TikTok Challenges: Vorsicht, Lebensgefahr! „Teen-Time“ Jugendkolumne

TikTok Challenges

Symbolbild: pixabay

Ihr Lieben, was wäre eine Jugend ohne Scheißebauen? Für die Eltern ein Traum, für die Kinder ein Trauerspiel… Wie sollen sie sich kennenlernen, wie Grenzen erlenen, wie sich erfahren, wenn sie immer brav und fleißig lernend zu Hause sitzen? Und trotzdem birgt all der jugendliche Leichtsinn – besonders wenn es wie heute oft um so genannte TikTok Challenges geht – eben auch manchmal so viel Lebensgefahr, dass ein befreundeter Vater neulich sagte: Ich will sie einfach nur lebendig bis zur 18 kriegen, dann wird das Hirn wieder vernünftiger 😉 Ich versteh das so!

Jugendsünden: Wir haben ja selbst auch mal Scheiße gebaut

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Und ich weiß nicht, wie das in eurer Jugend war, aber ich kenne tatsächlich EINIGE im Freundeskreis, die heute sagen: Wow, hatten wir Schwein, dass nie was Schlimmeres passiert ist. Die haben sich im Wald mit Schlitten an Autos gehängt (oder aufs Auto draufgelegt und sich an Gepäckträgern festgehalten). Die haben Münzen auf Bahnschienen gelegt, um sie vom nächsten D-Zug plattfahren zu lassen. Haben sich für Fotos zu nah an Abgründe getraut oder Graffiti an den absurdesten Orten gesprüht.

Und ich kann mir natürlich auch selbst ans Näschen fassen. Mir in meinem Austauschjahr spätabends in einer Discozone in Bogotá in Kolumbien ein Zungenpiercing stechen zu lassen… nun… das hätte auch mit Infektionen oder Blutvergiftung oder was auch immer ordentlich schiefgehen können. Ich war 16 und fühlte mich offenbar unsterblich. Jugendsünden: Das KANN alles gutgehen, muss es aber halt nicht.

Genau das macht diese jugendliche Leichtigkeit für Eltern so schwer zu ertragen. Manches, was sich unsere größer werdenden Kinder in ihren hormongefluteten Hirnen ausdenken, möchten wir auch vielleicht gar nicht so genau wissen. Okay, mal nachts ins Freibad springen, obwohl es verboten ist, das finden wir – wenn wir es zwei Jahre später erfahren – vielleicht noch halbwegs witzig.

TikTok Challenges: Wenn Mutproben zur Lebensgefahr werden

Aber was ist mit diesen ominösen TikTok Challenges? Das sind Mutproben, die in Videos massenhaft in der App viral gehen und an der sich irrsinnig viele junge Leute beteiligen. Auch solche, denen man eigentlich viel mehr Grips zugetraut hätte, die eigentlich über die Gefahren aufgeklärt sind, die dann aber doch auch mitschwimmen auf der Welle, cool sein wollen, sich beweisen möchten vor den anderen.

Mir wird immer noch ganz schlecht (und zwar wirklich körperlich schlecht mit Würgereiz und zitternden Fingern), wenn ich daran denke, wie mir ein Video mit lauter mir bekannten Heranwachsenden gezeigt wurde, die mit einem aus ihrem Freundeskreis die viel diskutierte Piloten-Challenge durchgeführt haben. (Ihr wollt gar nicht wissen, wie viele Videos zu dieser Challenge auf TikTok existieren…)

Jeder weiß um die Gefahr, fast alle machen mit

Mutproben
Foto: pixabay

In einem Warn-Post bei TikTok heißt es zu einem ganz konkreten Fall: „Der Pilotentest ist eine gefährliche Challenge, die tödlich enden kann. Dabei gibt es unterschiedliche Varianten. In diesem Fall wurde eine forcierte Hyperventilation durchgeführt, die schlussendlich zur Ohnmacht führte. Durch das Zusammenpressen des Brustkorbs und die Hyperventilation wurde eine Verlangsamung des Herzschlags verursacht. Infolgedessen kam es zur Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff und zusätzlich zu einer Hirnblutung…“

Bei dem Video, das mir da also gezeigt wurde, stehen lauter Freunde drumherum, als einer von ihnen loslegt und dann zuckend auf die Erde sackt. Hier kam es nicht zu Hirnblutungen oder schweren Verletzungen, aber mir hat das schon gereicht. Die Gefahr war ja ganz real da. Wirklich, ich kann das kaum schreiben ohne zittrig zu werden. Alles Leute, denen ich was zutraue und bei denen ich sowas niemals erwartet hätte. Die ich dann auch fassungslos fragte, wieso denn niemand der Freunde mal eingegriffen und das beendet oder gestoppt hat.

