Sorry Berlin, aber das mit Sankt Martin kriegt ihr einfach nicht hin…

Hallo Lisa, 

guten Wochenstart erstmal. Weißt Du was eigentlich total ironisch ist an unserem Blog? Das Du Urberlinerin bist und ich gebürtige Rheinländerin, wir aber genau andersherum wohnen und auch für das andere schwärmen. Du weißt ja: Ich bin echt überzeugte Berlinerin, also Zugezogene. So schön das Rheinland und meine Heimatstadt Bonn auch sind, 24 Jahre Kleinstadt haben mir sowas von gereicht, man dreht sich irgendwann gerade als sehr junger Mensch doch zu schnell im Kreis. 

Ich war damals junge Journalistin und wollte nach Berlin, wo es eben am lautesten ist und alle großen, oder viele große Medienhäuser sitzen. Sicher, ich mag Berlin mit allen seinen Facetten. Aber und jetzt kommt das große ABER: Ein paar Sachen gehen mir hier echt auch auf den Keks. 

Sicher, Berlin will Weltstadt sein und jede Nation will hier völlig zu Recht seine Feste feiern. Aber dadurch passiert es logischerweise, dass nie etwas richtig gemacht wird. Und damit hat Berlin auch MEIN Sankt-Martinsfest auf dem Gewissen. 

Als Kind zog ich mit Hunderten von anderen Kitas und Schulen durch den Abend, der Sankt Martin, ein Mann AUF einem ECHTEN Pferd mit Schwert ritt vorne weg, wir hielten mit dem Zug am Kinderkrankenhaus der Uniklinik Bonn, sangen für die kranken Kinder, die aus den Fenster winkten und am Ende gab es ein großes Lagerfeuer so groß wie ein Haus. Dann wurden die Weckmänner verteilt mit Pfeife UND Rosinen (liebe Bäcker) und der erste Biss in den kalten Teig schmeckte wie ein Stück vom Himmel. 

Um dem nicht genug: Danach kam der beste Teil. Das Schnörzen. Wir zogen von Haus zu Haus, unsere Eltern in sicherer Entfernung, und bekamen an jeder Tür, nachdem wir gesungen hatten Süßigkeiten. Und was soll ich sagen: Sankt Martin war so super, dass ich bis zu meinem 12. Lebensjahr FREIWILLIG mitlief und auch noch später, weil Sankt Martin sogar den Gesetzen der pubertären Coolheit zu trotzen schien. Ich liebte es. 

Und so tat mir mein kleiner Maxime doch etwas leid wie er letzte Woche in Berlin-Mitte, vorbei an Erotikshops und Billigläden im HELLEN um den Block ziehen musste. Naja okay, auf dem Spielplatz gab es noch ein Lagerfeuer…

Und nein, Halloween ist kein Ersatz! Halloween ist ein dummes Konsumfest der Süßigkeitenindustrie, die halt ihr Kürbismus in Schokolade loswerden wollen. Nee, nicht meins… 

Aber ich werde mich hier jetzt nicht weiter beklagen. Wozu auch. Ich werde auch nicht versuchen die Berliner zu bekehren wie viele das hier immer wieder versuchen. Nächstes Jahr werde ich einfach zu Sankt Martin wieder in Bonn sein. Das ist die Lösung. 

Überhaupt sei mal gesagt: In Berlin funktioniert einfach kein Fest. Im Rheinland, aber auch in Hamburg oder München werden eben die Traditionsfeste wie Karneval, Hafengeburtstag oder Oktoberfest gefeiert. In Berlin gibt es sowas nicht. Außer Fanmeilen mit Bierbuden. Ist halt so. Muss ich aber auch so hinnehmen. Mal sehen, was die Zeit bringt…

Deine Caro xxx

 


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8 comments

  1. Neue Perspektiven?
    Liebe Caro,
    Ich hatte bereits, bevor du es geschrieben hattest gewusst, dass dir dieser Abend nicht gefallen würde. Ich vermute es liegt einfach daran, dass wir diese Fest nicht kennen, ebenso wenig, wie Halloween. Nach und nach werden von „Zugezogenen“ Traditionen mitgebracht. Das könnte eine wirkliche Bereicherung sein. ABER, wir kennen dieses Fest eben nicht, jedenfalls nicht in dieser Form. Ergo wissen wir eben auch nicht, wie es gefeiert wird und was der Spaß daran sein soll. Mir ging es vor ein paar Jahren ähnlich als ich zum ersten Mal Weihnachten im karibischen Heimatland meines Mannes feierte. Wir hatten ein Kostüm und hübsch verpacke Geschenke dabei. Aber irgendwie kam die Stimmung neben dem chinesischen Plastikbaum eben nicht rüber. Seit dem feiern wir einfach auf deren Art mit lauter Musik und jeder Menge Rum. Das Weihnachtsmannkostüm ist der Hit des Abends und alle ziehen es mal an und lassen sich damit fotografieren. Vielleicht gefallen Euch „Zugezogenen“ auch unsere Feste besser, wenn ihr Eure einfach zu Hause lasst.

