Urlaub allein als Mama: Schaff ich das? Kann ich es genießen? Ein Versuch

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Ihr Lieben, manche Mütter tun sich schwer damit, auch mal nur an sich selbst zu denken und ihre Akkus aufzuladen. Funktioniert denn auch alles ohne mich? Die Journalistin Katharina Domiter hat das Abenteuer gewagt und hat einen viertägigen Urlaub allein und ohne ihre zweijährige Tochter verbracht. Wie es ihr dabei ging, erzählt sie hier.

Es gibt viele Premieren im Leben mit Kindern. Das erste Lächeln, die ersten Wörter (1. „Papa“, 2. „Papaei“, 3. „Mama“), die ersten Zähne, die ersten Schritte – und das erste Mal, wenn Mutti allein auf Urlaub fährt …

Meine Tochter ist zweieinhalb und ich habe für mich entschieden, dass es Zeit ist, für ein paar Tage wegzufahren. Ich war davor schon immer wieder unterwegs. Maximal eine Nacht und immer beruflich. Da war immer dieses „Na, ich muss ja“, nicht „Ich will“. Dieses Mal aber wollte ich. Und zwar mal länger fortbleiben und Me-Time genießen.

Morgens ausschlafen, nicht alles zwei Mal machen – Zähne putzen, anziehen, … Ins Fitnessstudio gehen, nicht darüber nachdenken, was ich meinem Kind zu Mittag zum Essen kochen werde, … Ein paar Längen schwimmen, gemütlich Kaffee trinken, einen Satz in einem Buch ohne Unterbrechung lesen und nicht alarmiert sein, wenn zwei Minuten kein „Mama“ zu hören, weil man weiß, dass das in den wenigsten Fällen etwas Gutes bedeutet. Einfach an die Decke starren. Dafür fehlt im Alltag daheim immer die Zeit. Die Zeit für mich fehlt so oft. Alles ist durchgetaktet und selten läuft etwas nach Plan.

Urlaub allein und ohne Kind: Mehr schlafen als lesen

Mehr schlafen als lesen. Schon allein das Koffer packen ist anders. Ich denke weniger in Notfällen und „Das könnte alles passieren“-Situationen, sondern nehme mit, wonach mir ist. Unter anderem drei Bücher („Iowa“ von Stefanie Sargnagel, „Leben geht nur vorwärts“ von Dr. Gitta Jacob und „Die Welt von gestern“ von Stefan Zweig) und zwei Abendoutfits – wissend, dass ich mehr schlafen als lesen und ausgehen werde, aber das ist egal.

Ich fahre ins Falkensteiner Schlosshotel nach Velden. Nicht zu weit weg, zwei Autofahrtstunden aus Fürstenfeld, aber weit weg genug, um Tomatensoßenflecken und dramatische Szenen wegen falsch geschmierter Butterbrote hinter mir zu lassen. Ein bisschen See, ein bisschen Berge und ganz viel Luft zum Atmen.

Als ich einer Freundin von meiner Mama-Auszeit erzählt habe, fragte sie ungläubig: „Einfach so?“. „Ja“, antwortete ich aus voller Überzeugung, obwohl ich beim Buchen ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte. Ohne zu wissen, warum eigentlich. Der Laden läuft auch ohne mich. Das Kind hat einen Vater und der weiß auch, wie’s geht. Oder?

Während ich am Weg bin, diktiere ich meinem Handy, eine Nachricht an meinen Partner zu schicken: „Schmierst du sie vor dem Hinausgehen eh ein?“. Ich bekomme ein unterkühltes „Ja“ retour und ich frage mich, warum ich es partout nicht schaffe, mich von dem Gefühl zu lösen, für alles allein verantwortlich zu sein.

Mein Freund versteht Nachfragen als Kritik

Mein Freund und ich teilen uns die Verantwortung im Alltag tatsächlich auch sehr, sehr fair auf und er ist beleidigt, wenn ich nicht abschalten kann, weil er’s als Kritik an sich versteht. Dabei weiß ich, er ist ein Super-Papa, auf den man sich immer verlassen kann. Das müssen diese furchtbaren patriarchalen Strukturen sein, die noch immer so tief wirken, überlege ich mir, während ich das Auto vor die Hotel-Einfahrt lenke.

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Pipi Langstrumpf-Version für Erwachsene. „Dürfen wir Ihr Auto in die Garage parken und Ihre Koffer aufs Zimmer bringen?“, fragt mich der Concierge. Herrlich ist das! Ich muss mich um nichts kümmern. Eine Dame begleitet mich sogar aufs Zimmer. Beim Anblick dessen kommt mir fast das Weinen. Die kommenden vier Tage wird der Raum so clean und aufgeräumt bleiben, wie er jetzt ist.

