Transidentität? „Ein Junge im Kleid ist einfach nur ein Junge im Kleid“

Transidentität

Symbolbild: pixabay

Ihr Lieben, in seinem jüngsten Instagram-Posting spricht Nils Pickert über Transidentität und dass die nichts damit zu tun hat, ob ein Junge mal ein Kleid trägt. Ihr kennt den Vierfachvater, Journalisten und Feministen sicherlich von seinem Kinderbuch Seeräubermädchen und Prinzessinnenjungs, von seinem Paarbuch Lebenskompliz*innen, das wir hier vorgestellt haben von seinen Kolumnen bei Pinkstinks oder von seinem Buch Prinzessinenjungs: Wie wir unsere Söhne aus der Geschlechterfalle befreien“, auf dessen Cover man ihn in einem Rock und seinen Sohn in einem Kleid sieht. Wir dürfen seine Worte hier nochmal wiedergeben. Danke dafür, lieber Nils!

Transidentität
Prinzessinnen-Jungs

„Es ist so weit: Die erste Presseanfrage, ein Foto von meinem Jungen und mir im Zusammenhang mit dem neuen Film von Florian David Fitz zu verwenden, ist eingetrudelt.

Ich habe diesen Moment gefürchtet. Ich habe gehofft, dass ich mich dazu nicht verhalten muss, aber mir bleibt nichts anderes übrig. In dem Film geht es um ein trans Mädchen namens Lili. Der Titel lautet „Oskars Kleid“.

Nach allem, was sich dem Trailer entnehmen lässt, geht es um einen Vater, der sich ganz allmählich und unter harten Rückschlägen aus deinen Genderstereotypen befreit, um sein Kind als das anzuerkennen, was es ist: Seine Tochter.

Trans Mädchen erkennt man nicht daran, dass sie Kleider tragen

Ich verstehe, dass ein Kinofilm keine akademische Veranstaltung zum Thema Transgender ist.

Mir ist klar, dass die Menschen unterhalten werden wollen, dass vereinfacht und zugespitzt wird.

Aber mein Junge ist nicht trans. Und trans Mädchen erkennt man nicht daran, dass sie, wie der Film suggeriert, „im Sitzen pinkeln“, lange im Bad brauchen oder Kleider tragen.

Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht

Es ist, als hätte Florian David Fitz unsere Geschichte genommen und alle Regler auf Anschlag aufgedreht, um daraus einen funktionierenden Kinofilm zu machen. Einen, der simplifiziert und auch lustig ist, damit möglichst viele Menschen sich diesem Thema nähern.

Ich bin mir sicher, dass er es gut meint und eine wichtige, gesellschaftsrelevante Aussage machen will. Nämlich, dass wir einander so akzeptieren sollten, wie wir sind – auch wenn wir dafür über unseren eigenen Schatten springen müssen.

Transidentität ist kein Spiel, keine Modeerscheinung

lebenskomplizinnen
Nils Pickert

Aber Transidentität ist kein Spiel. Keine Modeerscheinung, die man an stereotypen Darstellungen verdeutlichen kann. Und ein Junge im Kleid ist einfach nur ein Junge im Kleid.

Es ist das zweite Mal, dass man sich ungefragt an meiner Biografie bedient bzw. professionell inspirieren lässt. Das erste Mal war es das Kinderbuch „Der Junge im Rock“ von Kerstin Brichzin. Und nun dieser Film.

Sprecht MIT trans Aktivist*innen statt über sie

Ich wünschte, man würde MIT trans Aktivist*innen sprechen, anstatt nur über sie. Ich wünschte, man würde all diese Dinge nicht in einen Topf werfen, um daraus ein Gericht zu kochen, das der Mehrheit möglichst nicht unangenehm aufstößt.

Also nein, NDR Talk Show, kein Foto für euch.“

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7 comments

  1. Dem Beitrag kann ich 100% zustimmen.
    Ohne den Film bisher gesehen zu haben scheint er mir sehr einseitig, und plakativ. Er handelt eigentlich von einem Mädchen, das einfach ein Mädchen sein möchte und nicht von einem Jungen im Kleid.

    Warum stört mich das?
    Zum einen weil es schlicht nicht korrekt ist und es vermutlich nur um eine leichte massentaugliche Unterhaltung geht, die aber in ihrer Undifferenziertheit geeignet ist, anderen das Leben schwer zu machen.

