Schwanger als selbständige Tischlerin: Ich bekomme keine Unterstützung!

Handwerkerin

Foto: Henning Scheffen Photography

Hallo Stadt Land Mama, habt ihr schonmal dran gedacht – oder das Thema behandelt, wie eine junge, selbstständige Frau (oder sogar Handwerkerin) Schwangerschaft und Beruf miteinander vereinbaren kann? Was es für junge Frauen bedeutet, dass es keine Absicherung in der Schwangerschaft für Selbstständige – und insbesondere nicht für selbstständige Handwerkerinnen gibt?

Johanna Röh bei der Arbeit.

Ich bin Tischlermeisterin. Die Ausbildung im Handwerk habe ich in erster Linie gemacht, weil ich nicht nur im Büro sitzen, sondern unbedingt praktisch tätig sein wollte. Als ich Gesellin war, bin ich direkt auf traditionelle Wanderschaft gegangen. Ich fand den Gedanken total schön, unterwegs an verschiedenen Orten zu arbeiten und dadurch mit den Menschen zusammenzukommen und mehr in meinem Beruf zu lernen.

Als Tischlermeisterin auf Reisen

Am Anfang bin ich erstmal kreuz und quer durch Deutschland gereist, habe mich dann aber schnell ins Ausland aufgemacht. Am Ende sind es vier Jahre geworden – die meiste Zeit habe ich in Kanada, Neuseeland und Japan verbracht. Nach Japan zu kommen war die größte Umstellung. Ich konnte die Sprache nicht und hatte auch keine großen Geldreserven, da man ja immer von der Hand in den Mund lebt, wenn man auf Wanderschaft ist.

Johanna auf Reisen. Foto: Ginka Hölzel

In Japan habe ich mich nochmal sehr intensiv mit den Handwerkzeugen beschäftigt und auch gemerkt, dass mir die japanische Herangehensweise an die Tischlerei total liegt. Dort habe ich den Entschluss gefasst, zurück nach Deutschland zu gehen, um die Meisterschule zu besuchen und
mich selbstständig zu machen.

Meisterschule und eigene Werkstatt

Der Betrieb lief gut an. Ich habe mir nach und nach meine eigene Nische aufgebaut. Mittlerweile ist mein Steckenpferd die Fertigung von hochindividuellen Möbelstücken aus Massivholz. Oft sind diese verziert mit Marketerien – also Furnierbildern. Am Anfang war ich noch in einer Werkstatt eingemietet, aber nach drei Jahren habe ich mich entschieden, den großen Schritt zu wagen und meine eigene Werkstatt aufzubauen.

Johanna in ihrem Element. Foto: Henning Scheffen Photography

In der Tischlerei bedeutet das eine große Investition. Das Gebäude muss eingerichtet werden, die Infrastruktur und die Maschinen sind teuer – die monatlichen Fixkosten sind immens. Aber ich wollte das unbedingt, weil ich genau wusste, dass ich mich nur so beruflich voll entfalten kann und das anwenden kann, was mir Spaß macht und was ich auf meiner Wanderschaft gelernt habe.

Familiengründung als Handwerkerin

Johanna an ihren Maschinen. Foto: Heimat-Werbeagentur

Zu dem Zeitpunkt haben mein Partner und ich schon darüber nachgedacht, wie das im Falle einer Schwangerschaft leistbar wäre. Beruflich zurückstecken wollte ich nicht, deswegen haben wir bis zu dem Zeitpunkt gewartet, an dem wir dachten, dass wir das schon irgendwie gemeinsam stemmen könnten.

Die Schwangerschaft verlief von Anfang an nicht einfach – ich hatte bis zum Ende des fünften Monats Hyperemesis – also starke Übelkeit. Zeitweise war ich deswegen im Krankenhaus. Mit Medikamenten ging es meistens – aber die haben auch müde gemacht. So an die Maschinen zu gehen, war nicht
möglich.

Schwanger mit Hyperemesis und Rückenschmerzen

Als es damit endlich besser wurde, fingen die Rückenschmerzen an. Schweres Heben gehört zu unserem Beruf, ist aber in der Schwangerschaft natürlich nicht förderlich. Das Baby hat sich bei
starker Lautstärke mit Tritten bemerkbar gemacht und mit Lösemitteln hantieren war natürlich auch tabu.

Johanna mit Schwangerbauch in ihrer Werkstatt. Foto: Jürgen Friedrich

Eine angestellte Tischlerin hätte direkt mit Bekanntwerden der Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot bekommen und wäre mit vollem Lohnausgleich zu Hause geblieben. Für mich
gibt es so etwas nicht. Den finanziellen Puffer, den wir hatten, haben wir schnell aufgebraucht. Zum Glück hat mich eine private Stiftung zusätzlich unterstützt.

