wertfrei zu unterrichten, ist ein super Konzept, das wie so vieles (zumindest teilweise) leider an der Realität scheitert. Gelungenes Lernen und Sozialisation in Klassen von 30 Kindern, enggestrickten Rahmenlehrplänen und viel zu viel Stunden für die Lehrkräfte sorgt am Ende nur dafür, dass die Stärksten es gut schaffen, während so manch ein wirklich intelligentes Kind schon am Rahmen scheitert. Warum muss ich mein ängstliches, introvertiertes Kind oder mein ADHS- oder autistisches Kind gezwungenermaßen in dieses Korsett pressen. Der Arbeitsmarkt später ist da deutlich flexibler.

  8. Schöne heile Welt. Jeden Tag lernen und festigen, was den Jungen interessiert. Beschäftigung nach den Vorlieben und Interessen des Kindes. Man sollte bei solchen Familien mal 20 Jahre später vorbeischauen um zu sehen, was aus dem Kind geworden ist. Ernsthaft ohne Ironie, es interessiert mich sehr, ob diese Kinder tatsächlich im realen Leben irgendwann bestehen können. Schon ganz praktische Fragen sind mir unklar – ohne Schulabschluss öffnen sich eben auch nicht die Türen zu Uni & Co.
    Auch frage ich mich, ob ein 16jähriger Teenager wirklich Lust hat, jeden Tag mit Mami zu lernen. Besteht denn für das Kind überhaupt Kontakt zu einer Gruppe Gleichaltriger ohne Einfluss der Eltern? Schule ist ja nicht nur Mathe, Deutsch und Co. Schule ist eben auch emotionale Entwicklung und Entfaltung außerhalb der elterlichen Fuchtel. Ich persönlich bin bei Elterngesprächen doch immer wieder überrascht, was mir über mein Kind berichtet wird. Kinder verhalten sich außerhalb des elterlichen Kontrollbereiches eben manchmal ganz anders. Und das ist gut so – schließlich trägt auch das zur Entwicklung der Persönlichkeit bei. Scheinbar hält die Autorin sich in einer Art gleichgesinnten Community auf – kann da nicht mal ein Interview mit einem Kind, was genauso aufgewachsen ist und jetzt ca 35 oder 40 Jahre alt ist, vermittelt werden?

    1. Das würde mich tatsächlich auch sehr interessieren. Also die Sichtweise eines „Freilerners“ später. So ist es doch sehr einseitig, immer nur positiv von begeisterten Eltern, die anscheinend ihr ganzes Leben ums Kind rum bauen. Aber: finden die Kinder das überhaupt cool? Wollen sie der Haupt-Lebensinhalt ihrer Eltern sein? Sollten Eltern nicht ein eigenes Leben haben, auch so als Vorbild? Haben die Kinder nicht Recht auf ein Leben das nicht permanent unter der Aufsicht der Eltern steht!?

  9. Was mich schon interessieren würde, ist wie am Ende des „Freilernens“ Abschlüsse für den Besuch von Universitäten oder der Zugang zu Ausbildungen gesichert wird.
    Ich weiß zudem aus Erfahrung, wie wichtig es für manche Kinder ist das familiäre Umfeld zu verlassen. Nicht zufällig ist die Gewalt und der Missbrauch von Kindern im Lockdown deutlich angestiegen. Schule, Kita und andere Institutionen bieten da eine wichtige Kontrollinstanz.
    Ich habe das amerikanische System des Homeschoolings erlebt und habe festgestellt das hier besonders stark religiöse Eltern ihre Kinder isoliert haben. Ich persönlich bin der Meinung, dass die Kinder dringend soziale Kontakte brauchen und sich auch in Gruppen einfügen lernen müssen.

