Vier Frauen über ihre ganz persönliche Mutterschafts-Überforderung – und was ihnen aus dem Hamsterrad half

Barbiepuppen

Ihr Lieben, insgesamt haben sie 16 Kinder, die vier Damen vom Grill von MutterKutter, dem Magzin für Eltern, das vor allem auch auf Bewegtbild setzt (siehe Video am Ende dieses Interviews…. mega)!

Nun haben die Vier ein Buch geschrieben: Den Survival Guide für Mamas mit den besten Überlebensstrategien für den Familienalltag (Affiliate Link). Und wer könnte uns dazu Besseres erzählen, als Kerstin, Judith, Doro und Isabel – die eine Hebamme und Siebenfachmama, die andere Mamapsychologin, die andere TV-Reporterin und die nächste Frauenärztin (und Model, pssst!) mit fünf (z.Tl. Patchwork-)Töchtern. Wir haben die Damen zum Interview gebeten…

Die MutterKutter-Crew. Illustrationen: Verena Potthast, www.rundfux.de

Liebe Doro, ihr habt einen „Survival-Guide“ für Mamas geschrieben, fragen wir mal ganz provokativ: Hast du manchmal das Gefühl, deinen Familienalltag und alles, was dazu gehört, wirklich nicht zu überleben?

Doro: Ja, das hatte ich. Im Winter 2019 bin ich auf Notstromaggregat gelaufen. Ich hatte wenig Kraft und habe mich ständig überfordert gefühlt. Ich war unzufrieden, habe oft meine Familie angemault, was mich wiederum noch unzufriedener gemacht hat. Ich war mental gefangen im Mama-Hamsterrad.

Meine eigenen Bedürfnisse, wie Sport, mal ein Buch lesen oder Freundinnen alleine (ohne Kinder) treffen – die blieben auf der Strecke. Ich hatte das Gefühl, nur noch gegen die Uhr zu arbeiten und habe versucht, alle Aufgaben vormittags unter einen Hut zu kriegen (Job, Haushalt, Familienorganisation), was ja kaum möglich ist. Und wenn ich dann aus Zeitmangel mal eben schnell „nur runde Ecken gesaugt“ habe, bin ich in Tränen ausgebrochen. Dazu hatte ich das Gefühl, weder meiner Rolle als Mutter noch als Partnerin gerecht zu werden – weil ich so unentspannt war.

Mir wurde klar, dass es so nicht weitergehen kann und ich hatte Sorge, dass ich krank werde, wenn ich nichts ändere. Aus dieser Situation heraus habe ich einen Reporterbeitrag fürs Fernsehen produziert, in dem ich ehrlich aus meinem Alltag erzählt habe. Und der war wiederum mein #kickintheass für Veränderungen. Geholfen hat mir dabei unsere Isabel als Psychologin – mit ihrer Hilfe habe ich erst einmal mental entschleunigt und mir bewusst gemacht, was ich persönlich eigentlich brauche für meinen Alltag, um glücklich zu sein. Dazu gehören unter anderem Yoga, Fitness und mehr Schlaf (z.B. Handy abends aus machen, 30 Minuten früher ins Bett).

Kurz und knapp: I survived. Und manchmal sind es nur die kleinen Dinge, wie 15 Minuten spazieren gehen alleine, die mir Kraft geben. Und natürlich gibt es auch heute immer mal wieder Phasen, in denen ich denke: F***, das ist zu viel, das schaffe ich kaum und total nervös werde. Ich schmeiße dann ständig Sachen um, stolpere, verletze meine Zehen oder verpeile irgendwas (z.B. gebe ich dann meinen Bankpin bis zur Sperrung falsch ein). Dann rufe ich gerne unsere Kerstin an, die ja mit sieben Kindern alle Situationen durch hat, und die bringt mich dann zum Lachen. Heißt: Ich habe meinen Telefonjoker für meine nervösen Notfälle gefunden!

