Mama, ich will ins Internat! Wenn Eltern plötzlich loslassen müssen

doro

„Papa, Mama, ich möchte auf ein Internat.“

Als unsere elfjährige Tochter Anfang des Jahres diesen Satz in einem, bis dahin belanglosen Gespräch fallen ließ, war ich sprachlos. Zu viele Fragen schwirrten mir im Kopf herum. Warum? Was haben wir Eltern falsch gemacht? Wird sie in ihrer Schule gemobbt? Ist etwas Schlimmes passiert?

Nein, nichts war passiert, versicherte unsere Tochter uns glaubhaft. Das bestätigten auch die intensiven Gespräche mit dem Vertrauenslehrer. Sie war einfach neugierig und wollte diese Form des Zusammenlebens und -lernens mit Gleichaltrigen ausprobieren. Ein Internatsleiter erklärte uns später, dass es häufig vorkomme, dass Kinder selbst den Wunsch äußern, ein Internat besuchen zu wollen.
Ich vermute, der Wunsch entstammt einschlägiger Kinderliteratur. Wer würde nicht auch gerne nachts heimlich Partys im Internatskeller veranstalten, so wie Hanni und Nanni? Mal ehrlich, die Abenteuer von Harry Potter und seinen Freunden in der magischen Welt zwischen Gleis 9 ¾ und Hogwarts laden doch auch zum Mitmachen ein.

In den Tagen, nachdem meine Tochter ihren Wunsch zum ersten Mal aussprach, recherchierte sie im Internet. Spätestens da merkte ich, dass sie es ernst meinte. Einen solchen Fleiß wie beim Vergleich der Internate zeigt sie sonst nur selten. Gemeinsam überlegten wir: Was ist ihr und uns Eltern wichtig bei der Auswahl? Sie legt Wert auf Schlafräume mit wenig Betten. Außerdem soll das Freizeitangebot attraktiv und die Fotos auf der Internetseite ansprechend sein.

Bisher war meine Tochter in Bayern zur Schule gegangen, was uns auch für die Zukunft wichtig ist. So würde sie es bei Bedarf leichter haben, an die alte Schule zurückzukehren. Um die Fahrzeiten gering zu halten, soll das Internet maximal eine Stunde Fahrzeit von zu Hause entfernt sein. Tja, und dann war da noch die Frage nach den Kosten. Schnell zeigte sich: Wir wollten und konnten nicht ein paar tausend Euro monatlich locker machen, um die Unterbringung und den Schulbesuch zu finanzieren.

Aus all diesen Gründen fiel unsere Wahl letztendlich auf ein staatliches Landschulheim in Nordbayern. Wir ließen ihr während des ganzen Vorbereitungsprozesses die Wahl, abzubrechen. Insgeheim hofften wir, ehrlich gesagt, sogar darauf, dass ihr doch angst und bange vor dem Internatsbesuch werden würde.
Wir schauten uns das Anwesen an, führten Gespräche mit dem Internats- und dem Schulleiter. Wir machten uns während des laufenden Betriebs ein Bild vor Ort, sprachen mit Internatsschülern und Erziehern. Das ehemalige Schloss liegt malerisch in einem kleinen Ort, idyllisch eingebettet in die grüne Landschaft.

