Stillen klappte nicht – ich bin eine Pump-Mama

Mein Name ist Johanna, ich bin 31 Jahre alt und habe Anfang Juli mein viertes Kind bekommen.  Meine Tochter ist nun das dritte Kind, das ausschließlich mit abgepumpter Muttermilch gefüttert wird. Als „Pumpmama“ befinde ich mich oft in einem Bereich, der in der Gesellschaft gar nicht wahrgenommen wird.

Egal welche „Mami-Blogs“ oder Babybücher man liest, man fällt fast immer hinten runter und verschwindet im Schatten der „Still- und Flaschennahrung-Mütter“. Obwohl ich das Ganze nun zum dritten Mal mache, habe ich in dieser ganzen Zeit nur eine andere Mama kennen gelernt, die auch ausschließlich gepumpt hat. Leider hat sie das nur acht Wochen lang durchgehalten.


Es ist kein Zuckerschlecken, wenn man ausschließlich abpumpt. Man muss schon ein ziemliches Organisationstalent sein und ein gewisses Durchhaltevermögen besitzen. Besonders dann, wenn da eben nicht nur der Säugling, sondern noch andere Kinder sind, die Aufmerksamkeit fordern. Einfach Brust raus und Andocken ist nicht. Jede Aktivität muss geplant werden. Mein Tag ist also ziemlich durchgetaktet, aber das soll Euch nicht abschrecken, denn Abpumpen bedeutet auch Freiheit.

Aber jetzt fragt Ihr Euch sicher, warum ich ausschließlich abpumpe? Für mich stand immer fest, dass ich stillen will. Meine Frauenärztin und Hebamme haben auch nie von etwas anderem gesprochen und ich hatte schon während der Schwangerschaft reichlich Milchfluss – was für mich das eindeutige Zeichen war, dass es mit dem Stillen funktionieren würde. „Wenn da ja Milch war, musste es doch klappen.“, dachte ich bei mir. Das es aber noch andere Faktoren gibt, die das Stillen verhindern können, kam mir gar nicht in den Sinn.

Simon kam dann Anfang Februar 2012 per Kaiserschnitt zu früh zur Welt und war mit 2600 Gramm ein Leichtgewicht. Durch anfängliche Probleme mit der Atmung wurde er zur Überwachung auf die Neonatologie verlegt. Ich habe diesen kleinen Menschen also nur kurz über das Sichtschutztuch und nach dem Nähen gesehen. Erst am nächsten Tag durfte ich ihn eine kurze Zeit halten. Das tut mir bis heute weh, es fühlt sich so an, als hätte man mich um die ersten wertvollen Stunden mit meinem Baby betrogen.

Am Tag nach dem Kaiserschnitt nahm das Dilemma seinen Lauf. Ich habe invertierte Brustwarzen (Schlupfwarzen), die nur bei sexueller Erregung oder Kälte groß werden und sich verhärten. Normales Anlegen war damit völlig unmöglich und selbst mit Stillhütchen hat es einfach nicht funktioniert. Mit wurde dann die Pumpe gebracht. Eigentlich sollte Abpumpen sollte etwas Schönes und Angenehmes sein, doch für mich hat es sich einfach nur falsch angefühlt. Es tat weh, weil die Schalung, die Brustwarzen und deren Vorhof umschließt, aus steifen Kunststoff war. Doch weil ich Simon unbedingt Muttermilch geben wollte, zog ich es unter Schmerzen durch. 

Nach vier Monaten gab ich es völlig frustriert mit der Milchpumpe auf. Es war einfach zu schmerzhaft. Ich entwickelte eine solche Abneigung gegen das Gerät, dass ich dem „Ding“ bei der Abgabe in der Apotheke wünschte, es solle doch in der Technikhölle schmoren und Simon bekam Flaschennahrung. Ein Gefühl des Versagens machte sich in mir breit. Dabei war ich einfach nicht gut begleitet und informiert gewesen…

2015 wurde ich wieder schwanger, diesmal beschäftigte ich mich mehr mit dem Abpumpen, denn ich wusste ja, dass Stillen nicht klappt. Aber ich wollte gerne, dass mein Kind Muttermilch bekommt. Ich wälzte mich also durch zahlreiche Testberichte und Informationen zu den gängigen Milchpumpen und fand schließlich die richtige Pumpe für mich. Als ich sie anlegte, hatte ich keine Schmerzen und alles fühlte sich richtig an.