Eingreifen, aufklären, nachfragen, offen bleiben

Das schreibe ich deswegen dazu, weil ich sagen will: Dieser Unvernunft können ALLE aufsitzen. Und es sind viele. Bei unseren Kindern an der Schule musste neulich der Rettungswagen kommen, weil ein Kind beim Zusammensacken mit dem Kopf auf einer Steinkante gelandet war. In Bonn soll ein Kind einen bleibenden Schaden am Hirn zurückbehalten haben. Und das erzähle ich euch jetzt so detailliert, weil ich das auch unseren Kindern so detailliert erzähle.

Hot Chip Challenge
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Damit sie wissen, was passieren kann, damit sie lernen, dass Späße okay sind, aber die Gesundheit wichtiger! Dass niemand sich bitte in Lebensgefahr begibt, um cool zu sein oder aus Gruppenzwang. Und dass sie auch bitte, bitte eingreifen, wenn jemand anders aus dem Freundeskreis mit so einem Bullshit wie der Piloten- oder der Hot Chip-Challenge (so scharfe Chips essen, dass man sich entweder übergibt oder gar umkippt und in der Klinik landet, sie sollen 400x so scharf sein wie Tabasco-Sauce) um die Ecke kommt.

Späße sind okay, aber gefährdet doch nicht eure Gesundheit

TikTok Challenges
Symbolbild: pixabay

Ganz zu schweigen von der Blackout Challenge (Würgen bis zum Umfallen), der Sleepy Chicken Challenge (Hühnchen mit Fiebersaft), der Mouth Taping (Klebeband auf dem Mund für tiefen Schlaf) oder der Dry Scooping Challenge (eine Überdosis Koffein vor dem Training). Der Kreativität sind bei diesem Schwachsinn keine Grenzen gesetzt. Es gibt immer wieder Todesfälle, besonders in den USA.

Erzählt euren Kindern davon. Immer mal wieder, wenn ihr davon hört. Einfach, um sie zu sensibilisieren. Und um zu hoffen, dass sie selbst so gestärkt sind, dass sie einfach Nö sagen, wenn der nächste Trend um die Ecke kommt. Offen sein, nachfragen, Infos geben.

Und gleichzeitig dürft ihr wie der oben erwähnte Vater einfach hoffen, dass sie halbwegs unbeschadet durch die Jugend kommen, bis das Hirn wieder auf Vernunft umschaltet… Ich hoffe das so sehr, für uns, für euch und für alle Eltern. Oder wie handhabt ihr das?

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3 comments

  1. Boar ich weiß gar nicht was ich sagen soll, ich habe solche Angst, dass das bei uns mal ein Kind macht. Egal ob jetzt die Eigenen oder ein befreundetes Kind, ich hoffe das sie wirklich geistig so stark sind, so einen Blödsinn nicht mit zu machen. Ich finde das so krass.
    Also ja, wie du schon sagst, wir haben auch Blödsinn gemacht und manchmal einfach Schwein gehabt, dass nicht mehr passiert ist. Sicherlich hätte auch bei uns etwas schwerwiegenderes passieren können, aber wir haben es nicht vorsätzlich aufgrund einer Mutprobe gemacht.

    Meine Große ist nun mittlerweile in einem Alter, wo die Medien immer mehr Interesse wecken. Und durch Zufall hat selbst Kika vor ein paar Tagen dieses Thema bei logo! aufgegriffen. Wir gucken dies manchmal, weil ich noch ein kleines Kind im Haushalt habe. Und als dies angesprochen wurde, habe ich sie gleich in die Stube gerufen und gesagt: Schau es dir an! So einen Blödsinn macht man nicht.
    Habe ihr dann auch noch von ein paar Fällen erzählt, von denen ich aus der Vergangenheit mal gehört habe und gemeint, dass Mutproben immer doof sind. Solche Sachen mit dem kalten Wassereimer oder so, die sind eher harmlos, aber alles was mit Bewusstlosigkeit oder Verletzungen zu tun hat, soll man klar „nein“ sagen, auch wenn man dann vielleicht erstmal als „uncool“ da steht. Aber am Ende, wie du schon sagst, sie leben und erreichen hoffentlich die 18.

    1. Leider kann immer ewas mit den Kindern sein, auch ohne Tiktok. Es ist allgemein sehr sehr schlimm, wenn ein Kind vor seinen Eltern stirbt ob es erst 3 j. , 14 j. oder auch schon 45 j. ist.Finde es aber total gut, dass darauf hingewiesen wird, so dass man ein Auge, darauf haben kann….

  2. In Recklinghausen starb letztes Jahr ein Schüler auf Bahngleisen. Ein weiterer Schüler wurde sehr schwer verletzt mit bleibenden Schäden. Wir Erwachsenen haben uns gefragt, warum diese Kinder auf den Gleisen unterwegs waren. In der Schule wurde aber sehr schnell gemunkelt, dass es eine tik tok challenge war.
    Wie absolut tragisch!
    PS: während ich schreibe, erzählt mir meine Tochter, dass bereits zwei Kinder an der Schule einer Freundin nach dem Pilotentest gelähmt sind.

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