Kindheit ohne Liebe: Ich bin ein Schattenkind

Ihr Lieben, das Wichtigste, was man Kindern mitgeben kann, ist Liebe. Da sind wir uns wohl alle einig. Doch wie entwickeln sich Lebensläufe, bei denen genau das fehlt? Wie kann man selbst Liebe weitergeben, wenn man sie als Kind nie erlebt hat. Sandy hat sich bei uns gemeldet, sie bezeichnet sich als Schattenkind – also hat sich als Kind immer ungesehen und unwichtig gefühlt. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.

Liebe Sandy, Du hast dich auf unseren Aufruf hin gemeldet, in dem es um Schattenkinder geht. Also um Kinder, die sich benachteiligt und nicht geliebt fühlen. In was für einer Familie bist du aufgewachsen?

Ich bin in einer mittelgroßen Stadt aufgewachsen, meine Eltern haben keine glückliche Ehe geführt. Sie haben sich nicht getrennt, aber es war klar, dass die Ehe nicht glücklich ist. Meine Mutter war nicht berufstätig, mein Vater war stellv. Leiter der Berufsfeuerwehr in meiner Heimatstadt. Ich habe noch eine jüngere Schwester.

Wie würdest du deine Kindheit beschreiben?

Ich habe wenig bleibende Erinnerungen aus meiner Kindheit. Durch die Schulzeit bin ich mittelmäßig erfolgreich und ohne große Unterstützung meiner Eltern gekommen. Meine Mutter hat nie mit mir gelernt oder sich für meine Noten interessiert. Ich hatte Glück, dass mein Vater aufgrund seiner beruflichen Position sehr bekannt in unserer Stadt ist und mir somit einen Ausbildungsplatz verschafft hat, den ich aufgrund meiner Zeugnisse sonst sicher nicht bekommen hätte.

Bezeichnend für meine Kindheit und Jugend ist, dass es keinerlei emotionalen Halt in der Familie gab. Wenn ich Probleme hatte, habe ich die mit mir selber ausgemacht. Über Gefühle wurde bei uns nicht gesprochen. Zu meiner Schwester habe ich – wohl sich deshalb – keine enge Bindung.

Beschreib mal Situationen, in denen du dich nicht geliebt gefühlt hast. 

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Mutter mich jemals in den Arm genommen hätte oder mir gesagt hat, dass sie mich liebt/mag oder ähnliches. Ich erinnere mich, dass ich manchmal nachts weinend neben dem Bett meiner Eltern stand, weil ich schlecht geträumt hatte. Meine Mutter hat mich nicht getröstet, mich nicht beruhigt, sondern mich einfach nur zurück ins Bett geschickt. Genauso war es, wenn ich mir weh getan hatte. Es folgte einfach nie eine tröstende, liebevolle Geste. Es gab keine Emotionalität.

Was hat das mit dir als Kind gemacht?

Man könnte meinen, ich hätte mich mehr und mehr zurück gezogen. Aber es war es nicht. Ich habe sehr um die Aufmerksamkeit meiner Eltern gebuhlt. Ich habe mich so sehr nach Liebe von meiner Mutter gesehnt.

Gab es andere Menschen in deinem Umfeld, bei denen du dich verstanden und angenommen gefühlt hast?

Ein wenig Zuwendung habe ich von meiner Oma, der Mutter meines Vaters, bekommen. Sie hat bei uns im Haus gewohnt, und ich war als kleines Kind oft da. Mittlerweile weiß ich, dass meine Mutter kein gutes Verhältnis zu meiner Oma hatte und unter der Situation, mit ihr in einem Haus zu leben, auch gelitten hat.

Wie war das dann in einer Teenagerzeit bzw als junge Erwachsene?