Keine Unterstützung für schwangere Selbständige

Johanna in ihrer Werkstatt. Foto: Henning Scheffen Photography

Jetzt bin ich in der 31. Schwangerschaftswoche und nur noch sehr bedingt einsatzfähig, müsste mir aber eigentlich einen finanziellen Puffer für die Zeit des Mutterschutzes zulegen, damit ich nicht im Wochenbett wieder in die Werkstatt muss. Andererseits sollte ich zurzeit aber keine Einnahmen haben, um Anspruch auf Krankengeld zu haben.

Dass die Fixkosten einer Tischlerei durchgehend anfallen und eine mögliche Krankengeldzahlung ohnehin bei weitem übersteigen, macht die Situation nicht einfacher. Es gibt einfach keinerlei echte Unterstützung!

Oft denke ich daran, wie einfach es wäre, wenn mein Mann und ich vertauschte – also ganz traditionelle – Rollen hätten. Dann wäre alles einfach. Aber er ist der kaufmännische Angestellte, der im Büro arbeitet und ich bin die selbstständige Tischlermeisterin. Für mich fühlt sich das nicht wie Chancengleichzeit oder Geschlechtergerechtigkeit an, dass es keine staatlich geregelte Absicherung für diesen Fall gibt und ich ganz auf mich allein gestellt bin.

Petition für eine Reform des Mutterschutzes

Es ist also kein Wunder, dass sich junge Frauen eher nicht für diesen Weg entscheiden – oder wenn doch, dabei in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Ich habe schon von so vielen Frauen gehört, die ihre Selbstständigkeit aufgeben mussten, oder gezwungen waren, sich gegen Kinder zu entscheiden.

Dafür versuche ich zu sensibilisieren und zu mobilisieren. Deswegen habe ich auf change.org eine Petition gestartet. Es kann nicht sein, dass schwangere, selbstständige Handwerkerinnen* noch immer durch das soziale Netz fallen. Wir würden uns daher freuen, wenn ihr unser Anliegen unterstützt, indem ihr gemeinsam mit uns auf die Problematik aufmerksam macht.

Danke und viele Grüße, Johanna Röh

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27 comments

  1. Ich habe mich ehrlich gesagt noch nie mit der Thematik der Selbstständigkeit befasst, weil ich das für mich nie in Betracht gezogen habe. Ich bin Maler-und Lackiererin und habe mich vor der Schwangerschaft immer gefragt, wie das wohl mal ablaufen wird und war irgendwie total überrascht, dass ich tatsächlich ein komplettes Beschäftigungsverbot bei vollem Gehalt bekam. Natürlich ist das total sinnvoll, schließlich kann bzw. Soll ich weder schwere Farbeimer durch die Gegend tragen, noch auf Leitern oder Gerüste steigen (als ob man das später noch könnte!). Mit Lösemitteln oä muss man dann auch aufpassen und für einen Bürojob als Alternative bin ich nicht qualifiziert. Wieso zum Kuckuck sollte das bei selbstständigen Handwerkerinnen anders sein??? Ich dachte immer, das Wohl des Kindes steht an erster Stelle, erschreckend, dass da unterschieden wird!
    Leider fangen mit der Schwangerschaft die Probleme erst an, schließlich werden die wenigsten Frauen nach der Elternzeit wieder Vollzeit arbeiten können. In meinem Fall ist Teilzeitarbeit zum Glück kein Problem, aber bei Selbstständigkeit sieht das wiederum anders aus. Ich wünsche auf jeden Fall allen Frauen mit eigenem Betrieb alles Gute, Durchhaltevermögen und viel Beistand im Umfeld, schließlich ist der Schritt in die Selbstständigkeit keine Selbstverständlichkeit und sollte unbedingt unterstützt werden 🙂

  2. Selbst und ständig.
    So heißt, und das ist es leider auch. Ich bin auch selbstständig und hab grade das dritte (davon das zweite während der Selbstständigkeit) bekommen. Anders als die Erfahrung von Johanna, sehe ich für mich nur Vorteile, ich werde gegenüber Angestellten Müttern massiv bevorzugt. Das ist zwar teilweise durch die Tatsache begründet, dass ich nebenberuflich selbstständig bin (ich arbeite mehr Stunden in meiner zusätzlichen angestellten Tätigkeit, verdiene aber mehr in der Selbstständigkeit), liegt aber vor allem daran, dass ich mich intensiv mit dem System und den Möglichkeiten auseinander gesetzt habe. Leider ist das aufwendig und nicht jede hat dafür die Ressourcen. Ich bin also privilegiert und mir dessen auch bewusst. Wichtig wäre daher meiner Meinung nach deutlich mehr Aufklärung und Info. Sowas sollten aber zum Beispiel auch die Berufsverbände leisten.

