Homeschooling 2021: Tag 1 in NRW. Warum ist das eigentlich so anstrengend? Ein Protokoll

Nach einer mehr als unruhigen Nacht weckt mich der Wecker viel zu früh für mein Befinden. Aber muss ja, es geht wieder los mit dem Homeschooling-while-working-Wahnsinn (kurz: HWWW).

Bei der Großen im Zimmer brennt schon Licht, es ist 7 Uhr. Wir frühstücken kurz. Um 7.50h muss sie in der ersten Zoom-Konferenz sitzen. Ich trinke einen ersten Kaffee. Der Papa verabschiedet sich zur Arbeit.

Ich verschaff mir einen Überblick über mein Postfach und redigiere einen Text. Nur das Nötigste. Dann wecke ich die zwei weiteren Kinder um 7.30 Uhr. Sie haben heute in der ersten Stunde noch keine Zoomkonferenz.

Während des Weckens kommt aus dem Nachbarzimmer bereits eine Nachfrage in Französisch. Für die Beantwortung muss ich einen ganzen Text über die Besetzung Frankreichs auf Französisch lesen. Ich habe noch nichts gegessen. Mit Klärung der Aufgabe gehe ich runter.

Ich bereite den Jungs einen Kakao zu. Wir schauen gemeinsam ins Padlet. In zehn verschiedenen Fächern gibt es neues Material und Ansprachen und Wochenpläne und Abgabefristen und Zoom- oder Teams-Termine. Ich versuche, einen Wochenplan zu erstellen und zu durchschauen, wann wer wie vor welchem Computer sitzen muss und werde unterbrochen. „Ich habe solchen Hunger!“ Stimmt. Frühstück gab´s ja auch noch keins. Ich muss jetzt aber nochmal in Erdkunde helfen. Auf Englisch. Es geht um CO2-Emissionen und climate change.

Die nächsten Kinder machen sich an die Arbeit. „WAS HEISST SCHLITTEN FAHREN AUF ENGLISCH?“ „Warte kurz, ich räum noch schnell die Müslischüsseln vom Tisch und dann fragst du nochmal freundlich…“

Eine Freundin, Vierfachmama mit Gymnasium, Gesamtschule, Grundschule und Kitakind schreibt: „Hier ist es echt eine Katastrophe. Musste schon morgens vor 9h Playstation- und Handyverbot aussprechen, weil das Kind dem Lehrer erzählte, die Kamera sei kaputt, damit es nebenher Tiktok schauen kann.“

„MAAAMAAA, kannst du mir hier nochmal helfen, das Padlet lädt nicht.“ Ja, wartet, tüüütatataaaa, hier kommt die IT-Spezial-Einheit.

„Wo ist denn meine Bio-Mappe, ich hab schon überall gesucht?“ Also suchen helfen. Zwei DIN A 5-Hefte fehlen auch noch. Okay, kaufen wir nachher. „Wir müssen auch noch ein Puppenhaus basteln. Da brauch ich Material.“ Eins nach dem anderen.

Eine Freundin schreibt: „Ich bin kurz vor einer neuen Homeschooling Explosion! Ich mach´s einfach nicht mehr! So ein Scheiss, ey!“

„Ich hab IMMER noch totaaaaal Hunger“ Drei Teenies in einem Haushalt. Nimm dir halt was.

Das Telefon schellt, ich muss kurz rangehen, es geht um einen Text. Ich verziehe mich in mein Schlafzimmer, weil alle anderen Zimmer besetzt sind. Die Verbindung ist da oben schlecht. Ich höre mich selbst. Von unten schreit es Maaaaamaaaaaa.

„Ja, was denn?“

„Darf ich mir was vom gestrigen Abendessen nehmen?“

Gnaaaaah. Ich gehe wieder runter, ich muss den Zahnarzt sprechen, dem Jüngsten ist am Wochenende ein Stück Zahnrausgebrochen. „Nee, da kann er nicht, da hat er eine Teams-Konferenz.“ Ich, die Bürovordame. Morgen also auch noch Zahnarzt. Ach, und die Brille ist ja weg. Optiker anrufen. Der sagt, wir brauchen erst einen Termin beim Augenarzt. Der hat aber erst morgen wieder Sprechstunde. Es ist noch nicht mal 11 Uhr. Ich habe noch nichts gegessen und noch keine Minute Frischluft gehabt.

Das Digital-Arbeitsblatt lädt nicht. Ich drucke pdfs aus, der Drucker läuft heiß. Wo ist neues Papier?

Wir diskutieren jetzt über Hühnerhaltung für Bio. Ich muss noch eine Kolumne schreiben. Ich schreibe. Schicke ab. Katharina ruft an, dass sie zu dem Thema doch bereits geschrieben hat, ich müsste ein anderes nehmen. Umsonst gearbeitet in meinem Mini-Timeslot, freigekauft durch Playstationminuten. Ich breche zum ersten Mal zusammen.

Eine Freundin schreibt: „Ich bin kurz vorm Kollaps.“ Wenigstens geht es allen so, denke ich.

„Hast du das Blatt nicht zweimal ausgedruckt?“ DOCH! Aber ich druck es auch noch ein drittes Mal aus. Gleich braucht es auch schon wieder Mittagessen.

Überall liegen Blätter. Ich krieg immer mehr Mails. Ich will antworten. Meine Mutter ruft an. Der Schornsteinfeger muss nochmal kommen. Bitte Speicher freiräumen. Warum denn heute? Ich kann jetzt schon nicht mehr.

Die Tochter ruft, wir sollten alle ausm WLAN raus, ihre Videokonferenzen ruckeln. Alles notenrelevant jetzt im erneuten Lockdown. Sie vermisst ihre Freunde. Immerhin befinden wir uns bereits seit November im Lockdown. Ich versuche, zu trösten, aufzubauen. Ich will ja selbst auf den Arm. Jetzt muss sie etwas als Word-Dokument hochladen. Sie hat kein Word. Wir müssen gemeinsam eine Probeversion mit lauter Kennworten einrichten.

Ich muss noch einen Vortrag vorbereiten für morgen Abend. Anderthalb Stunden Reden, wann soll ich das zusammenschreiben? Ich räum die Spülmaschine aus. Ich hab das Gefühl alles anzufangen, aber nichts zu schaffen. Der Berg der To dos wird größer und mich bis zum Ende der Woche zerquetschen.

Die Stimmung kippt, die Geschwister brüllen sich an. Alle sind überfordert. Alles ist wieder einmal neu. Die Fußballtrainer schreiben, jeder aus der Mannschaft müsste heut nachweislich 4 Kilometer auf Zeit laufen. Also keine neue Brille heut Nachmittag.

 Ich hänge in einer Warteschleife am Telefon. 19,5 Minuten lang, bis ich eine Bestellung stornieren kann.

Ich habe noch keinen einzigen Hauch Frischluft geatmet. Das große Kind hat bis 15.40 Uhr Videokonferenzen. Der Mann kommt wieder und blutet. Hatte einen Haut-Eingriff beim Arzt, muss liegen. Ich schicke die Jungs raus zu ihrem Fitnesslauf. Ich schreibe diesen Text.

Mein Arbeitstag beginnt um 17 Uhr nach einem Tag, der sich jetzt schon wie dreimal Vollzeitarbeiten anfühlte. Ich bin kaputt. Ich werde arbeiten, bis in die Nacht hinein. Das mit der Frischluft wird heut nix mehr.

P.S. Bitte kommentiert behutsam, wir können Pauschalurteile nicht mehr gut hören. Wenn hier auch nur einer oder eine schreibt, WIR HÄTTEN KEINE KINDER KRIEGEN SOLLEN, WENN WIR DARAUF KEINEN BOCK HABEN, dann titschen wir wirklich im Dreieck. Wir LIEBEN unsere Kinder und würden sie jeden Tag aufs Neue bekommen. Aber wir Eltern brauchen Geld, um sie zu ernähren (welch Überraschung!), wir können unser Arbeiten in weltweiten Pandemiephasen mit Homeschooling nicht einfach einstellen. Wäre das immer so, dass wir die Kinder zu Hause unterrrichteten, hätten wir sicherlich einiges anders geplant. So aber kracht das alles in einen sonst ganz anders getakteten Alltag. Das führt uns aber nicht dazu, unser Kinderkriegen zu bereuen, sondern laut zu werden gegen die Umstände, unter denen wir sie hier großziehen sollen. Wir lieben nämlich Kinder. Und wollen das Beste für sie. Obwohl uns die Umstände grad restlos überfordern.

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68 comments

  1. Vielen, vielen Dank für deinen Beitrag! Genauso ist dieser Wahnsinn. Du sprichst mir so aus der Seele. Mein Mann und ich haben heute schon https://www.stadtlandmama.de/content/die-typische-corona-woche-ein-stimmungsschwank-in-mehreren-akten
    und https://www.stadtlandmama.de/content/homeschooling-my-ass-warum-es-nicht-moeglich-ist-800-jobs-gleichzeitig-zu-uebernehmen von dir gelesen und waren endlich nicht mehr allein, sondern fühlten die Gemeinsamkeit zu dir und ca. 20-30 anderen die ebenso
    gepostett haben.
    Ich glaube, die Politiker können das wirklich nur mit uns Eltern machen, weil wir täglich lernen unsere Bedürfnisse zugunsten der Kinder hint an zu stellen und weil Eltern es gewohnt sind, sich für andere einzusetzen.
    Gerade weil es in einer Pandemie auch um Existenznöte, schwere Erkrankung in einer Familie, Risikogruppen usw. geht, ist es noch weniger verständlich wie Staat/Schule uns Eltern so ausbeuten, versklaven, terrorisieren und krank machen muss, indem kein Schulstoff reduziert und der Krisensituation angepasst wird, einfach Eltern als Lehrer eingesetzt werden und dabei mehrfach geknebelt werden: A der Staat sagt es ist Schulpflicht und das ist genau der Schulstoff den der Staat vorgibt und B der Staat kümmert sich nicht mehr um die Stoffvermittlung, nicht mehr um die Unterrichtsvorgabe, nicht mehr um die zur Verfügung Stellung der Rahmenbedingungen, wie Klassenzimmer und Hingelangen zum Schulort und sagt jetzt C das macht ihr Mamas und Papas jetzt gefälligst.

    Ich versteh das einfach nicht. Warum kann das mit uns gemacht werden? Es geht ja nicht darum, dass wir nicht mehr unsere Kinder betreuen, es geht vielmehr darum, dass wir vom Staat zu einem unbezahlten 30 Wstd. Job eingeteilt wurden un einem Tätigkeitsfeld (Lehrer), das wir gar nicht wollen. Wo gibt es denn so etwas? Betriebe und Fabriken wurden geschlossen und der Staat versuchte die Arbeitslosen in die Pflege zu bekommen und 95% weigerten sich, da sie sagten: wir wollten diese Tätigkeit nie, wollen das auch nicht lernen müssen und/ oder möchten die schlechte Bezahlung nicht.

    Die verrückten braven Mamas und Papas dieser Welt, die man wegen ihrer Herzen und Sorgen für ihre Kinder in der Hand hat, machen aber genau das brav mit: ein neuer Job, den sie nie wollten, mit einem miesen Chef (oft strenge Vorgaben der Schule), mit nicht nur schlechter, sondern gar keiner Bezahlung und riskieren dafür die bezahlte Arbeit, psychische und physische Gesundheit und die Beziehung zu ihren Kindern/ Partnern.