Als Teenager hatte ich sehr viel Streit mit meiner Mutter. Verstärkt wurde das Thema in dieser Zeit noch durch eine Krebserkrankung und eine misslungene Brustverkleinerung meiner Mutter. Sie hat sich danach komplett hinter der Erkrankung versteckt und sich in die Opferrolle begeben. Als ich mit Mitte 20 dann mit meinem jetzigen Mann zusammengezogen bin, wurde das Verhältnis auch nicht besser.
Ich habe erst mit Mitte 30 angefangen zu begreifen, dass etwas mit mir nicht stimmt und dann psychologische Hilfe in Anspruch genommen.

Hast du deinen Eltern je gesagt, dass du dich nicht geliebt fühlst?

Ich habe noch nie mit meinen Eltern darüber gesprochen. Nach einer Familienaufstellung hatte ich die Motivation, der Ursache des Verhaltens meiner Mutter auf den Grund zu gehen. Ich habe ihr einige Fragen zu Ihrer Vergangenheit gestellt, aber ich habe kaum Antworten bekommen. Als ich schwanger wurde, hatte ich das Gefühl, dass sich unser Verhältnis bessert.

Die große Ernüchterung kam dann allerdings, als meine Tochter auf der Welt war. Ich bekam nach 5 Wochen einen Abzess und musste notoperiert werden. Da ich meinen Mann nicht erreichen konnte, rief ich aus dem Krankenhaus meine Eltern an, um sie zu bitten, sich um meine Tochter zu kümmern. Wie ich später von den Krankenschwestern erfahren musste, war meine Mutter nicht in der Lage, meine weinende Tochter zu beruhigen und mein Vater hat dann veranlasst, dass meine Tochter doch bei mir im Krankenhaus bleibt. Bis heute ist es so, dass meine Eltern kein Interesse an meiner Tochter haben.

Inwieweit beeinflusst dich deine lieblose Kindheit bis heute?

Meine Beziehung wäre fast daran zerbrochen, weil ich nur sehr schwer Gefühle zeigen kann. Ich habe es einfach nie vorgelebt bekommen, über Gefühle zu sprechen. Als mein Mann sich wegen einer anderen Frau von mir trennen wollte, habe ich angefangen, an mir zu arbeiten. Durch die Familienaufstellung konnte ich den riesigen Rucksack, den meine Mutter mir bei meiner Geburt aufgesetzt hatte, größtenteils ablegen und somit wurde der Weg für meine Tochter geebnet. Ich spüre schon, dass ich durch mein Kind die Wunden der Vergangenheit ein wenig heilen kann.

Wie ist dein Verhältnis heute zu deinen Eltern?

Das Verhältnis ist sehr distanziert. Ich melde mich selten, manchmal ruft mein Vater an und bindet meine Mutter dann über die Lautsprecherfunktion ein. Mit meiner Mutter spreche ich so kaum noch. Wenn ich ihr zum Geburtstag gratuliere (anstandshalber), dann wechseln wir nur wenige Worte.

Was machst du ganz anders bei deinem Kind als du es früher erlebt hast? 

Eigentlich mache ich alles anders. Ich gebe meiner Tochter alles was ich in meiner Kindheit vermisst habe im Überfluss. Sie soll sich geliebt und gesehen fühlen. Sie soll wissen, dass ich da bin und wir über alles sprechen können.