    Zu dem konkreten Problem:
    Dieses wird zumindest im Ansatz durch eine private Krankentagegeldversicherung gelöst. Diese darf Männer und Frauen nicht mehr unterschiedlich behandeln, die gesetzlichen Mutterschutzleistungen sind daher versichert. Die Krankentagegeldversicherung zahlt also die vollen 14 Wochen Mutterschutz abzüglich der vertraglich vereinbarten Karenz. Und dies unabhängig davon, ob während der Zeit Einkünfte erzielt werden, es kommt hier allein darauf an, dass während der Zeit keine Tätigkeit ausgeübt wird.
    Eine solche Versicherung ist auch schon preiswert zu haben (als Schreibtischtäter erhalte ich nach ab dem 27. Tag 125€ pro Tag für gerade mal 35€ pro Monat)
    Sofern während der Schwangerschaft ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit besteht, leistet die Versicherung auch. So konnte ich bereits vier Monate vor der Geburt nicht mehr arbeiten, da ich liegen musste.
    Die Versicherung wird übrigens von Männern wie Frauen abgeschlossen, das in einem Kommentar genannte Argument, so würden ja nur die Frauen zahlen, trifft hier jedenfalls nicht zu.

    Was ich dir, liebe Johanna, raten möchte: mach dich jetzt schlau bzgl Elterngeld. Auch hier bedarf es einer klugen finanziellen Planung um Abrechnungen aus der Selbständigkeit auf das Elterngeld vollständig zu vermeiden.

    Mehr als an den Möglichkeiten zur Absicherung fehlt es leider an den Informationen hierzu.

    Alles gut dir für die Geburt und die Zeit danach 🙂

  3. Wenn ich hier Sprüche lese, dass Selbständige angeblich nicht in die Sozialgemeinschaft einzahlen würden, fällt mir der Kopf ab. Mädels, informiert euch mal vor dem Kommentieren!
    In der Petition hat Johanna ziemlich deutlich beschrieben, dass sie sich freiwillig gesetzlich krankenversichert hat, was ihr aber einen feuchten Sch… gebracht hat, weil die KV nicht zahlt, wenn die Kundschaft später überweist.
    Wer am 1. des Monats sein Geld auf dem Konto hat, kann das vielleicht nicht verstehen, aber dann kann man sich doch informieren.
    Außerdem geht es auch um Arbeitsplätze der Beschäftigten. Das könnt ihr vielleicht auch nicht nachvollziehen, aber es gibt Menschen, die si richtig für Arbeitsplätze sorgen.
    Und zwar, indem sie am Markt einen Betrieb aufbauen, der gesellschaftlich relevant ist. Wenn dieser Betrieb wegen Schwangerschaft der Chefin insolvent geht, dann geht der Betrieb anschließend.

  4. Ich würde gerne noch anmerken, dass Johanna ihre Geschichte hier verbreitet, um anderen Frauen eine bessere Ausgangslage zu ermöglichen. Johanna hat ihre Schwangerschaft bald hinter sich und hat damit das „gröbste“ überstanden. Sie teilt mit uns ihre Erfahrungen, die übrigens viele, viele Frauen in Deutschland auch machen/gemacht haben, und dafür können wir ihr dankbar sein. Sie wird von der ganzen Aktion nicht mehr viel haben, außer dass sie in der Schusslinie steht und versuchen muss sich in den Endzügen ihrer Schwangerschaft für Ihren Mut die Geschichte publik zu machen, zu verteidigen bzw. Haltung zu wahren und für andere Frauen in einer ähnlichen Situation einzustehen.
    Danke Johanna für deine Geschichte und, dass du dich für andere Frauen stark machst!

  5. Ich bin selbst seit Juli fertig ausgebildete*r Schreinergeselle*in. Ich will zwar keine Kinder und jobbe gerade etwas anderes, aber die Petition werde ich auf jedenfall unterschreiben!