    Das ist so absurd. Wir reden da überhaupt nicht davon, ob wir Verantwortung für unsere Kinder übernehmen und uns um unsere Kinder kümmern. Natürlich ist auch das oft kaum möglich mit Arbeit sich um ein Kleinkind zu kümmern, aber diese Homeschooling Sklaverei, die uns knebelt, die Hände fesselt und uns gleichzeitig alleine lässt, ist doch so verrückt! Hätten wir noch etwas Spielraum: viel weniger Unterrichtsstoff, auf einen viel längeren Zeitraum freier einteilbar, natürlich kann eine kompetente Familie gemeinsam mit den Kindern durch eine Krise schiffen, aber nicht, wenn Situationen erzeugt werden, die sich nicht ausgehen können! Das ist so verrückt. Wie können wir uns wehren?

  2. Die vielen Kommentare zeigen, dass eins nicht gesehen wird: sich zu helfen, sich zu unterstützen.
    Anstelle von „also, bei uns läuft das ganz anders“, sollten wir zuhören, verstehen und konkrete Tipps geben.
    Warum sollten wir immer das Schlechteste vermuten? Es wird seine Gründe haben, wenn Kinder geweckt und im Distanzunterricht unterstützt wird. Es geht doch in dieser Extremsituation nicht nur um Selbstständigkeit.
    Warum dieser Argwohn? Also: Bei denen es „anders läuft“, her mit euren Tipps und Erfahrungen. Erzählt nicht nur von euch, sondern werdet konkret, reflektiert und benennt zum Beispiel eure Routinen. Danke.

  3. Nachschieb:

    Die Große kann seit dem ersten Lockdown im März in Klasse 6 übrigens
    ALLEINE VK einrichten und führen ( Zeiten ist sie ebenfalls für verantwortlich)
    Arbeitsblätter etc. fotografieren und wieder hochladen
    PDF’s erstellen ( scannen, erstellen, hochladen)
    usw.
    dabei brauchen wir sie nicht unterstützen wir haben es ihr
    1x erklärt im März wie es geht und fertig.

    Würde ich immer wieder so machen.

    Der Kurze wird irgednwann in der Schule eine Einführung für ISERV bekommen– und wird dann auch selbstständig damit arbeiten können.

    Man muss den Kids auch einfach etwas zutrauen und ihnen beibringen das ALLEINE zu machen
    Schule ist ihr Job und ihre Verantwortung.

    Am Gym der Großen ist übrigens in Klasse 9 ein Informatikkurs PFLICHT– wegen der Facharbeiten…..allerdinsg war das alles vor Corona— jetzt sind die Kids dann sicher schon lange Fit genug dafür….

  4. Hallo,
    auch wenn ich mich jetzt sicher unbeliebt mache..
    wir haben unseren Kurzen ( 1 Klässler) seit Freitag vom Präsenzunterricht befreien lassen ( NDS)– DAMIT er HOMESCHOOLING machen darf! Der Wechselunterricht ist nämlich nicht wirklich eine Alternative.
    Hinzukommt, dass die Große ( 7 Klasse Gym) sowieso zu Hause ist und Homeschooling macht und auch mein Mann Homeoffice macht.
    Da sowohl mein Mann als auch ich Risikopatienten sind sind wir sehr froh, dass jetzt alle zu Hause sind. ( ich darf wegen Risikop. aktuell nicht arbeiten)

    Und Homeschooling läuft hier super– die Große hat tolle Lehrer, die haben schon im März SOFORT ein Konzept gehabt und auch jetzt läuft es toll.
    Pro Fach pro Tag Aufgaben für 45 Minuten– sind den Abend vorher ab 18 Uhr in der Nextcloud sichtbar– Videokonferenzen in den Hauptfächern, morgen bspw. in Latein für 45 Minuten. Die Aufgaben vom Montag müssen dann bis 18 Uhr hochgeladen werden, dann gibt es die neuen für den Dienstag.
    EXTRA mit dem Vorlauf, damit ggfls. Eltern was ausdrucken können, wenn die Kids keinen eigenen Drucker haben.
    Die Große ist motiviert dabei- bis auf Kunst ( liegt an der Lehrerin) und macht die Aufgaben wie gefordert. Hilfe braucht sie manchmal bei Mathe und bei Englisch–aber nicht mehr als sonst auch (ohne Corona); der Rest läuft.

    Läuft also ohne Porbleme– es sei denn die Technik streikt- bei zwei VK parallrl schon möglich–aber dafür kann das Gym ja nichts.

    Der 1 Klässler hat am Freitag einen Wochenplan bekommen für die nächste Woche mit 29 Aufgaben auf 5 Tage aufgeteilt–alles in Arbeitsheften oder auf Arbeitszetteln zu erledigen– die schriftlichen Aufgaben von morgen / Montag scannen wir dann ein und schicken sie der Lehrerin zu- die gibt dann per Mail ein Feedback–fertig.
    Da er die Arbeitshefte kennt kann er die Aufgaben auch gut alleine erledigen– bis auf „laut vorlesen“.
    Der Kurze ist super motiviert und hat jetzt schon 9 Aufgaben der 29 Aufgaben von nächster Woche erledigt– er mag das.
    Er hat auch die erste Woche im Januar schon zu Hause lernen dürfen– “ ich nehme mir Donnerstag und Freitag frei“ und so alle 15 Aufgaben bis Mittwoch erledigt gehabt.

    Insgesamt kann ich sagen, für uns ist Homeschooling super –
    liegt aber natürlich auch daran, dass die Lehrer beider Schulen einen tollen Job machen
    und alles dafür geben, dass die Schüler keine Probleme haben.
    Und sollten Probleme auftreten– JEDER Lehrer der Großen am Gym ist täglich per Mail
    zu erreichen– da gibt es keine Probleme.
    Und der Kurze hat sowieso nur seine tolle Klassenlehrerin- die auch erreichbar ist; obwohl der Kurze der Einzige in seiner Klasse ist, der zu Hause bleibt.

    Eigentlich ziemlich erschreckend, dass erst eine Pandemie auftreten muss um zu sehen, wie gut oder schlecht Kinder Homeschooling machen können und wie gut oder schlecht die Schulen aufgestellt sind.
    Ich hoffe sehr, dass daraus Lehren gezogen werden–vielleicht auch mal bei Eltern die ihre Kids zu mehr selbstständigem Lernen ermutigen– denn das ist super wichtig für das restliche Leben.

  5. Nachdem ich mir mehr oder weniger alle Kommentare zu diesem Thema hier durchgelesen habe, muss ich feststellen, dass genau das (!!!!) der Grund ist, warum viele Arbeitgeber oder Chefs kein Homeoffice wollen und es weniger angeboten und auch von Arbeitnehmern angenommen wird als im ersten Lockdown, zu Hause ist kein normal strukturiertes und konzentriertes Arbeiten fürs Büro möglich, zumindest nicht mit Familie. Und auch für mich gilt: Lieber vier Stunden effektiv außerhalb gearbeitet als acht Stunden zu Hause rumgeschwurbelt…..Kann und darf nicht jeder, ist klar, aber hier genau liegt das Problem des ach so hochgelobten und als Lösung für alle zu vielen Kontakte gesehenen „Homeoffice“, es ist in den meisten Fällen eben mehr Home als Office.

  6. Liebe Lisa,
    ich kann das so gut nachvollziehen, als Vollzeit berufstätige Mama im Homeoffice mit 2 Kindern, Grundschule und Gymnasium.
    Ich bin einfach nicht dafür ausgebildet einem 7-jährigem, der bei Mama natürlich heult und verweigert, bei der Frau Lehrerin durchaus zuhören würde, verständlich zu erklären, wie man Fragen bildet. Ich unterrichte sonst Erwachsene im Tertiärsektor. das ist etwas völlig anderes.
    Zum Glück habe ich so viele Kollegen und Kunden, die Verständnis haben, weil auch bei ihnen im Hintergrund grad die Post abgeht- wenn wir eigentlich Projekte und Verträge ausverhandeln sollen in Online-Meetings- nebenbei natürlich.
    Deshalb geht er nun in die schulische Betreuung, lernen können die Minis (und auch die Teenagers) am besten in Gruppen. Ich lasse mir kein schlechtes Gewissen einimpfen.
    Kinder in die Schule schicken als Zeichen des Widerstands? Das kann was.

    1. Chantal,
      was genau veranlasst dich zu glauben, dass irgendeine Lehrkraft dazu verpflichtete ist für deine Kinder ihr Leben zu riskieren?
      Wenn du nicht alleinerziehend bist, erwarte ich tatsächlich, dass du genau das tust, nämlich nebenher deine Kinder betreuen. Ich stelle die Distanzbeschulung meiner SuS auf Kosten meiner Gesundheit und der meiner Familie sicher und auf ganz realen Verdiensteinbußen meines Mannes.
      Aber nun gut, wer sich nichts „einimpfen“ lässt, und Schulbesuch während einer Pandemie für „Widerstand“ hält, schmarotzt natürlich auch in der Sicherheitsrat des Herdenschutzes, die ihm Abstand in der Notbetreuung sichert.

  7. Großartiger Beitrag, liebe Mo!
    Ich sehe das in allen Punkten genauso. Mein Mann und ich verstehen uns zudem auch als Team (kochen, backen, bügeln, Kinder betreuen, Geld verdienen…), was durchaus hilfreich ist.;-)
    Meine kleine Tochter geht in die erste Klasse und wie Mo schreibt, ist hier permanente Hilfestellung von Nöten. Wir haben ein toll zusammengestelltes Padlet der Klassenlehrerin mit vielen Erklärvideos, eingelesenen Geschichten etc. von ihr. Natürlich muss das verwaltet, ausgedruckt, angeleitet, besprochen werden…
    Außerdem denke ich, dass wir alle, die hier lesen und schreiben, diejenigen, die aktuell gezwungen sind, ihre Kinder in die Notbetreuung zu geben, nicht vergessen sollten. Laut Frau Gebauer sind das ja vornehmlich die Familien, die plötzlich morgens feststellen, dass „eine Kindeswohlgefährdung“ vorliegt. Den Tipp, die Kinder dann zum Schultor zu bringen, finde ich durchaus befremdlich… Unglaublich, dass diese Kinder dann bis in den Nachmittag mit permanenter Maske im Gesicht in gemischten Gruppen im Klassenraum Bildchen ausmalen sollen. Am Nachmittag müssen die Eltern, die dann vermutlich bis dahin schwer gearbeitet haben oder nicht in der Lage waren, ihre Kinder zu betreuen, zu den Schulaufgaben anleiten. Dies kann sicher in zahlreichen Familien aufgrund verschiedenster prekärer Umstände, Sprachschwierigkeiten etc. nicht stattfinden.
    Wenn ich mir das vor Augen führe, denke ich, dass diese Kinder dringend eine Lobby brauchen! Die Schere zwischen Familien, die die aktuelle Situation (mit allen Belastungen, die ich keinesfalls kleinreden will) stemmen können und denjenigen, die einfach nur resignieren, weil keinerlei Unterstützung etc. vorhanden ist, wird riesig werden.:-(

    1. Sorry, hab ich zuvor vergessen: meine volle Hochachtung unseren Lehrern und Lehrerinnen, die voll engangiert auch in dieser Situation unseren Kindern Bildung und Klassenzusammenhalt vermitteln müssen/wollen und können. Wir sind auf der selben Seite- der der Kinder! DANKE!