Foto: Pixabay

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27 comments

  1. Zu Schattenkind.
    Auch ich bin in so einem Verhältnis aufgewachsen. War ein nicht geplantes Kind, weswegen man Heiraten musste. Ein Jahr später kamm mein Bruder dann darauf noch eine Schwester. Da waren schon Geschrei und Alkohol im Spiel. Schläge und Strafen waren an der Tagesordnung. Sogar unter dem Dach, da gab es eine dunkle Kammer, da wurde ich als kleines Kind eingesperrt. In den Arm nehmen oder liebe Worte kenne ich von meiner Mutter nicht. Es wurde noch extremer, als ich mit 10 Jahren noch eine Schwester bekam. Diese wurde vergöttert, bekam alles. Wir wohnten in einer Wohnung, die heruntergekommen war. Ein Ofen, kein Bad, nur ein WC das außerhalb der Wohnung war. Der Alkohol wurde bei meinem Eltern das Grundnahrungsmittel. Jeden Abend Streit, Gebrüll und volle Eltern. Dann am Anderen Tag wenn du aus der Schule gekommen bist, hattest du Angst nach Hause zu gehen, weil du wusstest, das nach einer durchzechten Nacht, dich Prügel erwarten. Und zwar mit allem was da war. Wenn man krank war, keinen Trost, keine Hilfe bei Hausaufgaben, nur Drohung und Schläge. Mein Vater war den ganzen Tag arbeiten und ging dann in die Kneipe. Er war zwar gut betrunken, war aber friedlich und ging arbeiten. Nie gefehlt nur wenn er krank war. Aber er hat auch nur weggeschaut. Er wusste, daß mein Bruder und ich viel und grausam geschlagen wurden. Kein Danke kein Bitte. Und dann siehst du, das es auch anders geht. Die Jüngste hat zwar keine Schläge erhalten und alles bekommen was sie wollte. Ich hab mich immer geschämt wegen meiner Eltern und immer versucht zu entschuldigen. Bin mit 16 ausgezogen zu meiner Tante. Das nimmt mir meine erste Schwester übel, da sie an meiner Stelle dann verprügelt wurde und alles mit meinem Bruder ausbaden musste. Heute bin ich zwei mal geschieden, habe drei Kids. Beziehung halten nicht ich kann auch nicht lange kuscheln, keine Gefult mit einem Partner, ich kenn es nicht, ich liebe meine Kids und habe es versucht besser zu machen. Ob es geklappt hat, keine Ahnung. Jetzt dind beide Tod. Ich kann aber damit nicht abschließen, ich bin gefangen in dieser Vergangenheit.

    1. Fast wie bei mir, nur das ich 50 Jahr nichts gemerkt hab das mir was fehlt,bis ich zusammen brach. Jetzt 55 wach ich auf ,muss jeden Tag kämpfen um aufzustehen,Gefühle? Wo sind die? Düstere Gefühle merk ich,aber was ist mit Freude, glücklich usw.?
      Waren jetzt aber nicht nur die Eltern,dazu kam die Schule,Lehrzeit usw.
      Hab noch kein Psychologe, aber Psychiaterin,Betreuung.
      Bin seit 5 Jahren In Erwerbsminderungsrente.

  2. Ich wusste nicht, dass es einen Begriff gibt dafür. Ich habe meine Kindheit nicht nur als lieblos, sondern auch als schuldbehaftet und gewalttätig erlebt. Und das im angeblich behüteten sozialen Mittelbau ohne Drogenproblematik.
    Es fällt mit trotz Therapien immer noch schwer, im Streit dem anderen keine Böswilligkeit zu unterstellen, die in meinem Elternhaus offensichtlich Gang und Gebe war.
    Ich gebe meinen Kinder all das, was ich selbst als Kind so vermisst habe. Es vergeht kein Tag, an dem ich Ihnen nicht sage, wie sehr ich sie liebe und wie stolz ich auf sie bin. Dass ich sie lieben werde, egal was kommt und sie immer unterstützen werde. Das sind Dinge, für die ICH ein Leben lang gekämpft habe aber sie von meinen Eltern nicht bekommen habe.

    Aber auch diese Sicht ist einseitig. Vielleicht wussten und konnten meine Eltern auf Grund ihrer eigenen Geschichte nicht anders handeln? Teilweise möglich, aber verzeihen kann ich Ihnen das nicht, dass sie ihre Kinder so lieblos erzogen haben.
    Was haben sie heute davon? Drei Kinder, die ihre Eltern lieber einmal weniger als zu viel sehen. Enkel, die sie nicht kennen. Aber immerhin viel Geld, das war ihnen immer wichtig….