  6. Hmm, ich gönne ja allen ihr Auskommen, aber frage mich grad, ob sich Selbständige auch so lautstark zu Wort melden, wenn es um ein Teilen ihrer Gewinne mit der Gesellschaft geht. Selbständige haben die Chance, im Gegensatz zu den allermeisten Angestellten, mit ihrem Beruf reich zu werden. Aber sie tragen halt auch ein Risiko. Frau wusste doch, auf was sie sich einlässt. Soll der Staat (alle Steuerzahler) am Ende den Kredit für die Maschinen abzahlen (es können ja auch mehrere Kinder kommen), die dann aber natürlich der Firma und nicht der Gemeinschaft gehören?! Also diese Tendenz: Risiken sozialisieren, Gewinne privatisieren, sehe ich skeptisch.
    Ich habe mich für eine abhängige Beschäftigung entschieden, weil ich Sicherheit und Urlaub brauche. Dafür werde ich nie reich werden.

    1. Für jede Schwangerschaft ist in erster Linie die werdende Mutter verantwortlich. Und ob man sich unter den gegebenen Zuständen selbständig macht oder nicht, ist natürlich jeder selbst überlassen. Das hilft uns als Gesellschaft allerdings nicht weiter mit dem Handwerker-Mangel – und es ist Geldverschwendung, Existenzgründungen von Frauen zu fördern, wenn sie durch eine Schwangerschaft eh pleite gehen.

    2. Ich werde als Handwerkerin/Tischlermeisterin auch nicht reich werden – vor allem nicht in der Selbstständigkeit. Mein Problem ist das von Klein- und Soloselbstständigen oder von Frauen in Berufen, in denen ein schwangeres Arbeiten zu gefährlich ist: Genau die Berufe, in denen wir Fachkräfte brauchen. Das ist nicht vergleichbar mit der Situation von Inhaberinnen großer Konzerne oder Schreibtischtäterinnen. Den Punkt, den ich versuche zu zeigen ist, dass es kein Umlageverfahren wie bei Angestellten gibt, es gibt keine Möglichkeit sich abzusichern und die Risiken zu sozialisieren – denn dafür bin ich. Ich zahle Krankenkassenbeiträge und Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung – aber ich habe davon nicht das gleiche, wie Angestellte. Der Fall der Schwangerschaft ist schlicht nicht vorgesehe. Ich sehe nicht die gleiche Chance, die ein Mann hat: Beruf und Familie zu kombinieren. Weil ich als Frau schwanger werden muss – mein Mann kann das nicht übernehmen. Und andersrum: Auch wenn ich das Kind meines Mannes in meinem Körper austrage, greift seine Absicherung als Angestellter nicht. Das bedeutet plakativ gesagt, dass ich neidisch links und rechts schauen darf, wie meinen männlichen Kollegen das hinbekommen – aber es bedeutet keine Chancengleichheit. Eine Vereinbarung von Familie und Beruf funktioniert so nur schwer für eine Frau – oder es ruiniert sie. Das bedeutet, dass diese Gesellschaft auf die Betriebe von vielen Gründerinnen und potenziellen Gründerinnen verzichtet, die später Arbeitgeberinnen wären und Steuern zahlen. Denn die Phase der Familiengründung fällt oft unweigerlich mit der Phase der Familiengründung zusammen, in der es ein soziales Netz braucht. Bei den Corona-Hilfen ging das ja auch – eine Betriebskostenübernahme. Warum ginge das nicht auch im Falle eine Schwangerschaft? Der Zeitraum ist überschaubar. Was ist falsch an einem System von BetriebshelferInnen wie in der Landwirtschaft? Oder ist das auch zu sozial? Ich sehe keinen Widerspruch gegenüber der Freiheit des Unternehmerinnentums und einem sozialen Netz – es geht beides – und das hilft der gesamten Wirtschaft!

  7. Puh, erschütternd was für Kommentare hier stehen. Ich finde es sollte grundsätzlich eine Absicherungsmöglichkeit geben. Für alle in die auch alle einzahlen. Natürlich habe ich die Petition unterschrieben und wünsche Johanna für die restliche Schwangerschaft alles alles gute und eine Guten Start ins Familienleben!
    Hoffentlich ruckelt es sich finanziell alles zurecht!
    Viele Grüße

