Zoom-Party: Warum ich für Video-Konferenzen nicht gemacht bin

Videokonferenz

Foto: pixabay

„Komm, lass uns ne Zoom-Party veranstalten“, hieß es am Anfang der Pandemie noch so oft. Mitten in der ersten Welle. Und ich immer so: Och, nöööö. Mittlerweile ist der Hype etwas abgeflacht, vermutlich, weil einfach viel zu viele Videokonferenzen unseren Alltag bestimmen. Privat und nach Feierabend dann auch noch vor dem Rechner hocken? Muss ja nicht sein. So jedenfalls nahm ich das in der zweiten Welle wahr.

Nun sitzen wir mitten in der dritten Welle. Und ich hab das Gefühl: Das kommt jetzt wieder mit den Videokonferenzen. Weil wir uns eben auch nach über einem Jahr noch nicht so wirklich in echt treffen dürfen oder wollen. Und weil wir jetzt das Gefühl haben, uns in dieser Pandemie einrichten zu müssen, nicht mehr zu warten, bis alles vorbei ist, sondern den Zustand akzeptieren und damit umgehen müssen. Weil niemand weiß, ob, wie, wann das hier wieder normaler wird in unserem Leben.

Ich bin für Zoom-Konferenzen einfach nicht gemacht

Ich habe aber ein Problem mit Zoom (oder Teams oder wie sie alle heißen). Ich weiß überhaupt nicht wieso, aber diese Scheibe zwischen mir und meinen Freunden, dieses Sich-Nicht-Wirklich-Gegenübersitzen, nicht drücken können, nicht die Gesichtszüge des anderen Eins zu Eins lesen zu können, das ist für mich einfach NULL vergleichbar mit einem echten Treffen.  

By the way: Einer unserer reichweitenstärksten Posts auf Instagram ist übrigens kein hübsches Bildchen von einem liebevollen gedeckten Frühstückstisch, sondern der Screenshot eines Chatverlaufs zwischen Katharina und mir. Darin schreiben wir uns: „Ist das morgen mit Video?“ „Ja 🙄🙄🙄.“ „Oh. Dann duschen 😉.“ „Ich hasse das mit Video.“ „Ich auch.“ „Ääätzend – ich seh immer nur, wie scheiße ich ausseh und kann mich gar nicht mehr aufs Gespräch konzentrieren.“

Online-Journalistinnen mit Video-Schwäche

Nun würde man ja meinen, wir Zwei, Katharina und ich, die hier im Digitalen ihre berufliche Heimat gefunden haben, müssten das doch irgendwie akzeptieren, damit klarkommen. Aber nein, das tun wir einfach nicht.

Ich hatte genau zwei private Zoom-Konferenzen an Abenden seit Beginn der Pandemie. Das eine Mal war es der Ehemann einer Freundin, der sie zum 40. mit einer Leinwand überraschen wollte, auf der alle ihre Liebsten für sie Happy Birthday sangen. Das war tatsächlich ganz schön, weil es eben nicht anders ging. Aber nach einer Stunde kann ich dann einfach nicht mehr. Ich fühle mich beobachtet, unbeteiligt, nicht als Teil des Ganzen, versuche die ganze Zeit kein doofes Gesicht zu machen. Mich lenkt das ab, mich strengt das an.

Nun hab ich mich aber trotzdem nochmal drauf eingelassen, wir wollten das Buch-Erscheinen einer Freundin und Journalistenkollegin feiern, wenigstens mal kurz anstoßen. Ich hab mich den ganzen Tag drauf gefreut. Hab mir Snacks zurechtgestellt, ne Erinnerung ins Handy gepackt. Aber man ist ja schon vorher angespannt, ob das technisch alles so hinhaut. Ob unser Land-WLAN funktioniert. Ob ich das hinkrieg als Host (ja, ich Technik-Genie, es war mein erstes Mal als Host, weil ich durch die Kids die App auf dem Handy hab).

Video-Telefonie: Wie sitzt man denn vernünftig?

Und dann geht´s los. Man sieht erstmal immer nur sich selbst. Oder nur eine Person, dabei wollten wir doch zu dritt zusammensitzen. Du wischst wild auf dem Handy rum, statt mal fröhlich Hallo zu sagen. Dann ist es zu laut, dann leise, dann muss der Kopfhörer ab, weil du was trinken willst, dann hörst du wieder plötzlich nichts und dann weiß man ja auch gar nicht, wie man sitzen soll! Wie man das Handy hält, damit man nicht gleich von unten aufs Doppelkinn filmt.

Dazu die wirklich essentiellen Fragen: Beine anwinkeln, liegen, Hocke, Schneidersitz? Und dann finde ich es auch wahnsinnig schwierig, einander nicht dauernd ins Wort zu fallen. Am Ende sag ich dann viel weniger als im echten Leben und bin danach vollkommen geschlaucht. Welcome to my life, ich häng zwar viel am Rechner, aber irgendwie bin ich dann doch kein Nerd 😉

Lieber Live-Partys als Bildschirm-Distanz

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich will meine Freunde lieber live sehen als mit Spuckschutz oder Bildschirm dazwischen. Ich fühl mich überfordert von dem Zwischending und werde es wohl in Zukunft wieder so machen, wie die vierte Freundin, die eigentlich noch zu unserer Booklaunch-Zoomparty dazukommen sollte. Sie meinte: Seid mir nicht böse, aber wenn ich auch noch privat zoome, machts bald Zoom in meinem Kopf.