    1. Auch ich bin so aufgewachsen. Ich bin geschockt wieviele ungeliebte Kinder es gibt. Auch ich habe eine familienaufstellung gemacht und vieles erfahren dich meine Eltern haben und werden nicht erzählen .letztens wurde ich beschimpft als „du bringst schande über die Familie „auf die Frage wieso das den ? Hat man mich rausgeschmissen.habe jetzt den Kontakt abgebrochen. Sie waren erwachsen ich war Kind sie hatten die Verantwortung nicht ich . Es macht mich sehr sehr traurig das alles zu lesen. Ich glaubte immer ich habe was falsch gemacht bin nicht gut genug usw.

  3. So viele Parallelen zu mir. Schlimm, wie viele Menschen Kinder bekommen, ihnen Lieben zu können… Ich sage immer, eine Kindheit ohne Liebe ist ähnlich wie aufzuwachsen mit amputiertem Arm oder Bein. Es fehlt an etwas, so unterscheidet man sich von den anderen. Das Leben ist ein täglicher Kampf 🙁

    1. Das würde ich auch sehr gerne doch das glaubt einen keiner was man in der Kindheit erlebt hat. Wir können stolz sein das wir so sind wie wir sind den wir sind tolle Menschen

  4. ich bin zwar kein schattenkind und so wurde ich auch nicht behandelt. aber ich war ungeplant und ungewollt. in den jahren kam dann die liebe. aber die folge davon ist ja dann meist auch ein fehlendes urvertrauen und schlechtes selbstwertgefühl. es ist w nicht einfach für kinder mitzubekommen das man nicht erwünscht ist.
    meine mutter hat auch ihren großen rucksack zu tragen und ich kann nachvollziehen warum sie so ist wie sie ist.
    nur hilft mir das als kind aber leider nicht!und ich hatte keinen ersatz, also bei anderen kindern übernehmen die rolle ja dann zb die oma oder tante oder sonst wer. das gabs bei mir halt auch nicht.
    ja und tanja, im kommentar weiter unten:
    es sind doch zwei seiten – meist machen die mütter das ja nicht bewusst und um dem kind eins auszuwischen und sie brauchen eigentlich auch hilfe und verständnis.
    aber aus der perspektive des kindes ist es halt nunmal hart! und belastet einen je nachdem wann man es da raus schafft, teils ein leben lang. und dann kommt es auch darauf an wie die mutter drauf ist. meine hat zb auch definitiv narzisstischer züge und hat nichts falsch gemacht ! ich bin das problem oder die umstände oder andere, sie war immer die tolle mutter die alles richtig gemacht hat. reflexion? arbeit an sich selbst? den kind mal ehrlich und zugewandt zuhören? ihm seine eigenen gefühle und perspektive lassen? fehlanzeige. ihr muss man nicht helfen! das ist ihre sicht der dinge. aus ihrer sicht braucht sie keine hilfe oder hat alles richtig gemacht.

  5. Zu „Ich bin ein Schattenkind“

    Es ist immer so leicht gesagt“die Mutter ist Schuld“. Natürlich ist es schwer zu verstehen, wenn eine Mutter so reagiert wie in Sandys Fall, aber sie so zu verurteilen finde ich ebenso fatal. Keiner, außer sie selber, weiß, welchen Rucksack sie mit sich rumschleppt. Die Ehe war bzw. ist unglücklich, scheinbar fühlte sie sich in ihrem Körper nicht gut und eine Krebserkrankung, das ist schon Balast genug. Es macht mich nahezu fassungslos zu lesen, dass man meint, die Mutter hätte sich hinter ihrem Krebs versteckt und sich in eine Opferrolle begeben. Kann man sich dahinter verstecken? Ich denke nicht. Ein Opfer ist man automatisch. Da rauszukommen bedarf Geduld mit sich selbst und viel Mut und Kampfgeist.
    Hat der Vater ihr beigestanden? Oder musste sie den Kampf allein kämpfen und ganz nebenbei noch alles wuppen? Die Kinder, den Haushalt, die ungeliebte Schwiegermutter im Haus?
    Ich weiß es nicht. Ich will damit nur sagen, dass man doch viel mehr hinterfragen muss, bevor man ein Urteil fällen kann.
    Unsere Gesellschaft will immer den Kindern helfen (was auch gut und richtig ist), aber wer hilft den Eltern, wenn sie Liebe geben, sich für ihr Kind interessieren, ihnen Geborgenheit geben uvm., aber das Kind trotzdem selber z. B.ein Eisklotz bleibt? Was ist dann? Es ist so traurig, dass man so sehr auf die Eltern schaut und dort die Fehler sucht bis man einen gefunden hat. Für Kinder gibt es immer Entschuldigungen, aber für Eltern nicht. Kinder sind so oder so, weil die Eltern, das so oder so vorgelebt haben usw. So wird es meist gesagt.Das ist nicht richtig in meinen Augen. Es wäre schön, wenn auch Eltern eine Lobby bekämen, die sich nicht erklären können, warum das Verhältnis zu ihrem Kind in Schieflage gerät. Die von einer Beratung zur nächsten laufen und, sich schuldig fühlent, die Beratungsstelle verlassen, weil wieder der Focus nur auf den „Fehlern“ der Eltern lag.
    Das große Ganze muss versucht werden, gesehen zu werden.

