Zoff mit der Schwiegermutter? Warum ein gutes Verhältnis oft so schwer ist

Schwiegermutter

Foto:Pixabay

Ihr Lieben, das Verhältnis zur Schwiegermutter ist nicht immer unproblematisch. Und umgekehrt hätten sich vielleicht viele Mütter andere Frauen für ihre Söhne gewünscht. Auf jeden Fall bietet die Schwiegermutter-Schwiegertochter-Konstellation so einiges an Konfliktpotential. Wenn es gar nicht mehr harmonisch ist und die Frauen darunter richtig leiden, können sie bei „Schwiegerschwestern.com“ Hilfe finden. Das ist eine Online-Plattform für Wissen, Austausch und Beratung für Schwiegertöchter, die den Weg aus dem Schwiegermutter-Konflikt finden wollen. Wir haben mit Patricia, Romina und Renato über ihre Arbeit dort gesprochen und warum es eben so oft zu Zoff kommt.

Warum ist das Verhältnis zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter oft so problematisch? 

Die Schwiegermutter und der Sohn sind bereits ein eingespieltes Team. Mit dem Hinzukommen der Schwiegertochter ergeben sich automatisch Veränderungen im Familiengefüge. Der Sohn bildet nun mit seiner Partnerin eine neue Einheit und der Fokus, der bisher auf der Herkunftsfamilie lag, verlagert sich nun zunehmend auf die eigene neue Einheit. Solche Veränderungen können bei der Herkunftsfamilie, bzw. der Schwiegermutter, Angst auslösen und zu einer Abwehrhaltung führen. Wenn dann die Schwiegermutter auf ihre «angestammten Rechte» pocht und die Bereitschaft für das Einnehmen der neuen Rollenverteilung fehlt, ist ein Konflikt vorprogrammiert – die Schwiegertochter ist dann nämlich gezwungen, sich ihren Platz im Gefüge zu «erkämpfen».

Außerdem treffen da zwei Frauen aus verschiedenen Generationen aufeinander, die sich gegenseitig nicht ausgesucht haben und vielleicht auch charakterlich gar nicht zusammenpassen. Trotzdem sind sie aufgrund der familiären Nähe gezwungen, sich laufend miteinander auseinandersetzen – und wenn Kinder da sind sowieso.

Was sind denn die häufigsten Gründe, warum es Konflikte gibt?

Auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht so erscheinen mag, sind viele Konflikte auf beiden Seiten in der Angst begründet. Bei der Schwiegermutter z.B. die Angst ihren Sohn zu verlieren und nicht mehr dazuzugehören, die Angst, dass zu wenig gut für ihren Sohn «gesorgt» werde oder dass ihre vergangenen Leistungen nicht genügend gewürdigt und gesehen werden. 

Bei der Schwiegertochter ist es z.B. die Angst in der neuen Familie nicht vollends angenommen zu sein, ihren Handlungsspielraum nicht so ausleben zu können wie sie sich das vorstellt, oder die Angst, dass ihr Partner mehr Loyalität zur eigenen Mutter hat als zu ihr. Aus diesen Ängsten heraus können sich Verhaltensweisen entwickeln, die sich dann zu einem Konflikt hochschaukeln können.

Gebt uns doch mal ein konkretes Beispiel.

Gern! Eine Schwiegermutter hat Angst, nicht mehr Teil der neuen Familie zu sein. Sie wird sich dann umso mehr einbringen wollen, um ihre Bedeutung in der Familie und ihre Wichtigkeit zu unterstreichen – da kommen dann vielleicht ungefragte Erziehungstipps oder Kritik am Haushalt usw.

Wenn man dann als Schwiegertochter nur auf dieses Verhalten (ohne das Hinterfragen der Ursachen dafür) reagiert, wird man sich im Kreis drehen und auf keinen grünen Zweig kommen.

Wenn ihr einen guten Tipp an alle Schwiegertöchter geben könntet, welcher wäre das?

Eigentlich knüpft unser Tipp an die vorherige Frage an. Jeder Schwiegertochter können wir sagen: Versucht den Kern für das Verhalten der Schwiegermutter herauszufinden. Falls die Schwiegermutter z.B. Angst hat nicht mehr dazuzugehören, wie im oben beschriebenen Fall, dann vermittelt ihr die Sicherheit, dass sie immer Teil der Familie sein wird. Bindet sie bewusst in Themenfelder mit ein, bei denen euch ihr Einfluss sogar ein Mehrwert sein könnte. Ihr helft ihr damit, ihre Ängste abzulegen und automatisch wird sie mit der Zeit ihr Verhalten anpassen.

Und welcher Tipp wäre das für die Schwiegermütter?

Versucht die Schwiegertochter mit den Augen des Sohnes zu sehen. Vertraut darauf, dass eure jahrelange aufopferungsvolle Mutterrolle nun Früchte trägt und der Sohn schon die Richtige für sich auserwählt hat.

Seid auch mutig und tastet euch an die neue Rolle im neuen Familiengefüge heran. Falls ihr unsicher seid, wie diese neue Rolle auszusehen vermag; fragt nach. Z.B. wie ihr euch einbringen könnt und was von euch gewünscht ist. Sprecht auch unbedingt eure Ängste und Sorgen an – so werden auch mehr Verständnis und Wertschätzung kommen.

Ihr habt eine Plattform gegründet, über die ihr Unterstützung anbietet. An wen richtet sich das Angebot und was bietet ihr genau an?

