Gleichberechtigung? Wie es mir als Frau im Profisport Business ergeht

Ihr Lieben, als wir neulich auf unserer Facebookseite fragten, wann sich unsere Leserinnen zuletzt „unsichtbar“ gefühlt haben als Frauen, meldete sich auch unsere Leserin S. Sie arbeitet als Frau im Profisport und was sie da zum Teil erlebt, hat sie uns in diesem Gastbeitrag einmal aufgeschrieben. Ihr dachtet, vieles, was an Stammtischen besprochen wird, seien vielleicht Gerüchte? Mitnichten. Hier kommen Ausschnitte aus ihrem Leben, die zeigen, wie weit der Weg dann doch noch hin zur Gleichberechtigung ist.

„Manchmal, wen mir jemand blöd mit der Frage kommt, als was ich denn als Soziologin bitteschön Arbeit gefunden hätte, sag ich lapidar: „Fußball-Managerin!“ und ergötze mich an dem blöden Blick des Gegenübers. Zumeist ist dann der Wind aus den Segeln genommen und es kann ein normales Gespräch folgen.

Die ganz Ungläubigen haken allerdings nochmal nach: „Wie jetzt?! In der Kreisliga oder was?“. Nö, nicht ganz. Unter Bundesliga habe ich’s nicht getan…

Diese sarkastische Reaktion meinerseits mündet aus den Erfahrungen, die ich ab Beginn meines Berufslebens gesammelt habe. Irgendwie stumpft man ab; reagiert resigniert oder gereizt. Um es mal mit einer Geschichte einer Freundin zu erzählen, es läuft in etwa so: Du sitzt an der Bar und ein adretter junger Mann interessiert sich für Dich. Und die erste Frage, die ERSTE, ist „Was machst Du eigentlich beruflich?“. Hallo? Ist das so relevant, definiert mich das so stark, ist es der einzige Weg, mich attraktiv zu halten?

Frauen in der Außendarstellung

Meine Freundin, seit zwanzig Jahren im Sport-Business beschäftigt, mit eigenem Team, ständig weltweit auf Achse, drei Sprachen fließend, antwortet stets: „Ich bin Sekretärin (ihr ursprünglicher Ausbildungsberuf).“ Und dann dreht sich der Typ nach ein wenig weiterem Geplänkel weg, muss eine rauchen gehen oder so…

Und damit wird deutlich: Wir sind, was wir arbeiten. Zumindest zu oft. Und das ist verdammt schade, weil wir dadurch ganz viel verpassen!

Geradlinig war mein beruflicher Verlauf eher nicht. Als Abiturientin hatte ich den Wunsch, Journalistin zu werden und bewarb mich bei diversen Medien in meiner Heimatstadt. Und was soll ich sagen: Es verhielt sich wie beim Hauptmann von Köpenick: Ohne Erfahrung kein Praktikum, ohne Praktikum keine Erfahrung! Pech gehabt.

Wie ich als Frau zum Profisport kam

Als Leistungssportlerin suchte ich dann den Kontakt zur Pressestelle meines Vereins, der auch einen Fußball-Bundesligisten stellt. Und so kam es, dass ich erste Erfahrungen im Sport-Management sammeln konnte, die anschließend in Anstellungen bei Verbänden, Vermarktern und Sponsoren mündeten. Alles auf Projektbasis oder mit Zeitvertrag, ziemlich schlecht bezahlt bei durchweg hohem persönlichen und vor allem zeitlichen Einsatz und zudem abgerundet durch Aufbaustudiengänge in Sport- und Bankettmanagement. Aber es machte Spaß!

Ich bin viel herumgekommen, habe tolle Menschen getroffen, das FIFA World Cup-Finale 2006 und einen Lauf von Usain Bolt beim ISTAF in Berlin live mitverfolgen können. Das sind schon einzigartige Momente. Umringt von großartigen Kollegen mit internationalem Background. Viele Frauen. Hoch qualifiziert, selbstbewusst und extrem engagiert.

Mit den Jahren wurden es immer weniger Frauen

Doch je älter ich wurde, desto weniger von ihnen blieben an meiner Seite. VIP-Events am Abend, Sport-Veranstaltungen am Wochenende, Dienstreisen ins In- und Ausland, Telko mit dem Team in Übersee abends ab 22 Uhr – das lässt sich nur schwierig mit einer Partnerschaft oder gar Familie vereinbaren. Allerdings anscheinend NUR für Frauen…

Ich selbst als nun Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes kann mir das auch gerade nicht mehr vorstellen, wenn ich ehrlich bin. Aber warum scheint es ein generelles Knockout-Kriterium zu sein?

Die ehemals mächtigste Frau des deutschen Fußballs (O-Ton manager magazin, 2019) beschreibt das so: „Der Sport lebt von seiner Vielfalt. Die bildet sich in den Entscheidungsgremien allerdings nicht ab. Insbesondere im Fußball ist die Diskrepanz frappierend. (…) Es muss im Jahr 2019 möglich sein, Kinder zu haben und alles erreichen zu können, was man will und wofür man qualifiziert ist. Es ist ein ungeheures Potenzial, das brachliegt, wenn es nicht die Bereitschaft gibt, den Rahmen anders zu setzen“ (Katja Kraus, welt.de, 12.10.2019 in Zusammenhang mit der Studie „Frauenkarrieren in der Sportbranche“).

Und Recht hat sie!

Aber es gibt da ja auch noch zwei winzig kleine Kleinigkeiten, über die man(n) nicht gerne spricht. Da wäre zum Einen die Frage, ob speziell in der Sport-Branche oftmals nicht die Qualifikation als denn – nennen wir es mal – das Relationship Management, böse Zungen sprechen auch von Vetternwirtschaft, eines Bewerbers zählt…

Die große Frage: Können Frauen Fußball?

Ich kann bestätigen, dass viel über „wer kennt wen“ läuft. Zum Anderen gibt es seltsamerweise Ressentiments bezüglich des Fachwissens oder der Fähigkeit einer Frau, die Sportart zu lesen. Das ist in etwa so wie: Frauen sind ja auch Nieten im handwerklichen Bereich und sollten daher lieber bei ihren Grundfähigkeiten (Haushaltsführung und Kindererziehung?) bleiben. Boah, da stellen sich bei mir die Nackenhaare auf! Das ist sowas von antiquiert und archaisch.

Aber hallo, genauso ist es im beruflichen Alltag. Die meist männlichen Vorgesetzten fragen dich tatsächlich, ob du weißt, wie Abseits funktioniert und praktizieren ein solches gerade. Da wird gebeten, dich zu einem Event doch bitte etwas femininer zu kleiden und du denkst „Hä, ich habe doch einen Hosenanzug an, was passt denn da bitteschön nicht?“ oder der Chef patscht dir „freundschaftlich“ auf den Hintern, wenn er dich lobt. Gibt’s nicht? Doch!

Vereinbarkeit? Ist doch alles nur eine Sache der Organisation…

Oder der Chef setzt das Teammeeting für 16 Uhr an, wo die Mitarbeiterinnen doch just zu jener Zeit die Kids aus der Betreuung holen müssen und meinen süffisant, dass das ja nur eine Frage der Organisation sei. Und wer vor 19 Uhr das Büro verlässt, „nimmt einen halben Tag Urlaub“. Alles persönlich erlebt oder mitangehört. Und mich jedes Mal aufgeregt.

Vieles findet dabei subtil statt, ist faktisch nicht nachweisbar. (Und natürlich hatte ich auch Chefs, die mich gefördert und gefordert haben und von denen ich unendlich viel lernen durfte.) Es ist wie die indirekte Frage im Bewerbungsgespräch, ob Frau Kinder wolle. Einmal davon abgesehen, dass ich das doch mehrfach sehr direkt gefragt und darauf hingewiesen wurde, dass Ausfallzeiten indiskutabel seien. Oder dem leider allgemeinem Ungleichgewicht in der Bezahlung für gleiche Arbeitsleistung bei männlichen und weiblichen Angestellten.

Frauen in männerdomierten Berufen

Als ich 2002 meine Diplomarbeit beendete hatte ich wohl schon im Gefühl, das das Thema mich auf meinem Weg begleiten würde. Da schrieb ich über „Frauen in männerdominierten Berufsfeldern – Untersuchung am Beispiel von Pressesprecherinnen in Fußball-Bundesligavereinen“.

Ergebnis: selbst die männlichen Kollegen sprachen von Akzeptanzproblemen und mangelndem Respekt gegenüber ihren Kolleginnen, einer Geringschätzung, weniger Zutrauen in deren Fähigkeiten. Und was mir die wenigen Frauen im Management in den persönlichen Interviews offenbarten war teilweise ernüchternd. Ich konnte aber keine einzige Benachteiligung im definitorischem Sinne belegen.

Ich wurde dann übrigens von „übergeordneter Stelle“ zu einem Gespräch gebeten und mir wurde nahegelegt, solle ich jemals im Bereich Fußball tätig sein wollen, die Ergebnisse der Arbeit niemals zu veröffentlichen. Noch Fragen?“


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