    2. Stopp!
      So geht das nicht! Ihr könnt nicht so miteinander reden!
      Ich verstehe beide Seiten! Aber was ich nicht verstehe ist folgendes: Warum sollen denn Lehrer*innen und Erzieher*innen nur zu Hause arbeiten dürfen und andere Berufsgruppen haben gar keine Chance auf Homeoffice? Auch diese Berufsgruppen riskieren ihre Gesundheit für andere. Also lasst uns doch einfach die Entscheidungen der anderen akzeptieren und einfach unsere Jobs erledigen. Wenn es der Job ist fremde Kinder zu betreuen, dann muss der eben gemacht werden, wenn es der Job ist Kranke zu pflegen, dann muss der eben gemacht werden. Mein Job ist es Kunden in Bankangelegenheiten zu beraten. Wenn die Kunden das unbedingt persönlich machen wollen, dann muss ich das tun. Wenn ich das nicht möchte, dann muss ich kündigen. Eine Chance auf Homeoffice habe ich nicht. Ich möchte kein schlechtes Gewissen gemacht bekommen, wenn ich meine Tochter an meinen Arbeitstagen in den KiGa schicke. Die Erzieher*innen tun dort ihren Job und ich in der Bank meinen. Das können wir alle nicht ändern. Lasst uns etwas versöhnlicher sein! Das würde doch schon so viel helfen! Danke!

      1. Wiebke,
        der Unterschied ist, dass du dich nicht mit bis zu 32 anderen Personen stundenlang auf ca. 50qm befindest, je nach Bundesland ohne Maske. Lüften geht z.T. gar nicht, bzw. das eine Fenster in meinen Klassenzimmern, das man öffnen kann, ist so groß wie mein Küchenfenster, Durchzug kann aus baulichen Gründen nicht geschaffen werden. Nach 90Minuten treffe ich die nächsten 30 Schüler*innen, bis zu 120 pro Tag. Außer in vollen Flugzeugen und Zügen, wo ich es dem Personal gegenüber auch für unverantwortlich halte, sind nirgends sonst (außer eben in Kigas, Krippen etc.) solche Bedingungen aktuell erlaubt. Wenn es in einer Firma trotzdem vorkommt, wird gegen offizielle Hygieneauflagen etc verstoßen.
        Mit wieviel Personen führst du Kundengespräche über Stunden hinweg in einem Raum, den man kaum lüften kann? Was ist denn das für ein absurder Vergleich? In keinem Laden dieser Größe dürfen sich so viele Kunden gleichzeitig aufhalten wie in einem Klassenzimmer. Theater, Kinos etc sind aus diesem Grund geschlossen, Friseur*innen dürfen nicht arbeiten, man darf noch nicht mal in den Zoo. Du magst ja auch der Meinung sein, dass man für seinen Job sein Leben aufs Spiel zu setzen hat, aber hältst du es denn für deine Kinder für eine sichere Umgebung? Die können nicht kündigen. Im Kiga meines Kindes gab es bereits drei infizierte Erzieherinnen.
        Und vielleicht das allergrößte Missverständnis: Lehrkräfte betreuen keine Kinder! Das macht das Nachbarsmädel, wenn man mal ins Kino geht. Kinderbetreuung ist nicht Aufgabe der Schule. Dass die Kinder während sie in der Schule sind, weg von zu Hause sind, ist ein hübscher Nebeneffekt. Wenn das Kind in den Fußballverein geht, soll es da Fußball spielen. Dass es in der Zeit betreut ist und Eltern was anderes machen können, ist recht praktisch aber nicht die primäre Aufgabe des Fußballvereins. Keiner macht dem Fußballverein einen Vorwurf, dass das Fußballspielen über VKs nicht so wirklich funktioniert.

  8. Mich macht dieser Bericht ehrlich gesagt ein bisschen wütend. Ich habe auch drei Kinder und bin Lehrerin. Ich muss jetzt die Vormittage in Videokonferenzen sitzen, während mein Mann nicht arbeiten kann, weil er sich um den Vierjährigen kümmert, d.h. er kann sich auch nicht um den Siebtklässler und die Fünftklässlerin kümmern. Bei der VK dürfen mich die Kinder nur wegen sehr wichtiger Kleinigkeiten stören. Ich lese keine Französischtexte für eine Neuntklässlerin durch (Ich kann gar kein Französisch.), wenn sie Hilfe braucht, als erstes Hirn einschalten, als zweites Wörterbuch benutzen als drittes die beste Freundin kontaktieren, die normalerweise in der Schule neben ihr säße, wo die zwei den Text eh besprächen. Eine Neuntklässlerin am Gymnasium kann selbst ausdrucken, kann selbst Blätter sortieren, notfalls auch die der jüngeren Brüder, kann sich selbst PP erarbeiten (bei TikTok braucht sie schließlich auch keine elterliche Hilfe) und kann eine Geographiefrage googeln. Ein 11jähriges Kind braucht Material zum Basteln, dann sucht es das, ein Kind weiß ein englisches Wort nicht dann googelt es das, ein Kind möchte über Bio diskutieren, gerne beim Mittagessen, ein Kind kommt absolut nicht weiter, dann klären wir das am Nachmittag, wie sonst auch. Die Kinder haben Hunger. Natürlich! In der Schule essen sie ja auch ihr Pausenbrot. Also reiche ich tatsächlich zwischenrein ein Pausenbrot. Das musste ich mir auch erst vergegenwärtigen. Ansonten kennen alle den Weg in die Küche, alle können lesen und ihre Pläne verstehen. JA! Das können sie, wenn sie müssen. Alle drei Kinder sind problemlos in der Lage zu verstehen, dass du arbeiten musst. Wie gesagt, ich bin gezwungen den Großteil des Vormittags in VKs mit meinen SuS zu sitzen, ICH KANN NICHT HELFEN. Mama Lisa muss am Vormittag arbeiten wie ihre Kinder, sie kann nicht helfen, außer die Sache ist lebensbedrohlich oder das Tablet geht tatsächlich so gar nicht. PUNKT! Notfalls wird das Büro abgesperrt. Von Innen! Die Phase, in der sie sich vor der Tür die Nase blutig treten (been there …), ist relativ kurz.
    Es geht mir hier nicht um Mütter-Bashing, es bleibt nämlich trotzdem tatsächlich in dieser Situation zu viel an einem hängen: Das Auffangen der Geschwisterdynamiken (Drama, Streit, Prügelei), die Langeweile, die fehlende Struktur, die unterschiedlichen Lehrermaterialien (zu viel, zu wenig, zu falsch, ach überhaupt …) die Tatsache, dass Kinder unter Fremdautorität immer selbstständiger kooperieren als bei der eigenen Mutter, die Unzufriedenheit aller, ja, natürlich muss man mehr organisieren, verteilen, erklären, diese permantente Nähe aushalten, die Zeitnot, man hat x verschiedene Sorgen usw. usf. Aber ab und zu muss man sich und sein Voraussetzungen mal wieder ein wenig justieren und ins Verhältnis setzen. Als gestandene Mutter lässt man sich ganz sicher nicht vom Fußballtrainer den Nachmittag diktieren! Keine Kindergartenkinder oder gar Krippenkinder sind zu versorgen, kein Grundschüler, der noch nicht lesen kann, die Wohnverhältnisse sind ausgezeichnet, kein Kind mit Behinderung, dem und dessen Eltern alles wegbricht, keine Sprachschwierigkeiten usw. Ja, natürlich muss und darf man manchmal jammern, die Überforderung ist da und niemand weiß genau, wie es beim anderen ausschaut, aber beim Lesen dieses Tagesablaufs und bei vielen Tweets hat man nicht nur bei dir sondern auch bei einigen anderen reichweitenstarken Blogger*innen den Eindruck, dass die Kinder keinen Stift ohne elterliche Unterstützung halten können. Ich frage mich manchmal sehr ernsthaft, ob euch eigentlich klar ist, wie doof und unselbstständig ihr eure Kinder oft darstellt. Und da kommen ich auf mein Wut zu sprechen. Lisa, du hast eine unglaubliche Reichweite, du wurdest zu Interviews eingeladen und hast berechtigt die Unterstützung für Familien eingefordert. Haben du und die anderen lautstarken Eltern, die gehört wurden, wirklich gedacht, das würde dazu führen, dass Eltern finanzielle Unterstützung bekommen, um zu Distanzschul-Zeiten ihre Kinder besser betreuen zu können? Nein natürlich nicht, das kostet den Staat ja schließlich Geld. Euer (natürlich völlig berechtigter) lautstarker Protest hat u.a. dazu geführt, dass die Schulen auf Teufel komm raus offen gehalten wurden und werden. Hunderttausende Lehrkräfte und Schulkinder in Dtl. müssen sich z.T. sogar maskenlos der Corona-Gefahr aussetzen. Deine Überforderung ist berechtigt, aber ich erwarte tatsächlich von einer versierten, reichweitenstarken Journalistin eine andere öffentliche Behandlung der aktuellen Problematik, als dass ständig Tweets und Berichte kommen, bei denen man nachfragen möchte, ob die Tochter eigentlich in normalen Zeiten einen Schulbegleiter hat. Mir fehlen hier ernsthafte und konkrete Forderungen nach Lösungen, die über die tieferliegenden Probleme des Distanzlernens berichtet. Ich habe eher Angst, dass jemand in Entscheidungsposition diesen Text liest. Er liest einen Text von einer 3fach-Mutter, die es nach fast einem Jahr Pandemie nicht auf die Reihe kriegt, erst mal ihre Jungs fertig abzufrühstücken und sich von seit Monaten von jeder PDF vor sich hertreiben lässt. Wenn ich mich (Risikopatientin) und meine Kinder (1 Risikopatient dabei) in absehbarer Zeit im Präsenzunterricht wieder der Gefahr der Ansteckung aussetzen muss, dann tu ich das, weil ich weiß, dass die Regierung uns Eltern nicht finanziell unterstützen möchte, auch die Familien nicht, in denen ernster Schaden entstehen kann, für die Schule ganz viele (gesellschaftliche) Probleme lösen muss aber nicht, weil Journalisten-Mutter Lisa, die tatsächlich angehört wird, jammert, dass sie morgens um 11 noch nicht an der frischen Luft war (WTFF???). Ich habe da einen ganz heißen Tipp aus meinem Berufsalltag: Stoßlüften, alle 20 Minuten.
    Außerdem erwarte ich von einer Journalistin, dass sie die Dinge richtig benennt: Wir Eltern machen kein Homeschooling! Das ist eine massive Abwertung des Lehrberufs.

    1. ich habe keine schulkinder, „nur“ zwei kindergartenkinder. und ich stehe vor den kindern auf, wenn ich zeit in ruhe für kaffe/frühstück/sport morgens möchte ( war eine zeit auch 5:30, obwohl ich in elternzeit bin und ein kind erst 8:30 im kindergarten sein musste). und da die kinder dauernd hunger haben mache ich im zuge des frühstück machen’s schon eine vesperdose mit obst und keksen bereit und stelle sie auf den tisch. da können sie sich jederzeit bedienen. joghurt und müsli können sich die zwei mit fast fünf und zweieinhalb jahren auch selbst holen ( ich erwarte es auf jeden fall nicht, sie wollen nur manchmal nicht warten bis mama mit xyz fertig ist bis sie das müsli richtet). und ich schaffe es auch ihnen klar zu machen wenn ich mal zehn/ fünfzehn minuten was machen möchte ohne dauernd unterbrochen zu werden ( streit, wehmachen etc natürlich ausgenommen).wieviel man den schulkindern helfen muss/sollte kann ich nicht mitreden, aber ich denke mir wenn ich das oben lese das da durch mehr struktur und klare ansagen und zeitliche absprachen auch stress raus genommen werden kann. oder zb ein snackteller der zur verfügung steht an dem sich die kinder bedienen können wenn hunger ist und dann nicht jede halbe stunde ein anderes nach essen schreit., und jedes schulkind kann doch auch selbst seinen frühstücksplatz leer räumen ?! haushalt wie spülmaschine kann doch auch bis später warten bis haushaltszeit ist usw. und ich denke wenn die kinder in der schule wären würden sie ja auch nicht mama anrufen wenn sie was nicht verstehen sondern die sitznachbarin oder lehrer/in fragen. ist sowas nicht möglich?! mit mail an lehrer/in oder anruf/whatsapp an klassenkameraden?! also das man grundschüler noch viel unterstützen muss ist einfach so. aber kinder an weiterführenden schulen müssen doch schon mehr selbst hin bekommen. das sollten sie in der schule gelernt haben und die lehrer die aufgaben auch so zur verfügung stellen oder für nachfragen zur verfügung stehen ( das hat jetzt natürlich nichts mit lisa zu tun ).

      1. Danke Kathi!
        Ich sehe das genauso und möchte hinter ganz viele Sätze einen Punkt machen.
        Alles Gute für diese Zeit – von Lehrerin zu Lehrerin, von Familienmensch zu Familienmensch.

      2. … ich denke, Tage wie diese darf es geben. Aber wenn dieser Stress täglich so empfunden wird, dann ist es tatsächlich ratsam, etwas an den Strukturen zu ändern.

        Tennies müssen nicht geweckt werden, Wochenpläne müssen sie selber erstellen und wenn die Zoom-Konferenz verschlafen wird, dann Pech gehabt.

        Kinder können durchaus Mamas Arbeitszeit respektieren und hoffentlich verabschiedet sich der Mann nicht jeden Morgen, um sich dann nach Feierabend hinzulegen:)

        Ich habe meine Kinder alleine großgezogen. Abgrenzung war von Anfang an wichtig, sonst wäre ich durchgedreht – unabhängig vom Lockdown.

        Wenn die Kinder ungestört spielen wollen, störe ich sie nicht – und andersrum klappt das ebenfalls. Sie achten meinen Raum. Nicht immer aber meistens.

        Mehr Ich in all dem Wir.
        Friedlich und klar. Ich sein. Und damit eine vorbildliche Frau und Mutter sein – ansonsten machen die Töchter denselben Fehler: sich zerreißen.

        1. Puh,da fehlen mir wirklich die Worte. Scheinbar erfahren Sie sehr wenig Wertschätzung für Ihren Beruf und das tut mir leid. Aber, und das sage ich völlig neutral und aus einem medizinischen Beruf heraus, der im März ein Schulterklopfen und aufmunterndene Worte als „Schutz“ bekommen hat: auch wenn es sich für Sie scheinbar so anfühlt, Sie blicken nicht dem Tod ins Auge, weil Sie Schüler unterrichten sollen. Und ja, Kinder sollten selbstständig Dinge tun und können. Aber- und verzeihen Sie mir, wenn ich da nur als Laie und Mutter drauf schaue- in AusnahmeSituationen können viele Kinder Dinge, die sie schonmal konnten, plötzlich nicht mehr. Kennt jeder mit Geschwisterkindern. Warum das so ist? Hmm,vielleicht, weil es in einer beängstigenden, unsicheren und neuen Situation gut tut, umsorgt zu werden? Auch und gerade wenn man schon „groß“ ist. Wenn ich immer höre, wie toll die Kinder das machen und wie super sie das wegstecken und wie easy das für die ist und gleichzeitig Pädagogen höre, die dermaßen abwertend über Kinder sprechen, dann wundert mich gar nichts mehr.

    2. achso, also es ist dennoch stress das alles unter einen hut zu bekommen, und ich stelle es mir sehr schwer vor daheim zu arbeiten und gleichzeitig die kinder da zu haben. aber ich denke durch ein wenig mehr struktur und klare ansagen und absprachen und sich auch abzugrenzen kann da schon helfen, vor allem mit kindern in weiterführenden schulen. als idee: bei „geborgen wachsen“ haben sie einen festen tagesablauf mit zeiten für arbeit und lernen aber auch pausenzeiten und schönes beisammen sein. genauso wird vorgekocht damit man nicht jeden abend lange am herd steht. und mal von der anderen seite gesehen: wenn man gr kein homeoffice machen kann sondern zur arbeit weg muss, kann man in der arbeitszeit ja auch nicht spülmaschine ausräumen oder an die frische luft gehen etc.

    3. Wow, sehr ausführlich und gut, danke Mo. Ich traue mir oft nicht mehr, so zu schreiben, eben weil es dann oft als Kritik oder gar „shitstorm“ empfunden wird. Aber so ähnlich empfinde ich es auch oft: die Kinder rufen und Mama springt. Sowohl das Leben der Mutter als auch die Selbstständigkeit der Kinder bleiben auf der Strecke.
      Aber auch bei sehr selbständigen Kindern ist es eine fordernde Zeit. Am schlimmsten finde ich, nie mal allein sein zu können.

    4. Diesen Ausführungen kann ich mich zu 100% anschließen – auch wenn ich keine Lehrerin bin. Ich frage mich bei den ganzen Beiträgen ebenfalls ständig, was die Kinder alleine machen. Hier gibt es einen 6.-Klässler und eine 3.-Klässlerin und die erledigen ihren Kram weitestgehend alleine.

    5. Super, Mo, danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, das zu schreiben!
      Mir ging’s wie Franzi, ich hab gedacht, ich sag nix, es wird nur als shitstorm empfunden.
      Ich hab nen fast fünfjährigen und eine fast Dreijährige, die kapiert haben, dass die Mama beim täglichen Begrüßungschat mit ihrer Grundschulklasse 20 Minuten nicht und zwar gar nicht gestört werden darf.
      Meine beiden 13jährigen sind keine superselbstständigen Kinder, aber drucken, essen holen und Spülmaschine ausräumen können sie alleine. Und als ich neulich in Physik was erklären sollte, hab ich einfach gesagt:“Sorry, Kinners, das versteh ich hier überhaupt gar nicht!“
      Die Gesamtsituation ist scheiße und anstrengend und ich hasse ( aus Lehrer-und Elternperspektive) das Fernlernen!!! Aber man muss es sich ( und den Kindern) nicht schlimmer machen als es eh schon ist.

    6. Kann ich so nicht bestätigen. Wir arbeiten beide, mein Mann und ich im Homeoffice seit März letzten Jahres. Die Kinder ebenfalls, da ich zur Risikogruppe gehöre. Hier läuft alles bestens, wir teilen es auf, und die Kinder arbeiten super für die Schule, sie tun es weitestgehend selbständig und sehr ordentlich, sind gut organisiert und wenn sie Fragen haben, dann kommen Sie und wir beantworten das. Mein Mann macht Mathe und Naturwissenschaften wie Physik und Chemie für alle anderen Fächer bin ich zuständig. Kein Problem! Das ist nun mal die Wahrheit, auch wenn das hier wahrscheinlich nicht gerne gehört wird. Es ist aber so! Unsere Lehrkräfte sind super, sie geben sogar die Möglichkeit, dass man anrufen könnte (haben wir bisher nicht gebraucht, aber es ist sehr nett, dass sie es überhaupt tun). Die Schule tut alles, um uns zu unterstützen. Ich bin dankbar!

    7. Puh,da fehlen mir wirklich die Worte. Scheinbar erfahren Sie sehr wenig Wertschätzung für Ihren Beruf und das tut mir leid. Aber, und das sage ich völlig neutral und aus einem medizinischen Beruf heraus, der im März ein Schulterklopfen und aufmunterndene Worte als „Schutz“ bekommen hat: auch wenn es sich für Sie scheinbar so anfühlt, Sie blicken nicht dem Tod ins Auge, weil Sie Schüler unterrichten sollen. Und ja, Kinder sollten selbstständig Dinge tun und können. Aber- und verzeihen Sie mir, wenn ich da nur als Laie und Mutter drauf schaue- in AusnahmeSituationen können viele Kinder Dinge, die sie schonmal konnten, plötzlich nicht mehr. Kennt jeder mit Geschwisterkindern. Warum das so ist? Hmm,vielleicht, weil es in einer beängstigenden, unsicheren und neuen Situation gut tut, umsorgt zu werden? Auch und gerade wenn man schon „groß“ ist. Wenn ich immer höre, wie toll die Kinder das machen und wie super sie das wegstecken und wie easy das für die ist und gleichzeitig Pädagogen höre, die dermaßen abwertend über Kinder sprechen, dann wundert mich gar nichts mehr.

    8. Wow, sind Sie so kalt. So wenig Empathie. Und das in einem Beruf, der ein Maximum an Empathie erfordert. Wenn ich Ihre Beiträge lese, wundert mich nichts mehr.
      Wir Eltern müssen den Lehrerberuf gar nicht abwerten. Das schafft ihr Lehrer schon ganz allein. Genauer gesagt: Das habt ihr ganz allein geschafft. Lange vor Corona. Aber jetzt treibt ihr es auf die Spitze. Irre, dass euch nicht gekündigt werden kann. In jedem anderen Job der Welt – naja, in vielen jedenfalls – wird man an seiner Performance gemessen, zu Deutsch: Leistung, nur in eurem nicht.
      Und nein: Sie riskieren nicht Ihr Leben. Wenn Sie schon Dinge richtig benennen wollen, dann erzählen Sie bitte nicht so einen Unsinn. Wofür gibt es denn all die Abstands- und Hygieneregeln in den Schulen und jetzt den Lockdown? Es verlieren sich ja kaum noch Kinder in die Klassen.
      Und seien Sie gewiss: Sie könnten den eigenen Kindern auch vor und nach Ihren Videokonferenzen unter die Arme greifen, wenn Sie das wollten. Nur weil Sie – wie so viele andere auch in diesen Tagen – ab und an eine Telko haben, könnten Sie trotzdem ganz sicher dazwischen noch ein bisschen Zeit aufbringen, um Ihre eigenen Sprösslinge zu beschulen. Aber halt, das wollen/müssen Sie ja gar nicht. Kinder sind ja schließlich in Wahrheit gar nicht so „doof und unselbstständig“, wie wir Jammerlappen von Eltern dieser Tage immer suggerieren. Unfassbar, dass man jemanden wie Sie auf Kinder losgelassen hat.