    1. Tanja
      Sie machen hier einen großen Fehler. In der Eltern- Kind Beziehung sind die Eltern/ Erwachsenen für die Kinder zuständig nicht andersrum. Und wenn Erwachsene Probleme und Sorgen haben müssen sie das für sich selbst regeln und nicht an Kindern auslassen. Diese Verantwortung gehört zum Elternteil dazu, das ist nämlich keine gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe sondern eine Abhängigkeit der Kinder von Eltern. Auch wenn Sie sich offenbar ganz persönlich angegriffen fühlen, es gibt nicht “ nur“ physische sondern auch seelische Misshandlung. Dann lieber die ehrliche Entscheidung treffen und keine Kinder kriegen.

        1. Hallo Silvia, ich finde den Satz..dann lieber eine ehrliche Entscheidung treffen und keine Kinder bekommen sehr problematisch.Viele Schwangerschaften sind ungeplant..man denkt drüber nach,sagt sich,nun Gut dann wollen wir Mal..und hinein ins ungeplante Abenteuer Eltern zu sein.Wie soll man vorher wissen wie sich die Beziehung zum Partner, zum Kind, zum sozialen Umfeld und berufliche Dinge entwickeln?Oft erfährt man erst in diesem Verlauf und durch Selbstreflexion, das irgendwo was nicht hinhaut im Selbst….das ist,so hoffe ich auch ein normaler Erfahrungsprozess.Ich habe noch nie perfekte Eltern gesehen…da wo vielleicht mehr Liebe offen verteilt wird, gibt’s um im verborgenen andere Defizite… die Summe der Leiden ist am Ende oft gleich.

    2. Die Mutter ist nun mal prägend im Leben eines Kindes. Ich lese hier keine Vorwürfe oder Verurteilung heraus, sondern einfach einen Erfahrungsbericht, wie es ist mit Eltern aufzuwachsen, die selbst einen schweren Rucksack tragen.

    3. Ich glaube, hier geht es nicht um Schuld, sondern um elementare Grundbedürfnisse, die ein Säugling, Kleinkind, Schulkind und Teenager nun einmal an seine Eltern hat und zwar berechtigterweise. Dass das Kind sich dann auch zu einem „emotional zurückhaltenden“ Menschen entwickelt, liegt auf der Hand. Nun aber davon zu sprechen, dass, wenn Eltern Liebe geben, sich für ihr Kind interessieren, ihnen Geborgenheit geben uvm. das Kind aber trotzdem ein Eisblock bleibt, spricht dafür, dass das Kind mit Zuwendung überschüttet wurde, was auch nicht das Nonplusultra ist. Ich vermute mal, dass sie diese Mutter sind, die das erfährt. Es hat aber nichts mit dem Artikel hier zu tun und ist meiner Meinung nach sogar ein Schlag in’s Gesicht für alle „Kinder“, die das erlebt haben in ihrer Kindheit, was in diesem Artikel beschrieben wird. Kinder, die auf die Welt kommen, haben Grundbedürfnisse, die die Eltern bitte auch zu erfüllen haben, ansonsten sollten sie keine Kinder bekommen.