Dorothee Dahinden, Zweifachmama, TV-Reporterin und Herausgeberin von MutterKutter. Foto: Anne Seliger Fotografie

Nun geht es ja um einen entspannteren Umgang mit unserem viel zu voll gepackten Terminplan… Wie soll das gehen, wenn wir dann neben all den Gefühlsausbrüchen der Kinder auch noch Jobs haben und Elternabende und Hobbys der Kinder und und und?

Doro: In unserem Familienalltag heizen wir ja oft gefühlt mit 250 Sachen über die Aufgabenautobahn, um all die Dinge zu schaffen, die anstehen. Wir jonglieren uns zurecht, haben den Fokus auf den To Dos anstatt auf uns selbst. Ich glaube, dass es wichtig ist, im ersten Schritt einmal die mentale Bremse zu drücken, die Vogelperspektive einzunehmen und die Situation von Außen zu betrachten. Wir können uns an dieser Stelle – so paradox es vielleicht erst einmal klingen mag – fragen:

Was brauche ich eigentlich, um gesund durch den Familienalltag zu kommen? Wie kann ich mir mit kleinen Schritten gerecht werden? Wo kann ich mir Freiräume nehmen? Und: Wie kann ich meine Aufgaben entschlacken, entschleunigen und delegieren? An dieser Stelle möchte ich an unsere Kerstin übergeben, denn die ist quasi unser Profi im Delegieren und eben „nicht perfekt machen“. Von ihr habe auch ich viel gelernt.

Kerstin Lüking, Siebenfachmama, Hebamme und Buchautorin. Foto: Dorothee Dahinden

Kerstin: Mein Mann hat mir mal vor vielen Jahren den Satz gesagt: „Sag, was du willst, dann bekommst du, was du willst“. Mir ist das wirklich in Fleisch und Blut übergegangen! Ich war lange eine von den Frauen, die gedacht hat, dass man ihr doch alles von der Stirn ablesen müsste, was noch alles erledigt werden muss. Irgendwann war ich nur noch frustriert und schnell auf „Betriebstemperatur“, was das „verbale Zusammenfalten“ meiner Familie anbelangt hat.

Nachdem ich meinen Konversationsstil geändert und klar und deutlich geäußert habe, was ich von wem möchte, ging plötzlich alles viel besser und ich war irgendwie befreiter. Dazu habe ich ganz klar in einigen Bereichen die Perfektionistin in mir abgelegt. Ich bin auch eine tolle Mutter, wenn ich zum Kindergeburtstag einfach nur eine Spielzeugkiste auf dem Rasen auskippe und dem bunten Treiben von außen zuschaue.

Auch da war eine Begegnung mit einem Geburtstagsgastkind meines Sohnes prägend! Als das Kind nämlich von seiner Mutter abgeholt wurde, sagte es zu dieser: „Mama, das war der tollste Kindergeburtstag, den ich besucht habe. Wir durften einfach mal nur spielen und selbst entscheiden, was wir machen wollen!“ „Peng“, das war der Startschuss für den Mondaufenthalt meiner Perfektionistin, die mir jahrelang im Nacken saß.

Hast du manchmal das Gefühl, in all dem Wust an Anforderungen selbst auf der Strecke zu bleiben und welche sind deine ganz persönlichen Strategien, um dabei nicht durchzudrehen?

Doro: Es ist viel besser geworden. Ich habe heute akzeptiert, dass es auch mal eine Woche oder zwei gibt, in denen ich nicht so viel Raum habe, wie ich bräuchte – der Unterschied zu früher ist, dass ich gelernt habe, meine Bedürfnisse im Blick zu behalten und aufzuschreien, bevor ich aus den Latschen kippe. Ich habe – wie die meisten Mütter – eben nicht dieses familiäre Dorf vor Ort. Aber ich habe gelernt, meine FreundInnen oder andere Mamas um Hilfe zu bitten, wenn es brennt und ich eine Betreuung oder einen anderen Service brauche, um den Alltagsaufgaben gerecht zu werden.