      1. Wahrscheinlich liest Du das nicht mehr, „Lehrer wider Willen“, aber: geht’s noch!? Wow, was für ein Mangel an Empathie und Einfühlungsvermögen, unglaublich. Von „IHR LEHRER“ schreiben, -also alle gleich, alle in einen Topf werfen? Wie arm ist das denn? Da kann man sich die Finger wund tippen aber es kommt nichts an. Empathie ist keine Einbahnstraße, genauso wenig wie Toleranz. Wer sie fordert, sollte sie auch selbst zeigen. Aber ich, als Lehrerin, gehe nicht davon aus, dass alle Eltern so engstirnig, pauschalisierend und frontenverhärtend sind wie sie. Das wäre nämlich sehr traurig.

  9. Immer widerkehrende Worte. Hatten wir das nicht schon letzten April?
    In dieser Falle stecken wir doch seit 11 Monaten. Ich habe bisher keine Änderung gesehen. Es war der gleiche Stress, egal ob der erste Lockdown, Urlaub, wieder Schule, zweiter Lockdown.
    Die Tage sehen alle gleich au und es ist offensichtlich, das derjenige, der in der Familie die Hauptlast der Orga (und des Doings) trägt, langsam vor Erschöpfung zu Grunde geht.
    Aber auch das Wissen, dass es den anderen auch so oder ähnlich geht, lässt die Last nicht leichter werden.

  10. Liebe Lisa!
    Danke für den Beitrag! Und danke für die vielen Kommentare, die zeigen, man ist nicht allein! Ich habe überlegt, ob ich überhaupt hier was sagen soll… Habe ich doch „nur“ ein Kind… Aber kann man den Stress an der Zahl der Kinder, dem Schuljahr oder am Typ des jeweiligen Kindes messen? Auch das subjektive Empfinden und die „Dicke“ des eigenen Fells spielen eine Rolle…Vielleicht sagen jetzt einige, meine Erlebnisse sind doch noch harmlos! Das ist vielleicht auch so. Aber ich will auch einmal erzählen, wie ich unseren allerersten Homeschooling-Tag erlebt habe. Vor allem, weil ich rückblickend doch drüber schmunzeln musste, auch wenn ich gestern Abend fix und fertig war und gestern Mittag kurz die Nerven verloren habe, als ich vor den entsetzen Augen meiner Tochter den Stapel sorgfältig am Vortag ausgedruckter und vorsortierter Unterlagen in den Büropapierkorb gepfeffert habe und ausgerufen habe:“Ok! Lassen wir das alles bleiben! Fangen wir doch im Sommer noch mal von vorne an!“ Später tat mir das furchtbar Leid und ich würde meinen Wutausbruch gerne zurück nehmen aber in diesem Moment konnte ich nicht mehr anders. Zuvor versuchte ich parallel zum Homeschooling im Homeoffice klarzukommen. Dabei verpasste ich die erste Hälfte eines Onlinemeetings, bei diversen Dauertelefonaten, wurde mir rhythmisch die stumpfe Seite eines Bleistifts ins Gesicht gepiekt oder mit einem Arbeitsblatt vor bzw. auf der Nase rumgewedelt oder ins freie Ohr gequengelt. Für eine Mail, die sonst zwei Minuten gebraucht hätte, brauchte ich fast eine Stunde. Ergänzend dazu waren im Nachhinein 5 Stufen zu identifizieren in denen sich mein optimistischer Glaube daran, dass wir das bestimmt gut hinbekommen, nach und nach relativierte: Stufe 1: Mama! Ich hab Durst, Hunger, muss aufs Klo….
    Stufe 2: Mama, ich muss Dir jetzt was ganz wichtiges schnell erzählen/ Dich was ganz wichtiges fragen… Stufe 3: Ich will das nicht/ wir müssen das gar nicht machen…. Stufe 4: Ich will Polizistin werden, da braucht man kein Mathe! Stufe 5: Ich geh jetzt in die Badewanne/In mein Kinderzimmer/ weg… Stufe 5: man schmeißt sich auf den Boden, heult und schimpft rum.
    Da hätte ich mich dann am liebsten dazu geschmissen. Der Rest… Siehe oben.
    Heute habe ich leicht verzweifelt das Angebot der Lehrerin an alle Eltern angenommen, dass sie bei Motvationsproblemen mit den Kindern einmal telefoniert. Am Ende fragte ich: „Und?! Was hat die Lehrerin gesagt?“ Darauf meine Tochter todernst: „Ich brauche nichts mehr machen!“ Danach habe ich beschlossen, dass mir ab sofort nur noch Humor hilft! In diesem Sinne wünsche ich allen gute Nerven! Liebe Grüße

  11. Für mich hört sich der Bericht stark danach an, dass es überfällig ist den Kindern mehr Eigenverantwortung zu übertragen. Ich war lange Zeit auch geneigt, mich für alle(s) verantwortlich zu fühlen und meinen Kindern so viel wie möglich abnehmen zu wollen. Aber im ersten Lockdown habe ich angefangen die Kinder zu motivieren sich erst einmal selbst zu helfen. Das kommt uns jetzt zu Gute. Wecker stellen und Frühstück machen können sich alle selbst – meistens räumen sie ihre Sachen auch tatsächlich wieder weg. Auch Aufgaben ausdrucken können sie ohne meine Hilfe. Wenn sie etwas nicht verstehen, sollen sie erstmal ins Buch schauen, googeln oder bei Freunden nachfragen. Und es ist auch ok, wenn man mal eine Aufgabe nicht perfekt gelöst hat. Ich schaue vor der Abgabe nicht noch mal drüber, es ist schließlich nicht MEINE Aufgabe.
    Unsere Kinder können auch schon gut ihre online Meetings im Kopf behalten, sie sind alt genug!!! Klar verpasst man vielleicht auch mal was, aber davon geht die Welt nicht unter und es passiert danach so schnell nicht wieder.
    Ich hab mich frei gemacht vom Perfektionismus und lass sie viel selbst wurschteln… Unsere Kinder haben dadurch einen großen Schub Richtung Selbstständigkeit gemacht, und ich habe genügend Freiraum um meine Aufgaben erledigt zu bekommen. Es lohnt sich!!!!

  12. Es ist ja von Seite der Schule gut gemeint: Kinder fordern, kreative Aufgaben, alle Fächer, digital, blabla, aber es wird halt kaum bedacht, dass die Kinder hinten herunterfallen, deren Eltern sie nicht so unterstützen können. Insofern haben Deine Kinder es ja relativ gut, auch wenn es eine stressige Zeig ist (vor allem für Dich). Aber irgendwie ein Unding, dass die Kinder privilegiert sind, deren Familien es sich leisten können, einen Elternteil fürs Homeschooling abzustellen,die, wo beide zum Arbeiten raus müssen oder gar Alleinerziehende, haben einfach mal Pech gehabt, das ist schon sehr unsozial. Eigentlich sollte es so gestaltet sein, dass sie Kinder es allein schaffen können.
    Ansonsten denke ich auch, wie auch schon eine Vorschreiberin, es wäre wichtig, jetzt die Männer mehr mit ins Boot zu holen. Grad verfestigen sich diese Klischee-Geschlechterrollen wieder so, Papa außer Haus, Mama konzentriert sich auf Kids und Haushalt. Das ist so schade und auch so ein schlechtes Vorbild für die Kinder. Von denen wir doch hoffen, dass sie später mal in gleichberechtigter Partnerschaft leben?!

  13. Hallo liebe Lisa,

    fühle dich von einer Oberstudienrätin umarmt.

    Wir lassen Kommunikation nur über Teams zu, damit der Kalender der Schüler in Teams die Abgabetermine und Konferenzen beinhalten.
    Der Unterricht findet nach Stundenplan online statt, natürlich stellen wir im Arbeitsphasen aus und jeder fotografiert seine handgeschriebene Ausarbeitung, damit man sieht was in den genau 20 Minuten passiert ist, nicht mittags. Materialien wurden nach dem ersten Lockdown angepasst und umgestellt, Ansprüche angepasst, mehr Bücher angeschafft, damit die Schüler nix zu Hause drucken müssen!
    Ich spiele mit meinem Kita-Kind in den Arbeitsphasen und habe immer das Head-Set im Ohr. ICH bin die Ansprechpartner bei Fragen (per Anruf über Teams) und nicht die Eltern.Gearbeitet und vorbereitet wird nachts.

    Man fordert dir zu viel von Dir!

    – Wenn du das drucken, planen etc musst – naja dann haben die Lehrer auch Schuld dran – Tue dir den Stress nicht an! Lieber schlechtere Noten oder mal was sitzenbleiben und dann ist das so! Mache deinen Kindern Arbeitsphasen – mit Pausen! Und wenn man was nicht versteht, tja, dann wird das so gut gemacht, wie man das versteht!!!

    Ich bin am Berufskolleg und bei uns stranden öfter Schüler ohne FOR, weil sie nicht die Selbstorganisation in der Gesamtschule überfordert waren- intelligente Schussel mitunter und hey, manche meiner Kollegen renne ich im Schulalltag auch oft hinterher als Bildungsgangsleitung.

    Kommt GUT durch diese Zeit, dann schaffen die halt nur 40%, schützt sie vor Lehrer*innen, die zu wenig Empathie haben, um die Lage eurer Kinder zu verstehen!

    Ganz ehrlich: Luftreiniger!!! und Trennwände brauchen wir und dann Alltag! Wenn die Politik und nicht mal Luftreiniger kauft, müssen wir mal sehen, wie wir unser Kinder durch diese Zeit bringen!

    IHR SEID GENUG!!!!!!!!!!!

