Was tun, wenn die Ex-Frau uns das Leben zur Hölle macht?

Ex-Frau

„Warum macht Else uns das Leben zur Hölle? Warum mischt sie sich immer ein? Wer liest ihr mal die Leviten?“

Diese Fragen und viele weitere höre ich ständig in meinen Beratungen. Probleme mit der Ex-Frau stehen auf Platz Nummer 1. Wenn das in deiner Patchworkfamilie ebenso der Fall ist, dann ist dieser Text genau richtig für dich.

Wer ist Else?

„Else“ ist die Exfrau deines Partners. Das erste Mal kam ich mit diesem Begriff auf Facebook in einer Gruppe für Stiefmütter in Kontakt. Hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass nahezu jede Exfrau als Else betitelt wird. Else steht für Extrem Lernresistente Schwerumgängliche Exfrau. Übrigens gibt es eine solche Bezeichnung nur für die Frauen, nicht für die Männer. Hier spricht man dann vom Kindsvater. 

Natürlich gibt es diese Exfrauen, die einem das Leben zur Hölle machen wollen. Die bewusst Lügen verbreiten, um den Ex oder die Neue zu schädigen, die beide am liebsten Tod als wandelnd auf dieser Welt erleben möchten und das auch offen zugeben, die die gemeinsamen Kinder manipulieren und instrumentalisieren. Ich kenne diese Geschichten alle und habe sie auch selbst erfahren. 

Warum verhält sich die Ex so?

Im Grunde genommen sind diese Frauen zutiefst gekränkt. Sie wollen ihren Mann zurück haben – auch wenn ich bis heute nicht verstehen kann, warum man einen Mann will, der einen selbst nicht mehr will – es sei denn, er soll nur als Versorger fungieren. Oder sie haben Angst, die eigenen Kinder nun auch noch zu verlieren, wo sie doch schon ihren Mann verloren haben, auf welchem Weg auch immer. Und nicht nur das, sie haben auch gesellschaftlich an Ansehen verloren. Niemand möchte die sein, die von ihrem Mann verlassen oder sitzengelassen wurde. 

Frauen, die durch den Tod ihres Mannes Witwe geworden sind, betrachtet die Gesellschaft mit Ehrfurcht. Sie behalten ihre Achtung, möglicherweise gewinnen sie sogar an Ansehen, weil sie ja nun alles alleine schaffen müssen und sich so tapfer durchs Leben kämpfen. Eine Frau, die verlassen wurde oder die ihren Mann verlassen hat, verliert an Ansehen und Achtung. Sie muss sich rechtfertigen, schämt sich möglicherweise und hat das Gefühl, versagt zu haben. 

Opfer sein ist leichter als Probleme lösen

Statt sich nun mit dem Gefühl der Scham oder des Versagens zu beschäftigen, zu reflektieren und auf Spurensuche zu gehen, warum sich die Dinge so entwickelt haben und worin der Eigenanteil dabei liegt, wird versucht diese Scham zu mildern, indem man in die vermeintliche Opferrolle schlüpft. Alle anderen werden für schuldig erklärt. Und es wird enorm viel Energie dafür verbraucht, das Bild der Unschuld, des Opferdaseins zu kreieren und zu pflegen. Wer sich in der Opferhaltung wahrnimmt, hat immer auch einen sekundären Nutzen davon. Zum Beispiel genug Aufmerksamkeit oder vielleicht auch die Chance, dass sich irgendjemand findet, der die Probleme für einen löst, ohne dass man selbst etwas tun muss. Der Mensch ist halt von Natur aus auf Energiesparen eingerichtet.

Wenn die Neue auf der Bildfläche erscheint

Nun erscheint auf der Bildfläche eine neue Frau an der Seite des Exmannes. Spätestens jetzt wird klar, es gibt kein Zurück mehr. Wenn das frisch verliebte Paar glücklich ist, wird der Exfrau nun auch noch vor Augen geführt, dass eine glückliche Partnerschaft funktionieren kann, nur eben nicht in Verbindung mit ihr. Das verstärkt möglicherweise bei ihr die alten Scham- und Versagensgefühle. Noch mehr Energie muss aufgewendet werden, um weiterhin das Opferdasein zu pflegen. 

