Mädchenmutter Judith Bildau: Brauchen Töchter eine andere Erziehung als Söhne?

Judith Bildau Porträt - Mädchenmutter Judith Bildau: Brauchen Töchter eine andere Erziehung als Söhne? - Dr. Judith Bildau ist mir vier Schwestern aufgewachsen und hat selbst fünf Töchter. Sie sagt: Starke Mädchen brauchen entspannte Eltern.

Ihr Lieben, Judith Bildau ist mit vier Schwestern aufgewachsen, hat drei Töchter geboren und noch zwei durch ihren Mann hinzugewonnen. Wer, wenn nicht sie, könnte einen Ratgeber für Mädcheneltern schreiben?

Entstanden ist das wunderbare Buch Starke Mädchen brauchen entspannte Eltern. (Affiliate Link). Die Frau, die in Italien als Frauenärztin arbeitet, schreibt uns mit so vielem aus der Seele, das wir es manchmal kaum glauben können.

Wir haben dieses Interview vor Corona geführt. Als Ärztin in Italien ist sie grad unfassbar eingespannt. Dazu fünf Töchter… wir schicken dir ganz viel Kraft in den Süden, liebe Judith und sagen DANKE für deinen unerschöpflichen Einsatz!

Wer das Buch kauft, unterstützt also eine systemrelevante Superkraft 😉 #justsaying. Hier kommt unser Interview mit der bewunderswerten Frau Doctora!

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Dr. Judith Bildau.

Liebe Judith, du bist mit vier Schwestern aufgewachsen, bist selbst Fünffachmama mit drei eigenen Töchtern, du bist Gynäkologin in Italien, du bist Model, du schreibst für MutterKutter – und hast nun auch noch ein Buch geschrieben. Halleluja, wie schaffst du das?

Liebe Lisa, puh, wenn du das alles so aufzählst, dann kommt mir das auch wahnsinnig viel vor :-)! Aber geht es uns Müttern nicht allen so? Haben wir nicht alle verschiedene Rollen, die wir ausfüllen und wenn wir uns das mal bewusst machen, was wir da alles so rocken ist das ganz schön viel?

Wir Mütter sind echte Multitasking- Künstlerinnen und ich werde nicht müde, uns dafür zu feiern! Ich finde, wir Mamas leisten an allen Fronten wirklich viel – an der Seite unserer Kinder, als Ehefrau oder Lebensgefährtin, als Berufstätige (egal, ob zu Hause oder außerhalb davon), als Frau, als Freundin und so weiter…

Mir geht es da wie allen anderen auch: Manchmal läuft alles wie am Schnürchen, manchmal komme ich ganz schön ins Straucheln. Und trotzdem habe ich das Gefühl: Ich liebe all das, was ich tue, stecke in diese Dinge mein Herzblut und möchte auf nichts davon verzichten.

Letztendlich bedeutet das eine gute und stabile Organisation und auch immer wieder Zeiten, in denen eben mal nicht alles parallel geht, sondern Dinge hinten runter fallen müssen. An erster Stelle stehen die Mädchen und dann kommt der Rest, so, wie er eben passt.

Wie war das damals in deiner Kindheit? Wurden da Unterschiede gemacht zwischen Mädchen und Jungen? Und wie hast du eure weibliche Geschwistercommunity erlebt?

Ja, in meiner Kindheit sind Mädchen und Jungen noch sehr unterschiedlich aufgewachsen, ich würde vielleicht eher noch sagen, unterschiedlich gefördert worden.

Das möchte ich an ganz normalen Dingen festmachen: Mädchen haben damals noch nicht Fußball gespielt, es gab, zumindest bei uns auf dem Dorf, keine Mädchenfußball-Mannschaften. Es gab im Alltag grundsätzlich Mädchen- und Jungenkategorien. Handwerkliche Ausbildungsberufe wurden hauptsächlich von Jungen gewählt.

Im Alltag galt der Spruch für Jungs: „Indianer kennen keinen Schmerz!“ oder „Jungs weinen doch nicht!“ Mädchen wurden „weicher“ und „behüteter“ aufgezogen, denke ich. Vermutlich gab es in den 80er Jahren schon ein Bewusstsein dafür, dass diese Kategorisierung eigentlich völlig überholt ist. Aber so richtig in der alltäglichen Erziehung, war das bei mir noch nicht. Wir sind fünf Mädchen.

Meine beiden kleinsten Schwestern kommen aus der zweiten Ehe meines Vaters und sind viel jünger als wir drei „Großen“. Sie sind schon deutlich „geschlechtsneutraler“ aufgewachsen. Wir fünf Schwestern sind sehr eng miteinander verbunden. Altersunterschiede oder genetische Unterschiede spielen absolut keine Rolle. Wir sind, über verschiedene Länder verteilt, ein sehr starkes Team.

War es für doch in der Schwangerschaft wichtig, zu erfahren, welches Geschlecht dein Kind haben wird?

Ich würde sagen, ich war neugierig. Bei so viel weiblicher Stärke innerhalb meiner Familie, war ich gespannt darauf, ob ich eine Jungsmama werden würde. Bin ich nicht :-); Und ich musste jedes Mal grinsen, wenn man im Ultraschall sehr deutlich sehen konnte: Und wieder ein Mädchen.

Ich habe drei Töchter geboren und zwei Töchter aus der ersten Ehe meines Mannes geschenkt bekommen. Meine jüngere Schwester hat auch zwei Töchter. Meine große Schwester hat eine Tochter und vor einem Jahr einen Sohn bekommen. Wir haben uns alle wahnsinnig gefreut.

Kannst du verstehen, wenn sich Eltern ein bestimmtes Geschlecht wünschen?

