Vorzeitige Pubertät: Wer hat Erfahrung mit Pubertätsblockern?

Vorzeitige Pubertät

Foto: Pixabay

Mein Name ist Carla, ich brauche euer Wissen zum Thema „Vorzeitige Pubertät“. Meine Tochter kam als Frühchen mit 41 cm zur Welt. Sie hat sich trotz anfänglicher Schwierigkeiten gut entwickelt und ist schnell gewachsen.

Bei der U-Untersuchung mit 4 Jahren war alles in Ordnung, aber der Kinderarzt sagte, dass wir das Wachstum weiter beobachten sollten, weil die Wachstumskurve ungewöhnlich steil sei. Kurz darauf ist er weggezogen und wir mussten zu einer neuen Kinderärztin, die das Thema nicht so ernst genommen hat.

Mit etwa fünfeinhalb Jahren ist meiner Tochter dann auf einer Seite die Brust geschwollen, was aber die Kinderärztin auch nicht weiter schlimm fand. Sie wollte es erstmal beobachten.
Ich habe dann von mir aus beschlossen, einen Termin bei einer Kinder-Endokrinologin zu vereinbaren, auf den wir einige Monate warten mussten. Bis zum Termin war meine Tochter sechs Jahre alt, schon 1,34 cm groß und hatte auf beiden Seiten ein beginnendes Brustwachstum. Ihre Haare mussten zweimal die Woche gewaschen werden, weil sie schnell fettig wurden.

Diagnose: Vorzeitige Pubertät

Die Ärztin äußerte direkt den Verdacht der vorzeitigen Pubertät und damit begann eine Reihe von Untersuchungen. Vorzeitig ist eine Pubertät bei Mädchen dann, wenn die ersten Anzeichen vor dem 9. Lebensjahr eintreten. Eine vorzeitige Pubertät kann schwerwiegende psychische Folgen haben, weil der Kopf noch nicht annähernd so weit ist wie der Körper. Außerdem ist das Körperwachstum bei betroffenen Kindern zuerst stark beschleunigt und hört dann vorzeitig auf, so dass die Kinder kleinwüchsig bleiben. Kinder, die frühzeitig in die Pubertät kommen, kommen später auch vorzeitig in die Menopause, was das Zeitfenster, Kinder zu bekommen, sehr verringert. 

Bei meiner Tochter hat dann einen Bluttest die frühere Hormonausschüttung bestätigt. Außerdem wurde die linke Hand geröntgt, um das Knochenalter zu bestimmen, wir waren in der gynäkologischen Abteilung eines Krankenhauses für Ultraschalluntersuchungen und bei einem MRT des Gehirns. Das alles war notwendig, weil eine mögliche Ursache für die vorzeitige Pubertät (auch Pubertas praecox genannt) in Tumoren an den Eierstöcken oder im Gehirn liegen kann. Diese bösartigen Ursachen wurden zum Glück ausgeschlossen, aber eine andere Ursache nicht gefunden. Diese Wochen, in denen wir auf die verschiedenen Termine und dann wieder auf die verschiedenen Befunde warten mussten, haben mich sehr belastet.

Nun werden wir mit einer Therapie beginnen, bei der meine Tochter alle drei Monate eine Spritze mit Pubertätsblockern bekommt. Das wird so lange gemacht, bis sie vom Alter her weit genug ist, um wirklich in die Pubertät zu kommen. Es ist quasi ein Pausenknopf. Ich bin so froh, dass wir diesen Pausenknopf drücken können, bevor die Periode eingesetzt hat.

Obwohl ich weiß, dass diese Therapie wichtig und richtig ist, aber ich habe wirklich Angst vor den Nebenwirkungen und Langzeitfolgen. Man findet im Internet Aussagen, dass die Therapie die kognitive Entwicklung beeinflussen könnte, zu Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen führt und das Risiko für Osteoporose erhöht. Aber was ich kaum finden kann, sind Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen.