    1. Ich habe 2 Jungs und ein Mädchen im bayrischen Schulsystem. Während das Mädchen relativ unkompliziert, allerdings viel empfundenem Druck durch die Schule gegangen ist, kommt mir die Beschreibung des Jungen in ihrem Artikel sehr vertraut vor. Und auch wenn der erste inzwischen sein Abi hat- schön war die Schulzeit weder für ihn noch für mich. Ich hab es genossen, wenn er in der Grundschule nach einer Krankheit noch ein, zwei Tage zu Hause war und den Schulstoff mit einem ausgeruhten Kind nacharbeiten konnte, anstatt das , was die Schule nicht geleistet hat, nachmittags noch oben drauf machen zu müssen. Auch der zweite ist von Anfang an nicht gerne zur Schule gegangen, obwohl er immer wieder nebenbei die verrücktesten Sachen lernt. Aber wie meine Freundin mal treffend sagte, das Schulsystem wurde konzipiert, um gute Beamte hervorzubringen. Nur werden nicht alle Beamte…es gibt leider zu wenige Lehrer- und die gibt es! Und die Kinder schätzen das sehr genau ein, die wirklich ein Interesse an den Kindern haben. In der 5. Klasse formulierte mein Sohn das so: Mama, bei der Frau K. und der Frau M. fühle ich mich sicher . Frau M. war Quereinsteigerin….an den Unis lernen die Studenten Dinge wie: Aus einem vorhandenen Punktetopf für Fehler abzuziehen. Das führt dann dazu, das Schüler dreiviertel richtig, aber null Punkte in manchen Aufgaben haben und zusätzlich eingebrachtes Wissen gar nichts bringt. Das ist eine supermotivierende Rückmeldung. Ich verstehe die Entscheidung, zumindest die ersten 6 Lernjahre selbst zu übernehmen. Mit gutem homeschoolingmaterial, wie es in anderen Ländern zur Verfügung steht, wär das bestimmt machbar.

    2. Wenn das alles ist was Freilerner lernen bin ich froh dass mein Kind regulär zur Schule gehen darf! Ihre Kommentare sprechen da leider für sich ( …lassen..)

      1. P.S.
        Walter
        Unterrichten hat von Wortstamm/-Herkunft garnichts mit unten oder richten wie Gerichtsbarkeit zu tun ( lernt man in der Schule wie ein Duden benutzt wird).

  10. Ich finde es toll, dass ihr das Thema freilernen angeht. Es ist ein Thema, dass so sehr mit Ansichten und Bewertungen belastet ist. Ich bin auch gerade mit meinem 2 Kindern reisend. Beide kitafrei und der große (7,5) freilernend. Ich lerne so viel von ihm über natürliches, intrinsisch motiviertes lernen.

  11. Uiuiui, interessanter Artikel aber folgende Fragen/Eindrücke sind mir geblieben:
    – Ich verstehe nicht wieso man gleich auswandern muss, hätte nicht erstmal ein Schulwechsel probiert werden können? Dieser Aspekt, die Entwicklung fehlt mir im Artikel. Auch verstehe ich das Argument mit der Fahrtzeit zur Montessorischule nicht denn nun bleibt ja gar keine Zeit mehr für Job/Beruf der Mutter.
    – Fehlende Erwerbstätigkeit der Mutter: Sicher Geschmackssache aber es ist zu hoffen dass hier gezielt privat für die Rente der Mutter vorgesorgt wird…
    – Und die Frage nach dem weiteren Leben- bzw. Lernweg des Kindes. Jetzt mag der Junge keine Aufgaben lösen… aha. Wie möchte der Junge denn mal Abitur machen oder eine Ausbildung oder studieren? Da besteht das Lernen nicht nur aus Fühlen und Erleben im spaßigen Mitmachmuseum… Sich selbst Lernstoff zu erschließen, auch mal an was dran zu bleiben auch wenn es nicht dem aktuellen Interesse entspricht, das gehört doch auch zum Leben und muss gelernt werden?!

