Druck von außen: Du bist Deines Glückes Schmied. Von wegen!

glue - Druck von außen: Du bist Deines Glückes Schmied. Von wegen! -

Ihr Lieben, heute morgen, als ich gedankenverloren beim ersten Kaffee ein wenig in Facebook herumscrollte, da kamen sie mir wieder entgegen, diese Sprüche. „Du musst nur wollen, dann schaffst du es auch“ oder „Glücklich oder unglücklich – es ist Deine Entscheidung“, „Du kannst glücklich sein, Du musst es nur wollen“. Nee!

Find ich nicht. Regt mich sogar auf. Macht mich wütend. Weil es Druck aufbaut. Weil es sagt: Selbst schuld, wenn es Dir mies geht. Das ist man aber eben NICHT immer selbst schuld.

Wir haben heute vor einem Jahr einen guten Freund für immer verabschiedet. Das war nicht unsere Entscheidung. Das ist passiert und es war eine Tragödie.  Und wir haben es uns nicht ausgesucht.

„Du kannst glücklich sein, Du musst es nur wollen“. Von wegen. In solchen Momenten ist niemand glücklich und das ist auch richtig so. Schmerz und Trauer gehören nun einmal zum Leben dazu.

Neulich hatte ich eine lustige Vorstellung zusammen mit meiner Tochter. Wir überlegten, wie es wäre, wenn jeder Mensch eine Sprechblase über dem Kopf hätte, in der steht, was er gerade denkt.

„Ihh, der hat Mundgeruch“ stünde darin oder „Die redet ja viel zu laut.“ Und meine Tochter sagte, dass es dann bestimmt Krieg gäbe, wenn alle solche Gedanken sehen könnten. Und das wäre aber wahrscheinlich gerade nicht so.

Denn ja, wenn jemand durch die Welt ginge und Menschen Dinge wie Mundgeruch oder Zu-Laut-Reden an den Kopf werfen würde, würde man ihn für einen fiesen Idioten halten. Wenn er es aber lediglich DENKEN würde, also keine Intention des Verletzens dahinter steckte, sondern lediglich eine nüchterne Erkenntnis, dann würde sich das Gegenüber vermutlich nicht angegriffen fühlen, sondern darüber nachdenken, dass das stimmen könnte, was die Person denkt – denn niemand denkt ja aus fieser Absicht – und sich ein Kaugummi in den Mund stecken oder eben etwas leiser reden. Von daher hat folgender Spruch dann doch in irgendeiner Weise seine Daseinsberechtigung:

„Unglücklichsein entsteht nicht durch das, was Ihnen widerfährt, sondern dadurch, wie Sie das beurteilen und interpretieren, was Ihnen widerfährt.“

Im gleichen Text steht dann aber leider auch, dass wir selbst die Drehbuchautoren unseres Lebens sind und es ändern und umschreiben sollten, wenn es uns nicht gefällt.

Und da ist dann die Wut wieder. Denn jemand, der jemanden verloren hat, durch Tod oder Trennung oder andere Umstände, der wird sich niemals in diesem Satz wiederfinden. Also ich zumindest nicht.

Man kann sein Glück sicherlich in bestimmten Fällen in die Hand nehmen. Rausgehen, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt, Schokolode essen, wenn man Kummer hat, was auch immer, aber ob mir jetzt der Traummann über den Weg läuft oder ich einen Schicksalsschlag erleben muss, das Drehbuch haben wir nun einmal nicht in der Hand.

Kam mir nur grad.

Kann man in gewisser Weise ja auch auf unser Leben mit Kindern anwenden. Ich hätte mir jetzt vermutlich nicht so heftige Nächte ins Drehbuch geschrieben, wie wir sie mit den Zwillingen erlebt haben, nicht so viele Krankenhausaufenthalte, die Trotzphase hätte ich vermutlich auch etwas abgeschwächt. Aber klar, den Umgang mit solchen Phasen, den haben schon wir in der Hand. Und so werden sie besser oder schlechter auszuhalten.