  2. Danke
    Nachdem ich gerade deinen Beitrag gelesen habe, habe ich mit meinem Opa über seine Zeit im Rheinland gesprochen und seine Erinnerungen an das Sankt Martins Fest im Rheinland, auch er war sehr angetan von dem Fest und hat sich sehr gefreut mal wieder über die alte Zeit zu sprechen!

    Bei uns wurde Sankt Martin früher auch immer sehr schön gefeiert und ich habe nur schöne Erinnerungen an das Fest.
    Da es hier jetzt wo mein kleiner da ist nicht mehr so schön gefeiert wird, werden wir auf jeden Fall mal an Sankt Martin ins Rheinland fahren und uns das Treiben anschauen!

    Danke 🙂

  3. Halloween…
    …das einzige heidnische Fest, dass sich bisher nicht vollständig von der christlichen Kirche vereinnahmen und verbiegen ließ, ist natürlich dumm.
    Aber z.B. Weihnachten natürlich nicht!
    Mit dem grünen Baum im Zimmer ist natürlich nicht kommerziell und urchristlich. Oder Ostern mit bunt bemalten eiern… nee,is klar.
    Lasst uns doch alle auf Bestellung fröhlich sein und lustig und am nächsten Tag, wenns vorbei is, kennt man keinen mehr…
    Man… wie verlogen…
    Berlin is ne ehrliche Haut.
    Gut so, dass diese „Feste“ hier nicht gehen!!!

  4. tss… da kann nadinanina nur
    tss… da kann nadinanina nur aus vollem herzen recht geben!
    ich bin ein westberliner kind und vermisse auch einiges aus meiner kindheit sehr.
    natürlich kann alles nicht mehr so sein wie früher – ihr wohnt ja jetzt in berlin, oder?
    diese erwartungshaltung finde ich absolut unangebracht!

  5. Sankt martin- was ist das?
    Diese Frage stellte ich mir, als ich vor etwa 6 Jahren davon zum ersten mal in meinem Leben als Ossifrau hörte. Mag der Hintergedange dieses christlichen Festes noch so rührend sein, es hat eben in Ostberlin keinerlei Tradition. Was erwartest du im atteistisch geprägten Teil des Landes?
    Tröste dich, ich habe auch wundervolle Erinnerungen an den Lumpenball und das alljährliche Fest zur deutsch-sowjetischen Freundschaft an unserer alten Schule, ob es manche glauben oder nicht, dass es gute Erinnerungen an das, ach so böse „Unrechtsregime“ gibt, aber ich kann nicht einfach in meine alte Heimat fahren und meinen Kindern zeigen, wie lustig FKK Baden mit Lehrerin und Schuldirektor war, alle angemalt als grüner Neptun oder Nixen.
    Diese Erwartungshaltung…tss, Berlin und irgendwelche mittelalterlichen Katholikenfeste,nee,nee,nee…

  6. wie wahr
    GENAU das dachte ich mir auch vor einer Woche!!!!
    wo wir mit der kita zwar im Volkspark Friedrichshain waren und dort martinsbrötchen geteilt haben. ABER diese paar Männekens die da lang laufen, keiner sang…alle Eltern quatschten und liefen quer Beet und der Abstand wurde immer größer.
    Ich, ebenso zugezogene Berlinerin, gebürtige Mönchengladbacherin kennt es auch anders. genau wie Karneval, aber ich werde auch die nächsten Jahre die Traditionellen Feiern einfach in der Heimat verbringen!

  7. Bonner Sankt Martin
    Kann ich alles bestätigen. Das Bonner Martinsfeuer ist in meiner Erinnerung auch hoch wie ein Haus. 😉

  8. dito
    Hach Caro, das kommt mir doch sehr bekannt vor. Als wir vor fünf Jahren in einen Ort im Speckgürtel Bremens gezogen sind war ich auch einigermaßen irritiert dass zwar Kinder an Halloween kamen, aber nicht am Martinsabend, dafür aber an Nikolaus? 2, 3 Jahrw haben wir das halbherzig mitgemacht aber dieses Jahr sind wir mit den Kindern auch am Martinsabend in die alte Heimat gefahren sind singend und mit Laternen von Haus zu Haus gezogen und die Kinder waren happy über das Lob, die Freude der Menschen an den Haustüren und natürlich über die Süßigkeiten. Und ich hatte ein Stück Kindheit wieder!