Romantisches Schloss inmitten grüner Natur

Mehrere Torbögen, gepflasterte Innenhöfe, ein romantischer Teich und viel Grün prägen das Anwesen. Eine repräsentative Treppe mit ausgetretenen Stufen führt in den Mädchentrakt, ausgeleuchtet von einem Kronleuchter; gleich nebenan ein prunkvoller Saal, der für feierliche Anlässe reserviert ist. Die Zimmer haben hohen Decken und Parkettboden. Die Möbel im Jugendherbergs-Stil passen allerdings weniger zum Ambiente. Aber sie sind ausreichend und zweckmäßig.
Zusammen mit unserer Tochter haben wir die Schul- und Lernzeiten analysiert und die Regeln des Internatslebens studiert. Sie war von Anfang überzeugt: Genau dort möchte sie wohnen und lernen.
Kann ein Kind in diesem Alter einschätzen, was auf es zukommt? Vermutlich nicht. Wir füllten die vielen Anmeldeformulare trotzdem aus, meldeten einen Zweitwohnsitz an, unterschrieben, dass wir die Regelung zur Handynutzung gelesen hatten und versicherten, dass die mittlerweile Zwölfjährigen keine Drogen nimmt. Taten wir das Richtige? Keine Ahnung. Wir zweifelten und schickten die Unterlagen trotzdem weg – auf Wunsch unserer Tochter.

Wir wurden von Bekannten, Familienmitgliedern, aber auch Eltern anderer Kinder angesprochen: „Stimmt es, dass sie auf ein Internat gehen will?“ „Wisst ihr denn nicht, was dort alles passieren kann?“ Man warf uns vor, wir würden die Verantwortung für unsere Tochter an Fremde abschieben, wir würden das Mädchen veralteten pädagogischen Konzepten aussetzen. Sie würde sicherlich großes Heimweh bekommen und überhaupt mache man so etwas nicht, wenn man sein Kind liebe. Harte Brocken.

Wir waren in unserer ländlichen Wohngegend sämtlichen Vorurteilen ausgesetzt: „Internate sind Einrichtungen für schwer erziehbare Kinder.“ Nur reiche, karrierebesessene Eltern würden ihre Kinder in Internate stecken, um die schlechten Noten auszumerzen, die eine erfolgreiche Zukunft verhindern könnten. Die Liste der Klischees ist lange.

Vom Zusammenleben mit Gleichaltrigen profitieren

Wir fühlen uns nicht verstanden. Selbstverständlich fällt es uns schwer, unsere Tochter ziehen zu lassen. Wir haben Angst davor, die Kontrolle abzugeben. Doch es geht nicht um uns. Früher oder später müssen wir unsere Kinder gehen lassen. Warum sollten wir ihr diesen Schritt in die Selbstständig verwehren, wenn sie ihn unbedingt gehen möchte? Wir haben ihr unsere Bedenken vorgetragen. Sie weiß, dass sie sich in dem neuen Umfeld allein durchkämpfen muss.

Aus unserer Sicht ist das gleichzeitig eine Chance für die Schülerin. Wir hoffen, dass sie – lange Jahre Einzelkind – vom Zusammenleben mit Gleichaltrigen profitiert und ihre sozialen Kompetenzen ausbaut. Andererseits glauben wir, dass ihr der strukturierte Tagesablauf und die „erzwungene“ Selbstständigkeit guttun werden.

Schlechte Noten sind nicht der Grund, warum wir unsere Tochter ins Internat geben. Aber auch bei uns herrschten oft Streitereien um nicht erledigte Lernarbeiten oder nicht erfüllte Pflichten. Wir hoffen darauf, dass die gemeinsame Zeit an den Wochenenden ein höheres Maß an Qualität gewinnt, statt von Sätzen wie „Musst du nicht noch?“ oder „Denkst du an?“ dominiert zu sein.

Ankommen und loslassen

Zu Beginn des Schuljahres haben wir unsere Große, die jetzt eine Siebtklässlerin ist, ins Schloss gebracht, das Bett bezogen, den Kleiderschrank eingeräumt. Als wir ankamen, war nur eines der vier Betten im Zimmer belegt. Auf dem Boden davor saß eine junge Frau (geht sie wirklich erst in die siebte Klasse?) mit Stöpseln im Ohr und Handy in der Hand; daneben ein geöffneter Schminkkoffer, bei dessen Anblick ich mich fragte, wofür man wohl all diese Pinselchen braucht. Wo waren wir da hingeraten?
Einige Tage später erzählte mir meine Tochter, von den familiären Problemen des anderen Mädchens. Wir stellten fest, dass die anderen beiden Mädchen – so wie unsere Tochter auch – noch nicht viel mit Kosmetik zu tun hatten. Das beruhigte mich wieder etwas.