  8. Ich bin auch selbständig, daher maße ich mir hiermit auch an zu schreiben, Kinderwunsch und Fixkosten, die das Krankengeld übersteigen sind kalkulierbare Größen. Es gibt auch für so etwas Versicherungen. Was es vielleicht nicht gibt, ist die Möglichkeit, über das Berufsverbot Lohnfortzahlungen von der Krankenkasse zu erhalten, da bin ich spontan überfragt, weil ich mein erstes Kind noch angestellt bekam und das zweite ein Pflegekind ist. Als das zweite (sehr plötzlich, wie das so ist) bei uns einzog, musste ich auch kalkulieren, wie viel Verdienstausfall ich hinkriege und dann wieder ran. Und trotzdem möchte ich auch niemals zurück und erwarte nicht, aus Kassen bezahlt zu werden, in die ich nicht einzahle.
    Gibt es denn vielleicht über die IHK oder KfW Programme, um die Fixkosten abzudecken? Tilgungsraten kann man senken, stunden und aussetzen, meistens sind bei Firmengründungen ja KfW-Kredite involviert und die sind da sehr entgegenkommend.
    Und ich bin wirklich glühende Feministin, aber in diesem Zusammenhang verstehe ich jetzt nicht, was das mit Geschlechtergerechtigkeit zu tun hat. Denn Väter nutzen oft dieselben/ähnliche Argumente , um darzulegen, dass sie keine Care-Arbeit leisten können. Das ist so gesehen der Preis für die berufliche Freiheit, dass solche Eventualitäten mitzubedenken sind. In meiner Branche (Gesundheit) ist es doppelt doof, ich habe alle Risiken und immer einen Versorgungsauftrag, den ich erfüllen muss, sonst ist die Zulassung weg. Wie gesagt, ich möchte es nicht anders haben. Ich werde nie wieder angestellt arbeiten!

    1. Liebe Franzi, wenn man durch eine kleine Werkstatt reich wird, dann würde ich mittlerweile ganz schön gut dastehen. Es ist ein Irrglaube, dass jeder Selbstständige/jede Selbstständige einen unglaublichen Umsatz macht und damit reich wird. Außerdem zahlen auch wir Selbstständigen ganz normal Steuern, in die Kassen ein und sind noch dazu Arbeitgeber. Ich würde sagen, wir tragen genauso zu Wirtschaft bei und haben deshalb auch einen Anspruch darauf, dass wir in einer Schwangerschaft, die nun mal nicht jeden Tag vorkommt und im Leben einer Frau kein täglich Brot ist, genauso Unterstützung fordern dürfen, wie es einer Angestellten vom Staat zugesichert wird. Es gehen immer weniger Menschen das Risiko einer Selbstständigkeit ein, was das für die Zukunft bedeutet, vor allem im Handwerk, macht sich denke ich schon bei der Suche nach einem Handwerker bemerkbar. Warum die Wahl der Selbstständigkeit, vor allem für Frauen, nicht ein wenig leichter machen, indem eine Frau wenigstens in diesem kurzen Lebensabschnitt abgesichert ist?!
      Liebe Grüße, Maxime

      1. Liebe Maxime,

        Ich bin ja auch nicht grundsätzlich gegen eine Unterstützung in der Schwangerschaft, ein Elterngeld beispielsweise wie es auch Angestellte bekommen. Auch weiß ich, dass sicher nicht alle Selbstständigen reich werden. Aber die Fixkosten einer Werkstatt zu übernehmen, das fände ich unangemessen. Hierbei geht es um den Aufbau von eigenem Vermögen! Das wäre ja so, als würde ich mir ein Haus kaufen und dann vom Staat erwarten, den Kredit zu bedienen, weil ich schwanger bin.

      2. Aber Maxime, welche Unterstützung meinst Du denn, die Angestellte mehr bekommen? Das ist die Frage, die mich umtreibt. Wenn eine Der Arbeitgrber kann ja auch die Bezüge für Schwangere mit Beschäftigungsverbot im Umlageverfahren zurückfordern. Ich bin mir sicher, dass Du als Selbständige dieses auch mitversichern kannst.Ich denke niemand kann verlangen, wenn es Absicherungsmöglichkeiten gibt, dass die Gemeinschaft die Kosten trägt unnd sich selbst Fixkosten für Versicherungen sparen. Und was im Text geschildert wird, korrigiere mich wrnn ich was überlesen habe, ist ja eine Verkalkulation: sie ist simpel davon ausgegangen, dass sie bis zum Mutterschutz normal arbeiten kann und hat sich nicht beraten lassen, wie sie die Kredittilgungen im Rahmen halten kann. Das sind bestimmt langweilige Themen, wenn man gerne was handwerklich schaffen will. Aber das gehört zur Selbständigkeit dazu.

