Corona-Blues: Ich merke, wie mich dieses Jahr verändert…

Ich habe davon geträumt. Wir waren aus, erst beim Italiener, wir saßen alle an einem großen Holztisch. Pasta dampfte vor uns, mehrere Weinflaschen geöffnet. Wir mussten uns vorbeugen, um uns zu verstehen. Musik, so viele Stimmen, Kerzenlicht, Lachen. Danach sind wir noch in eine Bar, es war schon hell, als wir ein Taxi gerufen haben. In den Klamotten hing Rauch und Leben. Die Füße taten weh, wir hatten dieses Grinsen auf den Lippen.

Dann bin ich aufgewacht und war traurig. Richtig traurig. Ich sah, wie es draußen heller wurde, aber ich fühlte mich nicht leichter.

Es fehlt mir. Ihr, meine Freunde, ihr fehlt mir. Die Unbeschwertheit, die Leichtigkeit, die Geselligkeit. Seit März kein Kino, kein Theater, kein Konzert, nur eine Handvoll Restaurantbesuche im Sommer, als man noch draußen sitzen konnte.

Zwei Wochenend-Trips abgesagt, die Taufe meiner Nichte auch. Nun stehen bei uns drei Kindergeburtstage an, wahrscheinlich darf nur ein Gast kommen.

Ich bin im letzten Jahr so viel spazieren gegangen wie nie zuvor. Das ist schön, wirklich. Aber ich habe das Gefühl, ich bin jetzt genug gelaufen.

Ich bin müde von den immer gleichen Tagen. Ohne große Highlights. Ich merke, dass dieses Jahr lang wird. Und dass ich mich verändere. Ich habe keine Lust mehr auf Zoom-Meetings mit meinen Freunden. Und ich habe auch keine Lust mehr, mit ihnen zu telefonieren. Also ziehe ich mich zurück. Aber ich vermisse sie doch so. Ich vermisse die alte Normalität.

Ich hoffe, dass umarmen, drücken, tanzen, gemeinsam lachen, zusammen sitzen, sich eine Bierflasche teilen, busseln, sich in Bars quetschen – dass das bald wieder möglich ist. Es ist nicht lebensnotwendig, ich weiß, aber es macht das Leben so viel bunter und fröhlicher.



14 comments

  1. Hier bei uns in Italien war der Lockdown noch krasser und ab 5. März hatten alle Schulen zu. Bis in den September hinein. Die Zeit hat mich extrem mitgenommen und schleichend wuchs mir alles über den Kopf, bis ich zwei Wochen nichts mehr gegessen habe und mit Panikattacken und einer schweren Depression in die Klinik musste. Hart habe ich mich ins Leben zurück gekämpft und möchte nun Mütter dafür sensibilisieren, sich selbst und ihre Bedürfnisse nicht immer hinten anzustellen. Ich blogge auf dem kleinen Südtiroler Familienblog „Natürlich glücklich“. Und ich würde mich freuen, wenn ich vielleicht einen Gastbeitrag für euch zu diesem Thema schreiben könnte.

  2. Mich hat Corona ganz persönlich wenig tangiert bisher. Ich bin mit meinem 17 Monate alten Sohn, der noch nicht fremdbetreut wird, in Elternzeit zu Hause, somit war mein Alltag mit Corona nicht sehr viel anders, als er es ohne gewesen wäre.
    Mir geht es mehr so, dass ich die Unbeschwertheit vermisse, als dass ich unter ganz unmittelbaren Beeinträchtigungen leide. In einem bis auf den letzten Platz besetzten Kino zu sitzen und einen tollen Film zu sehen, das scheint hundert Jahre her zu sein. Auch habe ich sehr viel Mitgefühl mit allen, die ihr Geld in der Gastronomie, Kulturszene etc. verdienen.
    Ich denke aber auch an die Angehörigen derjenigen Personen, die an Corona verstorben sind. Es ist seltsam, aber in all den Millionen Medienberichten zum Thema Corona kommen sie fast gar nicht vor. Es sind viele Ältere verstorben, d.h. viele haben Eltern oder Großeltern verloren. Aber auch jüngere waren/sind unter den Toten. Meine Nachbarin erzählte mir vor einigen Tagen vom 21-jährigen Sohn ihrer Arbeitskollegin, der an Corona verstorben ist. Junger fitter Kerl, keine Vorerkrankungen.
    Mir hilft es, mir vor Augen zu führen, wie NICHT selbstverständlich es ist, dass in meinem Bekanntenkreis noch niemand ernsthaft daran erkrankt oder gar gestorben ist.