Ich könnte jetzt auch den ganzen Tag heulen und mir Sorgen machen, weil meine Tochter zum ersten Mal auf Klassenfahrt ist. Stattdessen grinse ich in mich hinein und freue mich für sie, dass sie sich so gefreut hat und bin sicher, dass sie einen Mordsspaß hat.

Die Sicht der Dinge ist schon wichtig und entscheidend fürs Wohlbefinden. Aber wir können eben trotzdem nicht alles steuern. Mein Wort zum Donnerstag!

P.S. Achso, heute bin ich übrigens superglücklich. Weil die Sonne scheint. Auch das hab ich nicht in der Hand… 😉

(Foto gefunden auf der Facebookseite von Alexandra Widmer, die es von der Seite „Karrierebibel“ geteilt hat)

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12 Kommentare

  1. endlich
    Endlich mal jemand, der es auf den Punkt bringt. Sehe ich auch so. Ich kann nicht immer für alles verantwortlich sein!!! Da werd ich ja wahnsinnig. Genau diesen Druck spüre ich auch, wenn ich solche Sprüche sehe. Ich hab für mich rausgefunden, wenn ich immer nur die Schuld bei mir selber suche, werde ich wahnsinnig und total wütend macht krank. Wenn andere mir Steine an Kopf werfen, dann bin ich NICHT schuld sondern der andere!!!!!!!!!!!!!!!

  2. endlich
    Endlich mal jemand, der es auf den Punkt bringt. Sehe ich auch so. Ich kann nicht immer für alles verantwortlich sein!!! Da werd ich ja wahnsinnig. Genau diesen Druck spüre ich auch, wenn ich solche Sprüche sehe. Ich hab für mich rausgefunden, wenn ich immer nur die Schuld bei mir selber suche, werde ich wahnsinnig und total wütend macht krank. Wenn andere mir Steine an Kopf werfen, dann bin ich NICHT schuld sondern der andere!!!!!!!!!!!!!!!

  3. Seitdem ich die Produkte von
    Seitdem ich die Produkte von TetroBreath nutze ( http://www.tetrobreath-shop.de), ist mein Mundgeruch wie verflogen. Die Produkte weisen einen erhöhten Sauerstoffgehalt auf und wirken so den Bakterien entgegen. Ich bin begeistert und kann es Leidensgenossen nur weiterempfehlen!

  4. Seitdem ich die Produkte von
    Seitdem ich die Produkte von TetroBreath nutze ( http://www.tetrobreath-shop.de), ist mein Mundgeruch wie verflogen. Die Produkte weisen einen erhöhten Sauerstoffgehalt auf und wirken so den Bakterien entgegen. Ich bin begeistert und kann es Leidensgenossen nur weiterempfehlen!

  5. Die Haltung ist mir unverständlich
    Ich bin erschrocken über diesen Artikel. Wie kann man diese Sprüche so wörtlich nehmen und hineininterpretieren, dass man nicht trauern sollte, wenn etwas schreckliches passiert? Das ist doch Unsinn! Ich habe auch bisher die verschiedensten Stimmungslagen durchlebt, wie wir alle im Erwachsenwerden und im Leben.

    Bei den zitierten Sprüchen geht es um die grundsätzliche Lebenshaltung. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sehr wohl eine Entscheidung ist, mit welcher Haltung man lebt. Früher habe ich mir über alles Sorgen gemacht, schlimme Nachrichten in Fernsehen oder wenn es einer Freundin schlecht ging, dann habe ich mitgelitten und mir selbst auch nicht erlaubt, dass es mir gut geht. Hat das den Menschen aus den Nachrichten oder meiner Freundin geholfen? – natürlich nicht. Irgendwann habe ich das erkannt und versucht, es anders zu machen. Das fiel mir zu Beginn bei Weitem nicht leicht, das dürft ihr mir glauben. Ich dachte zuerst, ich müsste ein schlechtes Gewissen haben. Aber es funktionierte und tut es bis heute. Ich bin für jedem da, wenn es ihm schlecht geht, höre zu, baue auf, aber wenn ich die Situation verlasse, verlasse ich sie auch emotional und sage mir bewusst, es wird dieser Person nicht helfen, wenn ich bedrückt bin. Natürlich gibt es Ergeinisse, die einem länger nachgehen und wenn mir selbst etwas unschönes passiert, kann ich das auch nicht immer gleich weglächeln, aber hey, dafür sind wir Menschen!

