Wie werden wir uns an 2020 erinnern?

Hallo, ich bin Anni. Mein Mann und ich leben mit unseren 4 Kindern in der Schweiz in einem kleinen Dorf. Wir sagen immer, es gäbe bei unseren Kindern reichlich «Bonusmaterial», denn 13 Monate nach unserem ersten Sohn (*2013) kam schon unser zweiter Sohn (*2014). Ja, und eigentlich wünschten wir uns noch ein drittes Kind und tadadah, so kamen 2015 unsere Zwillingsmädchen auf die Welt. Wir waren also in kürzester Zeit reich beschenkt an süssen Babies, Unmengen von Windeln und Milchflaschen, unfassbar wenig Schlaf und der Erkenntnis, dass Ohrenstöpsel in gewissen Rushhours am Abend durchaus Sinn machen, wenn man sich die eigene Gesundheit etwas erhalten möchte.

Das Leben am Limit hielt 3 Jahre an, denn in der Schweiz gibt es wenig bezahlbare Angebote der Kinderbetreuung, die Grosseltern waren weit weg und der reguläre Kindergarten beginnt erst mit 4-5 Jahren. 

Ende 2019 begann ich wieder Teilzeit zu arbeiten und es sah so aus, als würden wir langsam wieder einen Rhythmus erreichen, der einem einigermassen ausbalancierten Alltag glich. Die berühmten ca. 100 Infekte pro Kind bis zum Erreichen eines guten Immunsystems schienen endlich durch, die Kinder recht selbständig und einigermassen froh in Schule und Kindergarten. Und dann kam der Lockdown. 

Und die ersten Wochen der Gedanken-Karussellfahrten, der Versuch sich durch Zeitungen, Nachrichten und Telefonate ein Bild zu machen. Die Entscheidung vor der Grenzschliessung nochmals die Grosseltern zu besuchen oder eben nicht.

Wo sind die Chancen in dieser Pandemie?

In diesen ersten Tagen habe ich für mich, unsere Kinder und Freunde die Geschichte «Vinz und das Jahr der Affen – Was man so macht, wenn die Welt auf dem Kopf steht» geschrieben. Meine Freundin aus der Schulzeit, die mittlerweile selbständige Creativ Direktorin ist, war auch sofort begeistert. Wir kanalisierten also erstmal alles in dieses Projekt- und hatten eine Riesen Freude daran. Ich merkte, dass bei mir Unsicherheit ein enormer Antrieb ist, um die Ecke zu denken.

Ich sehe tatsächlich mehr Chancen als Mauern und bin meiner Familie unendlich dankbar, dass ich durch unser buntes Zusammenleben in den letzten 7 Jahren offensichtlich genau diese Fähigkeit perfektionieren durfte. Die Kunst der Improvisation, das Entscheiden auf Basis einer unvollständigen Wissensgrundlage, das Schaffen von neuen Formaten. 

Mein grosses Ziel war es für 2020 für uns und die Kinder besonders gute Erinnerungen zu schaffen. Wir hatten die Chance unsere eigene Version des Jahres zu gestalten, in dem wir den Schwerpunkt neu setzten. Den Ausschlag dazu gab ein Ereignis, dass sich schon viel früher abgespielt hatte. Meine Kühltruhe hatte, randvoll, einfach so den Geist aufgegeben. Abends natürlich, im April, als es schon nicht mehr kalt war. Ich huschte also panisch wie ein Eichhörnchen von einem Nachbarn zum anderen, um wenigstens die grössten Kostbarkeiten «durchzubringen». Es blieben reichlich Eis, Fritten, gefrorene Früchte u.ä. auf der Strecke. Bis heute zählt dieses Ereignis zu den Lieblingserinnerungen meiner Kinder, genannt Kühltruhen Party. Was für mich eine grosse Sauerei, teuer und nervig war, ist für sie: Wisst ihr noch, als wir einen Abend lang nur Eis und Fritten essen durften?

Ich will nicht nur das Negative sehen

Was bedeutet das für 2020 und 2021? Man könnte sich also nur daran erinnern, dass mein Mann und ich kaum mehr schliefen, da wir nachts arbeiteten, dass Haus in Dreck und Chaos versank und es ja noch so etwas Lustiges wie Homeschooling gab. Und Tränen darüber, was alles nicht ging und die Angst.

Stattdessen führten wir einen Haufen neue Formate ein- wie Garagen Disco, Frühstück zum Abendessen, Affen jagen und … wir starteten ein grosses Projekt.