Dazu hat sich ein Wort von unserer Judith eingebrannt – sie schreibt mir in Stresssituationen gerne: Atme, Doro! Das hilft mir. Ich setze mich hin, atme tief durch und sortiere mich einmal innerlich. Genauso mein Sport, den ich – komme, was wolle – inzwischen regelmäßig mache. Corona hat uns da natürlich alle nach hinten geschleudert und in eine Extremsituation gebracht – seitdem habe ich mir angewöhnt, meine Tochter beim Laufen mitzunehmen. Sie fährt Fahrrad, ich muss los, weil ich es gesagt habe – und ich laufe auch keine Abkürzungen mehr, weil ich sonst höre „Mama, nun komm!“.

Der Survival Guide für Mamas. (Affiliate Link)

Nun gebt ihr – ihr habt das Buch ja als MutterKutter-Crew geschrieben – auch richtig konkrete Servicetipps. Zum Beispiel, wie wir unseren Haushalt mit fünf einfachen Handgriffen wieder in den Griff kriegen – könntest du mir die (unter der Hand und für mich ganz persönlich) eventuell schon mal verraten?

Doro: Ha, unsere Haushaltsdompteurin ist ganz klar unsere Kerstin. Sie ist unter Woche mit sechs Kindern alleine (ohne ihren Mann) und hat super Tricks im Gepäck…

Kerstin: Wir sind der festen Überzeugung, dass es wichtig ist, sich eine gewisse Tagesstruktur zurechtzulegen. Das fängt eigentlich schon morgens gleich nach dem Aufstehen an. Um noch ein wenig mehr „Me-Time“ zu haben, wird der Wecker einfach etwas früher gestellt, damit der erste Kaffee noch in Ruhe und ohne Familienmitglieder getrunken werden kann. Danach laufen viele Dinge schon parallel: bevor man die Schulbrote schmiert, wird schon die Waschmaschine gefüttert.

Die Einkäufe werden gleich erledigt, sobald die Kindergarten-oder Schulkinder abgeliefert hat. Supermärkte haben in der Regel schon ab 7/ 7.30 Uhr geöffnet. Dann bin ich mit diesem Punkt meiner To-Do-Liste um 8.15 Uhr schon fertig. Die Waschmaschine übrigens auch. Um 9 Uhr beginnt zum Beispiel mein Arbeitstag, bis dahin habe ich schon eine ganze Menge erledigt und bin schon mal zufrieden. Als Grundregel kann man, davon bin ich überzeugt, sagen, dass alles, was man vor 9 Uhr nicht schafft, an diesem Tag auch nicht mehr wirklich stressfrei nachgeholt werden kann. Es gehört ein wenig Selbstdisziplin dazu, aber es läuft dann irgendwann richtig gut.

In unserem Buch hacken wir außerdem sehr beharrlich auf dem Thema „Netzwerken“ rum. Wir geben ganz konkrete Tipps, wie man sich sein persönliches Dorf aufbaut, auf welches man im Notfall und bei Bedarf immer zurückgreifen kann. Wir möchten den Müttern Mut machen, Hilfe anzunehmen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Denn eins ist klar, wir müssen als Mütter nicht immer alles alleine machen. Wäscheberge können auch gerne von einer ambitionierten Oma übernommen werden.

Und was mach ich, wenn mein Kind bei den Hausaufgaben – und vor allem im Homeschooling – komplett dicht macht, mich anpflaumt und ausnahmslos unkooperativ ist? Kennt ihr das selbst?