    Vor allem stört es mich, weil ich selbst einen Jungen im Kleid habe, der auch noch in einem ähnlichen Alter ist wie die Protagonistin.
    Es hat eine Weile gedauert, bis alle „Fragen“ geklärt waren und er einfach seine Kleider tragen konnte und damit voll akzeptiert wird.
    Ich befürchte, dass ihm der Film einen Bärendienst erweist und jetzt alle die Frage stellen, ob er eigentlich ein Mädchen sei.

    Auch wenn ich kein Drehbuch im Kopf habe, würde ich mir tatsächlich mal einen Film über einen Jungen oder auch gerne Mann im Kleid wünschen, der einfach andere Kleidung tragen will, ohne irgendeinen Bezug zu Transgender, Crossdressig, schwul oder was auch sonst immer in den Köpfen der Menschen herumspuken könnte.

  2. Ganz wichtiges Thema!
    Wir können unsere Kinder auch verunsichern. Es sollte vollkommen egal sein, was ein Kind (oder Mensch im Allgemeinen) trägt und welche Frisur es hat.
    Wenn wir da ankommen, haben wir viel geschafft. Bis dahin bitte nicht jedem zweiten Kind Transsexualität zuschreiben.

  3. Ganz wichtiger Beitrag, vielen Dank!
    Ich habe mal ein Interview mit einem Arzt gelesen, der eine Sprechstunde leitet, die Menschen mit Transidentität auf ihrem Weg hilft. Er sagte, dass es Eltern gibt, die ihr Kleinkind (!) vorstellen, weil sie zB überzeugt sind, dass ihr Sohn ein Mädchen ist, weil er gerne mit Puppen spielt.
    Das verdeutlicht nur einmal mehr, wie unglaublich fest Geschlechterklischees in unserer ach so liberalen Gesellschaft verhaftet sind …

  4. Ich verstehe die Kritik, dass mehr mit als über Transpersonen gesproche werden sollte.
    Allerdings ist mir nicht klar, wie man einen Film, von dem man offenbar nur den Trailer kennt, mit „er hat es sicher gut gemeint“ aburteilen kann.
    Auch ergibt sich für mich aus dem Artikel nicht, wieso Herr Pickert den Eindruck hat, es sei sich an seiner Biografie bedient worden. Er sagt ja selbst, sein Sohn sei nicht trans. Wo ist also die Parallele? Oder hab ich da etwas falsch verstanden?

    1. Richtig Eva sein Sohn ist nicht trans, sondern trägt einfach nur mal ein Kleid (die Phase haben viele Jungs mal). Im Film geht es aber um Transsexualität, wozu diese Momentaufnahme aber nicht passt da der Junge nicht trans ist. Es geht darum auseinanderzuhalten was ist trans und welcher Junge trägt halt einfach grad nur mal Kleid, Schminke, Babypuppe? Es geht eigentlich darum den Unterschied zu dem wichtigen Thema Transsexualität zu zeigen. Dann aber bitte auch mit den Menschen sprechen und auch Transsexuelle mitwirken lassen und deren echte Bilder dazu nutzen.

      1. Ich frage mich auch, wieso Hr. Pickart denkt es geht um seine Biografie? Kann mir das jemand erklären? Aus dem Artikel kann ich das nicht herauslesen, weil es ja weder im Film noch in diesem Buch um ihn geht…

        Ich habe auch einen Sohn, der als Kind Röcke und Kleider trug, Rosa und Lila liebte und lieber “ Mädchenspiele” spielte.
        Ich kann gar nicht sagen, wie oft wir auf eine vermeintliche Homosexualität angesprochen wurden. Und das bei einem Kindergartenkind!
        Das Geschlechterklischee ist einfach zu tief in der Gesellschaft verankert.
        Ich bin im Nachhinein froh meinem Sohn alles erlaubt zu haben und ihn mit allen seine Vorlieben akzeptiert habe. Mein Sohn weiß dadurch aus Erfahrung, dass ich ihn genauso liebe wie er ist.
        Mein Mann hat sich mit dieser Phase schwerer getan und es hat viele Gespräche gebraucht, bis er ihn dann auch unterstützt hat (zB mit Kleider aussuchen, lange Haarsträhnen ins kurze Haar klemmen..etc )

      2. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass mein mittlerweile erwachsener Sohn weder homosexuell noch Trans ist.
        Daher finde ich es auch nicht gut, dass diese Klischees im Film anscheinend als Beispiel für Transkindern genommen wird.
        Daher sehr berechtigte Kritik in diesem Artikel!

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