    2. Leider gibt es kein Beschäftigungsverbot für Selbstständige und somit auch nicht die Möglichkeit, hier Bezüge zu erhalten. Fixkosten sind leider nicht nur Kosten, die dem Vermögensaufbau diesen – im Gegenteil. Ums konkret zu benennen: Bei mir sind die Fixkosten die Pacht der Werkstatt, alle möglichen Beiträge die ich abtrete, Versicherungen, Instandhaltung… Dem Vermögensaufbau im Sinne von „Firmenvermögen“ kommt da nicht viel bei – die Uhr läuft wirklich rückwärts! Deswegen gab es ja auch Corona-Hilfen zur Übernahme von Betriebskosten. Die waren ja auch nicht „zu sozial“, sondern notwendig damit Betrieb sich halten konnten. Und klar sind die Kosten kalkulierbar – aber damit nicht unbedingt „stemmbar“. Vor allem nicht für Klein- und Soloselbstständige, die erst vor kurzem gegründet haben. Welche weiteren Absicherungsmöglichkeiten/Versicherungen soll es genau geben? Es gibt Krankentagegeldversicherungen (privat und gesetzlich) die auch nicht unbedingt helfen – ich habe noch keinen Cent gesehen – trotz Anspruch über die gesetzliche Krankenversicherung, nachdem ich jahrelang eingezahlt habe. Na klar kann ich versuchen die Situation akut über Kredite zu entschärfen – das regelt aber nicht das grundsätzliche Problem – es wird aufgeschoben und liegt immer noch allein auf den Schultern der betroffenen Frauen, die sich überlegen müssen, ob sie Selbstständigkeit und Familie miteinander vereinbaren können. Genau deswegen wäre es so wichtig, dass es eine gesellschaftliche Lösung gibt – genau wie bei dem Umlageverfahren für ArbeitnehmerInnen. Auch das System aus BetriebshelferInnen würde allen UnternehmerInnen helfen, die selbst für eine Zeitlang ausfallen – Männern wie Frauen. Die Landwirtschaft ist da ein gutes Vorbild! Das System ist ja auch nicht zu sozial und deshalb unfair gegenüber allen anderen. Ich sehe da keine Ausreden und kein Ausspielen von Männer- und Frauenargumenten keine Care-Arbeit leisten zu können, sondern möchte das „Möglich machen für alle, Carearbeit übernehmen zu können“. Denn genau das ist ja auch das, was Schwangerschaft und Eltern-sein bedeutet – das, was wir dafür leisten. Und ich sehe auch keinen Widerspruch, unternehmerische Freiheiten und soziale Absicherung zu vereinbaren – vor allem nicht, weil dieses Problem geschlechtsspezifisch ist und somit Frauen einen Nachteil beschert, da sie sich nicht absichern können oder wenn, dann nur sie selbst dafür draufzahlen. Denn so wie ist jetzt ist, bedeutet das, dass ich als Frau neidisch links und rechts schauen darf, wie meinen männlichen Kollegen das mit der Selbstständigkeit hinbekommen – aber es bedeutet keine Chancengleichheit. Eine Vereinbarung von Familie und Beruf funktioniert so nur schwer – oder es ruiniert die Betroffenen. Das bedeutet, dass diese Gesellschaft auf die Betriebe von vielen Gründerinnen und potenziellen Gründerinnen verzichtet, die wachsen könnten und später Arbeitgeberinnen wären und Steuern zahlen. Oder sie verzichtet auf die Kinder der Gründerinnen… Denn die Phase der Firmengründung fällt oft unweigerlich mit der Phase der Familiengründung zusammen…

  9. Hallo, es ist sehr schade, dass es der Autorin des Artikels nicht vergönnt ist, die Schwangerschaft frei von finanziellen Sorgen zu genießen. Jedoch sehe ich das häufig, dass Umsatz mit Gewinn gleich gesetzt wird und die wichtige soziale Absicherung im Falle einer Selbständigkeit nur zu gering betrieben wird. Da werden häufig die Basistarife einer privaten Krankenversicherung gewählt, die dann eben leider nur ein geringes Krankentagegeld zahlen oder es wird viel zu wenig Altersvorsorge betrieben um dann im Alter weiter entspannt Dir stetig steigenden Tarife der privaten Krankenversicherung zu zahlen. Da gibt es Fälle, bei denen die Menschen bis weit über 70 arbeiten müssen. Wenn man selbstständig ist muss man sich immer fragen, warum ein sozialversicherungspflichtig Angestellter soviel höhere Beiträge (also auch die AG- Beiträge mit berücksichtigen) in die Kranken- Pflege- und Rentenversicherung einzahlt. Und dann auch seine eigenen Beiträge erhöhen. Denn wenn das Krankentagegeld oder auch die Leistung bei Berufsunfähigkeit nur knapp über dem Grundsicherungssatz liegt, damit der Beitrag niedrig ist, dann kann es eben vorkommen, dass man schnell trotz harter Arbeit in der Grundsicherung landet. Das Gleiche gilt bei Angestellten auch bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn ich da die Beiträge nur niedrig wähle, nutzt mir die Leistung am Ende nichts. Es tut mir leid, das so hart zu sagen, doch das sind meine täglichen Erfahrungen.