  3. Ich hab die Corona-Zeit bisher echt tapfer durchgehalten mit 3 1/2 Monaten mit Kind daheim plus HomeOffice. Und in der zweiten Welle nun auch wie meine Vorrednerin als Gymnasiallehrerin mit momentan uferlosen Kontakten im Job…
    Aber als ich jetzt alleine mit meiner Tochter (4) um den Block gezogen bin mit Martinslaterne und wir zu zweit versucht haben, Lieder zu singen, da sind mir dann doch die Tränen gekullert.
    I feel you :-*

  4. Mir hat das Leben sehr nachhaltig beigebracht, auf das zu schauen, was ich HABE und nicht auf das zu schauen, was mir fehlt.
    Das heißt nicht, dass ich nicht auch Tiefs habe und mir alles reicht, natürlich gibt es solche Momente, die muss es auch geben dürfen, man muss auch mal rausbrüllen dürfen, dass alles sch…. ist. Danach geht es dann aber in aller Regel wieder.
    Und ich weigere mich darüber nachzudenken, wie der Mann und ich unseren 20. Hochzeitstag nächste Woche in „normalen“ Zeiten gefeiert hätten oder das Kind seinen 14. Geburtstag nächste Woche oder wie die Kreuzfahrt gewesen wäre, die wir stornieren mussten. Es ist nicht. Ende, es geht nicht anders.
    Wir sind im persönlichen Lockdown mit schwer chronisch krankem Kind. Erst stationärer Krankenhausaufenthalt Ende Oktober (besonders toll in Coronazeiten), danach Quarantäne vom Kind nach 1,5 Schultagen und nun… kein Präsenzunterricht mehr für das Kind, geht wegen der Grunderkrankung und der Infektionszahlen nicht. Also habe ich ein eigentlich gesundes Kind zu Hause, das zu seinen Freunden will und nicht darf, mache Homeschooling, bin beruflich selbständig, mache den Haushalt, versuche die Stimmung aufrecht zu erhalten und ja, mir reicht es.
    Und dennoch: niemand ist infiziert, wir haben keine finanziellen Ängste und Sorgen und alles andere kommt schon wieder, es bleibt ja nicht für imme so!

  5. Ach, ich verstehe dich 🙁 dabei ist es bei mir doch so anders: Ich bin Gymnasiallehrerin, habe jede Wochen mit 12 Klassen a 30 Kindern zu kämpfen. Dazu der Kollegenkontakt. Ich habe es Gefühl, Corona existiert nicht, kein Schutz möglich, alles läuft normal..und dann komme ich nach Hause, und nachdem ich den ganzen Tag mit 100ten Menschen in engen Räumen zusammen war, darf ich nun weder in den Zoo, zum Sport oder den 3. Geburtstag meines Sohnes feiern…obwohl das alles unter freien Himmel wäre. Es ist so absurd für mich…arbeiten mit so dermaßen hohen Infektionsrisiko muss ich gehen, Freude im Leben mit anderen Menschen darf ich aber nicht mehr haben. Mein Highlight diese Woche: Nach dem Unterricht habe ich mit 2 Kollegen und Masken und Mindestabstand neben der Schule im Freien gestanden und über den letzten Unterrichtsbesuch geredet, als wir vom Ordnungsamt verwarnt wurden, weil wir die Kontaktbeschränkungen nicht einhalten. Ja moin, Deutschland 2020 mit einem Coronavirus, der erst außerhalb der Schule infektiös wird…

    1. Hallo Mari, ja so gehts mir auch, auch wenn ich in einer Bank tätig bin, bei uns ist keine Zielvorgabe gefallen. Wir hatten durchgängig geöffnet, im ersten Lockdown damit Menschen an ihr Geld kommen und da schlug uns das Unverständnis entgegen, warum wir keine Sparbücher nachtragen oder Geldanlageberatung vor Ort durchführen. Seit dieser rum ist, geht es im doppelten Tempo weiter, ich soll auch eigentlich jetzt aktiv Leute einladen. Am Nachmittag dann mit der Familie gelten alle Einschränkungen. Kaum Freunde treffen, keine Freizeiteinrichtungen, auch nicht die im Freien, haben geöffnet. Vielleicht sollte ich mich mit Freundinnen vormittags im Büro treffen, denn da ist es ja nicht da das Virus! Obwohl fairerweise muss ich sagen, dass wir mit Maske beraten, anstrengend, aber für mich schon ein viel besseres Gefühl, allerdings habe ich immer wieder Kunden, die diese absetzen, unter die Nase ziehen etc… da muss ich dann schon sehr bestimmt darauf hinweisen, dass wir uns gegenseitig schützen müssen! Ich denke diese zwiespältigen Gefühle durchleben gerade alle, die mit Menschen arbeiten. Auf der Arbeit weitestgehende Normalität, viel Kontakt aber nach Feierabend ist viel verboten. Mich beunruhigt dabei auch sehr, dass die Zahlen kaum sinken.

    2. Liebe Mari!

      An dieser Stelle möchte ich mich bei euch Lehrern bedanken! Ihr steht an vorderster Front und geb immer noch euer Bestes!

      Einen ganz lieben Dank an die Klassenlehrerin meiner Töchter. Die trotz dieser Krise jedes Kind im Blick hat und so super lieb zu den Kleinen ist.

      Tausend Dank auch an alle Lehrer am Gymnasium meiner Söhne. Immer ein offenes Ohr und versuchen das Unmögliche möglich zu machen.