Ich muss nicht um 22 Uhr nach der Einschlafbegleitung noch einmal todmüde aus dem Bett kriechen und in der ganzen Wohnung verstreutes Puppengewand aufheben. Keine Legosteine, die sich fies in die Ferse bohren, keine Matchboxautos, auf denen man ausrutscht und sich dabei fast das Genick bricht. Einfach nur Ordnung und …

Und plötzlich: Kein Gedanke mehr an daheim

Oh! Eine Badewanne mit Aussicht auf die Berge. Ich laufe schnell zur Minibar und vergewissere mich: Ja, es gibt Wein. Meinem Abend in der heißen Wanne mit einem guten Glaserl Sauvignon steht nichts im Wege. Oder weißt du was? Ich lasse mir JETZT Wasser ein und trinke jetzt ein Achterl. Warum nicht? Ich entscheide die nächsten Tage – und das für mich allein. Ich mache nur das, was mir gefällt.

Kein Gedanke an daheim. Das Mama-Sein ist meine Erfüllung. Manchmal habe ich das Gefühl, mein Leben hat erst mit der Geburt meiner Tochter so richtig angefangen. Da war plötzlich so viel mehr Farbe, so viel mehr Sinn, den ich in allen Dingen um mich herum erkannt habe. Und so viel Unsinn, von dem ich mich auf einmal so viel leichter distanzieren konnte. Weil ich schlagartig so klar gesehen habe, worauf es eigentlich ankommt.

Trotzdem gibt es Momente, da vermisse ich mein altes Ich. Die entspannten Stunden im Fitnessstudio mit anschließendem Sauna-Besuch. Das Ausgehen am Abend, das Tanzen in Clubs. Das unbeschwerte Ausbleiben bis irgendwann am Morgen, weil man tags darauf sowieso ausschlafen kann. Überhaupt diese Leichtigkeit und Unbekümmertheit.

Mutterglück heißt auch: Auszeiten nehmen! Ich kann das genießen

Diese Gefühle sind weg, sobald man Mama wird. Zumindest war’s bei mir so. Jetzt mache ich mir ständig Gedanken und Sorgen. Isst sie genug? Entwickelt sie sich richtig? Muss ich sie mehr fördern? Sollte sie abends früher ins Bett? Geht’s ihr eh gut? Apropos, wenn ich aus der Wanne raus bin, muss ich kurz daheim anrufen, denke ich mir, als plötzlich mein Handy-Wecker klingelt. „Massage“, steht auf meinem Display.

Ich steige aus der Wanne, schlüpfe in den Bademantel und suche den Spa-Bereich. Der ist noch einmal eine andere Liga. Vielleicht bin ich in der Zwischenzeit auch gestorben und im Paradies gelandet. Die Möglichkeit besteht, weil das, was sich mir hier offenbart, so himmlisch ist: So viel angenehme Ruhe und Komfort-Liegen, wo sich schon beim Hinschauen alles entspannt. Und dann die Massage …

Erst jetzt merke ich, wie verspannt ich eigentlich bin. Vom vielen Herumtragen, Herumkriechen und Bücken. Jeder Griff setzt Glückshormone frei und dann passiert etwas Seltsames: Die ganze Behandlung über denke ich nicht an Zuhause. Keine einzige Sekunde. Und ich habe kein schlechtes Gewissen dabei. Ich atme, meditiere, genieße. 45 Minuten nur ich. Auch das ist Mutterglück.

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5 comments

  1. Auch ich lese hier nur den positiven Vibe raus und freue mich mit der Mama, die soviel Energie und Freude aus diesem Trip mitnimmt. Kann ich total gönnen (jeder Mama und jedem Papa ebenso).

  2. Auch wenn garantiert eine Menge Planung und Gedankenkarussell vorangeht… Ich finde es wichtig und richtig, sich Selbstfürsorge zu gönnen. Bei mir wars die Mutter-Kind-Kur, vielleicht nicht gaaanz so entspannt wie zuvor erhofft, aber immerhin drei Wochen ohne Putzen, Einkaufen, Kochen und Aufwaschen. Eine Auszeit wie hier bei Katharina ganz ohne Familienanhang klingt schon super entspannt und sicher kann sie noch lange davon zehren.

  3. Ach was ;)…es klingt traumhaft…es ist eine mentale Auszeit, die brauchen wir ALLE ab&an. Dieser Schritt ist auch einer zuverlässigen Partnerschaft zu verdanken und dem liebevollen Verständnis untereinander auf Augenhöhe. Kopf aus und auf sich hören ~ rechtzeitig, das ist einfach nur Selbstliebe. Sehr gute Erzählung, könnte aus „Hühnersuppe für die Seele“ sein….

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