  14. Hallo zusammen,
    ich kann das meiste so 1 zu 1 bestätigen, ich habe 4 schulpflichtige Kinder von 6 bis 13. Daher sammele ich für Klage beim OVG NRW. Wir haben für das Eilverfahren genug Geld gesammelt und unsere Klage wird morgen eingereicht. Wer uns unterstützen mag, kann dies unter go fund me machen. https://www.gofundme.com/f/klage-fr-das-recht-auf-bildung?sharetype=teams&member=7910086&utm_medium=social&utm_source=whatsapp&utm_campaign=p_na+share-sheet&pc_code=wa_co_dashboard_a&rcid=cea5de763bd54fcf83537954c44d6cde

  15. Wunderschön zusammengefasst, ätzend und erschlagend in der Situation, wie für alle Eltern, jedoch ein Traum zu lesen 👍
    Danke, dass das Zeitfenster für diesen Artikel freigeschaufelt und ungesunderweise genommen wurde 🥰

  16. DU! MACHST! DAS! GROSSARTIG!
    auch wenn es schwerfällt
    DU! BIST! STARK!
    auch wenn’s sich nicht so anfühlt
    DU! SCHAFFST! DAS!
    einen Tag nach dem anderen
    DU! BIST! EINE! HELDIN!
    wie wir alle
    WIR! GEBEN! NICHT! AUF!
    weil wir Mütter sind

  17. Bei deinem Text erinnere ich mich an mein Leben in Deutschland (das ich trotzdem sehr vermisse) und bin schon vom reinen Lesen gestresst! Ich fühle mit euch! Wir leben in Norwegen und hier ist auch nicht alles Gold, was glänzt, im Gegenteil. Wie oft denke ich: Hier könnten sich die Norweger echt eine Scheibe von den Deutschen abschneiden. Auch an der Schule habe ich gezweifelt, wollte am liebsten zurück nach Deutschland, bevor unsere Tochter vor drei Jahren eingeschult wurde. Die Gedanken, die ich mir in etwa gemacht habe: Im norwegischen Schulsystem lernt sie nicht genug (weil man sich hier am Tempo der schwächsten Schüler orientiert und auch ein geringeres Pensum hat); falls wir nach Deutschland zurückkehren, wird sie nicht mithalten können; was wird, wenn sie international studieren will etc. pp. Wenn ich aber deinen Text lese oder von meinen Freunden aus Deutschland höre, was in Sachen Homeschooling so los ist, bin ich dankbar für die norwegische Schulmentalität. Unsere Tochter geht zwar erst in die dritte Klasse, da ist es in Deutschland vielleicht auch noch nicht so „schlimm“ wie bei den älteren Schülern. Aber selbst die Dritte ist hier viel entspannter. Im Moment läuft hier vieles sogar recht normal, die Kinder gehen zur Schule, aber nur mit wenigen Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen. Keine Masken, kein großartiges Lüften, nur viel Händewaschen und Desinfizieren und keine Vermischung der verschiedenen Klassen. Alle Kinder aus derselben Klasse dürfen aber so viel zusammen sein, wie sie wollen, auch beieinander zuhause, Übernachtungspartys und Geburtstagsfeiern inklusive. Die Schulen waren nur im März und April letzten Jahres geschlossen, aber (und ich traue mich fast nicht, das zu sagen) für uns als Familie war das eine megaentspannte Zeit. Täglich ein paar Schulaufgaben, nichts, was einen an den Rande des Nervenzusammenbruchs gebracht hätte. Und kein frühes Aufstehen mehr (was eh relativ ist, da die Schule regulär erst um 8.30 Uhr anfängt). Digital war das meiste kein Problem, da sie schon seit der ersten Klasse sehr viel digital arbeiten, sowohl in der Schule als auch bei den Hausaufgaben. Einmal in der Woche ein halbstündiger Lockdown-Zoom-Termin, aber nicht zum Unterrichten, sondern damit man seine Mitschüler und den Lehrer auch mal wieder live sieht und erzählen kann, was man alles so macht. An Ostern sind die Lehrer (bei meiner Tochter sind ein Klassenlehrer, eine weitere Lehrerin und ein bis zwei Assistenten im Einsatz, teilweise auch gleichzeitig in der Klasse) rumgefahren und haben jedem Schüler jede Menge Bastelmaterial und -ideen in den Briefkasten geworfen. Mama und Papa waren im Homeoffice und dadurch super flexibel und ziemlich entspannt. Die Chefin vom Papa sagte: Schreib die volle Arbeitszeit auf, egal, ob du sie arbeitest oder nicht. Die Mama ist eh ihre eigene Chefin. Wir haben also alle in Maßen gearbeitet (trotzdem durfte das Kind deutlich mehr Netflix und Co. schauen als jemals zuvor), eine feste Tochter-Corona-Freundin war täglich hier, wir haben die Zeit für Ausflüge und Touren genutzt (logischerweise nur dort, wo man keine anderen Menschen trifft … nicht so schwierig in der norwegischen Natur). Als die Schule wieder anfing, gab’s erstmal bis zu den Sommerferien keine Hausaufgaben mehr – im Lockdown war wohl das ganze Pensum schon durchgenommen worden (ohne dass sich einer von uns überarbeitet hätte; für die Lehrer war es allerdings alles sehr anstrengend und natürlich auch für diejenigen Eltern, die nicht mal eben Homeoffice machen konnten und keine Notbetreuung in Anspruch nehmen durften). Überhaupt war nach dem Lockdown das Miteinander (und auch das Draußensein) wichtiger, deshalb gab’s mindestens einmal in der Woche einen Wandertag. Nicht nur Corona, sondern die gesamten letzten drei Jahre haben mir gezeigt, was Schule auch sein kann: Hier wird unheimlich viel Wert darauf gelegt, dass die Kinder Freunde sind, sich respektieren, allesamt gut miteinander verstehen und niemanden ausschließen. Dass sie Spaß haben und gerne zur Schule gehen – weil sie dann nämlich umso besser lernen. Dass man sich die Zeit nehmen muss, die letzten Schulstunden lieber fürs Schlittenfahren zu benutzen als im Klassenzimmer zu sitzen und dem Schneetreiben nur durchs Fenster zuzusehen. Akademisch hinken die norwegischen Schüler den Gleichaltrigen in Deutschland wahrscheinlich wirklich hinterher. Trotzdem lernen sie unheimlich viel – nur halt ein bisschen was anderes.

    1. Hallo Andrea, was Du schreibst, nehmen durchaus auch Familien in Deutschland war. Es wird auch auf Blogs / Instagram darüber berichtet und ich hab es auch persönlich von bekannten Eltern gehört, die Lockdowns und Schulschließung als sehr entspannt wahrnehmen und sogar vorübergehend besser damit klarkommen.
      Ich glaube die Antworten unter diesem Beitrag geben das einfach nicht so wieder.
      Das ist von meiner Seite nicht wertende gemeint in irgendeine Richtung.ich wollte Dir nur sagen, dass es auch hier eine andere Seite gibt.

  18. Liebe Lisa,

    vielen Dank und fühl dich umarmt.

    Grüße von einer Mama mit 3 Schulkindern: Abijahr, 8. Klasse Gym, 4. Klasse Grundschule, einem unausgelasteten Kita Kind und einem dauerstillenden, dauergetragenen und zur Zeit dauerkotzendem, weil krankem Baby.
    Wenn ich mich wenigstens in meinem Haus frei bewegen könnte, aber nein, gefühlt jeder Raum ist besetzt….
    So, und nun muss ich noch schnell einen Würfel basteln helfen und ein Referat auf französisch ausarbeiten helfen…🙄

    1. Ja, es ist Wahnsinn! Ich habe das „Glück“ , dass ich auf die Arbeit muss. Aber auch dieses Organisieren, was früh morgens beginnt, am Nachmittag, sobald ich zur Tür rein komme weitergeht, IT Admin spielen, schauen, was wurde gemacht, gibt es neues, dann streikt der Drucker, das WLAN , weil gefühlt alle im Internet sind, die im Homeoffice arbeitende Nachbarschaft…etc.pp. Es belastet mich mental sehr, auch im 1. Lockdown war das schon so. Man sorgt sich halt, wie soll das weitergehen? Und ich fühle mich tagtäglich ausgebrannt. Ich glaube, dass sich das Unterbewusstsein einem den Kopf nicht frei werden lässt, selbst, wenn man mal ein paar wenige Minuten Zeit für sich hat. Haltet durch!

  19. Hier ist es auch so. Kitakind mit Verdacht auf adhs, schilkibd was sich nicht konzentrieren kann. Mana arbeitet ab 20 Uhr einiges nach, da man kitakibd ewig aus dem Zimmer des spielenden Schulkindes schicken muss. Daneben sitzen, damit gearbeitet wird.
    Und abends, wenn man eigentlich in Ruhe arbeiten möchte trampelt es über mir, immer wieder stört ein Kind, welches schlafen sollte.

    Und das ganze alleine und seit über einem Jahr auch ohne Umgang zum Vater

  20. Danke! Ein toller Text. Ich sitze, weil der Ehemann grad alleine Arbeit und Homeschooling für drei Kinder übernimmt, 300 km entfernt von zuhause in meinem Büro und weiß es einmal mehr zu schätzen, dass es wenigstens diese freien Nur/Arbeitstage noch für mich gibt. Ab Donnerstag übernehme dann wieder ich und Reihe mich ein in die Gruppe der Elternteile, die zwischen eigener Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung und Beschulung aufreiben.

  21. Liebe Lisa, du schreibst mir aus der Seele…mein Tag war und ist auch heute fast identisch gelaufen. Und in Gedanken drücke ich dich einmal – vielleicht hilft es ja… mir hat dein Text in meinen 3 freien Minuten auf jeden Fall ein Lächeln ins Gesicht gezaubert… danke! Und nachher kommt mein Mann von der Arbeit und wird sagen: Was hast du denn den ganzen Tag gemacht?
    Zum Anbrüllen werde ich keine Kraft mehr haben…

  22. Puh, und ich dachte ich hätte einen harten Tag gehabt gestern…Hut ab!
    Aber nachdem es mir gestern auch alles zu viel war, ist mein Mann heute dran mit den Kindern (14:30 wird getauscht – dann könnte er heute immernoch voll arbeiten ohne bis Mitternacht zu sitzen!).
    Was mich ehrlich wundert, du räumst die Müsli-Schüsseln für deine Teenager weg und richtest ihnen Frühstück? Nehm die Kinder mehr ran!!!
    Und wenn ihr kein Word nutzt, schreibt das der Lehrerin und schickt ihr ein pdf (oder ein alternatives Format worauf ihr euch mit ihr einigt). Meiner Erfahrung nach sind solche Erwartungen meist einfach unbedacht, weil viele Word noch als Standard empfinden, und konstruktive Vorschläge durchaus willkommen.
    Du machst das toll!

  23. Meine Güte, und ich jammere auch schon nur wg. einem Grundschul- und einem Kita-Kind. Ich weiß ja das es uns bei dem ganzen Mist trotzdem gut geht weil ich noch zu Hause bin. Weil ich eben nur Hausfrau (höhö, nur) bin kann ich das überhaupt machen. Trotzdem nervt es das man zu den Aufgaben gar nicht durchkommt weil nichts funktioniert. Wir sehen zu das unser großer lesen, rechnen und schreiben lernt und alles andere ist nice to have. Und ja, ich müsste auch viel mehr tun. Aber ich bin im Spar-Modus. Energiesparen wo es geht. Mal 5 Min. Kopfhörer auf und Musik laut hilft. Wenn der Mann da ist kurz einkaufen. Tiere füttern und misten sind meine Auszeiten. Für alle Eltern die Homeshooling machen wünsche ich viel Kraft! Ihr seid toll!

