Pränatale Diagnostik: Was, wenn plötzlich alles anders kommt?

Neulich habe ich in einem Zeitungs-Artikel gelesen, dass die meisten Menschen keine Demut mehr kennen. Ich weiß weder, wo ich das gelesen habe, noch wer das gesagt hat, aber dieser Satz ist irgendwie hängen geblieben. Demut. Tatsächlich ein Wort, das kaum noch benutzt wird, unmodern wirkt.

Nun war es in der letzten Woche so, dass ich plötzlich ganz oft an dieses Wort denken musste. Denn immer wieder lese und höre ich von Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben oder denen bei Routine-Untersuchungen schlechte Nachrichten mitgeteilt wurden. Ich hatte zwei ziemlich einfache Schwangerschaften. Wie simpel waren die Gedanken, die ich mir gemacht habe.

Junge oder Mädchen?

Uh, diese schlaflosen Nächte?

Welches Kinderwagen-Modell?

Wann willst Du nach der Geburt wieder arbeiten gehen?

Was aber, wenn es nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat. Wenn die Fragen plötzlich lauten:

Was wirst Du tun, wenn das Kind schwer krank ist?

Willst Du das Kind in jedem Fall bekommen?

Wie verändert ein krankes Kind das Leben?

Oder eben:

Wie wird Dein Leben ohne Kinder aussehen?

Versuchst Du künstliche Befruchtung?

Und wenn ja, wie oft?

Wie gehst Du mit der Enttäuschung um, wenn es nicht klappt?

Wenn ich darüber nachdenke, erscheint alles in einem anderen Licht. Sind die Dinge, über die ich mich aufrege, wirklich so schlimm? Warum bin ich oft genervt? Wo ist diese tiefe Dankbarkeit, dass wir gesund sind? Wie würde ich handeln, wenn ich diese Entscheidung treffen muss?

Durch diesen Blog durfte ich Frauen kennen lernen, die kranke Kinder haben oder selbst eine Behinderung haben. Die mich mit ihrer Stärke beeindrucken, mit ihrem Lebensmut, ihrer Freude an dem Kind, trotz oder gerade weil ihr Kind nicht gesund ist.

Dafür bin ich mehr als dankbar. Genau wie für meine Familie! Und demütig gucke ich auf meinen Körper, der Unglaubliches geleistet hat. Demütig verneige ich mich auch vor dem Wunder der Natur, aus einem Zellklumpen ein hoch-komplexes Wesen zu kreieren.

Manchmal denken wir, wir könnten alles bestimmen, beeinflussen. Dann passiert etwas und wir merken, dass das nicht stimmt…. Deshalb ist Demut eigentlich ganz und gar kein unmodernes Wort – sondern tut uns alles wahrscheinlich ganz gut….

 

 

 



7 comments

  1. Danke!
    Ich danke dir für diesen Artikel! Nach einer langen Kinderwunschzeit, die in zwei Jahren mit vier Fehlgeburten gipfelte, musste ich schmerzhaft lernen, was Demut ist. Dann nach einer schwierigen fünften Schwangerschaft mit wöchentlichen Arztbesuchen und verschiedenen Komplikationen durfte ich endlich meine Tochter in die Arme schließen. Ich bin so unvorstellbar glücklich und dankbar! Doch die Demut ist geblieben.

  2. Demut und Zuversicht
    Ja da hast du recht, alles kann relativiert werden. Trotzdem finde ich alltägliche Sorgen berechtigt – vergleichen ist auch nicht immer die Lösung. Demut und Dankbarkeit sind schön und wichtig. Ein Schicksalschlag erfordert immer sehr viel Zuversicht und Mut, trotz der Trauer weiterzugehen. Dadurch wächst man. Trotz dieses Wachsens hätte ich auf den ein oder anderen Schicksalsschlag in meinem Leben gerne verzichtet…

  3. Ich hatte ein Jahr nach der
    Ich hatte ein Jahr nach der Geburt unseres Sohnes einen Schlaganfall. Das hat mich gelehrt, demütig zu sein. Demütig, dass er ohne Folgen geblieben ist! Aber vor allem demütig, weil ich meinem Sohn weiterhin eine gesunde Mama sein kann! Plötzlich ist nicht mehr alles selbstverständlich…, aber es macht einem a
    ich Vieles, sonst Normale, bewusster… und das ist schön!

  4. Demut
    Auch mir haben die Gedanken zum Thema Demut gefallen. Seit einem Unfall am 20. Februar muss ich an Krücken laufen und weiß erst jetzt, wie gut es mir vorher ging. Ich konnte – einfach so – LAUFEN. Jetzt beneide ich alle, die einfach so laufen können und hoffe, dass auch bei mir wieder alles gut wird. Dankbar bin ich dafür, dass Mann und Kind gesund sind und ich im Moment eine Haushaltshilfe habe!

  5. Mut
    Danke für die schönen Gedanken! Demut ist wichtig. Dankbarkeit auch. Aber auch Mut und Vertrauen. Nicht zu viel Angst haben, vor dem, was kommt, sondern hoffen, dass alles gut wird und seinen Sinn hat. Ich bin Mama von zwei gesunden Kindern und die Schwangerschaften und Geburten waren in Ordnung (verkalkte Plazenta und kleines Baby plus Ausschabung sowie zwei Mal Einleitung :-). Bei der zweiten Schwangerschaft hatte ich aber irgendwie Angst, dass das Baby im Bauch aufhört zu atmen bzw. das Herz aufhört zu schlagen. Ich war je länger ich schwanger war unentspannter und ängstlicher und daher umso glücklicher, als das Kind endlich auf der Welt war und ich es in den Armen halten konnte.

  6. Und dann lese ich diesen ach
    Und dann lese ich diesen ach so leisen und nachdenklichen Beitrag und kann nicht anders als zustimmend zu nicken. Ich weiß gar nicht so recht weshalb, möchte aber unbedingt danke dafür sagen!