Am ersten Augusttag 2016 wurde unser Sohn Hendrik nach einem Notkaiserschnitt geboren. Auf der Wochenbettstation musste ich die Hebammen wirklich mit vielen Argumenten überzeugen, dass ich ausschließlich pumpen möchte, weil immer noch viele denken, pumpen wäre nur eine Unterstützung des Stillens. Aber ich setzte mich durch, weil ich ganz genau wusste, was das Beste für mich und mein Kind ist.

Bei Hendrik hatte ich so viel Milch, dass wir eine Gefrierschrankschublade damit füllen konnten. Als er sechs Wochen alt war, begann ich einen Abendkurs an der Volkshochschule zu belegen. Ein bis zweimal in der Woche war ich also mehr als drei Stunden von Hendrik getrennt. Abpumpen heißt eben auch Freiheit und die Aufteilung der Verantwortung für einen Säugling auf beide Elternteile. Mein Mann und mein älterer Sohn konnten ihn während meiner Abwesenheit mit abgepumpter Milch füttern, das fand ich toll. 

Ich besitze inzwischen eine elektrische Doppelmilchpumpe. Dadurch spare ich Zeit und mein Körper „denkt“, er muss zwei Kinder versorgen und produziert daher mehr Milch. Ich sitze zwischen 3-5 Mal am Tag für je 20 Minuten an der Pumpe.

Ich möchte Euch mit meiner Geschichte Mut für Euren eignen Weg machen. Manche Stillmamas denken ja, Flasche geben wäre weniger liebevoll – das ist natürlich Quatsch. Liebe, Zuneigung und tiefe Verbundenheit hängen nicht nur von der Art der Nahrungsaufnahme ab.

Deshalb: Informiert Euch, was alles möglich ist und macht das so, wie es sich für Euch am Besten anfühlt.



15 comments

  1. Wow, meinen absoluten Respekt für dich für so lange Pump-Leistung! Ich musste bei beiden Kindern für kurze Zeit pumpen – beim ersten die ersten 4 Lebenswochen bis sie das andocken richtig raus hatte. Beim zweiten von Lebenswoche 9 bis ca 12, weil Madame sich in den Stillstreik verabschiedet hatte. Ich empfand es beide Male als extreme Zusatzbelastung. Nicht das pumpen an sich, aber das ständige Flaschen desinfizieren und dieses unwahrscheinliche Vorausplanen – wann könnte das Kind das nächste Mal Hunger bekommen, welche Menge braucht man, wann muss man pumpen damit die Brüste nicht explodieren, wieviel muss man vorher extra pumpen wenn man den Tag über unterwegs ist usw…
    Ich war so froh, als ich wieder stillen konnte und die Pumperei vorbei war.
    Deshalb nochmal – meinen ehrlichen und tiefen Respekt für soviel Durchhaltevermögen!

  2. Vorneweg: Das soll hier gar nicht gegen Jasmin gehen!
    Ich frage mich nach dem Lesen dieses Artikels und der Kommentare, wer eigentlich Müttern so erfolgreich eingeredet hat, dass Stillen eine „Leistung“ ist und Nicht-Stillen demnach ein „Versagen“ sein kann. Wieso ist man ehrfürchtig, weil jemand ein Riesen-Gedöns um ein bisschen Milch macht? Wieso soll man „Respekt“ vor jemandem haben, weil er sein Kind füttert???
    Und dieses Gerede, dass Stillen das Beste sei…🥴auf wissenschaftlicher Ebene sicher…aber guckt euch einen beliebigen Haufen Kinder an: Geht’s da irgendjemandem besser oder schlechter, weil er gestillt wurde??? Das ist doch im Nachgang für die Entwicklung völlig wurscht! Alle anderen Aspekte des Umgangs mit Kindern sind da meiner Meinung nach um ein Vielfaches wichtiger! Ich bin da gerade etwas erschüttert?!