  24. Hallo, ich habe einen Viertklässler und eine Erstklässlerin zu Hause. Mann im HomeOffice ich systemrelevant vor Ort, Notbetreuung nicht möglich. Ich hatte beide Lehrer gebeten mir die Aufgaben für die erste Schulwoche nach den Ferien schon vor den Ferien zu geben. So haben wir die erste Woche schon mal in den Weihnachtsferien bearbeitet. Dabei uns isoliert und für ein Schweinegeld PCR getestet, damit wir die Kinder letzte Woche zu den Großeltern geben konnten, da durften sie dann dort Ferien machen. Sie wären gerne länger dort geblieben, doch im Bundesland der Großeltern ist seit Sonntag nur noch ein Kind erlaubt- also Kids wieder bei uns! Ich habe die Lehrer kontaktiert und erklärt, dass ich vor allem mit der Erstklässlerin am Wochenende arbeite, also Aufgaben erst Sonntag einreiche. Der Viertklässler ist mit der Weile so super strukturiert, dass er die Aufgabenpläne einfach selber ab arbeitet, selber auf Links aus dem Lernportal klickt. Er hat nur kurze Nachfragen. Die Erstklässlerin macht Schreib- und Malübungen alleine, aber neue Buchstaben, lesen und die Einführung der Rechenarten machen wir gemeinsam bzw. kann der Viertklässler ihr Mathe sogar anschaulicher erklären, als ich. Gerade mein Sohn lernt Hardcore fürs Leben! Selbstorganisation und Unterstützung der Schwester und erklären… zum Glück ist er ein kleiner Dozent. Ich hoffe, dass er sich das behält. Ich ziehe da echt den Hut vor ihm! Der Mann beantwortet zwischen Telkos und Videokonferenzen sämtliche kleine Fragen, ich versuche so früh, wie möglich, zu Hause zu sein bzw. erst am Nachmittag zu arbeiten. Ich koche am Abend vor bzw. früh am Morgen, damit sie es nur erwärmen brauchen und versuche viel mit den Kindern raus zu gehen. Denn gerade die Kleine kann nicht am Vormittag alleine arbeiten und sich dann am Nachmittag mit mir auf neuen Stoff konzentrieren. Die Lehrer fanden die Aufteilung kreativ, aber haben mitgezogen. Sie freuen sich ja auch, wenn die Kinder im Stoff vorwärts kommen. Aber alles in allem ist es eine große Herausforderung, die Kinder müssen auch sehr viel schneller selbstständig werden, als ich das mal dachte. Bei uns müssen durch die Situation auch beide im Haushalt mithelfen, es ist einfach keine Zeit ihnen alles nachzutragen. Allerdings sind mein Mann und ich „Wendekinder“, mussten selber früh selbstständig sein, da die Arbeit der Eltern ein hohes Gut war, unsere Mütter konnten es sich nicht aussuchen Teilzeit zu arbeiten, beide arbeiteten sogar Schichten, unsere Väter auch. Naja trotz allem bin ich froh, dass die Schulen zu sind (immer Angst vor Ansteckung und Quarantäne ist auch zermürbend) und dass wir Arbeit haben. Es ist sicherlich noch viel bedrückender derzeit in Familien, die durch die Umstände nun noch finanzielle Sorgen haben!

  25. Oh ja, du beschreibst 1:1 meine Alltag seit Tagen. Morgens schon am Zusammenbrechen, Zusammenraufen, wieder Zusammenbrechen und immer so weiter. Trösten, Drängeln, wieder trösten. Und mega viel ausdrucken, Termine und Videokonferenzen organisieren, Immer wider Probleme mit dem Drucker, dem Internet, dem PC oder den einzelnen Programmen. In die selbst ich mich erstmal reinwuchsen muss. Wie sollen es Kinder schaffen perfekt mit dem Computer umzugehen, während alle Mails bei der Mama eintrudeln und der Drucker heissläuft. Der Esstisch zu jeder erdenklichen Zeit voller Arbeitsblätter und wenn es denn einmal doch geklappt hat, sich ins Meeting einzuwählen und ich einen Schluck Karfee trinken will, klingelt der Postbote oder die Waschmaschine piept. Es ist nach 5 Tagen schon kaum mehr auszuhalten. Weder für ( hier ) die Mutter, noch für die Kinder. Die in dieser Zeit auf sowieso schon viel zu viel verzichten müssen.

  26. „Ich hab das Gefühl alles anzufangen, aber nichts zu schaffen.“

    Vielen Dank für diesen Satz.
    Mein Lebensgefühl auf den Punkt gebracht.

    Vielen Dank für diesen Artikel.

    Mein Mantra in diesem Wahnsinn (Zwillinge-Erstklässler, Homeoffice beide Eltern) ist: „Gut ist gut genug. Was nicht geschafft wird, wird nicht geschafft. Perfektionismus wieder in anderen Zeiten.“

    1. Vielen Dank für die ehrlichen Worte! Hier ist es seit gestern auch chaotisch… wir schaffen nicht alles, was geschafft werden soll. Es sitzen hier drei schulpglichtige Kids (7. Klasse Gymnasium, 4. Klasse und 2. Klasse) und gerade das Kind in der 2 Klasse vermisst ihren geregelten Schulalltag mit Freunden. Versteht mich bitte nicht falsch, wir versuchen natürlich auch hier einen geregelten Tagesablauf einzuhalten, aber das ist nicht einfach. Das Internet ist, naja vorsichtig ausgedrückt, bescheiden. Aber irgendwie schaffen wir es auch diesmal. Allen Eltern im Distanzlern Wahn wünsche ich starke Nerven und gutes Gelingen😊🍀

    2. Liebe Lisa,

      vielen vielen Dank für Deinen Text. Du bestärkst mich in dem Gefühl, meinen Schülerinnen und Schülern Ruhe vermitteln zu wollen und die Sicherheit, dass nicht jede (unterlassene) Handlung im Lockdown notenrelevant ist. Es sind verrückte Zeiten und noch verrückter wäre es nur, so zu tun als wäre das nicht so.
      Beste Grüße
      Rüdiger

  27. Das wirklich einzige, was mich in dieser Zeit beruhigt, ist die Tatsache: Wir sitzen alle im selben besch… Boot!

    Ich habe zumindest das Glück, noch keine Schulkinder zu haben. Dafür ein Krippen- und ein Kiga-Kind. Für beide haben wir aktuell noch einen Platz in der Notbetreuung ergattert. Allerdings werden wir da wohl bald rausgekickt, da wir beide keinen systemrelevanten Beruf haben. – Und laut Auffassung der städtischen Regelungen Eltern im Home Office spielend nebenbei Kinder bespaßen können. Leider ist der Vater selbstständig als Tischler unterwegs – also bespaßt hier nur eine und das bin ich.

    Der Medienkonsum meiner 4-jährigen Tochter hat sich bereits im Frühjahr so rapide gesteigert, dass auch ich inzwischen die Titelmelodien nahezu aller Amazon-Prime-Kinderserien sowie von sämtlichen Hörspielen auf Spotify auswendig kenne. Wir sind alle so dünnhäutig, gehen bei jeder Kleinigkeit an die Decke, weil uns allen der Ausgleich fehlt.

    Jeder Nachmittag ist gleich. Wir sehen kaum noch Freunde und wenn dann stehen wir uns draußen im Regen die Füße platt. Mein Großvater vegetiert in einer Demenz-WG vor sich hin. Um ihn zu besuchen, muss ich mich regelmäßig testen lassen. – Was ich aber nicht schaffe, da ich nur allein zum Test kommen darf. Ebenso wie zu den Impfterminen beim Kinderarzt. Überall nur mit einem Kind… Aber die Betreuung für das zweite fehlt jederzeit und ständig.

    Ich habe einen tollen, neuen Job im Home Office mit einem großartigen Chef und lieben Kollegen. Ich würde mich gern so richtig reinstürzen und alles geben – doch ich bin schon morgens um 8 Uhr so erledigt, dass ich nicht weiß, wie ich überhaupt die Zeit bis zum Abendbrot schaffen soll.

    Vor Weihnachten hatte meine Mutter einen schweren Autounfall. Sie hat mit viel Glück überlebt, ist aber auf Hilfe angewiesen. Mit beiden Kindern darf ich aktuell nicht zu ihr. Anfrage beim Gesundheitsamt: Ausnahmegenehmigung…? Das müsste gesondert und streng geprüft werden… Also eine weitere Baustelle, um die ich mich kümmern muss.

    Ich habe das Gefühl, dass ständig jemand etwas von mir möchte. Und ich möchte eigentlich nur mal einen ganzen Tag lang das Gefühl haben, dass niemand etwas von mir möchte. Und dann meldet sich wieder das schlechte Gewissen und flüstert: Du jammerst aber auf ganz schön hohem Niveau. Anderen geht es viel schlechter. Und dann fühle ich mich schlecht.

    Mein Schreibtisch, mein Esstisch, mein Wohnzimmertisch: Überall türmen sich Anträge, E-Mails, Kinderzeichnungen, Rechnungen, Bescheinigungen. Überblick? – Habe ich schon längst nicht mehr. Mein inneres System fühlt sich an, als wäre es ständig auf der Flucht. Als würde gleich der Säbelzahntiger um die Ecke kommen und zuschnappen. Das wäre es dann gewesen. Schön wäre, wenn er sich statt meiner einfach dieses bescheuerte Virus schnappen würde…

    Und dann öffne ich euren Blog und lese den aktuellen Beitrag. Das sind meine 10 Minuten Auszeit gerade und es tut jedes Mal aufs Neue wahnsinnig gut! Ich danke euch für eure Ehrlichkeit, für eure Ausdauer, euer Engagement. Und haltet durch: Alles wird gut! (Sagte meine Oma immer – und Omas muss man doch glauben, oder?!)

  28. Hilfe! Danke! Alles gleichzeitig! Was können wir tun? Dieser Artikel sollte an die Bundesregierung gehen. Leider hat wohl keine Mama gerade Kapazität dafür sich Gehör zu verschaffen. Ich bedanke mich auch gleich mit für den Care-Arbeit-Artikel. Ich finde mich in beiden Texten wieder. Immerhin ist man nicht allein am Limit. Trotzdem nicht schön da, am Limit. ABER was können wir tun? Woher kann Hilfe oder Änderung kommen? Was ist wenn der Tag kommt, an dem man zusammenbricht und nicht mehr aufstehen kann? Mir macht das Angst. Für mich und andere Eltern.
    Danke auch für das graue Kästchen. Danke! Was du da in kurzer Zeit in die Tasten gehauen hast, ist für mich gerade Gold. Vielleicht gibt es ein bisschen was, es wenn eine Unbekannte sagt, du machst deinen Job in meinen Augen großartig, trotz allem.

    1. So verrückt kommt die Zeit uns in den Familien wohl gerade allen vor. Trotzdem geht es mir persönlich besser mit dem Distanzlernen gerade, ich habe mich bei der Inzidenz hier, um 200 seit vielen Wochen, nicht mehr wohlgefühlt mit dem Präsenzunterricht.

      Meine Kinder, 6. Klasse Gymnasium und EF, also 10,, sind natürlich schon selbstständig.
      Alles drumherum wird auf das nötigste reduziert. Ein Sporttrsiner würde von mir für sowas wir den geschilderten 4km Lauf höchstens ein müdes Winken ernten, keinesfalls würdd ich etwas anderes dafür verschieben, wo dann auch wieder keine Zeut ist.
      Der Klavierlehrerin habe ich heute auch freundlich für ihr Engagement gedankt, Videounterricht gerne wenn wir uns eingegroovt haben im Distanzlernen. Nein, heute nicht, danke. Meine Kinder spielen eigentlich Handball, Tennis, das eine noch Volleyball, dazu jedes ein Instrument. Wozu Lust und Kraft da ist, wird jetzt auch geübt oder trainiert, mehr nicht.
      Es ist alles nicht soooo wichtig. Nicht mal die Schule. Alles wird gut. Manchmal dauert es nur ein bisschen.

