Interviews

08/06/2018 - 06:30

Stadt-Mama Katharina

Interview mit Beatrice: So funktioniert unsere Wochenend-Ehe

Liebe Beatrice, erzähl doch erstmal, wer alles zu Eurer Familie gehört.

Wir sind Matthias und Beatrice, unser Sohn ist fast 23, unsere Tochter 10, die mehrfach behindert ist. Früher zählten noch Pflegekinder zu unserer Familie. 

Dein Mann und Du führt eine Wochenend-Ehe. Seit wann ist das so und warum?

Wir haben 1999 geheiratet und seitdem immer zusammen gelebt. 2011 zog mein Mann wegen eines Jobwechsels nach Rheinland Pfalz, ich blieb im Schwarzwald - wir hatten also jeder eine eigene Wohnung. Ursprünglich war geplant, dass wir alle hinterherziehen, aber ich fühle mich dort, wo mein Mann lebt, einfach nicht wohl. Zudem ist unser Sohn Autist, ein Umzug hätte für ihn wohl bedeutet, dass er ins Internat muss - das wollte ich nicht. 

Wann fährt Dein Mann weg und wann kommt er wieder?

In der Regel kommt mein Mann am Freitagabend zu uns und fährt am späten Sonntag Nachmittag wieder weg. 

Wie sieht an den Tagen, an deren er nicht da ist, Eure Kommunikation aus?

Anfangs haben wir täglich telefoniert, jetzt schreiben wir mehr Nachrichten.

Wie sind die ersten Stunden, wenn Dein Mann wieder zurück bei Euch ist?

Eigentlich so wie früher, als er jeden Tag nach Hause kam. Wir essen gemeinsam zu Abend, tauschen uns über die Woche aus. Wir haben uns im Laufe der Jahre gut eingespielt. 

In welchen Situationen vermisst Du Deinen Mann im Alltag?

Manchmal am Abend, wenn unsere Tochter schläft, wünsche ich mir er wäre jetzt da und wir könnten einfach zusamme sein. Über den Tag sprechen. Auf der anderen Seite weiß ich ja, dass auch Paare, die sich täglich sehen, nicht jeden Abend zusammen glucken, sondern auch mal jeder sein Ding macht. 

Gibt es auch Situationen, in denen Du es genießt, alleine zu sein?

Ja, wenn ich richtig vom Tag geschafft bin, bin ich froh, mich nur noch um mich kümmern zu müssen. 

Wie erleben die Kinder die Situation?

Ehrlich gesagt kennen sie es ja kaum noch anders und alle haben sich an die Situation gewöhnt. 

Und wie steht es mit der Eifersucht?

Wir beide waren noch nie eifersüchtig. Wir wissen einfach, dass wir uns aufeinander verlassen können. 

Wie hat sich Eure Beziehung durch die Wochenend-Ehe verändert?

Wir haben noch nie viel gestritten und jetzt streiten eigentlich garnicht mehr. Wir freuen uns viel mehr aufeinander, weil es eben nicht alltäglich ist. Wir sind entpannter mit einander geworden und toleranter den jeweiligen Macken gegenüber. 

Was meinst Du: Auf was muss man besonders achten, damit eine Beziehung unter einer Wochenendehe nicht zu sehr leidet?

Ich glaube, man darf keine überzogenen Erwartungen an den anderen haben. Man sollte auch keine Probleme über die Woche ansammeln, die man dann am Wochenende wälzt. Oder sich Aufgaben für den anderen überlegen, die er dann abzuarbeiten hat. Wir finden es wichtig, dem anderen trotz Wochenendehe seine Freiräume zu lassen. Bei uns bedeutet das, dass jeder auch mal ein Wochenende ganz alleine - zum Beispiel mit Freunden - verbringen kann. 

 

 

Tags: Wochenende, Ehe, Partnerschaft, Liebe, Kinder

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Kommentare

Frl.Meli — Mo, 06/11/2018 - 09:28

Ich bin als Kind/ Teenie damit groß geworden das mein Papa unter der Woche 600km entfernt gearbeitet und gelebt hat und nur am WE zu Hause war. Ich fand das furchtbar. Unter der Woche nur Mama zu haben um alle Probleme zu wälzen. Sie war damit auch nicht glücklich das sie gefühlt immer der Bumann war für mich und am WE Papa alles lockerer gesehen hat - Meine Mama musste Samstags oft arbeiten, damit sie die Stunden die sie unter der Woche nicht gehen konnte ausgleicht um trotzdem vernünftig zu verdienen. Gerade wenn ich im Interview lese das man die Probleme nicht bis zum WE aufsparen soll würde es mich interessieren wie das genau läuft? Trifft nur die Mama alle Entscheidungen und Papa ist außen vor? Ich hatte immer das Gefühl als Kind das es eine Last für meinen Papa ist jedes WE nach Hause zu kommen (auch wenn er mir jetzt im Erwachsenenalter versichert hat dass das nicht so war). Ich finde es schwierig über so lange Zeit als Familie auf Distanz zu bestehen. Mich hat es nachhaltig geprägt wie ich mit Beziehungen umgehe.

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