Ein Trostversuch für dich, Lisa: You will dance again!

Liebe Lisa, letztes Jahr um diese Zeit habe ich dir ein Armband geschickt. Es hatte einen kleinen Anhänger, auf dem eingraviert stand „You will dance again.“

Anlass war der heutige Tag. Anstatt mit deinen Freundinnen Arm in Arm singend und tanzend durch Köln zu ziehen, wie du es schon dein ganzes Leben lang tust, warst du zu Hause, frustriert und erschöpft. Wir hatten alle damals schon ein Dreiviertel Jahr Corona in den Knochen und es war uns klar, dass der Winter hart werden würde (einen Monat später wurde dann auch der zweite Lockdown verkündet…)

Wir kennen uns nun schon viele Jahre und all die Zeit habe ich nie verstanden, was Karneval für dich bedeutet (auch wenn du hier versucht hast, es mir zu erklären). Ich finde Karneval nämlich grässlich. Diese Kostüme, diese Musik, diese Fröhlichkeit, die man dann auch genau an dem Tag fühlen muss. Ich habe es wirklich versucht, zu verstehen. Habe mir im Fernsehen diese Karnevalssitzungen angeschaut, war sogar mal in Berlin auf einer Karnevalsparty – und habe mich die ganze Zeit nur fremdgeschämt…

All die Jahre, in denen wir nun schon als Team arbeiten, warst du nur wenige Tage im Jahr nicht erreichbar. Selbst im Urlaub schreiben wir uns regelmäßig, tauschen uns kurz aus, warum dieser oder jener Blogbeitrag besonders gut gelesen wird oder eben nicht. Anders in der Karneval-Zeit. Nie im Leben würde ich dich an Weiberfastnacht um deine Meinung zu einem Text bitten. In diesen Tagen ist unsere Standleitung ausnahmsweise unterbrochen – bis auf die Partyfotos, die du mir zu nächtlichen Uhrzeiten schickst…

Karneval – die wichtige Zeit des Jahres für dich

Der 11.11. und später die Karnevalstage im Februar sind so wichtige Tage für dich. Du ziehst mehr Kraft aus ihnen, als dir je ein Wellness-Urlaub geben könnte. Ich glaube, das liegt daran, weil du dort geballt all das tun kannst, was zu liebst: Singen, tanzen, Freunde treffen, lachen, gesellig sein.

Und das ist auch der Grund, warum es dich wirklich umgehauen hat, dass Karneval letztes Jahr nicht stattfinden konnte. Weil Corona uns eben genau das genommen hat: Die Geselligkeit, die Treffen mit den Freunden, das Lachen, die Unbeschwertheit.

Ja, letztes Jahr konnte ich zum allerersten Mal verstehen, um was es dir geht. Genau deshalb habe ich dir das Armband mit diesem Satz geschenkt. Du hast damals gesagt: „Ich trau mich gar nicht, mich aufs nächste Jahr zu freuen.“ Ich war der festen Überzeugung, dass 2021 alles anders sein würde. Dass du wieder singend und tanzend durch Köln ziehen kannst.

Nun ist auch 2021 nichts wie immer. Vorgestern hast du mir erzählt, dass ihr aufgrund der Inzidenzlage im Freundeskreis beschlossen habt, nicht feiern zu gehen. Einige von euch haben gerade Corona-Fälle in der Familie, der Rest befürchtet, das Virus von einem fröhlichen Abend heim zu den (älteren) Eltern oder den (noch nicht geimpften) Kindern zu bringen. Eine Vernunftsentscheidung also – und zwar eine, die weh tut.

Du hast geheult, als du es mir gesagt hast. Und ich konnte dich zum zweiten Mal so gut verstehen, warum du um diesen Tag trauerst. Weil er eben mehr ist. Weil er ein Wiedersehen mit Freunden bedeutet hätte, Unbeschwertheit (vor allem das!), Spaß, Lebensfreude. Und weil es eben mal wieder auf die Liste der Dinge wandert, die Corona uns versaut hat.

Es tut mir wirklich sehr leid, Lisa. Ich kann dich nur trösten und dir versprechen: Es kommen wieder andere Zeiten. Es wird wieder leichter, wieder mehr Unbeschwertheit. Wirklich! You will dance again. Vielleicht komm ich ja dann mit, was denkst du….

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2 comments

  1. Liebe Katharina,

    danke für diesen schönen Brief an Lisa! Ich hab Tränen in den Augen beim Lesen, weil ich auch so vieles schmerzlich vermisse für mich selbst und meine Kinder.
    Aber wir werden wieder Karneval feiern und unbeschwert schunkeln! Und dann musst du, liebe Katharina, mal mit Lisa feiern gehen, weil deine geschilderten Karnevalserfahrungen mich bestimmt auch nicht überzeugt hätten.
    Alles Liebe für euch und Alaaf im Herzen
    Maria

  2. Liebe Katharina,
    Daaaanke auch von mir für diesen tollen, ehrlichen und aufrichtigen Artikel.
    Ich wohne seit 12 Jahren in Köln und schunkel heute auch ’nur‘ im Herzen mit …..bzw freue mich,dass die Pänz wenigstens Karneval in der Kita feiern können :-).

    „warum du um diesen Tag trauerst. Weil er eben mehr ist. Weil er ein Wiedersehen mit Freunden bedeutet hätte, Unbeschwertheit (vor allem das!), Spaß, Lebensfreude“
    Welch treffende Worte.
    Es ist genau dieses besondere Gefühl von Karneval, das jetzt gerade nicht recht aufkommen kann.

    Herzlichen Dank für deinen Text.
    Und dreimol vun Hätze
    Kölle Alaaf !

    Bleibt gesund und gut gestimmt .

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