    Wer jedoch grundsätzlich meint, er hat ein Recht auf miese Laune gepachtet, weil ja andere „daran Schuld“ sind oder das üble Schicksal – bitteschön, das ist Entscheidung jedes einzelen!

  6. Die Haltung ist mir unverständlich
    Ich bin erschrocken über diesen Artikel. Wie kann man diese Sprüche so wörtlich nehmen und hineininterpretieren, dass man nicht trauern sollte, wenn etwas schreckliches passiert? Das ist doch Unsinn! Ich habe auch bisher die verschiedensten Stimmungslagen durchlebt, wie wir alle im Erwachsenwerden und im Leben.

    Bei den zitierten Sprüchen geht es um die grundsätzliche Lebenshaltung. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sehr wohl eine Entscheidung ist, mit welcher Haltung man lebt. Früher habe ich mir über alles Sorgen gemacht, schlimme Nachrichten in Fernsehen oder wenn es einer Freundin schlecht ging, dann habe ich mitgelitten und mir selbst auch nicht erlaubt, dass es mir gut geht. Hat das den Menschen aus den Nachrichten oder meiner Freundin geholfen? – natürlich nicht. Irgendwann habe ich das erkannt und versucht, es anders zu machen. Das fiel mir zu Beginn bei Weitem nicht leicht, das dürft ihr mir glauben. Ich dachte zuerst, ich müsste ein schlechtes Gewissen haben. Aber es funktionierte und tut es bis heute. Ich bin für jedem da, wenn es ihm schlecht geht, höre zu, baue auf, aber wenn ich die Situation verlasse, verlasse ich sie auch emotional und sage mir bewusst, es wird dieser Person nicht helfen, wenn ich bedrückt bin. Natürlich gibt es Ergeinisse, die einem länger nachgehen und wenn mir selbst etwas unschönes passiert, kann ich das auch nicht immer gleich weglächeln, aber hey, dafür sind wir Menschen!

    Wer jedoch grundsätzlich meint, er hat ein Recht auf miese Laune gepachtet, weil ja andere „daran Schuld“ sind oder das üble Schicksal – bitteschön, das ist Entscheidung jedes einzelen!

  7. Stimmt, ABER… 😉
    Ja, das sehe ich teilweise ähnlich. Aber ich finde die Menschen, die sich ständig von Umständen die man nicht ändern kann einschränken lassen oder ihr Leben dadurch unglücklich machen lassen, noch viel schlimmer. Jeder Mensch hat Lebensumstände die er nicht ändern kann. Positives Denken beginnt dann, damit umzugehen. Das heißt nicht dass plötzlich alles toll ist, aber auch nicht dass nun alles vorbei ist. Der Tod oder die schwere Krankheit eines Menschen ist tragisch und unendlich traurig, ich wünsche es niemanden, aber das ist wohl die extremste Situation die ich mir vorstellen kann. Manche Menschen finden täglich mehrfach Gründe aus dem Umfeld irgendetwas nicht zu tun… „Ich wollte ja Rad fahren ABER es war kalt. Ich möchte ja frisch kochen, habe ABER keine Zeit. Ich wollte ja ein gemütliches Wochenende machen ABER dann kam dieses oder jenes dazwischen.“ Sie gestehen sich dabei nicht ein dass sie sowieso keine Lust auf Radfahren oder Kochen haben. Und am Ende haben sie ihr Leben gar nicht genossen sondern nur auf Umstände reagiert die sie eigentlich nicht wollten. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind muss man nicht ständig Gründe finden warum manches eben nicht funktioniert. Und sich gerade deswegen richtig darüber freuen können dass die Sonne scheint. 😉

