Ich glaube, wir haben einfach bei all dem Streit vergessen uns zu trennen…

Morning Lisa,

ich bin spät dran, obwohl es noch so früh am Samstagmorgen ist. Seit Tagen will ich Dir nämlich schon auf Deinen Post zum Thema Elterntrennungen in den ersten zwei Jahren nach der Geburt eines Kindes antworten. Mich hat das Thema und auch die Erzählungen unserer Leser in den Kommentaren sehr bewegt. Es ist absolut nicht einfach darüber zu reden und ich kann nur zu gut verstehen, wenn viele bei solchen Themen lieber still mitlesen als mal eben drauf los zu kommentieren.

Wie dem auch sei. Ich habe diesen Post jetzt so viele Tage im Kopf vorformuliert und habe dann vorgestern auch noch ausgerechnet diesen französischen Film Ein freudiges Ereignis gesehen, bei dem ich schon in ersten fünf Minuten heulen musste. Darin geht es auch darum wie ein Paar im ersten Jahr nach ihrem ersten Kind versucht, alle Fäden wieder zu entwirren und verliebt zu bleiben, was ihnen aber nur sehr bedingt gelingt.

Wie dem auch sei. Die Hauptdarstellerin im Film hat mich auf jeden Fall sehr stark an mich selbst erinnert und wie ich nach der Geburt von Maxime so empfunden habe und teilweise auch noch heute 20 Monate danach noch empfinde. Ich weiß noch, dass ich bei Maximes Geburt wusste: Verrückt, aber Pausti, mein Mann und ich werden uns jetzt eine sehr lange Zeit nicht sehen… Und komischerweise wusste ich dass es so richtig und okay sein würde, aber das ich ihn auch, dass ich uns auch, sehr vermissen würde.

Es ist normal, dass wenn man plötzlich drei statt zwei ist und der Dritte ein kleines Baby, dass man gerade am Anfang Non-Stop mit ihm beschäftigt ist. Und als Maxime dann mit einem Jahr aus dem Gröbsten Baby-Alter raus war, kamen die Kinderkrankenheiten und das wochenlange Zuhausebleiben bis zum In-Bude-Irre-Werden-Syndrom.

Ich will Euch jetzt nicht mit der Überdosis meiner Gefühle zu dieser Zeit versorgen, aber ich fühlte oft einsam. Da war mein Mann, der bis 20 Uhr oder später abends arbeitete und da war ich, die neben dem Baby auch noch gerne den Rest ihres Lebens und ihrer Träume verwalten wollte. Im letzten März erschien Lisa und mein Buch, ich schnappte mir Maxime ging mit ihm auf Buchtournee, während der Papa im Ausland weilte. Richtig, in dieser Zeit und auch bis heute bin ich ziemlich „Alleinerziehend mit Mann“. Wie übrigens auch viele meiner Freundinnen. Der Witz ist doch heutzutage, dass viele Mütter alleine alles organisieren und am Laufen halten. Rein logistisch würde man das wohl auch alles ganz gut alleine wuppen und da liegt leider auch der Hund begraben. Auch bei uns. 

Im ersten Jahr stritten Pausti und ich so viel. Über Nichtigkeiten der Organisation, über Lebensentwürfe, über das Vermissen. Und weißt Du was, Lisa. Manchmal habe ich einfach den Eindruck, wir haben dabei einfach vergessen, uns zu trennen. Weil wir uns lieben, ja, seien wir jetzt mal nicht unromantisch und einander brauchen, aber auch einfach, weil wir es aus tiefestem Innersten gar nicht wollten. Wir litten logischerweise beide etwas unter dem Verlust unserer unbegrenzten Zeit für sich und zu Zweit, aber ich glaube, uns beiden ging es als Menschen, die mit Medien arbeiten, eher um die Diskussion und den zornigen Austausch als um die Entwicklung eines echten Konflikts und das Auseinanderdriften.

Und deshalb ist es heute so geworden, dass wir über das Streiten und wieder Streiten, den Reiz des Streitens nicht mehr erkennen und oft einer von Beiden vorher einlenkt. Streiten ist für uns ein langweiliges altes Spiel geworden, von dem wir alle Spielarten kennen.

Vielleicht, Lisa, würde jetzt jeder Paarthearpeut sich die Haare raufen, aber für uns hat diese Methode funktioniert. Sie mag unkonventionell sein, aber wenn die Schlachten geschlagen sind, schaut man sich an, zerrupft und immer noch außer Atem wie zwei alte Gefährten und merkt, dass der Sturm sich gedreht hat und wieder diese Stille vom Anfang herrscht…

Natürlich nur bis zum nächsten Kind.

Schönes Wochenende, Lisa und Euch allen,

Eure Caro xxx


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6 comments

  1. Liebe Caro,
    Liebe Caro,

    ich liebe ehrliche Worte wie Deine!!! Ich glaube die ersten Jahre mit Kind sind echt eine Herrausforderung. Wir haben zwar nicht wirklich gestritten (dazu bin ich viel zu sehr ausgeglichen), aber ich glaube jeder fuehlte sich irgendwo unverstanden und zu kurz gekommen.