Dr. Judith Bildau, Frauenärztin, Medizinjournalistin, Model und Fünffachmädchenmama. Foto: Dorothee Dahinden

Judith: Natürlich kennen wir das! Und diese Situationen können einen in die schiere Verzweiflung treiben. Das Problem ist meist der Teufelskreis, der genau in diesen Momenten losgeht: Kind lustlos, wir genervt, Kind macht komplett dicht, wir werden hektisch, Kind wird noch unkooperativer. Am Ende gibt es nicht selten Geschrei und Tränen- auf beiden Seiten.

Wichtig ist es hier, gleich ganz am Anfang einzuhaken und nicht in altbekannte Muster zu verfallen. Ganz ehrlich: Homeschooling ist eine krasse Nummer für viele unserer Kinder. Sie vermissen ihre Freunde, den Austausch, die ganze Gemeinschaftsatmosphäre der Schule und Unterricht mit der eigenen Mama ist dazu auch noch wahnsinnig anstrengend.

Schauen wir Eltern also genau in diesem Moment mit einem liebevollen und verständnisvollen Blick auf unsere Kinder, ist schon viel gewonnen. Und dann macht es Sinn, immer ‚kleine‘ Ziele zu stecken. „Nach Mathe machen wir zusammen Pancakes, dann werden wir wieder wacher, dann geht’s weiter mit Deutsch!‘. Klar ist das auch für uns anstrengend, aber leider ist die Situation gerade vielerorts so wie sie ist und deswegen bedarf es gerade kreativer Lösungen.

Kerstin: Ich habe mir abgewöhnt, mich darüber aufzuregen. Es ist alles Energieverschwendung. Wenn ein Kind der Meinung ist, gerade keine Lust zu haben, wird eine Pause gemacht. Dann wird erst gespielt oder im Garten geturnt. Ich weiß, dass ich mich immer 100 Prozent auf meine Kinder verlassen kann, und dass am Abend alles erledigt ist. Die Kinder haben eben alle einen unterschiedlichen Rhythmus. Der eine lernt besser am Morgen, der andere besser am Abend. Darauf muss man sich ein wenig einstellen. Dann klappt der Rest ganz von alleine.

Isabel Huttarsch, Mütterpsychologin und Zweifachmama. Foto: Dorothee Dahinden

Isabel: Auch auf die Gefahr hin, dass meine Antwort jetzt nur ein müdes Lächeln hervorruft: Pause. Atmen & annehmen. Wenn dein Kind dicht macht, hat es seinen ganz individuellen Grund dafür – auch, wenn du ihn gerade vielleicht nicht sehen kannst. Das Wertvollste, was du in frustrierenden Situationen wie diesen tun kannst – und zwar für dein Kind und für dich selbst – ist Erwartungen loslassen.

Dabei kommt einer der wenigen Vorteile beim Homeschooling zum Tragen: wir müssen uns nicht zwingend an ein vorgegebenes Stundenraster halten, sondern können unseren Tagesablauf an einigen Stellen flexibel an unsere Bedürfnisse anpassen – und zwar an die unserer Kinder und unsere eigenen. Lasst uns darüber hinaus nicht vergessen, dass die aktuelle Homeschooling-Situation nach wie vor eine herausfordernde Ausnahmesituation ist, die unfassbar viel von uns fordert. Weder wir noch unsere Kinder konnten sich darauf vorbereiten geschweige denn mitentscheiden in diesem Prozess.

Kaum jemand von uns hat sich freiwillig auf diese Situation eingelassen. Und so ist es auf allen Seiten mehr als menschlich, wenn es zu Frust und Unlust bekommt. Also: Nimm den Druck raus. Geh in die Vogelperspektive und mach dir klar, dass unsere Kinder von Natur aus kooperative Wesen sind. Manchmal braucht das nur ein bisschen mehr Raum, Zeit und Ruhe als sonst.

Ihr weist auch auf Sex als Auszeit hin – nun wird da ja mit größeren Kindern nicht einfacher, weil sie länger wach bleiben und man ihnen im Falle des Erwischtwerdens auch nichts mehr von „Papa musste mal pusten, weil Mama Aua hat“ – erzählen kann. Erzählt doch mal… gibt ́s da gute Strategien?