    4. Liebe Tanja
      Das wichtigste, was Kinder zum gesunden aufwachsen brauchen, ist nun mal Liebe!
      Damit können Kinder gesund wachsen und gedeihen, körperlich und seelisch
      und das brauchen sie nun mal von Erwachsenen!
      Sie sind darauf angewiesen
      und brauchen nicht Eltern, die darauf nicht achten und nur mit sich selbst beschäftigt sind, ganz gleich warum.
      Die Kinder müssen beschützt werden, nicht die Eltern!
      Eine Kindheit geht ziemlich schnell vorbei und kommt nicht mehr zurück.
      So viel zu deinem Kommentar

  6. Ich finde ihren Mut zu dieser Ehrlichkeit faszinierend. Viel Erfolg im nun neuen Abschnitt. Und wenn möglich natürlich eine große Portion Seelenheil.

  7. Liebe Sandy

    Deine Worte haben mich sehr berührt. Der Text hätte von mir sein können. Es tut mir sehr leid, dass dir deine Eltern, insbesondere deine Mutter nie das geben konnte, was du als Kind so dringend gebraucht hast. Und du dich so alleine fühltest mit deinen Sorgen, Problemen und Ängsten. Umso toller, dass du dein Leben nun selber in die Hand nimmst und deine Vergangenheit aktiv aufarbeitest. Ich denke, es gibt viele Schattenkinder da draussen. Nur sprechen die wenigsten darüber, weil es so schmerzhaft ist. Umso wichtiger ist es, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und den eigenen Kindern alle Liebe angedeien zu lassen, die wir so schmerzlich vermissten.
    Ich wünsche dir und deiner Familie viele emotionale und innige Momente. Und denk daran, wir lassen nicht zu, dass wir unser schweres Erbe an unsere Kinder weitergeben. Denn, wir sind nicht so, wie unsere Mütter.

  8. Der Beitrag ist mir aus der Seele geschrieben. So ähnlich kann auch ich meine Kindheit beschreiben. Bewusst wurde mir das auch alles erst durch meine eigenen Kinder. Erst dann habe ich bemerkt, dass ich gelernte Erziehungsmethoden bei meinen Kindern keinesfalls anwenden möchte. Und heute streite ich mit meiner Mutter darüber warum ich zu meinen Kindern bin, wie ich bin. Sie hat eine andere Auffassung und jedesmal sticht es mich in mein Herz zu erleben wie sie sein kann.

  9. Liebe Sandy,
    Deinen Beitrag zu lesen ist für mich wie ein Dejavu. Soviele paralellen. Mit dem kleinen Unterschied, daß Gewalt bei uns im Elternhaus zusätzlich eine große Rolle spielte, mein Vater abtauchte als ich 9 war. Meine Mutter sich heute noch in der „Opferrolle“ suhlt und nebenher narzistische Charakterzüge präsentiert. Auch bei mir gab es die „Erleuchtung“ mit der Geburt meiner ersten Tochter. Mittlerweile haben wir keinen Kontakt mehr, denn ich möchte meinen Kindern dieses Drama, daß sich bei uns scheinbar über Generationen vererbt ersparen. Es ist schlimm, wenn man seine eigenen Kinder vor der Familie beschützen muss, aber in meinem Fall das Beste. Nur so kann ich die Mutter sein, die ich nie hatte und meinen Kindern die Kraft schenken, die mir sonst die Familie rauben würde. Es ist kein leichter Weg,denn Wunden bleiben. Ich wünsche Dir viel Kraft.