Mir zerriss es fast das Herz, als ich mein Kind am Abend allein – mit einer kleinen, liebevoll gepackten Schultüte – zurückließ. Ich hätte sie am liebsten sofort wieder mit nach Hause genommen. Doch sie ließ sich nichts von Heimweh anmerken. Ich wusste: Sie würde am nächsten Morgen zur Schule gehen und mir erst am Abend am Telefon von den Lehrern und Mitschülern berichten. Ich werde mich daran gewöhnen müssen, dass ich nicht mehr erste Anlaufstelle für ihre Fragen und Erzählungen bin.
Das erste Wochenende zu Hause war hingegen richtig schön. Das Mädchen erzählte ununterbrochen von ihren Erlebnissen. Man merkte ihr an, dass es ihr gefiel. Und das war das Wichtigste. Wir würden schon damit klarkommen. Nur ihr kleiner Bruder, der verstand die Welt am Montagfrüh nicht so recht. Er klopfte an ihre Zimmertüre. Ob sie verschlafen hatte? Keiner öffnete…

Andere Kinder, andere Gründe für den Internatsbesuch

In den wenigen Tagen im Internat hatte meine Tochter gleich eine neue Freundin gefunden, die mit ihr in einem Zimmer untergebracht ist und in die gleiche Klasse geht. Anders als unsere Tochter ist Louise (Name geändert) nicht ganz freiwillig im Internat. Zu Hause tanzt die Zwölfjährige ihren Eltern – beide in Vollzeit berufstätig – „auf der Nase herum“, wie ihr Vater in einem Gespräch erzählte. Louise halte sich nicht an Abmachungen, sie lerne nicht selbstständig und habe auch sonst allerlei „Blödsinn“ gemacht.  Tja, auch solche Fälle gibt es eben auch.

Ob es meiner Tochter auch nach den ersten Wochen im Internat gefallen wird, kann ich noch nicht sagen. Ein Zurück an die alte Schule und ein vollständiger Umzug nach Hause ist frühestens zum Halbjahr im Februar möglich. Das wusste sie von Anfang an.

Es ist ihr persönlicher Weg, den sie da eingeschlagen ist. Ich bewundere meine Tochter dafür, dass sie sich diesen Wunsch erfüllt hat. Selbst wenn es ihr auf Dauer nicht gefällt, so hat sie auf jeden Fall etwas Wichtiges für die Zukunft gelernt: Sie allein kann ihren Lebensweg gehen. Dazu hat sie die eigenen Ängste überwunden, die Bedenken der anderen abgewogen und ihre eigene Entscheidung getroffen.

—Über die Autorin: Dorothea Fischer (36 Jahre), Mutter einer Teenagertochter und eines Kleinkindes. Sie hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht, arbeitet  als Journalistin eines Medienunternehmens und boggt auf wort-akrobatik.de

