Warum ich immer noch nicht dazugehören will, wenn von „Landrückkehrern“ die Rede ist…

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Hey Caro,
 
ich hab in der WELT einen netten Text über Landrückkehrer gelesen und muss irgendwie dauernd drüber nachdenken. Vor allem auch, nachdem Kommentatorin Anke unter den letzten Artikel schrieb, dass sie sich mit Deinen Beiträgen eher identifizieren kann, als mit meinen, weil sie eben auch in der Stadt wohnt.
Und dann habe ich mich gefragt, wieso ich bei so etwas immer einen Stich verspüre und ob ich mich mit dem Landleben vielleicht doch noch nicht so hunderprozentig abgefunden habe. Und die Antwort ist wahrscheinlich: Nein. Wohl noch nicht so ganz. Weißt Du was, ich fühle mich immer noch wie eine Stadt-Mama, immerhin war ich 5 Jahre lang Mutter in Berlin und erst ein Jahr lang Mutter auf dem Land, da ist das ja vielleicht gar nicht so verwunderlich. Ich hatte trotzdem unterschätzt, wie lange das Ankommen im neuen Leben dauert. Ich bin nämlich eigentlich ein recht anpassungsfähiger Mensch. Ja, es ist fantastisch hier! Das Haus ein Traum, die Großeltern wunderbar, die Luft super. Und trotzdem ist es ein anderer Rhythmus des Lebens, sind es andere Menschen und andere Gewohnheiten. Und ist nicht Heimat dort, wo man seine Leute um sich hat? Zum Glück habe ich hier einige nette Leute von früher. Tolle Leute. Aber ich vermisse auch die Alten. Ich möchte am liebsten überall gleichzeitig sein.
Eine Freundin, die aus Berlin wegzog schreib mir zum Umzug einmal folgende: „Für die Kinder ist es super hier, Haus mit Garten und Schule um die Ecke…. Wir haben auch langsam nette Freunde gefunden. Die Großstadt fehlt uns immer noch aber das Leben ist viel weniger anstrengend….“
Und eigentlich geht es mir ja auch so.
Nur, im WELT-Artikel steht, dass das Zurückkehren in den Ort der eigenen Kindheit immer nostalgisch aufgeladen ist und dass, wenn man zurückzieht, das Erwachsenenleben dem Ort die Magie rauben kann. Und ich denke da jetzt mal ernsthaft drüber nach, ich bin ja schließlich auch hier aufgewaschen und meine Tochter geht jetzt in den gleichen Klassenraum wie ich damals. Was meinst Du denn? Gibt es unter unseren Lesern auch Leute, die zurückgekehrt sind in die alte Heimat?                                                                 Fotoquelle
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4 comments

  1. Ich bin
    vor einem guten Jahr in meine Heimat zurückgekehrt. Allerdings ohne Kind/Familie. Ich habe einige Jahre in den Niederlanden und danach 7 Jahre in Frankfurt gewohnt und gearbeitet (u. danach noch kurz in Hannover und Hamburg). Für mich stand immer fest, dass ich irgendwann wieder nach Norddeutschland will, aber nicht in die Heimat. Tja, und dann hat man einen Sch***-Job, der einen wirklich runterzieht und bekommt ein Angebot für einen Job in einer Klassefirma. Also hab ich zugegriffen. Bin kurzfristig bei meinen Eltern eingezogen (für 1,5 Monate). Und was soll ich sagen: der Großteil meiner Clique hat seine Basis hier, viele meiner Schulfreunde kehren zurück und das Leben ist wirklich ruhiger, aber ich möchte auch die Erfahrungen nicht missen, die ich in der Großstadt gemacht habe. Und manchmal kann einem die Idylle auch ganz schön aufs Gemüt schlagen…

  2. ich würde …
    manchmal gerne zurück in meine alte Heimat. Bin vor 10 Jahren aus Liebe nach Belgien gezogen, habe mein Leben aufgebaut, einen Freundeskreis, ein Haus, 2 Kinder, meinen Mann … aber trotzdem ist es nicht dass gleiche wie seine vertraute Umgebung, seine ‚alten Bekannte‘ und Freunde, seine LÄden und Erinnerungen von Früher .. aber vielleicht wird das Heimweh gestillt wenn ich daran denke dass ich meiner geliebten Heimat bei einer Rückkehr die Magie rauben würde. Trotzdem macht es manchmal recht traurig.

  3. In jeder…
    … Stadt-Mama steckt auch eine Land-Mama und umgekehrt… Ich bin selbst auf dem Land 35 Kilometer entfernt von München aufgewachsen. Und ganz ehrlich: so gern ich jetzt Stadt-Mama bin, so gern war ich auch Land-Kind. Manchmal denke ich deshalb, dass ich vielleicht ein wenig egoistisch bin. Es wäre so leicht auf dem Land, Tür an Tür mit Omas und Opas. Noch dazu wesentlich günstiger (München ist einfach soo teuer). Mein Kleiner würde in toller Landschaft aufwachsen, in einem Städtchen, wo die Welt noch in Ordnung ist. Muss mein Schatz also mit Auto und Lärm aufwachsen, weil ich so egoistisch bin?
    Ich hoffe sehr, dass ich David hier in der Stadt die richtigen Werte mit auf den Weg geben, ihn auch hier die Vorteile zeigen kann. Mit Urlauben in der Natur und Wochenenden in der Heimat ist das vielleicht ein guter Kompromiss.
    Liebe Lisa, mach weiter so. Es gibt Tage, an denen bin ich wirklich ein wenig neidisch auf Deine Ziegenbilder. Schön, dass es Dich und Caro, und damit diesen tollen Kontrast, von dem dieser Blog lebt, gibt! Danke für Eure Inspirationen!

  4. Wir werden es bald tun und
    Wir werden es bald tun und meine Befürchtung ist nicht, dass ich dort ob meiner idyllischen Kindheit desillusioniert werde, sondern dass ich den ortsüblichen „Strunz“, die Engstirnigkeit,Homophobie und latente Fremdenfeindlichkeit nicht ertrage.Gründe,weswegen ich vor 15 Jahren das beschauliche Kaff verlassen hab.
    Nun locken uns die hundekackfreien Wiesen, der nicht ausgelatschte Wald,der Horizont den man mal wieder sieht und meine Verwandtschaft, die zukünftigen Babysitter.
    Es wird ein Experiment mit offenem Ausgang!