Eltern in Corona-Zeiten: Unsere Umfrage für Verbesserungsvorschläge an die Politik

Ihr Lieben, wir haben jetzt alle die ersten Monate in Zeiten der Corona-Pandemie überstanden und wir realisieren, dass es da nun eine neue Lebensrealität gibt, mit der wir nun zurechtkommen (müssen). Deal with it, ist wohl das Motto, das die aktuelle Lage am besten trifft. Aber was können wir draus lernen? Wir können wir mit unseren Erfahrungen nun vorankommen? Vorsorgen, dass es nicht wieder so ein Wahnsinn wird?

Wir sind in den letzten zum Teil recht laut geworden hier bei Stadt Land Mama, weil wir die Lage gerade für Eltern zum Teil als untragbar empfanden. Vieles, was Familien anging, wurde politisch einfach nicht von Anfang an mitgedacht und so saßen wir vereinbarend und uns acht Krakenarme herbeiwünschend zwischen gefühlt tausend Aufgaben und drehten am Rad (wir zumindest, da sind wir ganz ehrlich).

Wie krass uns das „Homeschooling while working“ überforderte

Ja klar, war ja auch ALLES kein Thema! Homeschooling mit drei Kindern in unterschiedlichen Klassen in 36 unterschiedlichen Fächern, trösten, schlichten, erklären, kochen, einkaufen, koordinieren. Und zwar ohne jegliche Hilfe, während wir gleichzeitig unsere Jobs bitte auch noch ausfüllen sollten, die Wirtschaft am Laufen halten, arbeiten, nachts, am Wochenende, in den Randzeiten ohne Ausgleich durch Freundinnen, ohne Hilfe von Großeltern, ohne Entschädigungszahlungen wegen ausfallender Aufträge, ohne Verdienst, ohne Dank.

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Es war für viele von uns viel zu viel und deswegen diskutierten wir bei SternTV mit dem NRW-Familienminister, ließen wir uns vom Deutschlandfunk zu Hause für eine Reportage begleiten, gaben Interviews, schrieben Protestbriefe und engagierten uns mit Hashtags wie #coronaeltern und #elterninderkrise. Viele in unserer Umgebung kratzten am Burnout oder wurden sogar mit einem handfesten Zusammenbruch krankgeschrieben. Weil so viel zu lasten der Familien ging.

Plötzlich waren wir Lehrer, Erzieher, Entertainer, Streitschlichter, Köche, Aufräumer, Manager, Trainer

Wir mussten ganz plötzlich alles gleichzeitig sein: Lehrer, Erzieher, Entertainer, Streitschlichter, Köche, Babysitter, Putzer, Aufräumer, Manager, Trainer usw. Wir forderten, den Druck aus dem Lehrplan zu nehmen die Schulen zu digitalisieren, ein Corona-Elterngeld einzuführen, Konzepte für Kitakinder zu entwickeln. Wir versuchten, all jenen eine Stimme zu geben, die selbst keine Kraft mehr hatten, sich auch noch ums Lauwerden zu kümmern um dringende Veränderungen.

Wir sorgten uns um Bildungsgerechtigkeit und um all die Kinder, die Gewalt in der Familie erfahren. Um Alleinerziehende und Risikopatienten, um Eltern, die Kinder mit Behinderungen plötzlich allein betreuen mussten.

Konstruktive Lsöungsvorschläge: Was können wir tun, damit es nicht wieder so weit kommt?

Und wir möchten, dass diese Forderungen auch heute nicht verhallen. Denn Corona ist noch da. Die Pandemie ist nicht bezwungen. Wir alle leben zurzeit in der Ungewissheit, was sich wieder normalisieren und was sich dauerhaft verändern wird in unserem Land, in Europa und der ganzen Welt.

Und deswegen möchten wir euch – euch alle! – ins Boot holen. Zusammen mit Anne-Luise von Grossekoepfe und Anke von Lächeln und Winken möchten wir Stimmen von Eltern sammeln, die wir gemeinsam an die Politik herantragen möchten.  

Darum haben wir uns vier ausgedacht, die sich auf eure individuelle Situation beziehen. Helft uns, ein umfassendes Stimmungsbild zu kreieren, das sich konstruktiv in die Überlegungen der künftigen politischen Maßnahmen einbeziehen lässt? Dann antwortet doch bitte mit maximal fünf Sätzen zu jeder dieser Fragen! Und zwar nicht (!) hier in den Kommentaren, sondern auf Surveymonkey (einfach Link klicken).

1. Was ist im Moment eure größte Angst?

2. Was ist euer schwerwiegendstes Problem im (Familien-)Alltag? 

3. Was wäre eure Idee bzw. was bräuchtet ihr gerade am dringendsten, damit sich die Situation für euch als Eltern verbessern würde? 