      1. Liebe Katie,

        du sprichst mir aus der Seele. Es wird im Vorfeld teilweise schon so viel Druck aufgebaut. Wenn man sich fürs nicht stillen entscheidet wird man oft als schlechte Mutter abgestempelt. Ich bin auch eine Pump Mama die ersten 6 Wochen gewesen… Es war Streß pur anfangs da ich auch unbedingt stillen wollte… Dank einer tollen stillberaterin hat es dann auch ohne pumpen fast 9 Monate super geklappt… Allerdings bin ich der Ansicht dass es jede Frau selbst entscheiden muss. Das Argument mit dem praktischen Aspekt vom stillen ist schon klar aber so ein extremer Mehraufwand ist Fläschchen machen auch nicht. Hauptsache die Mutter und das Kind sind entspannt und glücklich.
        Es ist schon teilweise schlimm wie sich Mütter gegenseitig fertig machen… Es geht damit los ob man Kaiserschnitt hatte oder nicht… PDA oder nicht… Stillen ja oder nein… Das ganze ist doch kein Wettbewerb… Es geht letztendlich nur darum dass es der Familie gut geht… Ich wurde zum Beispiel auch nicht gestillt… War das totale Flaschenbaby… Hab keine allergie, kein Übergewicht und habe auch ein Hochschulstudium ohne muttermilch geschafft 😉in diesem Sinne… Entspannt euch Ladies… LG Steffi

    1. Wie du selbst schon sagst: Aus Sicht der Wissenschaft ist es das Beste fürs Kind. Und wer will nicht das Beste für seine Kinder?
      Außerdem ist es einfach wesentlich praktischer, wenn man nicht immer das ganze Fläschchengedöns mitschleppen muss

  3. Chapeau, liebe Johanna, dass du das Thema hier ansprichst und vor allem, dass du das Pumpen so lange durchgezogen hast!! Ich selbst musste nur anfangs pumpen, weil ich nicht genügend Milch hatte, und dann später nochmal, als ich anfing zu arbeiten und Angst hatte, dass meine Milch durch die längere Trennung vom Baby versiegt… Letzteres war zum Glück nicht der Fall. Ich empfand das Pumpen als eine Belastung und zolle dir daher Riesenrespekt für deine Leistung!

    1. Darum geht’s doch nicht, ob das jetzt praktisch ist oder nicht (ich hab 2x gestillt und fand es nicht praktisch).
      Es geht um dieses: Stillen ist so wichtig für das Kind, dass ich Respekt verdiene, wenn ich es trotz Schwierigkeiten mache. Und wenn nicht, dann ist es schon auch irgendwie okay, aber mehr auch nicht.
      Ich finde halt, man verdient als Mutter (und als Vater) für soviele Sachen Respekt und ein Kinderleben ist soo lang und vielfältig und in den ersten Jahren sind die Dinge wie Vertrauen und Geduld und Liebe und Zuhören und Geborgenheit und einfach Dasein für das Kind wichtig! Doch nicht, woher die Milch kam?! Das will mir einfach nicht in den Kopf. Hm.

  4. Respekt! Ich finde es wahnsinnig toll, wenn Mamas, die nicht stillen können, langfristig pumpen. Ich selbst war froh, dass ich es nur ein paar Tage machen musste. Ich glaube nicht, dass ich es länger ausgehalten hätte. Ich kenne auch kaum jemanden, der länger als 2 oder 3 Monate gepumpt hat. Aber auch wenn es nicht lang ist, ist es immer noch besser als nichts.

  5. Liebe Johanna,
    danke sehr für deine Pumpgeschichte! Ich erkenne mich da sehr wieder. Mein Sohn musste aufgrund eines Verdachts auf eine Infektion direkt nach der Geburt auf die Neo….ich habe 4 Monate immer wieder versucht zu stillen, aber es hat einfach nicht geklappt. Er hatte sich an die Flaschen auf der Neo gewöhnt, wusste gar nicht, wie er an der Brust trinken soll. Zudem hatte er eine Verspannung im Nacken und im Kiefer, er konnte den Mund einfach nicht weit genug öffnen. Nach 4 Monaten entschied ich, weiter abzupumpen, denn die Nerven lagen echt blank, ich wollte uns nicht weiter Quälen mit Stillversuchen, hatte mit Hilfe der Hebi und der Stillberaterin alles probiert … Ab da ging es uns super und das Pumpen lief gut und er bekam bis zum ersten Geburtstag Muttermilch, das war mir so wichtig. Ich hab das als ganz schwere Zeit empfunden, hab mich sehr einsam gefühlt und kannte überhaupt keine Pumpmutti. Heute bin ich froh, dass ich so lange durchgehalten habe. Dennoch finde ich jede Mama sollte wirklich auf ihr Herz hören, ob Stillen, Pumpen, Flasche, oder ein Mix-alles für mich gleich, es geht um so viel mehr als das. Und ich fand es ganz wichtig, was meine Stillberaterin gesagt hat: einen Weg finden, mit dem es allen in der Familie gut geht. Man sollte sich nicht quälen, Schuldgefühle haben etc sondern die Zeit mit den Kleinen auch ein bisschen genießen können.