Judith: Also, einer meiner Lieblingssprüche ist ja „Kinder haben ein Recht auf glückliche Eltern“. Ich persönlich kenne kein Elternpaar, dass glücklich damit ist, wenn es ohne Pause, rund um die Uhr und ständig die eigenen Kinder umsorgt. Klar, die Kinder sind immer das Wichtigste und meist machen sie uns Eltern grundsätzlich glücklich, aber es ist eben wichtig, dass wir auch Bereiche nur für uns haben, nur für uns Erwachsene, wo wir unsere Energie auftanken, und fallenlassen und auch mal gehen lassen können.

Ein Beispiel dafür ist auch: Platz und Zeit für ein ungestörtes Sexleben. Und das macht im Zweifel nur halb so viel Spaß, wenn ständig die Sorge besteht, dass eins der Kinder reinkommt. Also müssen sich bewusst Freiräume geschaffen werden, damit auch unsere elterlichen Bedürfnisse gestillt werden, zum Beispiel eine Übernachtung bei Oma und Opa oder Freunden, ein ‚Mittagsschlaf‘ für Mama und Papa Sonntagnachmittag, währenddessen die Kinder ein bisschen Fernsehen schauen dürfen, immer mal wieder eine kleine elterliche Auszeit übers Wochenende ohne die Kinder.

Kinder möchten glückliche Eltern, deswegen brauchen wir auch überhaupt kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir uns regelmäßig Qualitytime nur für uns nehmen und das, gerade wenn die Kinder schon etwas größer sind, auch erklären.

Kerstin: Ich finde, wir müssen als Eltern auch nicht immer eine offene Schlafzimmertür haben. Da darf man ruhig gelegentlich abschließen, was für größere Kinder auch ein Zeichen dafür sein sollte, dass man jetzt gerade nicht gestört werden möchte. Dieses Recht dürfen wir uns ruhig herausnehmen, da wir nicht immer 24/7 für alle parat sein müssen. Ein kleiner Geheim-Tipp von uns ist Sex am frühen Morgen, gemäß dem Motto: „Der frühe Vogel…“. Gerade Teenie-Eltern werden ihre Ruhe haben, da am gerade Wochenende die eigene Brut oft eher Langschläfer-Qualitäten aufweist. Danach noch einen Kaffee im Bett, bevor der Alltags-Wahnsinn wieder losgeht! Herrlich entspannend.

Wie kamt ihr auf die Idee zum Buch – ist das auch aus dem eigenen Bedarf nach etwas mehr Ruhe und Entschleunigung entstanden – und gab es dann auf dem Weg bis zum fertigen Werk Erkenntnisse, bei denen ihr dachtet: Wow, da hab ich jetzt selbst noch was gelernt?

Doro: Wir wollten unsere Erfahrungen und Lösungsstrategien, die wir gefunden haben, gerne weitergeben. Dazu hatten wir den Traum, etwas neben dem Online-Magazin in der „Hand zu halten“. Die Idee kam uns kurz nach dem TV-Beitrag – und da lag ein Überlebenshandbuch nahe. Wir wissen ja nicht nur durch unsere Arbeit auf MutterKutter, sondern auch durch unsere Jobs als TV-Reporterin, Hebamme, Frauenärztin und Mamapsychologin, dass es anderen Müttern ähnlich geht.

Und, ja: Ich habe tatsächlich bei den Texten der Mädels einiges dazugelernt, zum Beispiel wie ich eine innere Inventur mache, wie ich gut delegiere oder mein schlechtes Gewissen ablege. Richtig verinnerlicht habe ich Kerstins Kommunikationstipp: „Sag, was du willst, dann bekommst du, was du willst“ – darin habe ich mich regelrecht geübt und wende es nun privat und beruflich an. Klappt super!