4. Wie viele Personen leben in eurem Haushalt?

Wir danken euch für euren Input! Lasst uns gemeinsam schauen, dass wir hier etwas bewegt bekommen – im Sinne aller Familien, die mit ihren Kindern die Zukunft heranziehen – und auf diesem jedwede Entlastung und Wertschätzung gebrauchen können. Auch und gerade in Ausnahmezeiten wie diesen.

DANKE!


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7 comments

  1. Gerade kam wieder eine Studie heraus, dass Frauen weniger verdienen, viel in Teilzeit arbeiten und mehr Care-Arbeit leisten als die meisten Männer. Meines Erachtens ist das größte Problem, dass es zu wenig planbare Kinderbetreuung gibt. Klar, wenige wollen ihre Kinder 48 h die Woche in die Kita geben, doch auch die gibt es. Aber viele brauchen vielleicht von 6 bis 13 h oder 14 bis 21 h Betreuung. Oder gar am Wochenende, weil sie im Einzelhandel oder der Pflege arbeiten. Davon abgesehen, dass vielerorts für Schüler bei 13 Wochen Ferien keinerlei Ferienbetreuung statt findet. Das können nicht mal 2 Eltern erfüllen, selbst wenn sie den kpl. Urlaub getrennt verbringen. Die Betreuungsangebote müssen hier flächendeckend ausgebaut werden, wobei es natürlich viel zu wenige Erzieher/Pädagogen gibt, da der Beruf auch zu schlecht bezahlt und gewürdigt ist.

  2. 1. Die grösste Angst: Schulschliessung. Lernen auf Distanz mit 2 Kindern und gleichzeitig arbeiten war echt schwierig.
    2. Das grösste Problem: die Kinder können nicht ganz alleine lernen. Sie brauchen ständig Hilfe dabei. Das behindert meine Arbeit extrem.
    3. Wir brauchen: guten Onlineunterricht für den Notfall mit bei Fragen erreichbaren Lehrern. Einfache Handhabung der Software, die die Kinder alleine bedienen können. Nicht zu hohe Leistungsanforderungen nach Lehrplan sondern Berücksichtigung der Umstände. Lehrer, die nett sind und Mut machen in dieser Zeit.
    4. Wir sind 3 Personen. Alleinerziehend mit 10 jährigen Zwillingen

  3. 1. Was ist im Moment eure größte Angst?
    Ich hoffe sehr darauf, dass sich die Situation des Lockdown nicht noch einmal wiederholt. Einfach auch deshalb, weil die wissenschaftlichen Erkenntnisse mittlerweile differenzierter sind. Leider haben wir am Wohnort kein Netzwerk und meine größte Angst ist, dass wir wieder sehr isoliert und auf uns allein gestellt sind, wenn es soziale Einschränkungen gäbe.

    2. Was ist euer schwerwiegendstes Problem im (Familien-)Alltag?
    Unsere sozialen Kontakte sind leider nicht vor Ort. Unser großes Problem ist, dass wir kein Netzwerk vor Ort haben, auf das wir schnell zurückkommen können.
    Dann ist es auch so, dass beide Elternteile recht viel arbeiten. Unter normalen Bedingungen ist es anstrengend aber gut zu organisieren. Wirklich flexibel auf besondere Situationen können wir aber nicht reagieren. Und genau dass ist in besonderen Situationen notwendig.

    3. Was wäre eure Idee bzw. was bräuchtet ihr gerade am dringendsten, damit sich die Situation für euch als Eltern verbessern würde?
    Gesicherte Kinderbetreuung!
    Was wir als Eltern nicht schaffen können, ist 100%
    Kinderbetreuung und 100% Arbeitsleistung. Ich würde mir wünschen, dass von Arbeitgebern und (politischen) Entscheidungsträgern ausgesprochen und definiert wird, wo Eltern zurückstecken dürfen und sollen.
    Für mich ist es aber auch selbstverständlich, dass ich mich als Arbeitnehmer nicht ausschließlich ins private zurückziehen kann um mich um unser Kind zu kümmern, sondern auch in so schwierigen Situationen Leistung bringen muss.
    Eine griffige Idee habe ich aber leider nicht, außer natürlich im Dialog zu bleiben.

