Stillberaterin beeindruckt: Wie viel Einfluss das Umfeld auf den Stillstart hat

stillii 1

Ihr Lieben, Maike Lakenmacher ist Stillspezialistin und Mitbegründerin der AhoiMamas, eines kleinen Mütterzentrums, das sie zusammen mit einer Freundin gegründet hat. Gemeinsam bieten sie in Hamburg Stillgruppen, Rückbildungspilates, Reiki und vieles mehr an. Ähnlich wie in unseren Wow Mom-Büchern geht es dabei primär um die Mütter und nicht nur um die Babys. Für uns hat Maike nun diesen gastbeitrag verfasst.

Seit fünf Jahren arbeite ich nun als selbstständige Stillberaterin in Hamburg. Immer wieder überrascht es mich, wie wichtig das Umfeld eigentlich für frisch gebackene Mamas ist. Denn aus wirklich gut gemeinten Ratschlägen von Familie und Freunden entwickeln sich nicht all zu selten echte Stillprobleme. 

„Du legst ihn schon wieder an? Aber er hat doch grade erst getrunken!“, sagt die Schwiegermutter bei ihren Besuchen im Wochenbett. Deshalb versucht Lydia nun, einen Stillrhythmus einzuhalten. Sie legt nur noch alle 3 bis 4 Stunden an. Doch das Baby wird unzufrieden, die Brüste schlaff und leer. Sie füttert also zu, und siehe da, es kommt am Ende genau so wie bei ihrer Mutter, die schon in Lydias Schwangerschaft immer erzählt hatte, dass sie damals „nach vier Wochen keine Milch mehr hatte“.

Wunde Brustwarzen: Maria findet das Stillen gar nicht schön

„Das Stillen war für mich das Allerallerschönste – ich habe 2,5 Jahre lang gestillt“, schwärmt die Freundin in sentimentaler Erinnerung an die Zeit mit ihrem Baby, das letzte Woche schon 8 Jahre alt geworden ist. Maria ist am Boden zerstört, weil sie das Stillen ihres 10 Tage alten Babys so gar nicht als wunderschön empfindet. Ihr tun die Brustwarzen weh, sie stillt gefühlte 24 Stunden am Tag und ist total kaputt.

Völlig frustriert fängt sie an zuzufüttern und stillt nach 5 Wochen schließlich komplett ab. Aber ist es nicht vielleicht so, dass ihre Freundin einfach vergessen hat, dass die ersten Wochen der schönen 2,5 Jahre ziemlich hart waren? Dass sie sich damals durch einen heftigen Milcheinschuss gekämpft hatte und Kohlblätter und Lanolin zu ihren besten Freunden geworden waren?

Vorsicht, Glaubenssätze! Neumamas sind unsicher

Es ist wirklich gut gemeint und macht ja auch Spaß, die eigenen Erfahrungen zu teilen. Man schwelgt in Erinnerungen, verarbeitet vielleicht auch ein bisschen die eigene Geschichte. Doch die Neumamas sind noch unsicher! Sie wissen weder, wer sie als Mama sind, noch wie ihr Baby tickt. Für sie ist alles ganz neu. Alles Gesagte futtert sich langsam und stetig in ihr Unterbewusstsein hinein. Es formt ihre Glaubenssätze, es macht ihnen eventuell falsche Illusionen, setzt sie unter Druck oder bringt sie davon ab, auf ihre eigene Intuition zu hören. Denn jede Frau ist anders, und jedes Baby ist anders. 

Ich merke immer wieder in meinen Beratungen, dass die Frauen, deren Freundinnen, Mütter, Schwiegermütter und Kolleginnen statt mit Ratschlägen eher mit Essen, einer Wärmflasche oder einer Umarmung anklopfen, am allerbesten in dieser neuen Lebensphase ankommen. Dass sie so viel leichter ihren eigenen Weg ins Muttersein finden können und lernen, ihrem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen. 

Stillschwierigkeiten: Es gibt gute Hilfen

Wenn sich dann trotzdem ein Stillprobleme einschleicht, z.B. weil das Zungenbändchen zu kurz ist oder sich ein Hefepilz eingeschlichen hat, dann gibt es Anlaufstellen mit ExpertInnen, bei denen den Mamas geholfen werden kann. Das sind z.B. offene Stillgruppen, Hebammen oder Stillberaterinnen. Auch manche KinderärztInnen und GynäkologInnen haben eine Zusatzausbildung als StillberaterInnen und können in so einem Fall gut beraten.

Liebe Mamas, traut euch ruhig, euch abzugrenzen gegen Ratschläge, die euch irritieren. Traut euch, euren eigenen Weg zu gehen. Ihr spürt viel mehr, was richtig und was falsch ist, als ihr denkt. Traut euch auch, euren Lieben zu sagen, was ihr stattdessen brauchen könntet, um gestärkter zu sein. Vielleicht kann Oma mal mit dem Baby spazieren gehen und ihr schlaft ein Stündchen. Oder eine Freundin kocht für euch mit, so dass ihr statt dreimal Cornflakes eine warme Mahlzeit esst. 