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21 comments

  1. Meine Internatszeit
    Ich habe während eines berufsvorbereitenden Lehrgangs und mn meiner Berufsausbildung in einem Internat, das zum Berufsbildungswerk gehörte, gelebt. Es ist eine schöne und lehrreiche Zeit gewesen. Ich habe sie bis heute nicht bereut. Es war in der Nähe von Hannover und ich wohne in der Lüneburger Heide. Es sind ca. 100 km und ich bin, so MUSS ich es heute LEIDER sagen, JEDES Wochenende nach Hause zu meinen Eltern gefahren. So kann man nicht lernen, sich allmählich abzunabeln und später selbstständig durch das Leben gehen. Nun muss ich dazu sagen, dass ich FAST volljährig war, aber in einer Stadt wie Hannover kann so viel mehr unternehmen und sitzt wie ich damals an den Wochenenden nicht die ganze Zeit alleine in seinem Zimmer, sondern geht in den Gemeinschaftsraum und unterhält sich mit Mitauszubildenden und ist tatsächlich unter Gleichaltrigen. Ich hatte Glück mit meinen dortigen Freunden. Sie haben keine Drogen genommen. Sie haben allerhöchstens geraucht, aber da wir alle sehr wenig Geld (150 DM monatlich) zur Verfügung hatten, haben sie sich das Rauchen schnell abgewöhnt, weil sie schon in den ersten Tagen des Monats kein Geld mehr hatten. Ich habe damals NIE geraucht und tue es bis zum heutigen Tag nicht. Schmeckt nicht, macht schwerkrank und ist mir schlichtweg zu teuer. Ich habe außerdem gelernt, mit dem wenigen Geld auszukommen. Als ich noch in diesem Berufsvorbereitenden Lehrgang war, bin ich aufgrund meiner im Schwerbehindertenausweises Vorteile noch recht günstig nach Hause fahren konnte. Zwischenzeitlich sind mir die Vorteile aberkannt worden. So konnte ich während meiner Ausbildungszeit nicht mehr meinen Schwerbehindertenausweis nutzen, sondern nur noch den Juniorpass, der heute den Wert der 50er Bahncard hatte, also ALLE Fahrten zum halben Preis. So bin dann LEIDER weiterhin JEDES Wochenende zu meinen Eltern nach Hause gefahren, statt mit den im Internat verbliebenen Kameraden etwas Schönes zu unternehmen. Schön dumm war ich damals. Dann hatte ich dort einen Lehrer, bei dem angesichts seines akademischen Grades (Professor Doktor) und seiner autoritären Art nie dachte, dass ich mich mit dem so gut verstehen würde, aber genau das Gegenteil war der Fall. Der war Anfang an wie ein Vater zu mir und tatsächlich sagte er mir das zum Abschied, als unsere 4 Jahre lange gemeinsame Zeit, in der wir uns regelmäßig fast jeden Tag einmal über den Weg liefen, dass ich für ihn wie eine Tochter ans Herz gewachsen bin. Der hatte trotz seines vollen Terminkalenders und ausgefüllten Tagesablaufs an der Universität Hannover, in seinem Institut und die Arbeit im Berufsbildungswerk, einer Einrichtung, in der überwiegend junge Menschen mit mehrfachen schwersten Behinderungen untergebracht waren, die auf dem allgemeinen Ausbildungsmarkt gar keine Chance hätten, immer ein offenes Ohr für mich. Ich denke noch heute sehr gerne an diese Zeit zurück.

  2. Meine Tochter will aufs Internat
    Meine Tochter wollte unbedingt aufs Internat, obwohl es keinen für mich offensichtlichen Grund gab. Also habe ich es schweren Herzens erlaubt. Nun ging die kleine 13 Jährige Tochter vor dem erwachsenen Bruder aus dem Haus. Anfangs war es sehr schwer die „Kleine“ anderen Menschen in 300 km Entfernung anzuvertrauen. Aber sie kam zu einer wirklich lieben Hausmutter, die mit Ihrer eigenen Familie auch dort lebt. Jetzt nach 1,5 Jahren kann ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war. Meine Tochter ist dort sehr glücklich obwohl auch sehr viel erwartet wird. 3 x in der Woche 10 Stunden, dann Lernzeit, hinterher Sport oder Theater.
    Sie fühlt sich einfach wohl, was auch auf die Nähe zu den Lehrkräften, zum Direktor und den anderen Hauseltern zurückzuführen ist. Und natürlich die Freunde.

  3. Meine Meinung
    Moin,
    ich komme gebürtig aus Hannover und habe vor 40 Jahren (mit 17) den Wunsch gehabt auf ein Internat zu wechseln. Meine Mutter ermöglichte mir dies. An der Nordsee, auf Langeoog, durfte ich unvergessene Jahre verbringen. Eine großartige Gemeinschaft, excellent schulische Betreuung, ein Teil meiner Sozialisation.