Judith: Natürlich kennen wir alle diese Momente, wenn nichts mehr zu gehen scheint. Wir rennen im Hamsterrad und es ist einfach zu viel. Es brennt an allen Ecken und Enden. Wir wissen, wie sich das anfühlt. Und genau deshalb haben wir dieses Buch geschrieben. Für alle Mamas da draußen – und auch für uns. Der Austausch untereinander, während wir geschrieben haben, war Gold wert und hat uns natürlich auch viele Dinge vor Augen geführt. Am Ende ist dieses Buch entstanden und wir sind wahnsinnig stolz drauf, weil es eben neben persönlichen Erfahrungen auch viel fachliche Hilfen bietet. Wir wünschen uns sehr, dass es ganz viele Mamas erreicht, ja, und vielleicht auch gewisse Bereiche des Lebens verändern kann.

Isabel: Ich glaube, das Bedürfnis nach Ruhe und Entschleunigung liegt tief in uns allen und geht natürlich auch an uns Mutterkutter-Autorinnen nicht vorbei. Manchmal fühlt sich mein Alltag jedoch eher an wie eine abenteuerliche Suche nach einer kleinen Ruheinsel, die, tief im Ozean des ganz normalen Chaos verborgen, von unzähligen Anforderungen umspült wird und unerreichbar ist. Die wohl wichtigste Erkenntnis, die ich persönlich aus dem Schreibprozess mitnehmen konnte, ist folgende: Egal, wie hoch die Wogen gerade sind: gemeinsam geht es so viel leichter als alleine. Das gilt nicht nur für das Schreiben an sich, sondern natürlich auch für den Alltag als Familie. Keine wirklich neue Erkenntnis, aber eine wichtige, die mir in dieser Zeit noch einmal ganz bewusst geworden ist. Dorf ahoi!

Kerstin: Meine persönlichen „Waterloos“ hatte ich schon viele Jahre, bevor das Buch entstanden ist. Begriffen habe ich die Wichtigkeit der Entschleunigung und Ruhe nach einem Hörsturz und Burnout. Mit viel Kraft habe ich mich wieder in die Spur gebracht und fühle mich heute viel besser, da ich mehr auf mich achte. Heute sage ich ganz klar: Nein, nö, nöhöööö! Ich will das jetzt nicht! Auch das ist ein Thema im Buch. Es ist mir ein persönliches Anliegen, den Frauen das näher zu bringen. Ihnen zu sagen, wir haben nur ein Leben und eine Gesundheit.

Passt auf euch auf, regt euch nicht über jeden Mist auf und reibt euch nicht für andere Leute auf, die euch eigentlich den Buckel runterrutschen können. Insofern habe ich für meinen Teil viele meiner Erfahrungen aufgeschrieben und habe mir dabei aber die Wichtigkeit nochmal besser verinnerlichen können.

https://www.facebook.com/watch/?v=229991808404559&extid=iTL6Fs6rsS9NrxNC

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11 Kommentare

  1. Ich kann mich den meisten VorrednerInnen nur anschließen. Die Tipps sind ziemlich unbrauchbar bzw. nichts neues.
    Soll ich statt um 5:45 um 5 Uhr aufstehen, um noch schnell eine Wäsche anzuschmeißen? Und es ist tatsächlich ein Tipp, dass Supermärkte um 7 öffnen? Schön für alle, die sich die Arbeitszeiten selber einteilen, aber unbrauchbar, wenn man selber um 7:30 anfängt.
    Und Paarzeit ist wichtig? Das hätte ich ja nie gedacht…
    Mein Mann und ich haben uns die Elternzeit geteilt (und nicht für ihn 2 Monate vom Staat bezahlter Familienurlaub) und teilen uns jetzt die (Haus)Arbeit. Das muss man wollen damit auch akzeptieren, dass jeder die Dinge etwas anders macht und natürlich immer mal wieder ausloten, ob einer das Gefühl hat, mehr bleibt an ihm hängen.
    Und was ich persönlich gar nicht mag, ist wenn jemand anderes als mein Kind mich Mama nennt. (Mal, abegsehen davon, wenn jemand mit ihm, er ist noch ein Kleinkind, über mich spricht)