  6. Meinen vollen Respekt. Ich habe das nicht durchgehalten. Ich wollte auch stillen und das erste Anlegen hat auch gut geklappt. Aber unsere Tochter musste wegen schlechter Werte auf die Neo und dann kam noch eine Infektion dazu. Deshalb sollte sie nicht so viel abnehmen (totaler Blödsinn) und ich zufüttern. Ich habe also immer erst gestillt und dann abgepumpt. Dazu hatten die Schwestern weder die Ruhe noch das Einfühlungsvermögen mir das Stillen wirklich zu zeigen. Somit hatte ich nach ein paar Tagen entzündete Brustwarzen und konnte nur noch mit Hütchen stillen. Unsere Tochter wurde mit nur Stillen nicht satt, weil sie es gewohnt war nachträglich die Flasche zu bekommen. Also sind wir auf Flaschennahrung umgestiegen und ich habe noch einige Zeit weiter abgepumpt, konnte aber dabei zusehen, wie die Milch immer weniger wurde.
    Irgendwie war ich allerdings auch froh, als es vorbei war, denn für mich war das die reinste Quälerei und hat sich nicht nach mehr Liebe für mein Kind angefühlt. Ich glaube aber, wenn man mit anderen Voraussetzungen herangeht, dass es auch gut sein kann.

  7. Schon das du mit dem offenen Umgang das pumpstillen thematisiert. Ich bin damit auch bei beiden Kindern immer offenen umgegangen und habe Freunden und Familie rede und Antwort gestanden. Selbst meine hebamme war begeistert. Ich habe Kind 1 sogar 15 Monate mit Muttermilch versorgt. Kind Nr. Zwei jetzt knapp 11 Monate.

  8. Hallo! Hier noch ein 👍🏻Fürs Abpumpen. Im Krankenhaus nach meinem Kaiserschnitt hat mir keiner gezeigt, bzw mich keiner unterstützt, was das stillen angeht. Alle Schwestern waren gehetzt. Die Station unterbesetzt. Mit Tränen stand ich da, vollen Brüsten und blutenden Brustwarzen, schreiendem Kind. Eine Schwester brachte mir dann die Doppelmilchpumpe. Ich habe 9 Monate abgepumpt und hatte auch für bis zu 12 Monate Milch eingefroren. Würde ich wieder so machen….🍀

    1. Meine Maus ist jetzt 5 Wochen alt und ich kenne deine Geschichte zu gut… Ich wollte auch immer stillen, hab in der Schwangerschaft schon Milch produziert und bin jede Nacht „ausgelaufen“. Aber dass es den Faktor Baby gibt das am Anfang einfach nicht die Kraft hat genug an der Brust zu trinken, damit hab ich nicht gerechnet… Musste quasi auch abpumpen… Bei der erste Flasche hab ich Rotz und Wasser geheult… Es hat sich wie versagen angefühlt… Jetzt haben wir 4 Eochen Gestillt und Abgepumpt… Idt man 2-2,5Stunden pro Sitzung beschäftigt… Jetzt bin ich bei reinem Abpumpen und es reduziert sich auf 1 Stunde pro Mahlzeit, was erträglich ist… Also Mamas, es ist komisch am Amfang aber es wird besser solltet ihr abpumpen „müssen“

    2. Abpumpen ist schon eine gute Alternative, aber bei Kind 2 von vornherein zu sagen Stillen klappt nicht, nur weils bei Kind 1 so war, halte ich für falsch.

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