    1. Wer sich ein bisschen mit Wirtschaft auskennt weiß, dass ein Betrieb 15 Jahre braucht, bis er richtig läuft. Danach könnte man auch auch sowas wie eine extra-Versicherung für Schwangerschaften leisten. Im Handwerk ist man dann so Anfang 40.
      Jetzt kann man sich ganz schlau fühlen, und sich Geschichten Alla „selber Schuld, die können ja auch bei Aldi als Kassiererin arbeiten“ los werden, oder man schaut sich die Realität an, die so aussieht:
      Die Tischlermeisterinnen, die lange im Geschäft sind, haben so ziemlich alle keine Kinder. Die anderen haben ihren Betrieb geschlossen, und sich was anderes gesucht.
      Die Zimmrermeisterinnen, von denen ich weiß haben auch vorher den Betrieb zu gemacht.
      Unterm Strich kann ich sagen, dass das mit dazu beiträgt, wenn du heute bis zu einem Jahr waren musst, wenn du eine Zimmrerei brauchst. Und das dürfte in den kommenden Jahren noch viel länger werden.
      Ich als Handwerksmeisterin sehe dem entspannt entgegen, weil ich mich auch auf dem Dach notfalls zu helfen weiß.
      Wer das nicht selber machen will, muss sich darauf einstellen, dass es irgendwann in die Bude Reinregen wird, wenn das Hsndwerk weiter so zurück geht.

    2. Da wäre meine Gegenfrage, was ich hätte machen können – außer einer privaten Krankentagegeldversicherung sehe ich da keine Möglichkeiten, die schwangerschaftsbedingte Ausfälle absichert – oder ich habe sie einfach nicht gefunden… und selbst diese muss lange im Voraus abgeschlossen werden – und wird in dem Fall nur von Frauen finanziert – nicht über eine Umlage aller Unternehmer und Unternehmerinnen. Das bedeutet in meinen Augen immer noch, dass die Frauen die Last alleine Schultern müssen. Nicht wie bei Angestellten, für die es das Umlageverfahren gibt sodass Männer wie auch Frauen einzahlen. Krankenversicherungsbeiträge und Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung zahle ich auch ohnehin mindestens auf Grundlage der Mindestbemessungsgrundlage – egal ob ich das Geld verdiene oder nicht. Um dann Leistungen zu bekommen, die schlimmstenfalls weit darunter liegen oder verweigert werden…

  10. Hallo, ich schließe mich Blüte an, das war deine Entscheidung, wohlüberlegt wie im Artikel geschrieben. Zahlt man nicht in die Sozialgemeinschaft ein oder versichert sich selbst, sofern es möglich ist, ist das die freie Entscheidung, Man ist im wahrsten Sinne des Wortes selbstständig in jeder Beziehung, klingt hart, das ist mir bewusst. Alternativ kann man soziale Organisationen um Hilfe bitten, während der Elternzeit die Rollen tauschen und wenn es gar nicht mehr geht die Selbstständigkeit aufgeben. Glück im Unglück deine Schwangerschaft verlief einigermaßen problemlos, das geht auch anders, da findet man sich schneller als man bis drei zählen kann beim Sozialamt. Wünsche dir alles Gute, letztendlich wird es sich finden, schade nur, dass durch die finanziellen Probleme die Schwangerschaft überschattet ist, falls es dir ein Trost ist, das geht auch Angestellten so, die mehr oder minder dezenten Hinweise doch zu kündigen, weil man der Firma nur Geld kostet, den Kollegen zusätzliche Arbeit aufbürdet, die Liste ist lang.

  11. Danke für den Beitrag. Es wäre wichtig auch da eine Vorsorge/ regelmäßige Einzahlung ( wie bei der Altersvorsorge bei Selbständigen) zu schaffen. Oder das über die GKV mit umzusetzen. Müssen wir uns nicht wundern, das Handwerksberufe für Mädchen unattraktiv sind.

  12. Ich bin selbst beruflich seit 19 Jahren selbständig und Mutter (seit 14 Jahren), allerdings ohne vorherige Schwangerschaft, da wir nach langer ungewollter Kinderlosigkeit doch noch das Glück hatten, ein Kind adoptieren zu dürfen. Insofern sind mir die Probleme einer selbständigen Schwangeren nicht aus eigener Anschauung bekannt, aber die einer selbständigen Mutter sehr wohl, denn ich hatte nicht einen Tag Elternzeit, Mutterschutz, was auch immer, der Betrieb lief weiter. Es gab die Möglichkeit weiterzumachen oder aufzuhören, mehr nicht. Das ist alles andere als schön, aber… es ist doch selbstgewählt.
    Als Selbständige zahle ich nicht in Renten- und Sozialversicherung ein, also für mich, für meine Angestellten schon. Deshalb haben die Angestellten im Falle einer Schwangerschaft oder Erkrankung eben den vollen Ausgleich und ich nicht. Ich bin nach einer OP am Tag der Entlassung noch ins Büro gegangen, meine Angestellten sind dann erst mal 14 Tage krank geschrieben. Hätte ich auch vom Arzt haben können, aber wofür?