Genau deshalb brauche ich eure Hilfe. Ist hier jemand. der Erfahrung mit so einer Hormontherapie oder Pubertätsblockern oder vorzeitiger Pubertät hat? Vielleicht gibt es jemanden, der das als Kind selbst durchgemacht hat und heute erwachsen ist. Oder gibt es hier jemanden, der diesen Weg mit seinem Kind schon gegangen ist? Ich bin so dankbar für alle Tipps, alle Hinweise und Erfahrungen.

a54fdf0bd8eb46aa88ff48ad2638b01b

Du magst vielleicht auch


3 comments

  1. Hallo Clara,

    Wir sind auch betroffen und wissen seit Mai 2023 davon, seit Aug 2023 sind wir in Behandlung mit Enantone. Unsere Tochter ist im Januar gerade 5 geworden. Hast du Interesse an einem Austausch?

    Alles Gute!

  2. Hallo Carla,

    ja ich hatte das als Kind tatsächlich auch. ich glaube bei mir waren das so ca 6 Jahre Therapie (mit 6 angefangen).

    Ich hatte damals keine Nebenwirkungen und habe keinerlei Nachwirkungen bisher (bin jetzt Anfang 30). Nin übrigens auch exakt so groß, wie beim Handröntgen vorhergesagt.

    Ich habe viele psychische Baustellen, das liegt aber eher im Elternhaus begründet, wobei Hochbegabung + frühzeitige Pubertät sicher erschwerende Faktoren waren.

    Vielleicht hilft dir das etwas?

  3. Liebe Carla,

    ich kam als Kind aufgrund eines Gehirntumors frühzeitig in die Pubertät und habe mehrere Jahre lang im dreimonatigen Takt Pubertätsblocker gespritzt bekommen, genau wie deine Tochter.

    Ich habe während der Dauer der Therapie keinerlei aktive Nebenwirkungen bemerkt. Es ging mir sehr gut, und ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie froh ich darüber war, als sich zum Beispiel meine für mein Alter schon viel zu weit entwickelten Brüste wieder zurückentwickelt haben.
    Das erhöhte Risiko für Ostheoporose kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung bestätigen, ich hatte dann schon im Alter von Anfang 20 leichte Ostheoporose im Bereich der Oberschenkelknochen. Ich merke davon aber bisher nichts und hatte zudem sowieso genetisch bedingt ein erhöhtes Risiko für Ostheoporose.

    Die Behandlung mit den Pubertätsblockern lief bei mir also insgesamt vor allem während der Therapie sehr gut und hat den gewünschten Erfolg erzieht, ohne dass ich in meiner Kindheit und Jugend darunter irgendwie gelitten hätte.

    Allerdings ist bei mir beim Absetzen der Pubertätsblocker eine unerwünschte Nebenwirkung aufgetreten: Durch die Pubertätsblocker wird ja die Produktion von Sexualhormonen durch die Eierstöcke eingeschränkt. Normalerweise sollte diese nach Absetzen der Hormonblocker wieder einsetzen. Das ist bei mir nie passiert. Bis heute (ich bin inzwischen 30) nehme ich alle in dem Bereich notwendigen Hormone künstlich durch tägliche Tabletten. Ich erlebe mich dadurch in meinem Alltag überhaupt nicht als eingeschränkt und habe keine Nebenwirkungen durch die Tabletten. Allerdings werde ich nicht ohne zusätzliche Hormontherapien schwanger werden können.

    Das ist nur meine ganz persönliche Erfahrung damit. So wie ich das verstanden habe, ist diese ungewünschte Wechselwirkung – dass mein Körper die Produktion eigener Sexualhormone durch das Blocken praktisch „verlernt“ hat – sehr selten und war auch sehr unerwartet. Meine Eltern, die logischerweise damals die Entscheidung für mich getroffen haben, haben von der Möglichkeit auch nichts gewusst. Mir tut es nicht leid, dass ich die Pubertätsblocker bekommen habe. Ich hätte zwar sonst heute nicht diese Probleme, ganz sicher aber irgendwelche anderen. Und ich bin mir sicher, dass es mich in meiner Kindheit und Jugend belastet hätte, in der frühzeitigen Pubertät zu sein. Letztendlich kann man sich nicht für eine sowieso unklare Zukunft entscheiden, sondern muss sich für den aktuellen Zustand die beste Vorgehensweise überlegen.

    Ich wünsche dir und deiner Tochter auf jeden Fall alles Gute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert