Leserfrage von Julia: Was möchtet ihr in der Erziehung anders machen als eure eigenen Eltern?

Großmutter

Hey, mein Name ist Julia und mein erstes Kind ist jetzt ein halbes Jahr alt.
Mein Mann und ich sprechen darüber, was uns im Umgang mit unserem Sohn wichtig ist und gehen dabei auch kritisch miteinander um. Auch über unsere jeweilige Kindheit haben wir vermehrt gesprochen und reflektiert. Dabei kam auch die Frage auf: Was wollen wir anders machen als unsere Eltern? Und warum?

Mich interessiert, was wollt ihr anders machen als eure Eltern und warum?

Und ich möchte euch Mut machen zu versuchen eure Eltern zu verstehen und in manchem Fall zu verzeihen oder abzuschließen.

Kürzlich waren wir ein paar Tage bei meinen Eltern und es gab Gelegenheit für tiefer gehende Gespräche. Ich habe mich getraut meinen Eltern Fragen zu stellen zu ihrer Kindheit. Manche Dinge wurden beantwortet, andere haben glaube ich wunde Punkte getroffen und blieben unbeantwortet. Dennoch waren diese Gespräche echte AHA-Erlebnisse für mich.

Ich verstehe meine Eltern jetzt besser und habe verstanden, dass sie schon ganz schön viel anders gemacht haben als ihre Eltern (meine Großeltern), bei der Erziehung von mir und meiner Schwester. Immer in bester Absicht und aus Liebe, nicht perfekt, aber perfekt bin ich ja auch nicht.

Vielleicht würde ich mit meinem Baby-Sohn in 30 Jahren anders umgehen als jetzt. Vielleicht sagt auch er sich mal, das mache ich mit meinen Kindern aber anders. Ich hoffe aber auch, dass er sagen kann, dass er geliebt wurde und wir immer für ihn da waren.

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8 Kommentare

  1. Ich habe mir mein Leben lang vorgenommen, meine Kinder anders zu erziehen und nicht die Fehler machen, die meine Eltern gemacht hatten. Denn diese Fehler machen mir heute noch zu schaffen. Ich werde immer für meine Kinder da sein – sie werden immer zu mir kommen können. Noch heute bin ich der Meinung, dass meine Eltern überhaupt nicht mit Kindern umgehen konnten – auch nicht mit ihren Enkeln.
    Und ich bin froh, dass ich es bis jetzt geschafft habe, kein einziges Verhaltensmuster bei der Erziehung übernommen zu haben. Klar mache ich auch Fehler und oft ist es nicht leicht mit Arbeit, Kindern, Wohnung und anderen Aktivitäten. Aber unsere Beziehung ist wunderschön!
    Meine Erziehung ist genau das Gegenteil der Erziehung meiner Eltern – und darauf bin ich stolz.

  2. Ich bin im Großen und Ganzen mit der Erziehung meiner Eltern zufrieden und mache vieles ähnlich. Aber ich reagiere natürlich auch auf mein Kind und daher ergeben sich manche Dinge einfach anders. Meine Mama war Hausfrau und hat sich um mich gekümmert, aber ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, dass sie mit mir gespielt hat. Dafür war der Haushalt tipp-topp (bei uns halt eben nicht).Ich habe mich aber immer geliebt und geborgen gefühlt und das möchte ich auch für meine Tochter. Was ich anders machen möchte: ich möchte ihr ein gutes Selbstbewußtsein mitgeben bzw. dass sie es sich erhält und genauso, dass sie sich ein gutes Körpergefühl erhält. Mir wurde immer gesagt, dass ich zu dick bin und dies nicht darf und das nicht. Und mir wurde auch immer vorgelebt, dass man Diät halten muss usw. Das möchte ich vermeiden, deshalb reagiere ich auch allergisch, wenn irgendwer am Körper unserer Tochter rummäkelt.
    Schwieriger als bei meinen Eltern ist es bei meinen Schwiegereltern. Die haben wenig Empathie, zu ihren Kindern und auch zu ihren Enkeln. Und da gibt es vieles, was wir anders machen.