  4. Kommentar zur vorherigem Artikel
    Ich muss nochmal was zu dem Artikel über Instagram loswerden. Ich finde es unglaublich schwach, Wenn man einfach kommentarlos eine Kommentarfunktion schließt. Für mich hat das nichts mit Kritikfähigkeit zu tun. Man kann doch nicht einfach die Menschen mundtot machen, Die einem die falschen Dinge sagen. Sehr sehr schade, Ich habe immer gerne Eure Artikel gelesen, Aber nun habt ihr eine Leserin weniger.

    1. Befremdlich
      Ich muss auch sagen, dass mir das Löschen der Kommentare und der Kommentarfunktion unter dem besagten Post schon sehr negativ aufgefallen sind. Warum ist dies erfolgt? Vielleicht waren die Kommentare teilweise nicht besonders nett formuliert, aber sie gänzlich ohne nähere Erläuterung zu streichen hinterlässt einen sehr unschönen Beigeschmack.

      1. Vielen Dank für den tollen Artikel, da ich als Alleinerziehende Mutter nun bereits den dritten Job verloren habe, überdenke ich die Option Internat auch seit einiger Zeit. Könnten Sie mir vielleicht den Name von dem Internat Ihrer Tochter in Bayern verraten? Liebe Grüße

    2. Kommentare
      Liebe Vera, die Kommentare unter dem Post existieren weiter, wir haben nichts gelöscht. Da einige davon aber in eine rechtliche Grauzone gingen (Stichwort: Rufmord) haben wir die Kommentarfunktion unter dem Beitrag bis auf Weiteres ausgeblendet, bis weiteres geklärt ist.

  5. Problemkind?!
    Bei uns war es etwas anders, unser Sohn, Asperger Autist, damals 9 jährig, fing an die Schule zu verweigern. Wir hatten keine andere Wahl. Es hat mir fast das Herz zerrissen, ich kann ihre Gefühle so gut nachvollziehen, ihn in diesem jungen Alter los zu lassen. Ich hoffe er wird seinen Weg machen, wie lernen damit umzugehen und die gemeinsame Zeit irgendwann wieder genießen können. Ihnen und ihrer Familie alles Liebe und Gute.

    1. Alternativen
      Hallo Christiane!

      Ich habe hier auch zwei Asperger Autisten. Der 11jährige geht auf eine Gesamtschule mit Integrationskraft und massiver Stundenkürzung. Der 9jährige geht in die 4te der Grundschule direkt gegenüber. Bis auf ein paar Besonderheiten kommt er (noch) gut zurecht, da alle – Lehrer und Mitschüler – an einem Strang ziehen. Wenn wir aber an die weiterführende Schule denken, bekommen wir bei ihm Bauchweh. Mit viel Glück kann er hier in der Nähe auf eine Privatschule.
      Hast du schon mal was von der Online-Schule gehört? Wäre das eine Alternative?
      Wie kommt er zurecht im Internat? Ist es weit weg? Wer hatte euch (damals) dazu geraten?
      Wünsche euch für die Zukunft, dass alles glatt läuft.
      LG

  6. Eigene Erfahrung
    Ich habe auch fünf Jahre in einem Internat im Norden von Bayern (das sich von der Beschreibung her erstaunlicherweise nach ihrem anhört) und habe es nicht bereut. Wie Ihre Tochter habe ich diese Entscheidung selbstgetroffen und bin glücklich darüber. Zweifellos gibt es diese sogenannten „Problemkinder“, jedoch sind diese nicht die Norm und andererseits wo gibt es denn bitte keine vereinzelten Kinder, die einen auffälligeren Charakter als andere haben. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen, dass ein Leben im Internat (ob nur für eine kurze Zeit oder längerfristig) die Kinder in ihrer Eigenverantwortlichkeit und Selbstreflexion stärkt. Sie lernen nicht nur in einer Gemeinschaft zu leben, sondern auch (wenn es Probleme gibt), dass es auch andere Kinder mit ähnlichen Geschichten gibt und sie somit nicht alleine sind.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg

    [Sehen Sie mir bitte mögliche Rechtschreib- oder Grammatikalische Fehler nach – ich habe erst vor zwei Monaten mein Abitur im besagten Internat erfolgreich beendet und seitdem ist mein Kopf für nix mehr zu gebrauchen.]