Und in ein paar Wochen, ihr werdet es sehen, da werdet ihr plötzlich die Expertinnen für euer Baby sein. Vertraut darauf <3

597f60d0981e439f9c1789a4011717b7

Du magst vielleicht auch


Mehr zum Thema





8 comments

  1. Bei mir das gleiche – die ersten 7-8 Wochen eine Katastrophe, und für mein komplettes Umfeld war ich die Böse, die „etwas so einfaches und natürliches“ einfach nicht hinkriegt… Die einzige die mir durch diese Zeit geholfen hat war meine Hebamme, die immer und immer wieder gesagt hat, ich soll nur auf mein Gefühl hören, alles andere um mich herum vergessen und auch akzeptieren, dass Mama und Baby sich erstmal kennenlernen müssen und das eben dauert…

    Später habe ich dann regelrecht mit Links gestillt, sogar im Stehen in der Supermarkt-Schlange 😉 aber am Anfang hätte ich nie gedacht, dass das mal klappt…

  2. Meine Tochter wurdemit knapp 1.700 Gramm 7,5 Wochen zu früh geboren. Ich pumpte ab und sie bekomm alle 4 Stunden die Flasche.
    Mit 2.500 Gramm, nach 3,5 Wochen nahm ich sie mit Heim. 3 Tage haben wir niemand gesehen, nur wir drei uns viel Ruhe.
    Als ich der Stilberaterin später erzählte, ich stille voll,war sie erstaunt, dass habe die noch nie gehört 🤣.
    Ich bin froh dass ich nicht wusste, dass es nicht geht, deshalb hat es für uns wohl geklappt.

  3. So wahr, das Umfeld hat eben einen riesen Einfluss auf alle Neumamas…Es ist so schwer, in dieser sensiblen Phase bei sich zu bleiben und auf den eigenen Instinkt und sein Bauchgefühl zu hören….ich wünsche allen Neumamas viel Kraft und kann aus eigener Erfahrung wirklich sagen, dass das Beste ist,sich viele Ruhephasen und viel Abstand zu gönnen und bei Bedarf eine Stillberaterin hinzuzuziehen, bei der man sich auch wohlfühlt und die einen unterstützt, egal wie der Weg geht/ob oder wie lange man stillen möchte etc. Obwohl ich zu meiner Mutter und meiner Schwiegermutter ein super Verhältnis habe, hat mich einiges doch getroffen oder verletzt, als meine Kinder noch sehr klein waren, vor allem bei Kind Nr 1. Inzwischen halte ich mehr Abstand, lasse mir nicht reinreden, vergleiche viel weniger und trage ein dickeres Fell. Das wünsche ich allen Muttis da draußen! Egal, was ihr macht, Stillen (stille Kind Nr 2 noch sporadisch mit 2,5), Flasche, Pumpmutti (war ich bei kind Nr 1, bin auf viel Unverständnis gestoßen und hatte einen ziemlichen Leidensweg)-ganz egal, lasst euch nicht reinreden, was für euch und euer Kind gut ist, ist richtig.

  4. Hier fehlt etwas Wichtiges, es gibt keinen Stillzwang. Es ist die freie Entscheidung der Mutter, die sich auch gegen stillen fürs Fläschchen entscheidet. Die Mutter Kind Bindung hängt nämlich nicht vom stillen ab. Oder sich Atempausen zu verschaffen und vielleicht nur tagsüber zu stillen und nachts die ( schnellere und länger sättigende) Flasche zu geben. So hab ich es von Anfang an gemacht ( mit Unterstützung meiner tollen Hebammen) und mein Sohn konnte nachts länger durchschlafen und wurde trotzdem 10 Monate gestillt. Trefft eure Entscheidung liebe Mütter und damit ist das Thema für Außenstehende abgeschlossen.

    1. Es geht hier ja auch nicht um stillzwang. Natürlich muss niemand stillen der es nicht möchte, das wird in dem Artikel auch mit keinem Wort gesagt. Sondern es geht darum, dass es den Müttern die stillen möchten viel leichter fällt wenn sie liebevolle unterstützung statt Kritik und oft unpassende Ratschläge haben und sie hören, dass es auch bei anderen anfangs mal schwierig war. Das zeigt ihnen dass sie nicht etwa schlechte Mütter sind die es einfach nicht hinkriegen, sondern dass es schlicht normal ist wenn nicht alles perfekt läuft.

      1. Amy
        Das sage ich ganz bewusst , aus dem Erlebnis heraus wie meine Zimmergenossin von der hausinternen Hebamme plus Schwestern nieder gemacht wurde wegen der Entscheidung sie will nicht stillen. Da hatten die Mütter 3 Zimmer weiter noch etwas davon bei geschlossenen Türen. Da herrscht schon massiver Druck.

        1. Moin,
          was ich bei solchen Geschichten nie verstehen werde, ist, warum so viele denken, dem Kind was Gutes zu tun, wenn man die Mütter schlecht behandelt. Das funktioniert nicht.
          LG

          1. Keine Ahnung, bei der Klinikführung vorher klingt das auch immer ganz anders. Da sagt dir niemand ehrlich das du um jedes Fläschchen betteln musst ( meine Milch kam trotz anlegen erst gut 1 Tag später). Da hast du jedes Mal ein Verhör ob das wirklich so stimmt ( brüllendes Kind liegt neben dir). Für das 2. Kind hab ich dann komplett alles mitgeschleppt ( inklusive Wasserkocher) weil ich dann die Realität kannte. War übrigens eine Frauenklinik in Kassel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.