    1. Mein Kind soll sich immer geliebt und er/gewünscht fühlen. Viel Lachen zusammen und witzige/tolle Dinge tun (gerne mit mir bzw. Mama und Papa). Lernen zuverlässig / lässig zu sein. Auf sich selbst achten können. Finanzwesen erwerben. Sich selbst treu bleiben und nicht so viel zweifeln. Selbstbewusst und sich selbst bewusst sein. Freundlich und liebevoll sein. Alles Dinge die meine Eltern verpatzt haben, mit Ausnahme selbstbewusst und *meist* freundlich.

  3. meine bzw unsere eltern haben auch einiges anderst gemacht. aber nochmal deutlich anderst als ihre eltern. wir machen auch vieles anderst als unsere eltern. allein thema baby-schlaf-/stätte ist ein endlich thema und war hier teil größerer diskussionen beim ersten kind. ich bin meinen eltern mittlerweile aber nicht sauer oder böse für das was nicht so toll war. meine schwester und ich haben in letzter zeit auch öfters darüber gesprochen und sie ist eine ganz andere persönlichkeit als ich und hat vieles ganz anderst wahr genommen. für mich war vieles sehr schlimm, da ich sehr feinfühlig bin. für sie war es nicht schlimm. was für mich in bezug auf meine eltern aber immer noch schwer ist zu akzeptieren ist, das sie sehr empathielos dem kleinen kind ggü. sind ( zb haben sie mich mit 3 jahren vor die tür gestellt weil ich nicht zur gewünschten zeit geschlafen habe. meine großeltern ( wir haben damals im gleichen haus gewohnt) durften mich sogar nicht trösten). ich kann heute verstehen wie verzweifelt und am ende man als eltern manchmal ist. geht meinem mann und mir genauso. aber dennoch sehe ich auch immer mein kind und seine eigenen not und versuche wege zu finden bei denen wir alle gesehen werden. meine mutter hat bei dem thema sehr patzig reagiert. udn auch so ist meinen mutter sehr besserwisserisch und belehrend, sie weiß aller besser und schon im vorraus. ich möchte unter anderem daher keinen kontakt mit ihr mehr. die andere seite von meinem vater ist, das ihm arbeit und zweite ehe am wichtigsten sind ( ist j ok) aber wir sehen uns seit jahren nur einmal im jahr. eine wirkliche bindung und beziehung ist da nicht da. natürlich auch zu den enkeln. und er hat auch eine einstellung zu manchen themen genannt die ich nicht gut heiße. ich mache dennoch solche fehler, habe aber einen anderen umgang damit und das versuche ich den kinder auch zu erklären. aber mit keinem von beiden könnte ich über erziehung oder so sprechen. die geben einfach nur ihren senf dazu was sie gut oder schlecht finden …..

  4. Ich als Hebamme in Hamburg mit vielen Betreuungen im Monat bekomm die ein oder andere Geschichte mit. Letztenendes nimmt die Erziehung dann wie ein Fluss ihren Lauf. Das ist wie bei einer Geburt. Du kannst dir zwar vornehmen, keine schmerzlindernden Therapien während der Geburt zu bekommen, doch die Meinung kann sich dann doch schnell ändern 🙂
    Liebe Grüße, Rebecca Teetzen aus Hamburg