    Ich bin tatsächlich sehr auf die weitere Diskussion hier gespannt

  12. Ich finde diese Schulpflicht auch als falsch, in dem Sinne, dass es unnötig Schwierigkeiten bis echtes Leid bringt, für einige Familien.
    Mir gefällt es, wie das in Österreich gehandhabt wird. Wahrscheinlich gibt es aber noch bessere Modelle in der EU oder weltweit.

    1. Ich finde eine Schulpflicht nicht grundsätzlich schlecht. Man muss auch Mal die andere Seite der Medaille betrachten. Sie wird auch viele Kinder „retten“, nämlich da wo in der Familie evtl. wenig Interesse bis hin zu Vernachlässigung der Bildung herrscht. Auch erleichtert eine allgemeine Schulpflicht die Integration und sie verhindert, dass Kinder in einer Art „Filterblase“ versinken, z.b. irgendwelche Ultra-christlichen Spinner die noch an die Bibel Weltentstehung glauben und versuchen, ihre Kinder derartig zu „erziehen, zeugen Jehovas, oder Familien die der Meinung sind, dass es reicht wenn die Tochter mit 16 heiratet etc. (Glaubt mir, als Lehrer im Brennpunkt habe ich fast die komplette Palette durch.)
      In derartigen Foren wie hier wird ja gerne nur die allseits schöne Bildungsbürgertum Welt gesehen. Eine Schulpflicht verhindert bei vielen Kindern, dass diese irgendwie abrutschen, oder einfach von der (Bildungs)bildfläche verschwinden.
      Aber abgesehen von derartigen Fällen, finde ich eine Schulpflicht auch für „gesunde“ Verhältnisse wichtig. Zum Beispiel können gute Lehrer ihre Schüler manchmal ganz anders einschätzen als die Eltern oder lernen, im guten wie im negativen, Seiten der Kinder kennen, die die Eltern so gar nicht mitbekommen.
      Eine Schulpflicht fördert aber auch grundsätzlich den Austausch. Kinder lernen so auch andere Realitäten kennen, andere Ansichten etc. und auch mit daraus entstehenden Konflikten klar zu kommen. Auch finde ich es wichtig, dass Kinder Mal das Elterliche Umfeld verlassen, sich Mal an andere Regeln, Gepflogenheiten usw. halten müssen. Auch das gehört zum Wachsen und Erwachsen werden dazu. Fremde Regeln werden Kindern je älter sie werden ständig begegnen, und ich finde es wichtig, dass sie lernen auch damit umzugehen…Und wenn es nur so einfache Sachen sind wie „in der Schule setze ich mich Mal ruhig hin und lasse auch andere Kinder ausreden.“
      Ich finden es unglaublich wichtig, dass Kinder auch außerhalb der ständigen Gegenwart der Eltern wachsen und sich entwickeln können. Für viele Kinder ist die Schule ein ganz eigener, Eltern freier Kosmos, in dem sie lernen aber auch sich sozial entwickeln können, Konflikte erleben können und dennoch eine ordnende, leitende Instanz in Form der Lehrer da ist.

      1. Dann hoffe ich, daß der Junge später im Leben Fuß fassen kann. Wird das wenigstens durch Tests kontrolliert? Es gibt nicht umsonst Grundwissen das nun mal erlernt werden muss. Und Eltern können nicht alle Fächer abdecken oder das Sozialleben. Kind unterstützen ja, Verweigerungshaltung antrainieren nein. Irgendwann kommt nämlich die Realität wo der Junge im Beruf mit anderen Menschen klar kommen muss und gute Schulbildung voraus gesetzt wird.

      2. Danke B., so denke ich auch. Es gibt so viele Kinder, die zuhause schwere Vernachlässigung und Missbrauch erleben – und ohne die Schule würde die Chance dieser Kinder, sich jemandem anvertrauen und Hilfe bekommen zu können, drastisch sinken. Wer die Schulpflicht grundsätzlich ablehnt, sollte sie einmal aus Sicht dieser Kinder betrachten.

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