    4. Wie viele Personen leben in eurem Haushalt?
    3

  4. 1. Was ist im Moment eure größte Angst?
    – Erneute Schulschließung mit „Homeschooling“ mit blanken Nerven, Verdienstausfall (bei meiner Selbständigkeit), wieder soziale Isolation für unser Kind. Die Schule fängt hier in Bayren heute wieder an, es gibt einen Drei-Stufen-Plan, der mir auch sinnvoll erscheint, und bei leichtem Schnupfen und gelegentlichen Husten dürfen die Kinder auch in die Schule. Bin gespannt…

    2. Was ist euer schwerwiegendstes Problem im (Familien-)Alltag?
    Alles unter einen Hut bringen war echt krass, Arbeit und Beschulung gleichzeitig fast unmöglich, auch für unser Kind schwierig…

    3. Was wäre eure Idee bzw. was bräuchtet ihr gerade am dringendsten, damit sich die Situation für euch als Eltern verbessern würde? Wird sich hier nach den Ferien zeigen, was der 3-Stufen Plan so mit sich bringt. Vermisst habe ich in den letzten Monaten den politischen Willen es Familien (v.a. finanziell) leichter zu machen und die Rolle der Frauen überhaupt mal zu erwähnen, ganz zu schweigen davon, dass es politische Ansätze zu Care Arbeit gibt. Weil sind wir ehrlich: Gerissen haben es in den meisten Familien die Frauen ohne Rentenausgleich, ohne öffentliche Anerkennung, ohne Konzepte wie man langfristig in der Familienpolitik mehr Männer in die Care-Arbeit holen könnte.

    4. Wie viele Personen leben in eurem Haushalt? 3 (Vati, Mutti, Kind)

  5. 1. Was ist im Moment eure größte Angst?
    – dass die Kinder unnötig Angst entwickeln und die sozialen Kontakte immer schwieriger werden durch Angst vor Ansteckung oder unseren Jobs.

    2. Was ist euer schwerwiegendstes Problem im (Familien-)Alltag?
    – trotz systemberuf Kurzarbeit und entsprechend weniger Geld bei gleichen Ausgaben.
    – Organisation von Betreuung bei reduzierten betreuunggskapazizäten

    3. Was wäre eure Idee bzw. was bräuchtet ihr gerade am dringendsten, damit sich die Situation für euch als Eltern verbessern würde?
    – mehr Normalität im Alltag/der Kita
    Und ganz dringend Urlaub nach dem Stress

    4. Wie viele Personen leben in eurem Haushalt
    5

  6. Danke, ihr Lieben, dass ihr euch so einsetzt! Ich starte mal mit ein paar Einblicken aus unserem Leben:

    1. An sich ist die größte Angst natürlich eine Infektion, bzw. dass in Schule und Kita eine auftritt und die damit verbundenen Sorgen. Die kleine Angst ist die vor dem nächsten Schnupfen. Letzte Woche hatten wir schon das erste Mal beide Kinder Zuhause, nach gerade mal 3 Wochen Kita, bzw. 2 Wochen Schule. Die Kita ist etwas kulanter, da dürfen die Kinder mit leichtem Schnupfen wieder kommen, so lange keine anderen Symptome auftreten. Die Schule sagt: Bei Schnupfen Zuhause bleiben, bis der Schnupfen weg ist. Ich frage mich jetzt also, wie das gehen soll. Ständige Corona-Tests? Macht unsere Kinderärztin sicher nicht. Oder ständig das Kind Zuhause lassen? Wir trinken jetzt wohl viel Ingwer-Tee…

    2. Unser größtes Problem ist das ständige Umorganisieren, wenn schon wieder ein Kind mit Erkältung Zuhause ist. Wer verlegt welchen Termin wohin? Wer kümmert sich wann worum? Unsere Babysitterin haben wir seit Corona nicht mehr beauftragt, weil wir auch in Kurzarbeit bzw. mit weniger Aufträgen dastanden, was mich zu Punkt 3 bringt:

    3. Ich wünsche mir ganz dringend unkomplizierte finanzielle Zuschüsse für Babysitter-Kosten. Für Freiberuflerinnen wie mich beißt sich die Katze nämlich gerne mal in den Schwanz: Keine Zeit zum Arbeiten heißt: Kein Geld. Und kein Geld heißt: Keinen Babysitter bezahlen können und darum nicht arbeiten können. Wir haben in den letzten Monaten versucht, das Geld eher zusammenzuhalten, weil wir nicht absehen konnten, wie weit die Krise noch geht. Anderen Familien geht das sicher ähnlich. Ich kenne auch Geschichten von Frauen, die ihr Studium gerade nicht abschließen oder ihre Doktorarbeit aufschieben, weil sie Angst haben, dass der nächste Lockdown kommt oder das Kind den ganzen Winter mit Schnupfen Zuhause ist. Hier könnten Gelder für Babysitter total simpel helfen.

    4. Wir sind 4 Personen: Das Hübchen (6), das Räupchen (3) und wir Eltern (Papa Angestellter, Mama Freiberuflerin). Ihr kennt mich ja auch meinem Blog. 😉 https://kinderhaben.de/

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