  10. Liebe Sandy, ich wünsche dir für die Gegenwart und Zukunft viel Glück, die Vergangenheit zu bewältigen und aus den jetzigen schönen Momenten Kraft zu schöpfen.
    Ich habe auch keine Liebe erhalten (mit dem Hintergrundwissen hatte ich aber verstanden, wieso) und während der Schwangerschaft meiner ersten Tochter Angst bekommen, ihr nie Liebe geben zu können. Mir viel es auch immer schwer, meinem Mann zu sagen: ich liebe dich. Aber sobald dieses kleine Wesen gleich nach der Geburt auf meiner Brust lag und mit den Augen wirkte, als könnte sie mich erkennen, fühlte ich, dass es anders wird. Und sowohl meine jetzt Fünfjährige als auch meine zweimonatige Tochter hören jeden Tag oft „Ich liebe dich“. Worte, die ich nie aus meiner Familie mir gegenüber gehört habe, aber selbst ohne Probleme sagen kann. Denn auch wenn es sich kitschig anhört, erst mit der Geburt meiner ersten Tochter konnte ich wahrhaftig tiefe, bedingungslose Liebe empfinden und weitergeben sowie diese auch zeigen.

  11. Ich fühle mit dir. Ich habe das gleiche Verhältnis zu meiner Mutter. Sie hat mir mit Mitte 20 erzählt, dass sie nach meiner Geburt postpartale Depressionen hatte… Aber diese nie hat behandeln lassen. Und sie sagte mir ins Gesicht, nach heutigem Wissen hätte sie mich nicht bekommen müssen. Das tat richtig weh und der Kontakt besteht aus nur aus gelegentlichen „Na, alles in Ordnung bei euch?“ Für meine Kinder hat sie ebenfalls nur sporadisch Interesse und dann müssen wir springen. Zu meinen Schwestern und deren Kindern hat sie ein super herzliches Verhältnis.
    Ich distanziere mich von ihr, denn der Kontakt ist immer wieder enttäuschend.

    1. Hallo guten Tag ich bin die carmen und so Zusagen Nesthäckchen wo immer um Liebe kämpft ,in einer Familie von 5 Geschwister. Diese Geschichte gleicht auch fast meiner ,ich habe 2 Söhne die ich mit Liebe groß gezogen habe, das das meinem Kinder nicht passiert was mir passiert ist im Kindesalter und manchmal noch im Erwachsenenalter. Vg carmen bleibt Gesund

    2. Ich lag beim ersten Kind im sterben fast ,mein damaliger Mann rief Mutter und Vater an das sie bitte ins Krankenhaus kommen sollen das es um mich schlecht steht, meine Mutter sagte nur sie kann nicht hat einen Termin. ICH hab trotz allen Wunden versucht meine Mutter und Vater zu lieben

      1. Ich denke jeder Mensch hat in seiner Kindheit Situationen erlebt bei denen er sich von seinen Bezugspersonen ungeliebt gefühlt hat. Ich hab auch zwei Kinder und als ich den Text gelesen habe, hab ich mich gefragt ob meine Kinder sich nicht gelient fühlen könnten. Ich hab auch manchmal schlechte Laune oder keine Nerven und Stress. Bin ich immer gerecht? Ich glaube nicht. Meine Eltern leben schon beide nicht mehr. Und die beiden waren alles andere als Perfekt. Meine Mutter war kein einfacher Mensch. Heute denke ich wohlwollender über sie. Und ich hoffe dass meine Kinder auch mit Liebe über mich denken und mir den ein oder anderen Fehltritt nachsehen.

      2. Auch ich bin in einer unglücklichen Ehe mit Alkohol- und Tablettensucht beider Eltern und wenig Zuwendung aufgewachsen. Es dauerte 35 Jahre bis ich in einer Therapie mein Trauma nicht geliebt worden zu sein aufarbeiten konnte. Es war sehr schmerzhaft aber heilsam mich meiner Vergangenheit zu stellen. Die Bücher von Mike Hellwig haben mich sehr beeindruckt und ich habe viel daraus ziehen können. Mit meinem Kind Versuche ich jeden Tag nicht Opfer der alten Muster zu werden und bedingungslos Liebe zu geben. Ich wünsche Allen Selbstliebe und Heilung die diese Erfahrung des nicht geliebt Werdens aus der Kindheit in sich tragen.

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