Gefühlsduselei im Kino. Warum Lisa gestern Nacht die Welt retten wollte (und scheiterte)

lisagefuehl

Liebe Caro,

gestern war ich im Kino. In Django Unchained. Ich hatte so ein bisschen Angst davor, weil ich zur Zeit so eine sensible Phase habe. Ich breche leicht in Tränen aus, bin irgendwie empfindsamer als sonst und lade gern mal das ganze Leid der Welt auf mich. Kennst Du sowas? Spürst Du auch manchmal diesen Weltschmerz und könntest ausrasten über jede Ungerechtigkeit dieser Erde?

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Ich habe zum Beispiel den Fehler gemacht, mir die letzten zehn Minuten der dritten Episode von „Unsere Mütter, unsere Väter“ anzuschauen und musste direkt mal losweinen, weil mir das zu nah ging. Es ist, als ob mein kleiner Schutzpanzer aufgeweicht wäre und sämtliche Leinwand-Emotionen ungebremst in meinen Körper schwappen könnten. Im Ernst. Ich fühl mich dann ganz schwer und denke, irgendwie muss ein Ventil her. Und das sind dann die Augen, aus denen die Gefühle dann in Form von selzigem Wasser wieder hinauslaufen. Puh. django unchained logoNa wie dem auch sei, mein Liebster wollte schon lange diesen neuen Tarantino-Film sehen und es hat bislang nie geklappt. Eine Freundin, der ich meine Zweifel gestern mitteilte, sagte, ach, das wäre ein Superfilm, nur zwei bis drei echt fiese Szenen, bei denen ich ja wegschauen könnte. Hm.
Zu meiner Entlastung vorweg: Ich war eh sehr müde und brüte gerade eine doofe Grippe aus, was meine Stimmung nicht unbedingt besser macht. Aber dass mich dieser Film so kalt erwischen würde?
Bis zur Pause, ja, die gibt´s bei Überlängenfilmen, ging es ja noch. Aber die zweite Hälfte hab ich kaum ausgehalten. So brutal, so ich-will-hier-sofort-raus-und-heulen. Oh mann! Um 0 Uhr dann erst das Finale und ich totmüde und so weltschmerz-geplättet, dass ich dachte, ich schaff die Heimfahrt nicht mehr. Und Caro, glaub mir, ich untertreibe hier in meiner Beschreibung noch. Allein die Tatsache, dass es die Sklaverei tatsächlich mal gegegeben hat, hat mich als Mutter in meinen Muttergefühlen so dermaßen verrückt gemacht und runtergezogen… ich wollte ihnen allen helfen, diesen Leinwandkreaturen und könnte jetzt noch ausflippen, dass ich nichts tun konnte.
freudigesEs liegt wohl wirklich daran, dass ich gerade in dieser ungeheuer emotionalen Phase stecke. Ich habe so ungefähr einmal im Jahr so eine Phase, da bin ich ängstlicher als sonst und dankbarer als sonst und demütiger in meiner Mutterschaft. Da reagiere ich emotional auf Musik, träume ich von schlimmen Dingen, die mit meinen Kindern zu tun haben oder wache nachts auf und muss fast weinen, wenn ich sehe, dass alle drei einfach nur atmen. Kennt Ihr so was auch? Solche Gefühlsausbrüche in alle möglichen Richtungen?
Na jedenfalls suche ICH mir beim nächsten Mal den Kinofilm aus, das steht fest. Habe grade eine Freundin gefragt, ob sie mit mir in „Ein freudiges Ereignis“ geht, der am 4. April in die Kinos kommt. Und Caro, ich habe den Trailer gesehen, es geht um ein Liebespaar, dass verknallt ist und sich ein Kind wünscht und dann schwanger wird und dann Eltern und es hat wirklich den Anschein, als habe jemand unser Buch als Drehbuch genutzt, sehr witzig und realistisch. Allein der Slogan „Warum zum Teufel hat uns niemand gewarnt?“ passt jawohl wie Faust aufs Auge. Und auch wenn ich sicherlich wieder heulen muss: Es wird ein anderes Heulen sein, ein Lachtränenbrunnen (hoffentlich!)…

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3 comments

  1. Mir fiel auch direkt eine Frage ein
    Kann es vielleicht sein, dass du (wieder) schwanger bist????
    Ich kenne solche Phasen auch, allerdings in dieser Heftigkeit nur aus meiner Schwangerschaft.

  2. es geht mir sehr ähnlich…
    ich bin auch so, auch vor meiner Schwangerschaft konnte ich bei einer merci-Werbung anfangen, zu weinen. und jetzt? ist es noch schlimmer! ich habe beim Disney-Film Dumbo geweint, ich raste richtig aus, wenn ich Shameless gucke, ich fürchte mich vor Atomkraftwerken und weine bei klassischer Musik. ABER dennoch war ich noch nie so glücklich und habe mich so gut gefühlt, wie als Mutter. ich weiß gar nicht mehr, was mir früher wirklich richtige Freude bereitet hat – schmutzige Witze? Schadenfreude? dumme Menschen? und jetzt ist es einfach mein Kind, was in mir tiefe Freude auslöst und mich zu einer ausgeglichenen Person macht, deren Gefühle halt bei Tierfilmen entgleisen. Empathie ist ja aber durchaus etwas positives:) zum Glück ist die tiefere und ehrlichere Bereitschaft zu Emotionen in beide Richtungen gewachsen.
    ich bin froh, dass ich mitfühlen kann, und z. B. auch meine politische Meinung viel weicher geworden ist.
    schön, dass es anderen auch so geht – hoffentlich kann man meinen wirren Post ein bisschen verstehen.