Böse Stiefmutter versus Kindsmutter

Ich werde oft gefragt: Warum ist die Ex so bösartig? Warum gönnt sie uns unser Liebesglück nicht? Warum mischt sie sich immer ein? Oder ein Kommentar, den ich vor nicht allzu langer Zeit gelesen habe, war: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn’s der bösen Ex nicht gefällt.“ 

Und hier wird das Spiel nun umgedreht. Die Frau, die danach auf der Bühne erscheint, will auf gar keinen Fall dem Bild der bösen Stiefmutter entsprechen. Sie fühlt sich oft durch die Missgunst der Exfrau bedroht in ihrem Liebesglück und hat das Gefühl, ihren Platz an der Seite des Mannes nicht wirklich einnehmen zu können. 

Die Bonuskinder lehnen die Neue ab und geben ihr das Gefühl, unerwünscht zu sein. Möglicherweise mischen sich obendrein noch Scham- und Schuldgefühle in das unsichere Gefüge mit ein, weil sie der angebliche Grund für das Scheitern der Super-Ehe ist. In ihrer Not schlüpft sie ebenfalls in die Opferrolle. Das Bild der bösen Stiefmutter wird verkehrt in das Bild der bösen Kindesmutter. 

Männer sind häufig überfordert

Häufig operieren die beiden Frauen nicht offen gegeneinander. Die Mittelsmänner sind die Kinder und in erster Linie der Mann, der nicht selten zwischen den Stühlen seiner ersten Frau, den Kindern und seiner neuen Partnerin sitzt. Viele Männer sind damit überfordert. Nicht selten ziehen sie sich dann zurück und überlassen das Feld der neuen Partnerin, die dann mit der Ex in einen Zickenkrieg gerät. Täter und Opfer in diesem Spiel sind alle Beteiligten. Aber sie führen zu keinem Ergebnis. Die Kinder werden von den Eltern instrumentalisiert oder die neue Partnerin instrumentalisiert den Vater gegen die Ex oder deren gemeinsamen Kinder … Diese Spielchen kennen wir alle. Doch wohin führen sie? In die Sackgasse. Allesamt. 

Die Trennungsrate in Patchworkfamilien ist höher als in Kernfamilien. Die Ursache dafür könnten diese ewigen Spielchen sein, die nie zu einer zufriedenstellenden Lösung führen, sondern auf Dauer kraft- und vor allem lebensglücksraubend sind. 

Der Schlüssel für den Wandel

Wie kommt man nun aus diesem Schlamassel wieder raus? Mir hilft der Perspektivwechsel. Es hilft zu verstehen, warum sich die Exfrau so bescheuert benimmt, wenn man ihre seelische Not sieht und ihren Schmerz fühlt. Es hilft zu verstehen, wenn man die Unsicherheit, das Gefühl von „Ich gehöre nicht dazu, ich bin nicht willkommen, ich werde abgelehnt und für schuldig gesprochen“ der Nachfolgerin wahrnimmt. Es hilft ungemein, wenn wir einander sehen und fühlen, egal ob wir uns mögen oder nicht. Dann fangen wir an zu verstehen, dass diese Spielchen alles nur noch schlimmer machen, aber niemals besser. Die andere sehen und fühlen hat nichts damit zu tun, dass ich ihre Taten oder Worte entschuldige oder sie lieben muss. Wenn auch beides sehr hilfreich wäre, aber gerade zu Beginn fällt eine solche Haltung natürlich schwer. Wenn ich aber die anderen Beteiligten des Spiels sehe, mich in ihre Lage hineinfühle, dann gewinne ich die Achtung vor diesen Personen zurück. Das ist der Schlüssel für den Wandel. 