Denn im Kindergarten wäre geplant gewesen, Hühnereier auszubrüten und so übernahmen wir kurzerhand diese Aufgabe zu Hause. 21 Tage erscheinen wirklich unendlich lang, ja, ich bin kaum geduldiger als meine Kinder. Es wurde nicht aus allen Eiern etwas und die ersten Wochen lebten die kleinen Küken bei uns im Keller, der dementsprechend aussah. Aber der Sommer, in dem wir sie aufziehen durften, bevor unser 3 Hähne einen tollen Platz auf einem Biobauernhof fanden (ja, das war von Anfang an so geplant, da die Geduld unserer Nachbarn nicht überstrapaziert werden sollte) ist für alle einfach unvergesslich. 

Wir könnten uns also nur an den Streit, die Überforderung, meinen Jobverlust und Krankheit erinnern. Oder aber an das Spazieren rennen am Morgen, die Erkenntnis, dass Schlafanzüge und Badehosen durchaus auch als normale Kleidung durchgehen. 

Wir könnten uns an die Menschen erinnern, die wir nun ewig nicht mehr gesehen haben oder stattdessen an die tolle Idee meiner Freundin Melanie, im grossen Kreis am Samstagabend «Vorlese-Zoom» mit mehreren Familien zu machen. Wir sind jedes Mal sehr aufgeregt, es gibt einen Grund aufzuräumen und man bekommt mindestens 6 Geschichten vorgelesen, statt nur eine von den eigenen müden Eltern. 

Die kleine Frage: Was brauchst du gerade? hat sich dabei als extrem hilfreich erwiesen, für uns Eltern und auch für die Kinder. Die Antwort lautet meist nicht ein Glitzer Pony oder einen Flug in die Karibik, sondern sie ist sehr viel einfacher: Durchatmen, eine kurze Auszeit, etwas zu essen oder einfach eine Umarmung. Meine Kinder wissen jetzt ziemlich genau, ob sie gerade von einem kleinen Affen gebissen wurden, oder wirklich ein Problem haben, bei dem sie Hilfe brauchen. 

Wir müssen die Komfortzone verlassen

Ich selbst könnte also irre traurig sein, dass ich seit Monaten einen Job suche und dabei wirklich viele Absagen bekommen habe. Aber ehrlich gesagt, denke ich aber viel mehr darüber nach, was ich mich alles getraut habe. Wo ich meine Komfortzone verlassen und entschieden habe, es neu und anders zu versuchen und dabei umzudenken. Ja, schön ist es wirklich nicht immer. Aber ich selbst setze die Akzente meiner Erinnerung. 

Deshalb ist mein Kinderbuch nun im Selfpublishing erschienen. Es ist sehr aufregend, denn ich habe eine riesen Freude daran, es Euch nun hier vorzustellen. Wenn Ihr auch gerne die Perspektive auf den Alltag wechseln möchtet, wenn Ihr mit Euren Kindern ins Gespräch kommen möchtet, darüber woran sie sich erinnern oder, wenn Ihr einfach mal ein bisschen lachen wollt. Trotz allem – vor allem aber, mit Vinz und seiner Familie. 

Da ich klein anfange, ist das Buch derzeit noch nicht auf Lager, aber es ist bestellbar und BoD Publishing tut sein Bestes. Falls der Versand also etwas dauern sollte, bitte ich Euch um Geduld! Ich freue mich, wenn viele von Euch bestellen! Alles Gute für Euch, Eure Anna

Hier klicken für eine Leseprobe zum Buch

Mehr über die Autorin Anna findet Ihr hier: https://www.annibaboum.com

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4 comments

  1. Wir haben die Bücher jetzt bekommen. Ich finde die Idee der Geschichte weiterhin toll, muss aber sagen, dass für meine 4,5 Jahre alte Tochter das Konzept des Affen doch schwerer zu verstehen war, als ich dachte. Für sie war doch oft das reale Tier im Kopf. Auch der Transfer zu ihren Corona-Erfahrungen war dadurch nicht wirklich gut möglich. Dies ist jetzt natürlich nur unserer Erfahrung, aber darauf basierend möchte ich die Anregung geben, dass eine Altersempfehlung oder ähnliches für Kinder sinnvoll im Artikel wäre. LG und alles Gute weiterhin!

    1. Liebe Berit:

      Erst einmal vielen herzlichen Dank für Deine Kommentare, Deine Unterstützung und Deine Rückmeldung.
      Die Altersempfehlung ist tatsächlich mit 4-8 Jahren angegeben und sollte wohl noch klarer erwähnt werden. Zusätzlich habe ich auch die Einleitung für Eltern angefügt, damit diese eine kleine Hilfestellung geben können.Ja, das Thema ist wirklich komplex und ich hoffe Ihr könnt das Buch als Erinnerung an diese Zeit später noch einmal zur Hand nehmen. Herzlich, Anni

  2. Ich finde die Idee klasse und habe es soeben gleich 2x bestellt, um es auch nochmal verschenken zu können.
    Viel Erfolg Dir weiterhin und alles Gute :-)!!!

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