  7. Artikel macht mich traurig
    Ein sehr reflektierter Artikel in der Tat, aber trotzdem einer der mich traurig macht. Ich stelle mir das schon ziemlich schlimm (für mich ) vor. Hat das Mädel keine engen Freunde, keine Hobbies, der familiäre Zusammenhalt, nichts was sie zu Hause hält? Dieses sehr frühe Streben weg von zuhause (was ja irgendwann normal ist)
    Es mag Klischee sein, aber ich verbinde mit Internet immer problematische Kids, die auf staatlichen Schulen bzw. im normalen Familienalltag nicht klarkommen. Alles Gute für die Tochter und Familie

    1. Nein Anna das Mädel geht selbstbewusst seinen Weg in die Selbständigkeit. Kinder gehören ins nicht sondern sich selbst und müssen auch rechtzeitig losgelassen werden. Das gehört zum Elternsein dazu, Kinder müssen auch erwachsen werden dürfen und das “ Nest“ verlassen dürfen.

  8. weil so viele gespannt sind wie es weitergehen kann…
    Auch meine Tochter wollte auf eigenen Wunsch mit 11 aufs Internat. Fast die gleichen Beweggründe: Einzelkind mit Wunsch nach Zusammenleben – und als zweisprachiges Kind der Wunsch nach einer zweiprachigen Schule. Die Reaktionen der Umwelt ähnlich, das Bauchgrimmen von uns als Eltern auch. Die Entschiedenheit der Tochter das tun zu wollen genauso wie bei euch beschrieben. Wie haben für uns die gemischten Gefühle des „Daheim behalten und doch gehen lassen wollen Könnens“ zusammen so gelöst: Wir wollen alle, dass es den anderen gut geht. Ich muss wissen, dass es ihr gut geht, aber dafür muss ich nicht immer daneben sein müssen. Das hat uns geholfen. Heute ist sie 22 , hat die Internats Jahre zutiefst genossen, hat sehr enge Bindungen zu ihren Internatsgeschwistern. Wir haben ein ausgesprochen inniges tolles Verhältnis zueinander. Sie ist eine selbständige autonome und originelle Frau, die das Leben im vollen nimmt, weil sie weiss dass sie es kann.

    1. Ermunterd
      Danke für die Lösung der „gemischten“ Gefühle. Damit kämpfe ich täglich, jedoch ist die Entschiedenheit meines Sohnes nicht derart eigenmotiviert und fest. Es kommen noch viele rationale Gründe dazu und wenn seine Stimmung kippt, kommt das Heimweh und meine innere Zerrissenheit

      1. versteh ich gut. Gab es auch
        versteh ich gut. Gab es auch natürlich. irgendwann hat sie mal gesagt: „Klasse, wir können zusammen auch wenn wir an unterschiedlichen Orten sind…. „

  9. Toller Artikel
    Ich musste auch gleich an Hanni und Nanni denken <3 Für Kinder ist das ein wundervolles Abenteuer, wenn es selbst gewählt werden kann und ich wünsche deiner Tochter alles Gute für diese aufregende Zeit. Sie wird bestimmt sehr daran wachsen.

  10. Cool
    Bin echt gespannt, was für Erfahrungen Eure Tochter dort macht und es würde mich freuen, wenn sie es dort schafft. Auch wenn rauszulesen ist, dass Ihr sie lieber zu Hause hättet. Das Zurückkommen wäre ja doch ein kleines Scheitern.

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