Vielleicht greifen wir bald einfach mal wieder zum Hörer und telefonieren ganz oldschoolig miteinander. Ohne Bild und einfach mit Worten. Jedenfalls so lange uns die Live-Alternative fehlt… 😉 Denn die vermisse ich wirklich arg. Sobald DIE wieder drin ist, macht´s dann wohl wirklich Zoom. Aber nicht am Bildschirm – sondern im Herzen (und in den Beinen, denn ich brauche mal wieder TANZ!)

P.S. Meinen beiden Gesprächspartnerinnen scheint es nicht so zu gehen. Sie haben insgesamt 5 Stunden Zoom geschafft, während ich mich nach zweien ausgeklinkt hatte, um die Kids ins Bett zu bringen 😉

Du magst vielleicht auch


Mehr zum Thema





8 comments

  1. Ich finde auch: Zoom ist ok für Meetings um berufliche Dinge zu besprechen oder vielleicht auch, um mal kurz private Dinge auszutauschen. Aber mit gemeinsam feiern hat das nichts zu tun.

    Einladungen zu „Zoom-Partys“ lehne ich auch grundsätzlich dankend ab. Da besuche ich die Leute lieber nacheinander einzeln in ihren jeweiligen Haushalten oder man trifft sich halt draußen auf einen Spaziergang.

    Ich gebe mir auch keine „Zoom-Konzerte“ und sowas. Überflüssig und öde.

  2. Tatsächlich kann ich das gut verstehen. Unsere Geburtstagslieder singen, ist immer zeitversetzt, also ein echtes grauen. Andererseits freut es mich dennoch meine Freundinnen mal zu sehen und nicht nur zu hören. Uns ist es auch egal wie wir aussehen, da sitzen, was wir anhaben, ob eins unserer Kinder gerade Aufmerksamkeit will oder was auch immer. Wir sind einfach froh uns zu sehen. Das wäre auch in real life alles nebensächlich. Es wird dann kein stundenlanges Gespräch, aber immerhin besser als nichts.
    Und auch beruflich haben wir jetzt ein 14 tätiges Kaffeetrinken eingerichtet. Ich bin gerade in elternzeit und sehr froh so immer mal alle zu hören und zu sehen und auch mal mein Baby zeigen zu können. Normalerweise würde ich sonst immer mal im Büro reinschneien. Auch die kolleg*innen freuen sich über den Kaffeeklatsch, der aufgrund von homeoffice endlich mal wieder ein bisschen privat quatschen können.
    Ja, es ist nicht so schön und auch viel anstrengender als in einer persönlichen Runde, aber immerhin eine gute Alternative und ich freue mich wenigstens das zu haben.

  3. Ich treffe meine Freundinnen zwar auch lieber in echt, aber da ich vor vier Jahren aus meiner Heimatstadt weggezogen bin, freue ich mich, dass ich momentan bei den abendlichen Weinrunden dabei sein kann, ohne dass ich es um Job und Kind mit 1,5 Stunden Autofahrt versuche zu planen, um es am Ende eher bleiben zu lassen, da 5 Uhr aufstehen und dann noch fast 2 Stunden zur Arbeit fahren, mich dann doch abschrecken.

  4. Hi hi, ertappt. Ich habe Zoom nur ein einziges Mal genutzt, als Teilnehmerin an einer virtuellen Geburtstagsparty. Geredet habe ich nicht viel, dafür aber die ganze Zeit versucht, möglichst „fröhlich“ in die Runde zu schauen. Parallel dazu habe ich mich geärgert, dass unser Arbeitszimmer auf dem Bildschirm so rumpelig rüberkam.
    Definitiv nicht meine Tasse Tee!
    Zum Glück ist Homeoffice bzw. überwiegende PC-Arbeit in meinem beruflichen Bereich nicht möglich.

  5. Ich kann das gut nachvollziehen. Zoom suggeriert eine Präsenz, die von der Realität nicht abgedeckt ist. Das ist beim old-school-mäßigen Telefonieren anders, weshalb es mir lieber ist. Ich denke, bei Zoom spielt auch noch mit, daß man versucht das zu ergänzen, was real nicht an Wahrnehmungsmöglichkeit da ist. Deswegen ist es so anstrengend. Ganz ähnlich wie die Situation, wenn im Bus jemand telefoniert hört man nur seine Beiträge und nicht die des Gegenübers. Deshalb strengt das Mithören müssen mehr an als wenn sich zwei oder mehrere unterhalten.

  6. Oh ja, mir gehts genau so! Da renne ich lieber mit einer Freundin draußen in der Kälte rum, als Videokonferenzen zu machen. Ich habe mir dieses Jahr dafür extra so einen langen dicken Steppmantel gekauft. Klappt allerdings leider auch nur mit den Freunden vor Ort! Mit den anderen bleibt nur telefonieren…

  7. Ich kann dich gut verstehen, mir geht es genauso. Ich fühle mich auch beobachtet, weiß nicht wohin mit mir, rede viel weniger. Ich empfinde es auch einfach als anstrengend. Da verzichte ich lieber drauf und schicke mir mit meinen Freunden und befreundeten Mamas Sprachnachrichten hin und her 😉

  8. Liebe Lisa, ich bin selten deiner Meinung und hab dich hier schon oft kritisiert:)
    Aber den Text finde ich super! Mir geht’s ziemlich genau so:)
    Liebe Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.