Geschwisterstreit Teil 2 – wie das bei uns ist

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Hach Lisa, ich danke Dir für Deinen gestrigen Text. Über das ein der andere haben wir ja schon am Telefon gesprochen, Geschwisterstreit ist eins der Themen, über die wir uns oft ausstauschen. Denn: Ich bin eine Leidensgenossin. Auch meine Kinder streiten viel. 

Ich bin die, auf die Dein Satz "Wenn ich den Erzählungen meiner Freundinnen lausche, höre ich denn auch raus, dass es auch Mädchen und Jungen gibt, die sich viel streiten. Selbst wenn sie nicht gleich alt sind. Es ist also vermutlich Glück oder Pech, ob sich Geschwister verstehen, egal, ob sie zwei Minuten, zwei Jahre oder ein ganzes Jahrzehnt auseinander sind." zutrifft. Meine beiden Großen sind drei Jahre auseinander und zoffen sich was das Zeug hält. 

Auch ich kann gar nicht genau sagen, wann das anfing. Definitiv nicht, als mein Sohn geboren wurde. Meine Große war stolz und ganz lieb zu dem Baby. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie sich enttrohnt fühlte. Und auch als er ein Krabbelkind war und regelmäßig ihre Legotürme umwarf, nahm sie es gelassen. 

Der Streit, der kam später. Wir hatten Phasen, da begann der Zoff wenige Minuten nach dem Auftstehen. Es war ein ständiger Wettkampf. Wer ist zuerst in der Küche, er hat mehr Müsli, wer hat den schöneren Löffel. Sogar im Urlaub am kilometerlangen Sandstrand stritten sie sich, weil beide an genau der gleichen Stelle buddeln wollten und niemand bereit war, zur Seite zu rücken. 

Und wie wir Eltern nun mal so sind, war ich zunächst davon überzeugt, dass wir an dem Zoff schuld sind. Also achtete ich darauf, immer ganz gerecht zu sein. Ich verbrachte wieder mehr Einzelzeit mit jedem, machte klare Ansagen, wer was wann darf, damit alle sich darauf einstellen können und merken, dass jeder an die Reihe kommt. 

Aber ich habe auch manchmal die Nerven verloren, wurde laut, habe beide vom Essenstisch weggeschickt, weil selbst bei den Mahlzeiten nur gestritten wurde. Dauer-Streit macht mürbe. 

Ich habe viel mit meinen Kindern darüber gesprochen, warum sie sich streiten – sie konnten keinen Grund nennen, außer: Der/Die Andere ist blöd. Meine Nachfrage, ob sie sich benachteiligt fühlten oder ob ich etwas tun kann, damit sie nicht mehr so viel streiten, kommentierten beide mit ungläubigem Blick und einem NEIN. 

Auch bei uns gibt es immer wieder Phasen, in denen es gut läuft, in denen sie wirklich mal schön miteinander spielen. Und als meine Tochter während den Herbstferien fünf Tage bei Oma und Opa war, gab es echt, tiefe Wiedersehensfreude und "Ich hab Dich soooooo vermisst." 

Wenn ich an meine Kindheit mit vier Geschwistern zurück denke, erinnere ich mich auch an Streit. Ich war vorallem genervt, dass ich meine kleine Schwester oft mitnehmen sollte. Und auch mit meinen Brüdern gab es Zoff – wobei ich glaube, dass es bei uns alles noch im Rahmen war. 

Ich glaube auch nicht, dass meine beiden Großen sich hassen – aber sie empfinden sich als Rivalen. Bisher teilten sie sich auch ein Zimmer und ich habe die große Hoffnung, dass sich die Lage entspannt, wenn beide bald ihr eigenes Reich haben. 

Mich machte dieser Dauer-Streit richtig taurig, oft dachte ich, wir hätten alles falsch gemacht. Wenn ich dann mal Einzelzeit mit einem Kind hatte, stellte ich schnell fest: Dem ist nicht so. Wir haben tolle Kinder, richtig tolle. Die sind lustig und fröhlich und klug und empatisch. Nur im Duo klappt es eben nicht immer gut. 

Gerade sind wir in einer Phase, in der es gut läuft. Ich kann keinen Grund erkennen, warum das so ist. Nichts ist anders als noch vor ein paar Wochen. 

Heute sind meine vier Geschwister ganz ganz ganz wichtige, wertvolle Personen in meinem Leben, die ich schätze und sehr liebe. Ich glaube fest daran, dass meine Kinder irgendwann auch erkennen, wie toll es ist, einander zu haben. Vielleicht brauchen sie einfach nur noch etwas Zeit.

Bis dahin versuche ich ruhig zu bleiben, "Geschwisterplüsch"-Bilder von anderen nicht als Vorbild zu nehmen und mich über die Zeit zu freuen, in denen sich meine beiden Großen verstehen. Und wenn es wieder mal kracht, schnappe ich mir eben das Telefon und rufe Dich an. 

–PS: Dass meine beiden so friedlich wie da oben im Foto basteln, war lange Zeit fast undenkbar. Umso mehr freue ich mich gerade darüber…

 

 

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2 comments

  1. Woanders streiten
    Da ich als Einzelkind immer ein Geschwisterkind wollte,war und bin ich manchmal recht entrüstet wenn mein zwei mal wieder streiten. Für mich hat sich folgendes bewehrt:Wenn beide mal wieder vornehmlich bei mir streiten,sag ich ihnen sie sollen sich woanders streiten.Damit hab ich das Gezanke vom Hals und ich habe es leichter mich aus dem Ganzen herauszuhalten.Denn fast immer schaffen sie es ihren Zwist alleine zu regeln.

  2. Verklärte Erinnerung & Fotos die Aussehen als wäre alles Top
    Huhuu, nimm es nicht so ernst, die älteren, deren Kinder aus dem gröbsten raus sind, haben im nachhinein die tollsten,liebsten und friedlichsten Kinder. Das die auch oft gestritten haben wird einfach vergessen…
    Und auf den Fotos sieht man den Streit selten. Eben habe ich ein Foto von meinen zwei Mädels gemacht und es sieht natürlich supersüß aus, wie die zwei GEMEINSAM ein Buch lesen. Das die eine die andere schlägt und sie um das Buch streiten sieht man allerdings nicht auf dem Bild. „Geschwisterplüsch“ macht man auch nur um sich selbst davon zu überzeugen, oder? Liebe Grüße & laß dir den Dauerstreit nicht aufs Gemüt schlagen 🙂