Was wollen wir unseren Kindern mit auf den Weg geben? Welche Werte sind uns wichtig?

Wir leben in unruhigen Zeiten. Seltsame Dinge passieren rund um den Globus, Menschen verhalten sich unmenschlich, es wird gehetzt, zerstört, ausgebeutet. Ja, manchmal wird mir Angst, wenn ich daran denke, in welche Zukunft meine Kinder blicken.

Nun bin ich eigentlich kein pessimistischer Mensch. Ich will an das Gute glauben, versuche Chancen zu sehen und bin fest überzeugt, dass jeder von uns jeden Tag die Möglichkeit hat, durch kleine Schritte dazu beizutragen, dass die Welt nicht vor die Hunde geht.

Kinder erziehen heißt: Die Zukunft mitgestalten. Die Werte, die wir unseren Kinder mit auf den Weg geben, werden in ein paar Jahren die Geschichte bestimmen.

Ich könnte jetzt hochtrabend über all die Dinge sprechen, die ich meinen Kindern vermitteln möchte. Doch in dieser Woche gab es ein Ereignis, das das Ganze gut herunter bricht. Meine Tochter musste gestern in der Schule einen kleinen Vortrag halten. Sie hatte ein Plakat dazu gestaltet, sich Notizen auf Karteikarten geschrieben und fleißig den Text geübt. Sie war aufgeregt, freute sich aber darauf.

Als ich sie nach der Schule abholte, war meine Tochter aber ganz schön geknickt. Was nicht daran lag, dass sie ihren Text während des Vortrags vergessen hätte oder dass die Lehrerin nicht zufrieden gewesen wäre. Im Gegenteil – sie erzählte mir, dass sie nur einmal auf ihre Karteikarten gucken musste und die Lehrerin sie gelobt hätte. Doch ein Junge hätte ihr im Anschluss an den Vortrag mehrmals zugeraunt, dass der Vortrag der blödste und schlechteste Vortrag gewesen sei, den er jemals gehört hätte. Er sei dann lachend mit seinen Kumpels davon gezogen.

Wenn man mich also fragt, was ich für das Wichtigste halte, was wir unseren Kindern mitgeben können: Mach andere nicht klein – um dich selbst größer zu fühlen.

Denn genau darum ging es dem Jungen wohl. Er machte meine Tochter klein, um vor sich und seinen Freunden cool zu wirken. Dieses Verhalten kennen wir von so vielen anderen Mitmenschen, von Politikern, von Vorgesetzten. Und dieses Verhalten ist und bleibt schlicht scheisse.

Ich sage meinen Kindern immer: Ihr müsst nicht jeden mögen und mit jedem gut auskommen. Aber dann lasst die einfach in Ruhe, geht ihnen einfach aus dem Weg. Anderen absichtlich weh zu tun, ihnen Worte an den Kopf zu schleudern, die nur verletzten sollen- all das bringt euch nichts. Es macht euch nicht cooler, schlauer, beliebter oder besser, wenn das auf dem Rücken anderer passiert.

Wie oft habe ich mit bekommen, dass Chefs Praktikanten auflaufen lassen, um ihre Macht zu demonstrieren und dann später mit ihrem Verhalten rumzuprahlen. Wie oft habe ich schon gehört, dass Mütter andere Mütter niedermachen, damit sie sich selbst besser fühlen. Wie oft hören wir, dass Politiker Menschengruppen schlecht reden, um in besserem Licht da zu stehen. All das bringt nicht. Keinen inneren Frieden, sowieso keinen äußeren. Kein Verständnis, kein Miteinander.

Wir können die Weltgeschichte nicht umschreiben, aber wir können in unserem kleinen Kosmus – unserer Familie – darauf achten, dass unsere Kinder zu Menschen werden, die Hände reichen, sie versöhnlich miteinander umgehen, tolerant und liebevoll sind. Was für eine Aufgabe und was für ein Gewinn, wenn uns das jeden Tag ein bisschen gelingt.

Foto: Cindy und Kay Fotografie

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1 Kommentar

  1. Dem muss ich so sehr zustimmen. Mir dreht sich regelmäßig der Magen um, wenn ich das mitbekomme, dass eine Person aufläuft, nur weil eine andere ihre Macht demonstrieren möchte. Wir haben immer wieder Azubis im Team, fast immer junge motivierte aber noch ein wenig unsichere Menschen. Letztens wurde ich Zeuge, wie gleich zwei meiner Kollegen den einen haben auflaufen lassen. Ich habe diese Kollegen einzeln zur Rede gestellt und ihnen fast wortgleich den Text von oben gesagt, sowie, dass ich menschlich sehr enttäuscht bin. Dabei wurde klar, dass es im Team sogar eine Ausbilderin gibt, die das seit Jahren systematisch mit unseren Azubis macht (ich bin keine Ausbilderin), sie hat nun ihre Befähigung zur Ausbilderin verloren und wurde in ein anderes Team versetzt. Unsere Azubis blühen jetzt regelrecht auf und alle Kollegen pflegen einen respektvollen Umgang mit ihnen. Was ich sagen möchte: es lohnt sich auch etablierte Machtstrukturen aufzudecken und beim Namen zu nennen! Keiner hat das Recht sich auf dem Rücken anderer größer zu machen! Auch meinen Kindern gebe ich das immer mit und zum Glück duldet unsere Schule solche Machtspiele erst gar nicht und greift schon bei ersten Anzeichen ein, denn da gilt: wehret den Anfängen!

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