Das Angebot richtet sich an Schwiegertöchter, die sich in einer schwierigen Beziehung mit der Schwiegermutter befinden und die Situation vollends meistern möchten. Das Ziel ist, dass jede Schwiegertochter wieder ihre emotionale Freiheit erreichen kann.

Wir setzen hierzu auf Wissen und Austausch. Wir bieten einen geschützten und anonymen Login-Bereich an, auf dem sich Videokurse und Austauschmöglichkeiten befinden. So können sie sich online mit uns austauschen und wir geben individuelle Tipps und Hilfestellung auf die persönliche Situation. Es gibt auch die Möglichkeit, sich z.B. im Forum mit anderen Schwiegertöchtern zu vernetzen.

Oft ist es ja auch für die Söhne/Ehemänner schwer, weil sie zwischen den Stühlen sitzen. Sollen sie sich einmischen oder eher raushalten?

Sie sollen sich unbedingt einbringen und sich als Hauptverantwortlichen in der Konfliktbewältigung ansehen. Die Söhne / Ehemänner haben in dieser Dreiecksbeziehung, durch ihren wichtigen Status bei beiden Frauen, die meiste Power und die größten Möglichkeiten, um eine Lösung zu erzielen. Häufig nehmen die Männer diese Verantwortung nicht wahr, weil sie einfach schlichtweg überfordert sind. Daran sollte es aber nicht scheitern – es wäre in solchen Situationen für die Männer ratsam, sich Hilfe für die Rolle als Vermittler hinzuzuholen. 

Gibt es einen Fall, von dem ihr erzählen könnt, der euch ganz besonders berührt hat?

Wenn Schwiegertöchter zu uns kommen, haben sie meist schon einen jahrelangen und kräftezehrenden Konflikt hinter sich. Sie sind emotional verletzt und erschöpft. Deshalb ist auch jede Geschichte dazu besonders und berührend.

Eine Geschichte, die uns sehr berührt hat, war von einer Schwiegertochter, die psychisch und mental völlig am Boden war, weil sie von der Schwiegermutter laufend diffamiert und heruntergemacht wurde. Ihr Ehemann ließ die Mutter über lange Zeit gewähren, weil er sich nie gegen sie durchsetzen konnte und auch den Mut dazu nicht fand. Aufgrund dieser Situation stand die Ehe kurz vor dem Aus.

Er war jedoch gewillt, um seine Frau zu kämpfen. Mit großem Willen und viel Aufarbeitung aus der Vergangenheit hat er es dann doch geschafft, sich vollends von der unbewussten Abhängigkeit zur Mutter zu befreien und Stellung für seine Frau zu beziehen. Ab diesem Zeitpunkt hörten die Angriffe auf und die Schwiegermutter musste ihr Verhalten anpassen. Er hat also nicht nur seine Ehe- sondern gewissermaßen auch seine Frau gerettet.

Wenn man sich so viel beruflich mit der Schwiegermutter auseinandersetzt, müssen wir jetzt einfach fragen: Wie ist denn euer Verhältnis zu Schwiegermutter?

Zum Glück gut (in wie weit das auch unserer Expertise zu verdanken ist, ist schwierig zu sagen 😉

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1 comment

  1. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr davon abhängt, ob die Schwiegermutter mit ihrer eigenen Familienplanung im Reinen ist/abgeschlossen hat.
    Als mein Mann und ich uns kennen lernten, war das jüngste Kind meiner Mutter – ihr Viertes – gerade 2 Jahre alt. Sie war selbst noch komplett in diesem Thema Familiengründung/Kinderaufzucht drin.
    Meine Schwiegermutter dagegen hatte 2 erwachsene Söhne und den jahrelang mit sich herum getragenen Wunsch nach Kind Nr. 3 (Schwiegervater wollte nicht mehr). Jetzt ratet einmal mit wem es mehr Probleme gab bzgl. fehlendem Loslassen und Grenzüberschreitung?
    Auch bei meinen Großmüttern konnte ich dieses Phänomen beobachten. Großmutter väterlicherseits, 7 Kinder, einen Haufen Enkel und mittlerweile schon Ur-Urenkel, nur ganz geringen Altersabstand zwischen letztem Kind und erstem Enkel, war die zurückhaltendere, da wenn sie gebraucht wurde aber nicht aufdringlich.
    Großmutter mütterlicherseits hatte 3 Kinder und eine lange kinderlose Phase hinter sich als das erste Enkelkind geboren wurde. Man hat schon gespürt, dass sie sich in der Jungfamilie meiner Eltern selbst nochmal so ein bisschen als „Mutter“ ausleben wollte.
    Heute bin ich selbst eine Schwiegermutter in spe, ich habe mehrere Kinder von Kleinkind bis erwachsen, bin noch voll in meinen eigenen kunterbunten Familientrubel eingebunden und habe in keinster Weise das Bedürfnis mich in die Beziehungen meiner erwachsenen Söhne einzumischen. Mit meinen Schwiegertöchtern verstehe ich mich tatsächlich sehr gut, sie sind zum Teil auch gerade mal 20 Jahre jünger als ich.
    Ich habe in dieser Hinsicht (Kinderwunsch/Familie) selbst einfach nichts versäumt sondern mich voll ausgelebt und denke daher, dass ich eines Tages auch nicht vor einem „leeren Nest“ sondern eher vor einer Ruheoase stehen werde.😉

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