Wenn die anderen nicht mitmachen

Jetzt wirst du vielleicht denken: „Ja, ich mach ja schon so viel, aber die andere hört einfach nicht auf. Sie ist absolut beratungsresistent. Lässt sich auf keine Gespräche ein. Ich will ja, aber was soll ich machen, wenn von der Gegenseite keine Bereitschaft zu einer Verbesserung da ist?“ Das mag alles sein. Dennoch liegt es nicht in deinem Aufgabenbereich, jemand anderen, der deiner Meinung nach falsch handelt oder nicht richtig tickt, zu ändern. Letztendlich kannst du nur an dir selber arbeiten. 

Die anderen im Außen kannst du vielleicht beeinflussen, aber niemals ändern. Und wenn du deine Haltung änderst, wenn du deine Position oder Perspektive wechselst, dann verändert sich auch etwas im System. Das ist nicht immer sofort spürbar, aber es wird passieren. Nur, einer muss anfangen. Es wäre doch bescheuert, wenn wir darauf warten würden, dass die Gegenseite endlich bereit zu einer Veränderung ist. Wer sagt, dass wir uns im Gleichschritt entwickeln oder wachsen sollen? Wir haben jederzeit die Möglichkeit, uns für einen anderen Weg zu entscheiden und diesen dann auch zu gehen. Notfalls erstmal alleine. 

Warum du das Zepter wieder selbst in die Hand nehmen solltest

Sobald sich etwas verändert, werden andere entweder mitschwingen oder wiederum ihren eigenen Weg einschlagen. Aber welchen Weg du gehst, entscheidest du ganz und gar allein und nicht die Exfrau deines Partners. Das wäre ja so, als würdest du dein Leben in ihre Hände legen. Das ist absurd. Genau das tun wir aber, wenn wir uns hinstellen und sagen: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn’s der bösen Ex nicht gefällt.“ Wir geben ihr die Macht über unser Leben. Willst du das? Oder willst du das Zepter wieder selbst in die Hand nehmen? 


Über die Autorin: Yvonne Dewies ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Regressionstherapeutin und Familienaufstellerin. Sie ist verheiratet und lebt in einer Patchworkfamilie mit fünf Kindern auf einem Bauernhof in der Uckermark im nördlichen Brandenburg. Sie ist außerdem die Initiatorin des 1. Patchworkfamilien-Kongresses im gesamten deutschsprachigen Raum.

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Portraitfotografie von Tom Schweers

Wer Tipps für den Umgang mit der Ex braucht, kann an der kostenfreien Workshop-Reihe „Patchworkfamilie: Endlich Ruhe mit der Ex“ teilnehmen: https://patchworkfamilien-kongress.de/workshop/ (Der erste Workshop startet am 18. Oktober, der zweite am 20. und der dritte am 22. Oktober, jeweils 19.30 Uhr)

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3 comments

  1. Wir haben das alles durch, ich bin die Neue, seit 17 Jahren. Zum Glück ist es uns gelungen, dass mein Mann und sein erster Sohn einen sehr guten Kontakt haben und üblicherweise weiß ich mehr, was so im Alltag passiert als mein Mann. Aber es war streckenweise hart. Bin froh, dass der Sohn jetzt 19 Jahre alt ist und es wirklich keinen Kontakt mehr zur Exfrau gibt. Immer bewertet und verurteilt werden über viele Jahre ist, auch wenn aus ihrer Sicht nachvollziehbar, schwer.

  2. Bitte nicht so einseitig! Hier fehlt die deutliche Benennung der männlichen Schwäche sich nämlich komplett raus zu nehmen aus Situationen. Und dann noch die prophylaktische ( typisch weibliche) Entschuldigung er ist doch so überfordert (Frauen nicht?)! Und zuständig fürs Kind sind immer zuallererst beide biologische Elternteile, also nicht die neuen Partner vorschieben!

  3. Moin,
    mir scheinen die drei Erwachsenen (Mann, Ex, neue Frau) in dieser Konstellation sehr ähnlich im Leiden an der Situation, aber auch in der Unfähigkeit den eigenen Gefühlen freundlich begegnen und mit sich und anderen wertschätzend umgehen zu können, und so den Konflikt zu entschärfen statt weiter Öl ins Feuer zu gießen.
    LG Anne

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