  2. OMG. Die Supermütter geben Tipps. Was kann Frau tun, um noch besser „ihren“ Alltag zu wuppen (von den Vätern ist mal wieder nicht die Rede). Noch ein bißchen früher aufstehen, noch ein bisschen effektiver werden, um vor 9 alles gewuppt zu haben, und dazu noch ein paar Tricks aus der Mottenkiste, wie der unperfekte Kindergeburtstag (das ist ja nun wirklich zum Gähnen).
    Hier wird das Bild der allein oder zumindest hauptverantwortlichen Mutter mit 2, 4, 7 Kindern zementiert. Beim Lesen dachte ich, da kann sich jeder Vater ja nur ins Fäustchen lachen: wenn Mama es nicht schafft, delegiert sie eben, zb an Oma. Na super, das ist dann wohl Emanzipation, Arbeit an andere Frauen abzugeben.
    Die eigentliche Frage müsste doch lauten: warum muss überhaupt Mama delegieren- das impliziert doch nur, dass sie die eigentlich Verantwortliche ist. Warum wird diese Sichtweise stillschweigend akzeptiert? Das wäre mal eine interessante Frage. Dieser Beitrag hinterlässt mich leicht fassungslos….

    1. Danke, Franzi!!!
      Beim Lesen kamen mir förmlich deine Gedanken.
      Sonst ist immer die Rede von mental load und wie man alle Aufgaben besser innerhalb der Familie aufteilt und nun soll man die Aufgaben doch wieder alle selbst übernehmen – gut verteilt auf den Tag versteht sich, gerne quasi nachts/morgens… OMG!

  3. Hallo,
    ich hatte bis jetzt keine Zeit alles fertig zu lesen, denn Ihr wisst ja – der alltägliche Mütterwahnsinn. Aber jetzt habe ich schon das große Bedürfnis eine Rückmeldung zu geben. Ich bin tatsächlich Diplom-Psychologin und bin mir natürlich auch schmerzlich der Tatsache bewusst, dass viele sich Therapeutin und Beraterin und eben auch Psychologin nenne, die nie wirklich eine ähnlich anspruchsvolle Ausbildung gemacht haben. Aber ich habe noch nie etwas von einer Mamapsychologin gehört. Mein größtes Anliegen wäre heute, dass wir Frauen aufhören würden, uns niedlich zu machen, nur weil wir Kinder haben. Die Kinder sind niedlich, aber wir dürfen echt erwachsen und gut ausgebildet sein und dazu ohne Verniedlichung stehen dürfen. Welcher Mann würde sich das bitteschön gefallen lassen, aufgrund einer biologischen Funktion in seinem Beruf beschrieben werden. Ich bin Psychologin UND Mutter. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das erinnert mich daran, als ich Anfang der 90er mit einer Freundin Umstandskleidung shoppen war(sie hat einen sehr frühen Start hingelegt) und ungelogen nur Dinge mit Teddyapplikationen zu kriegen waren. Als ob Mütter automatisch infantil wären. Das ist ja wohl nicht so oder?

  4. Hmmm. Das Interview hat mich sehr nachdenklich gemacht und hat bei mir auch einen kleinen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Ich möchte niemandem unrecht tun, gleichzeitig überkam mich beim Lesen der Aussagen der einzelnen Frauen der Eindruck, als seien die Frauen enttäuscht bzw. verwundert darüber, nicht „alles haben zu können“: die eigene kinderreiche Familie, den beruflichen Erfolg, die gute Partnerschaft, die blitzblanke Wohnung und dazu ausreichend Zeit für sich selbst.
    Eine solche Anspruchshaltung frappiert mich. Wenn man sich einen solch hohen Standard setzt, kann man ja nur enttäuscht und erschöpft bzw. mittelfristig durchaus auch depressiv werden.
    Bei den in dem Interview dargestellten Umgangsmöglichkeiten fehlt mir entsprechend als kognitive Strategie auch die Wertschätzung und Dankbarkeit für all das, was man ja tatsächlich hat.