    Meine zentrale Frage bei diesem Beitrag ist:
    Ist es nicht gewagt als Selbständige, genau aus diesen Töpfen Hilfen zu erwarten, obwohl ich selbst nichts eingezahlt habe?

    Selbständigkeit hat viele Vorteile und viele Nachteile, wie jede Lebenssituation. Die finanziell aufwändige private Vorsorge für Krankheit, Rente usw. muss stets im Blick behalten werden und ist sicher keine Kleinigkeit, das weiß ich selbst. Alleine wenn ich an die sehr hohe Versicherungsbeiträge denke, die ich zahle, für den Fall, dass mich eine schlimme Krankheit trifft, bei der ich nicht mehr arbeiten kann. Aber das war meine Wahl und ich würde es auch nicht anders haben wollen, auch nach 19 Jahren Selbständigkeit nicht.

    Ich finde, wenn wir Rechte in dieser Richtung fordern, sollten wir auch bereit sein, über die damit einhergehenden Pflichten in Form von Beiträgen in guten Zeiten sprechen. Auch von weiblichen Selbständigen. Das eine geht nicht ohne das andere.

    1. Welche Arroganz!?! Es sind nicht die Männer die Frauen im Weg stehen, sondern die anderen stutenbissigen Weiber ( sorry aber höflicher geht da nicht).
      Wer lesen kann, sie plädiert für eine Form der Vorsorge um auch in dieser Lage abgesichert zu sein ( wie für Ruhestand/ Selbständige). Sie spricht nicht von Geschenken.

      1. Ach Silvia, ein wenig Höflichkeit würde Ihnen gut zu Gesicht stehen. Wer lesen kann, wird keine Stutenbissigkeit feststellen. Etwas mehr Argumente anstatt Beschimpfungen wären übrigens auch wünschenswert.

    2. Ich bin auch selbstständig und dankbar für Flexibilität und Auskommen.
      Aber wenn ich ihren Kommentar lese, denke ich, das klingt wie bei mir nach einem Bürojob.
      Ich habe mehrere leibliche Kinder, die ich alle zeitweise mit im Büro hatte.
      Das wäre im Handwerk teilweise gefährlich.
      Im übrigen ist selbstständig nicht immer mit lukrativ gleichzusetzen.
      Da darf man nicht von sich ausgehen.
      Mancher Arbeitgeber zahlt den Angestellten mehr aus als er selbst entnimmt, wird aber in der Öffentlichkeit als Großverdiener hingestellt.
      Ich sehe da ein großes Ungleichgewicht und einen Fehler im System.
      Eine Kranken- und Sozialkasse für alle wäre super, Beamte eingeschlossen.

    3. Johanna sagt in ihrem Artikel, meiner Meinung nach, nichts davon, dass sie nicht in die Kassen einbezahlt. Als selbstständige Handwerkerin (ich bin selbst Schreinerin) ist man sogar verpflichtet bspw in die Rentenversicherung einzuzahlen. Und noch dazu versichern sich die meisten Selbstständigen heutzutage bei der Krankenversicherung freiwillig gesetzlich. Noch dazu kommt, dass eine private Krankentagegeld Versicherung beispielsweise, ich spreche hier aus eigener Erfahrung, die selbstständige Frau während des Mutterschutzes oftmals auch hängen lässt. Sei es, weil vom Krankentagegeld 48 Tage Karenzzeit abgezogen werden. Was bleibt denn da am Ende, wenn man 6 Wochen vor Entbindung im Mutterschutz ist und eigentlich direkt nach der Entbindung wieder in der Werkstatt stehen muss, weil die Versicherung nicht annähernd die laufenden Kosten decken kann?!

      1. Wenn Du das nicht stemmen kannst, dann musst Du eben den Tarif nehmen, mit dem Du bspw. Nach 21 Tagen Krankengeld bekommst. Die Krankenkasse lässt Dich dann nicht hängen in diesem speziellen Fall sondern Du hast Dich dann nicht ausreichend mit dem Tarif und seinen Auswirkungen beschäftigt.

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