  5. Ich möchte meinem Kind einfach nur zeigen, dass es sich immer auf Mama und Papa verlassen kann und nie um unsere Liebe buhlen muss. Meine Mutter konnte nie ihre Zuneigung zeigen und war für mich als Mutter schon als Kind kein Vorbild. Ich kam zur Welt, als sie gerade 16 Jahre jung war. Vielleicht aufgrund des Alters, vielleicht aufgrund der seltsamen Beziehung zu meinem Vater, hatte sie nicht dieses Gefühl mir gegenüber. Meinen Geschwistern konnte sie eher Zuneigung zeigen als mir. Das hat mich stark geprägt und bis kurz vor der Geburt meiner Tochter hatte ich Angst, genauso werden zu können wie sie. Aber sobald meine Tochter mir auf die Brust gelegt wurde, wusste ich just in dem Moment, ich liebe dieses kleine Wesen und werde es ihr zeigen können. Jeden Tag sage ich ihr, dass ich sie liebe. Alles andere ist eine Erziehung nach Gefühl und ich versuche mir und meinem Instinkt zu vertrauen, gehe daher nur selten auf irgendwelches Gerede anderer Frauen und Mütter ein. Denn keine von ihnen macht etwas perfekt oder 100% richtig. Muss auch keine. Hauptsache für mich ist, dass mein Kind keine psychische oder physische Gewalt erlebt und sich geliebt und geborgen fühlt sowie allgemeingültige Werte erzogen bekommt, wie zum Beispiel höflich zu sein. Meine Tochter soll ruhig einen starken Charakter haben und nicht so devot sein, wie ich als Kind war. Das brachte nur anderen Macht über mich ein und mir Kummer. Wenn sie sich später durchsetzen kann ohne dabei egoistisch und manipulativ zu sein und gleichzeitig hilfsbereit und clever ist, dann atme ich auf.

    1. Stichpunktartig einige Sachen, die mir im jetzigen Moment durch den Kopf gegangen sind und die ich anders als meine Eltern machen möchte:

      – respektvoll über meinen Körper und die Körper anderer sprechen (z.B. kein Kommentieren von Gewichtszunahme oder -abnahme)
      – Sexualerziehung. Ich bekam im Prinzip nie eine. Wobei, keine ist auch eine… Ich werde über die Sachen (natürlich altersgemäß) mit richtigen Namen sprechen.
      – Meinen Kindern möchte ich kein patriarchalisches Frauenbild vermitteln.
      – Über Geld sprechen, Finanzwissen weitergeben.
      – Täglich auch mit Worten die Liebe zeigen und benennen.

  6. Letztlich ist es so einfach wie kompliziert… Die Erziehung muss zum Kind und zur Zeit passen.
    Wir leben in einer ganz anderen Welt als zu meiner Kindheit, meine Eltern mussten sich nicht mit Fragen zum Internet usw. auseinander setzen, es gab sie einfach nicht. Und obwohl ich (ungewollt) Einzelkind blieb, gab es immer zahllose Spielkameraden. Man ging nachmittags raus und traf jede Menge Kinder dort.
    Mein Kind ist ebenfalls ungewollt Einzelkind, aber es kann nachmittags rausgehen, so viel es will, die Kinder haben Ganztagesschulen, 10000 Vereine, sind durchgetaktet, das funktioniert schon mal gar nicht mehr so wie in meiner Kinderheit mit den spontanen Treffen. Spielverabredungen gab es bei uns kaum, man spielte halt miteinander, es waren ja alle da. Und schon mache ich es anders als meine Eltern.
    Oder Schule: Ich war ein guter, sehr selbständiger Schüler. Meine Mutter musste nichts machen, sie schaute die Hausaufgaben an und fragte Vokabeln ab. Ende.
    Mein Kind ist da ganz anders, es braucht eine sehr enge schulische Begleitung durch mich. Würde ich das so machen wie meine Eltern, gäbe es massive Probleme.
    Oder: Ich spielte von meinem 5. Lebensjahr an ein Musikinstrument bis zum Abitur. Mir war klar, dass meine Kinder das auch sollen. Mein Kind spielt genau gar kein Instrument, es ist schulisch ausgelastet und würde am zusätzlichen Üben scheitern, es will das auch gar nicht .Es braucht anderen Ausgleich.
    Meine Eltern haben mich liebevoll und wertschätzend erzogen, angepasst an meine Bedürfnisse und meine Umwelt. DAS will ich auch für mein Kind, deshalb ist die Erziehung dennoch deutlich anders als die meiner Eltern, weil mein Kind anders ist und die Zeit, in der wir leben.
    Fehler machen wir alle, meine Eltern haben sicherlich keine wissentlichen Fehler gemacht und unabsichtlich auch keine großen. Wenn mir DAS bei meinem Kind gelingt, habe ich alles richtig gemacht.

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