    1. Ich bin auch Psychologin – und der Begriff „Mamapsychologin“ ist mir ebenfalls direkt negativ aufgefallen.

      Diese „Berufsbezeichnung“ ist nicht nur infantil, sondern impliziert auch, dass schon allein der Status „Mutter“ (bzw.: „Mama“) die Notwendigkeit einer psychologischen Behandlung nahelegt. Das finde ich sehr problematisch.

  5. ….“ambitionierte Omas, die sich der Wäscheberge annehmen…“

    Hat die Autorin da etwas verwechselt? Das kann doch nur mal die Ausnahme sein, Omas (oder Opas) sind doch grundsätzlich nicht dafür da, den Haushalt zu übernehmen. Ich bekomme oft mit, dass Omas und Opas mehrmals die Woche sehr stark für alles mögliche eingespannt werden und frage mich wirklich, ob das schon bei der Familienplanung Teil der Gedanken war, dass man ja noch jemanden hat, der einen oft großen Teil mitübernimmt.

    Das ist nicht meins, in meine Lebensplanung bzw. Kinderplanung Personen miteinzubeziehen, die nach einem oft langen und auch beschwerlichen Leben ein Recht auf Freizeit haben. Treffen mit Oma und Opa zum beiderseitigen Spaß, ja gerne immer, aber nicht als „Taxi, Putzhilfe, Babysitter…..“ missbrauchen.

    1. Jein. Ich verstehe was du meinst, zumal heutzutage viel mehr von sich als Eltern verlangt wird, als noch damals. Im Perfektionismuswahn gehen heutige Eltern über alle möglichen Bedürfnisse hinaus. Zusätzlich habe ich das Gefühl, dass man auch schneller am Rande des Zusammenbruch ist als vielleicht unsere Großmütter damals. ABER die Großeltern von heute hatten oft auch ein Netz aus Familie, die einen unterstützt hatten. Nicht überall, nicht bei jedem. Trotzdem gab es entweder Hilfe von der Familie, weil man in der Nähe wohnte oder die Mutter blieb zuhause, vormittags Haushalt und nachmittags Kinderbetreuung. Oder eben Arbeit bis weiß ich wieviel Uhr am Tag, danach die Kinderbetreuung. Man bindet sich viel zu viel auf, man vergleicht sich zu stark, möchte immer gut dastehen und – die meisten Mütter mögen es nicht zugeben – besser wirken als X, Y oder Z. Mütter stehen irgendwie in einem Wettkampf miteinander, was ungesund ist.

    2. Also ich war froh, wenn meine Mutter mir als Alleinerziehende in Vollzeit immer mal geholfen hat, sei es mit Ferienbetreuung oder auch bei der Wäsche. Das ist ja nicht einseitig, meine heute fast 40jährige Tochter war gerne bei der Oma (+ Opa + Uroma) und hatte dadurch neben mir weitere Bezugspersonen. Nicht zu vergessen, dass es vor 35 Jahren kaum Mittagsbetreuung in KiGa und Schule gab. Ich durfte mehrfach umziehen, um Ganztagseinrichtungen in Anspruch nehmen zu können. Ich würde meiner Tochter auch jederzeit helfen, wohne nur nicht nah genug. Aber wenn ich sie besuche, lege ich gerne mal Wäsche zusammen. Dafür verwöhnt sie mich mit leckerem Essen. Sie legt nicht gerne Wäsche zusammen, ich schon. Ich koche nicht gerne, sie schon. Also: passt doch!

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