Puh, das ist eine schwierige Frage. Weißt du, ich bin ja Frauenärztin. Ich erlebe in meiner täglichen Arbeit so viele Frauen und Paare, die verzweifelt versuchen, Eltern zu werden oder auch werdende Eltern, die ein nicht gesundes Kind erwarten.

Ich kann natürlich verstehen dass man „gewisse Wünsche“ hat, trotzdem finde ich persönlich es seh schade, wenn Schwangere offensichtlich enttäuscht darüber sind, dass sie das eine oder andere Geschlecht erwarten. Jedes Kind ist ein Geschenk und das Leben stellt uns vor Herausforderungen, die wir uns nicht immer aussuchen können. Das ist auch gut so, denke ich.

Dein Buch heißt: Starke Mädchen brauchen entspannte Eltern. Warum Mädchen? Müssen wir sie anders begleiten als Jungs?

Ich denke, ja. Wir möchten, dass Mädchen und Jungen in ihrem Leben die gleichen Voraussetzungen und Chancen haben. Und genau deshalb müssen wir beachten, dass es rein körperlich oder auch entwicklungspsychologisch in vielen Altersstufen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.

Unterschiedliche Zeitpunkte, unterschiedliche Geschwindigkeiten. Allein die Wachstums- und Gewichtskurven von Mädchen und Jungen sind unterschiedlich, der tägliche Kalorienbedarf. Zu sagen: „Ab heute sind alle gleich und werden auch genauso behandelt“ ist meiner Meinung nach nicht richtig und vor allem nicht zielführend. Damit werden wir unseren Kindern nicht gerecht.

Abgesehen davon und ganz geschlechtsneutral gesehen kommt dann noch dazu, dass jedes einzelne Kind ganz verschiedene und individuelle Bedürfnisse hat. Ich bin Mädchenmama, ich bin Frauenärztin. Ich möchte nur über Dinge schreiben, von denen ich Ahnung haben. Ich hätte niemals einen Jungenratgeber schreiben können. 

Ihr wohnt in Italien, wie gestaltet ihr dort euren Alltag und: werden dort noch mehr Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen gemacht?

Ich behaupte, ja. Hier gibt es noch eine sehr stark geschlechterspezifische Erziehung. Italien ist ein sehr konservatives, katholisches Land. Dennoch ist, meiner Meinung nach hier in Italien das weibliche Geschlecht das „starke“.

Frauen werden hier grundsätzlich gefeiert, Mütter angehimmelt, Kinder bejubelt, Mädchen sind überall die kleinen „Principesse“. Da wird wirklich (sehr liebenswert) jedes Klischee bedient. Was die Ehefrau oder die Mamma sagt, ist Gesetz.

Im Berufsleben haben es Frauen jedoch immer noch sehr schwer. Männer nehmen keine Elternzeit, die Kinderbetreuung ist teuer und manchmal gar nicht existent, Teilzeitarbeit in vielen Bereichen nicht möglich.

Wenn du nur drei ultimative Tipps für die Mädchenmamas unter unseren Leserinnen geben dürftest, welche wäre es?

  1. Seid Vorbilder! Wir können unseren Töchtern noch so viel erzählen, wenn sie sehen, dass wir es anders machen, das heißt, nicht authentisch sind, kapieren sie das sofort.
  2. Seid glücklich! Jede Tochter (und jeder Sohn) hat ein Recht auf glückliche Eltern. Es ist wichtig, dass vor allem unsere Töchter bei uns Müttern sehen, dass wir uns neben der Kindererziehung nach unseren Wünschen „selbst verwirklichen“. Erleben sie das bei uns, so ist das die Grundlage dafür, dass sie auch in ihrem eigenen Leben einen Weg einschlagen, der sie erfüllt und sich fernab von Kategorisierungen bewegen.
  3. Bleibt entspannt! Viele Entwicklungsschritte unserer Töchter sind wahnsinnig anstrengend, wir fühlen uns überfordert, machen uns Sorgen und haben das Gefühl, wir machen alles falsch. Bitte bewahrt Ruhe! Das überträgt sich automatisch auf eurer Kind! Schwierige Momente bleiben nicht schwierig. Anstrengende Entwicklungsschübe lassen unsere Mädchen wachsen. Und du als Mama bist genau gut so wie du bist! Hab’ Vertrauen.
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Dr. Judith Bildau: Starke Mädchen brauchen entspannte Eltern. (Affiliate Link)

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1 Kommentar

  1. Ich habe eine Tochter, die bald vier Jahre alt wird. Zeitgleich wurde ihr Cousin vor vier Jahren geboren. Und egal, was man sich vornimmt und auch andere darum bittet, neutral zu sein: es werden Unterschiede gemacht. Das Mädchen weint, es ist normal. Der Junge weint, er braucht nicht weinen, er ist ein starker Junge. Ist das Mädchen schlecht gelaunt, ist sie gleich eine Zicke. Hat der Junge schlechte Laune, ist er einfach nur müde. Das Mädchen wird zart behandelt, vorsichtiger (obwohl meine Tochter ein kleiner Wildfang und supersportlich ist). Der Junge immer grober behandelt. Das Ganze tut mir leid, weil man Kinder doch in eine Ecke drängt, die sie sich selber noch nicht ausgesucht haben.
    Ich kann mich erinnern, wie ich als Mädchen behandelt wurde und was die Generationen vor mir erwartet haben. Nicht so viel toben, du bist kein Junge. Mach deine Beine zusammen (egal, ob Hose oder Rock), das gehört sich nicht. Hilf‘ im Haushalt, was soll sonst aus dir werden. Sprüche über Sprüche und das alles vor meinem 11. Lebensjahr. Brüderchen durfte länger Kind sein. Und leider geht die Masse der Menschen immer noch so mit ihren Kindern um.

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