  8. Stimmt, ABER… 😉
    Ja, das sehe ich teilweise ähnlich. Aber ich finde die Menschen, die sich ständig von Umständen die man nicht ändern kann einschränken lassen oder ihr Leben dadurch unglücklich machen lassen, noch viel schlimmer. Jeder Mensch hat Lebensumstände die er nicht ändern kann. Positives Denken beginnt dann, damit umzugehen. Das heißt nicht dass plötzlich alles toll ist, aber auch nicht dass nun alles vorbei ist. Der Tod oder die schwere Krankheit eines Menschen ist tragisch und unendlich traurig, ich wünsche es niemanden, aber das ist wohl die extremste Situation die ich mir vorstellen kann. Manche Menschen finden täglich mehrfach Gründe aus dem Umfeld irgendetwas nicht zu tun… „Ich wollte ja Rad fahren ABER es war kalt. Ich möchte ja frisch kochen, habe ABER keine Zeit. Ich wollte ja ein gemütliches Wochenende machen ABER dann kam dieses oder jenes dazwischen.“ Sie gestehen sich dabei nicht ein dass sie sowieso keine Lust auf Radfahren oder Kochen haben. Und am Ende haben sie ihr Leben gar nicht genossen sondern nur auf Umstände reagiert die sie eigentlich nicht wollten. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind muss man nicht ständig Gründe finden warum manches eben nicht funktioniert. Und sich gerade deswegen richtig darüber freuen können dass die Sonne scheint. 😉

  9. danke!!
    Liebe Lisa, danke für diesen Beitrag. Mich nervt es auch zunehmend an, wenn ich solche „du musst es nur wollen“, „wenn du hart genug arbeitest, dann erreicht du auch was“-Sprüche lese. Klar, man muss sich anstrengen und auch selbst motivieren können, aber dieses happyhappy-Geplapper kreist ja nur um pseudoanstrengende Perfektion. Menschen widerfahren Unglücke, sie werden nicht alle ebenbürtig belohnt oder haben das gleiche Glück. Dies wollen die Sprücheklopfer (“ Everything happens for a reason“) nicht wahrhaben, siehe hierzu auch den Just World-Bias.
    Deshalb danke für deinen feinen Beitrag, Lisa!

  10. danke!!
    Liebe Lisa, danke für diesen Beitrag. Mich nervt es auch zunehmend an, wenn ich solche „du musst es nur wollen“, „wenn du hart genug arbeitest, dann erreicht du auch was“-Sprüche lese. Klar, man muss sich anstrengen und auch selbst motivieren können, aber dieses happyhappy-Geplapper kreist ja nur um pseudoanstrengende Perfektion. Menschen widerfahren Unglücke, sie werden nicht alle ebenbürtig belohnt oder haben das gleiche Glück. Dies wollen die Sprücheklopfer (“ Everything happens for a reason“) nicht wahrhaben, siehe hierzu auch den Just World-Bias.
    Deshalb danke für deinen feinen Beitrag, Lisa!

  11. Danke! Schön, auch mal zu
    Danke! Schön, auch mal zu hören, dass ich nicht immer alles in der Hand habe. Es gibt Dinge, die kann ich nicht ändern und das ist auch eine Entlastung. Wie schlimm, wenn ich immer für alles die Verantwortung trage und es immer mein Fehler ist, wenn mal was schief geht.

  12. Danke! Schön, auch mal zu
    Danke! Schön, auch mal zu hören, dass ich nicht immer alles in der Hand habe. Es gibt Dinge, die kann ich nicht ändern und das ist auch eine Entlastung. Wie schlimm, wenn ich immer für alles die Verantwortung trage und es immer mein Fehler ist, wenn mal was schief geht.