  29. Da wird einem beim Lesen ganz schwindelig!
    Ich habe für mich entschieden, alles anzunehmen und nicht dagegen anzukämpfen und dabei sehr genau auf mein Inneres zu hören, wann ich Zeit für mich brauche. Perfektionismus ausschalten, essen, wenn der Hunger da ist, einkaufen, wenn die letzte Milch verbraucht ist, duschen, wenn es gar nicht mehr geht…;-)
    Und: man darf auch nicht in die Rallye mit einsteigen, „wem geht es in dieser Zeit besonders schlecht“. Ich höre immer die Stimmen von systemrelevanten und selbstständigen und Alleinerziehenden und Mehrfacheltern etc. Diese Herausforderung trifft meiner Meinung nach alle besonderes hart – eben jeden auf seine besondere Weise und besonderen Härte. Schmerzempfinden unterscheidet sich ja auch bei jedem…
    Viel Kraft für Alle an der Front…an jeder Front!

  30. Liebe Lisa,
    was bin ich froh nur ein Kita-Kind zu haben. Was Du und die anderen Eltern (Mütter) mit Homeschooling und Arbeit leisten ist der Wahnsinn. Und man merkt, dass Du Deine Kinder sehr liebst – sonst würdest Du das alles wohl nicht machen.
    Ich hoffe, dass wir das alle ganz bald gut überstehen und sende Dir (und allen anderen, die es gerade brauchen) eine virtuelle Umarmung.

  31. Liebe Lisa und alle anderen Mamas (und Papas),die zwischen Homeschooling, Kinderbetreuung,Haushalt und womöglich noch Job rotieren – ich habe ganz großen Respekt!

    Beim lesen des Artikels habe ich mich schon gestresst gefühlt… Es klingt wirklich nervenaufreibend.
    Meine Zwillinge sind noch KiGa-Kinder und ich bin im Frühjahr ohne KiGa und mit 8 Stunden/Woche-Job teils schon auf dem Zahnfleisch gegangen…
    Jetzt bei 25 Stunden/Woche-Job und Notbetreuung im KiGa geht’s,aber ich will mir gar nicht vorstellen, wie es wäre,wenn die beiden schon Schulkinder wären und ich Homeschooling „nebenher“ geregelt kriegen müsste :-/ Das ist etwas, wofür ich sehr dankbar bin: dass sie noch nicht schulpflichtig sind!

    Eltern – und natürlich die Kinder -machen das so toll,auch wenn es sich bestimmt nicht immer so anfühlt. Haltet durch!!

  32. Liebe Lisa,

    ich drück dich mal feste und unbekannterweise aus Hamburg!

    Ich bin sooo bei Dir, es ist einfach megahart und ich finde es auch deutlich anstrengender als im Frühjahr.

    Wir haben vier Kinder von 6-10 Jahren, 3.Klasse und 5.Klasse dazu 6 Jährige Vorschulzwillinge, die nur Quark machen daheim. Ich arbeite in Teilzeit für eine Hochschule, mein Mann beschult hier daheim 200 Schüler für eine Gesamtschule digital.

    Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, alles zu schaffen. Mein Favorit heute ist die aktuelle Aufgabe für meinen 5.Klässler in Deutsch, er möchte zwei lange Märchen einlesen und im Padlet hochladen. Er ist schwerer Stotterer und kann keinen Satz ohne starke Hänger und Verzögerungen sprechen.

    Ich versuche gerade alles runterzuschrauben- vor allem den Anspruch alles zu schaffen. Wir wollen als Familie halbwegs überleben bis zum Frühling ohne Kollateralschäden für uns.

    In Hamburg kommen noch die strengen Beschränkungen hinzu, unsere Zwillinge dürfen nicht mal gemeinsam zu ihrem Freund in der Nachbarschaft, da ja in jeden Haushalt nur ein zustätzliches Menschlein darf. Alles ein großer Mist.

    Wir haben uns jetzt wirklich an alles gehalten die letzten 10 Monate und so langsam hätte ich gerne mal mein Fleißsternchen…

    Aber ich befürchte, da müssen wir Familien noch lange drauf warten…

    Haltet gut durch, Ihr Lieben!

  33. Ich habe auch nur zwei Kinder: Gymnasium und Grundschule. Aber alleinerziehend ohne familiäre Unterstützung. Ich zähle die Tage bis zum Ende des Homeschoolings. Es ist der Wahnsinn…
    Meine Kinder müssten so viel an Organisations- und Strukturaufwand (oder die Mütter) leisten, was frühere Generationen erst zum Zeitpunkt des eigenen Studiums gelernt haben.
    Hier gibts auch kaum noch geregelte Essenszeiten, es ist einfach nicht drin von der Zeit her. Eindeutig viel zu viele To dos für zu wenige Personen in viele zu wenig Zeit…

    1. Essen? Ach Mist, jetzt weiß ich, was ich heute vergessen habe…
      Scherz beiseite. Gsd ist diese Woche nur ein Kind da, das andere wird „auswärts“ betreut. Wo jemand Urlaub und Zeit hat. Ich hoffe, es wird ihr ein wenig geholfen! So hab ich nur eine Zweitklässlerin hier, die im Moment mal wieder auf essen nicht so viel Wert legt und ein paar Nudeln reichen.
      Ich weiß nicht, wo ich „gesund und ausgewogen kochen“ noch hinpacken soll.

      1. Wie wäre es denn Alltag anders organisieren. Früher aufstehen hilft. Meine Kids müssen 6.30 raus. Homeschooling ist wie Schule nur zu Hause halt. Also genauso zeitlich gestalten. Und Microsoft Office 365 hat meine Familie seit unsere Älteste in die 5.Klasse ging. Auch ein Tag im Homeschooling muss vorbereitet sein.

  34. Hallo Lisa!
    Sei lieb gedrückt! Hier haben wir drei Gymnasiasten (gleiche Schule) und ein Grundschulkind. Dieses ist nach 1 1/2 Stunden bereits mit allen Tagesaufgaben fertig und dann heißt es im Minutentakt: „Wann sind die Brüder fertig? Wieso haben die soooo lange Schule?“ Gefolgt von: „Pssst, pssst ich bin doch in einer Konferenz.“ Also schnell Töchterchen ins Auto gepackt zum Einkaufen – etwas Ablenkung. Zum Glück ist im Notfall der Papa im Homeoffice ansprechbar, aber da muss auch geguckt werden, der hat ja auch Videokonferenz oder Telefonate.
    Wieder zurück, sind die Brüder immer noch nicht fertig – ja, auch im Homeschooling geht die Schule bis 15 Uhr inkl. Videokonferenzen bis dahin.
    Moment, ach ja, die Waschmaschine…gut Töchterchen malt etwas. Dann oben Geschrei, jemand hat zu laut geredet, wo doch der andere auch eine Videokonferenz hat… „Mama, morgen ist doch noch eine Konferenz mehr. Mama, druck das aus. Mama, ich verstehe das hier nicht. Mama, wieso haben die Brüder IMMER NOCH Schule?“ Okay, Brüder sind jetzt auf drei Räume verteilt und nicht lange und der Jüngste hat endlich Zeit für die Schwester.
    Hut ab vor den Mamas, die nebenbei noch Homeoffice oder „Draußen“Arbeit machen – hier würde dann wirklich alles drunter und drüber gehen.
    Ich hoffe wir schaffen das alle irgendwie!
    Liebe Grüße

  35. Liebe Lisa,

    seh es doch mal anders herum: Weißt du, wie gut es deine Kinder haben? Eine Mama, die ihnen bei Französisch und Englisch helfen kann, die mit ihnen über Hühnerhaltung etc. diskutiert und jetzt im Homeschooling einfach für sie da ist? Ist doch toll für sie.

    Ich muss leider berufsbedingt fast jeden Morgen aus dem Haus und kann dann keine Hilfestellung geben, auch wenn meine zwei sie dringend bräuchten. Deswegen gilt bei uns die Devise: Was geschafft ist, ist gut, alles andere bleibt eben unbearbeitet. Und ehrlich gesagt: Ob sie momentan in Sport, Kunst oder Religion unbedingt auch noch Aufgaben bekommen müssen, wage ich ehrlich zu bezweifeln. Wir konzentrieren uns hier auf Deutsch, Mathe und Fremdsprachen, alles andere ist nicht wichtig und das vertrete ich auch gegenüber der Schule so. Klar macht die Schule Druck, aber den fange ich ab, bevor er auf die Kinder übergeht (10. und 6. Klasse übrigens). Sie haben es momentan schon schwer genug….

    Heute schneit es bei uns und da ist morgens Schlitten fahren auf dem Hügel im Ort angesagt, Aufgaben können warten….

    Viele Grüße, Ina

  36. Liebe Lisa,
    es ruckelt gerade überall, in allen Familien.

    Bitte versuche deinen Mann mehr in die Pflicht zu nehmen: und wenn er am Vorabend „nur“ das Mittagessen vorkocht… das wäre immerhin ein Anfang.
    Mit den Kindern am Vorabend den Tagesplan für den nächsten Tag durchzugehen wäre auch super und vielleicht machbar für ihn?
    Home schooling ist eure gemeinsame Aufgabe und die Verweise darauf, dass der Mann den besseren und sicheren Job hat, sind Ausflüchte.

    Ich wünsche Dir viel Kraft!
    Kati

  37. Hallo Lisa,

    Also ich sehe es wie du: nebenher die Kinder beim Homeschooling unterstützen, ist einfach nicht möglich.

    Das wäre evt. machbar wenn die Kinder völlig selbstständig arbeiten können, die entsprechenden Geräte zur Verfügung stehen würden und das Konzept Homeschooling komplett didaktisch durchdacht wäre. Ist ja eigentlich so, dass hinter den ganzen schulischen Ansätzen normalerweise auch ein Konzept steht, über das sich mal jemand Gedanken gemacht hat.

    Das Einzige, das ich vielleicht an eurer Stelle überlegen würde, wäre die Kinder bei Aufgaben einzuteilen, die sie machen können. Zb. Frühstück richten, abräumen, Geschirrspüler ausräumen.
    So dass du als Mama wirklich nur die Aufgaben hast, die kein anderer machen kann.
    Und dass die Kinder den Lehrern rückmelden, wenn etwas nicht verstanden wurde oder es Probleme mit den Aufgaben gab oder es zeitliche Probleme mit all den Zoom Terminen gab. Denn daran können die Lehrer etwas ändern.

    Bei uns ist es so, dass mein Mann seit März im Home Office arbeitet und ich die Kinder zuhause betreue wenn ich nicht gerade selbst in der Notbetreuung eingesetzt bin. Und alleine mit der Betreuung der Kinder und dem Hauhalt bin ich voll ausgelastet, also ohne nebenher noch meinem Beruf nachzugehen.

    Unser Kollegium stellt übrigens Materialpakete zusammen. Das funktioniert ganz gut und für die Eltern entfällt zumindest das Ausdrucken und Richten. Für Kinder, die allerdings keinerlei Unterstützung zuhause haben, ist es trotzdem eine wirklich prekäre Situation, denn es ist fraglich, ob sie die fehlende Zeit/ Unterstützung in der Schule wieder aufholen können.

    Ich hoffe, dass es bald wieder einen einfacheren Alltag gibt und jedes Familienmitglied seinen eigentlichen Aufgaben nachgehen kann.

    Haltet durch!

  38. Alter Schwede! Ich höre sofort auf zu jammern.. Ich babe nur ein Kind im homeschooling und ein Kitakind zu Hause…wünsche allen da draußen viel Kraft und immer genug Kaffee 😉

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