    Wir haben daran gearbeitet, arbeiten immer noch… jeder geht ein Schritt auf den Anderen zu. Es funktioniert.

    Man darf nicht aufgeben! !!

    Lg. Christian

  2. Auch wir haben wohl keine Zeit gehabt uns zu trennen…
    Liebe Caro,

    schon länger lese ich hier heimlich mit und nun möchte ich auch einmal etwas zu diesem Thema schreiben.

    Ich finde mich und meine Familie in deinen Zeilen so wieder… unglaublich und wirklich so schade, dass es auch in meinem Umfeld keinen gibt, mit dem man sich einmal austauschen könnte.

    Mein Mann und ich fallen genau in dieselbe Spalte. Unser erstes Kind war sehr unruhig, hat vie geschrieen und uns unendlich Schlaf und Verven gekostet. Damals konnte sich mein Mann kaum einstellen auf dne Babyalltag und ich habe mich sehr allein gefühlt mit allem, insbesondere nachts. Hinzu kamen viele Belastungen wie ein Umzug, sein neuer Job und besonders die vielen endlosen Anforderungen der Familien an dieses erste Enkelkind.

    In dne ersten 1,5 Jahren unsres Sohnen hatten wir so viele hässliche Streits, ich möcht da nie wieder hin zurück. Dasselbe wiederholte sich mit dem 2. Kind, 23 Monate nach dem ersten. Hier bin ich aber dann nach einem 3/4 Jahr auch arbeiten gegangen und auf einmal waren wir gleich auf. Mein Mann hat auch Kinder betreut unter der Woche und gemerkt wie anstrengend das ist und ich musste nun auch im Job sehen, dass ich mein Pensum schaffe. Wie gut uns das tat.

    Inzwischen erwarten wir unser 4. und letztes Kind und haben viel sortiert. Jeder beteiligt sich am „bisschen Haushalt“. Im Freundeskreis gibt es Leute, die wir nur noch sehr selten sehen, meistens nur noch einer von uns, das sind die, die sich auf unser turbulentes Familienleben nicht einstellen konnten. Und in der Familie haben wir uns nach eben diesen endlosen Streitereien miteinander endlich durchsetzen können und ahcten nun viel mehr auf uns und unsere Reserven… es kann eben nicht jeder 3x im Jahr 1,5 Wochen zu Besuch kommen… Vor allem nicht, wenn dann nur gemahnt und „besser gewusst“ wird.

    So haben wir unsere Streithemen gut auf die Hälfte mindestens reduzieren können. –hoffen wir, dass diese verständnissvollere Atmosphäre noch lange anhält 🙂

    Liebe Grüsse an euch
    Katja

  3. Bei uns ist es nicht glimpflich geendet…
    Ich finde den Text auch super! Und ich finde es toll, dass ihr eure Kurve sozusagen gekriegt habt. Bei dem Vater meiner Tochter (22 Monate) und mir hat es nicht hingehauen. Aber insgesamt finde ich es so viel besser, ich fühle mich wohler und habe auch insgesamt mehr Zeit für mich, obwohl die Kleine bei mir wohnt 🙂 Im Nachhinein ist jetzt auch noch so einiges rausgekommen, dass mich wünschen lässt, ich hätte mich schon zu Beginn der Schwangerschaft getrennt, was wir uns damit an Streit und Leid hätten sparen können… aber nachher ist man ja immer schlauer!
    Also Hut ab vor all den Paaren, die diese unglaublich verrückten ersten 2 Jahre heil überstehen…

  4. Danke!
    Danke an Opa und liebe Maria,

    ja, das nervt mich auch oft. In meinem Bekannten und auch Freundeskreis ist es so ähnlich. Aber ich finde, das gilt für viele Bereiche im Leben. Ich fände es so erhellend und erfrischend, wenn wir mehr gerade heraus sein könnten. Ich liebe Menschen, die so sind. Lustigerweise sind meine engsten Freunde alle so. Vielleicht habe sie genau danach unterbewusst ausgesucht, wer weiß…

    Und stimmt: Der Film ist nichts für Schwangere :-)!

    Alles Liebe,

    Caro xxx

  5. stimmt
    Liebe Caro, danke für deine Ehrlichkeit. Ich finde es toll, dass du so selbstkritisch bist und auch einmal dieses Thema hier erwähnst. Mir ging es ähnlich und ich finde bei all dem Streit und den zerrütteten Lebensentwürfen würde uns allen diese Ehrlichkeit sehr gut tun. Aber warum hört man nie im Freundeskreis, dass mal ehrlich darüber gesprochen wird? Warum wird so viel gemauschelt und nur über Babyschühchen, Karotten und die nächste Fernreise gesprochen. Mich kotzt das ziemlich an. Und deshalb nochmal: danke für deine Offenheit.
    p.s.Den Film habe ich übrigens auch gesehen und ich fand ihn auch super und sehr realistisch. Nur keiner Schwangeren zu empfehlen 😉

  6. Ehe
    Die Ehe ist ein Versuch, zu zweit mit den Problemen fertig zu werden, die man allein niemals gehabt hätte. (Eddie Cantor)