      Und beide Schulen sind digital top aufgestellt. Und das in zwei kleinen ländlichen Orten, weit weg von der nächsten Großstadt.

      Das hilft einen dabei, nicht ganz so arg depressiv wegen Corona zu werden.

      LG

  6. Ich finde ja immer, dass wir trotzdem auf recht hohem Niveau jammern…aber jammern muss ich trotzdem auch mal! Ich versteh dich total! Mir stinkt‘s!!! Meine Kinder sind jetzt alt genug, dass man langsam die interessanten Sachen zum ersten Mal unternehmen könnte…Museum,(mit allen) ins Hallenbad, Schlittschuh laufen etc….Sie bleiben jetzt auch problemlos über Nacht bei Oma&Opa…in meinem Kopf haben schon tolle kleine Wochenendtrips mit meinem Mann oder Freundinnen stattgefunden und ich war auch wieder in Konzerten und im Theater… Haha! Stattdessen gehen wir wandern und fahren Fahrrad und treffen uns mit Freunden in der Hofeinfahrt in der Winterjacke und trinken Glühwein! Das ist super-aber mir stinkt‘s!!!

  7. Ja, dieses Jahr verändert-aber mir geht es dabei genau anders: ich bin endlich zur Ruhe gekommen. Wir mussten drei Urlaube, eine Familienfreizeit und mehrere Wochenend-Trips absagen. Wir sind trotzdem in den Urlaub gefahren, aber zu ruhigen Orten.
    An der Arbeit wurden alle Zielvorgaben fallen gelassen. Endlich Zeit für ruhige und konzentrierte Arbeit. Dazu die Erkenntnis, dass unser Chef in Krisensituationen voll hinter den Mitarbeitern steht: zehn Tage Sonderurlaub für alle Eltern mit Kindern unter 12, einen Belohnungsurlaubstag für alle Mitarbeiter plus eine Sonderzahlung.
    Privat ist ganz viel frei geworden: ich bin ehrenamtlich in einem Brauchtumsverein tätig, singe im Chor, engagiere mich in der Kirchengemeinde, zusätzlich noch in drei weiteren Vereinen, einmal Vorsitzende, oft im Vorstand. Plus in einigen Gremien der Kleinstadt.Das bedeutete fast täglich einen Termin neben Familie und Beruf am Abend.
    Daneben ein rühriger Freundeskreis, jedes Wochenende Einladungen, essen gehen.
    Und plötzlich Ruhe….Es ist so phantastisch, dass ich mich dabei ertappte, wie ich sorgenvoll darüber nachdachte, wie es wird, wenn wieder alles los geht.
    Es kommt immer mehr die Erkenntnis, dass ich in einigen Bereichen nicht mehr so aktiv sein werde. Im Spätsommer wurde eine Erkrankung unseres Sohnes offenbar. Die Diagnostik war zwar viel mühseliger durch coronabedingte Einschränkungen, aber wir konnten uns als Familie viel intensiver kümmern und ihn z.B. durch tägliches !! Schwimmen gehen von seinen Sorgen ablenken.

    Und was ich persönlich genieße: unser Haus ist frei von Spielkameraden der Kinder. Wir werden nicht jeden Nachmittag und das ganze Wochenende von spontanen Besuchern für die Kinder und uns Eltern belagert.
    Für die Kinder ist das nicht so schön, sie waren alles spontan gewohnt.
    Noch ist Corona nicht überstanden. Und die große Sorge vor Ansteckung der Familie ist da.
    Ich freue mich auf das Ende der Sorge, aber nicht auf die dann erneut beginnende Beschleunigung. Ich werde nach Corona nicht mehr in den alten Trott fallen.

    1. @Mareike

      Aber die Hast ist Alltag ohne Corona ist doch zu einen großem Teil eine eigene Entscheidung. Was ich an deinem Kommentar herauslese ist, dass ihr euch viel Lärm antut, der nicht sein muss. Ich drücke die Daumen, dass nach der schweren Coronazeit weniger Eile vorhanden ist, denn es liest sich so, dass du eine gewisse Ruhe doch genießt.

  8. Liebe Katharina,
    ich komme gerade aus einem Zoom-Meeting mit ein paar Mutti-Freundinnen und wir haben uns sehr schwer getan, ein anderes Thema als Corona zu finden…
    Ich kann das so gut nachvollziehen, was du schreibst und vermisse es auch sehr meine Freunde zu umarmen, tanzen zu gehen und in diesen Tagen als Rheinländerin natürlich auch den Karneval.
    Viele Grüße
    Maria

  9. Liebe Katharina, mir geht es auch so. Ich bin froh, wir sind gesund und munter, uns geht es gut, die Kids gesund und in Betreuung …. und dennoch wir vermissen Abende mit Freunden, Laterne gehen und singen mit Kindern… wir sind die ewig gleichen Fahrradtouren leid 🙁 Sorgenvoll schaue ich auf die doch sonst so zauberhafte Weihnachtszeit und hoffe sehr, wir können sie irgendwie genießen.
    Haltet durch… viel Kraft!

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